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1.1.7 Zahlungsbilanz /Handelsbilanz

Wir haben bereits erwähnt, dass bei Wealth of Nations eigentlich schon alle Themen auftauchen, die auch heute noch Gegenstand der Volkswirtschaftslehre sind. Im vierten Buch behandelt er die offene Wirtschaft, also eine Wirtschaft, die mit anderen Ländern wirtschaftlich interagiert. Interessant ist hierbei schon der erste Satz, siehe auch Präliminarien.

POLITICAL ECONOMY, considered as a branch of the science of a statesman or legislator, proposes two distinct objects; first, to provide a plentiful revenue or subsistence for the people, or, more properly, to enable them to provide such a revenue or subsistence for themselves; and, secondly, to supply the state or commonwealth with a revenue sufficient for the public services. It proposes to enrich both the people and the sovereign. Die Politische Ökonomie, verstanden als ein Fachgebiet, das sich an den Staatsmann und den Gesetzgeber wendet, verfolgt zwei unterschiedliche Ziele; sie soll erstens der Bevölkerung ein möglichst großes Einkommen und eine Existenzgrundlage liefern, oder, genauer gesagt, sie in die Lage versetzen, ein solch möglichst großes Einkommen und eine Existenzgrundlage zu erwirtschaften und, zweitens, dem Staat oder der Gemeinschaft ein für die öffentlichen Aufgaben ausreichend großes Einkommen sichern. Ihr Ziel ist es, sowohl das Volk wie auch den Souverän zu bereichern.

Ziel des Werkes von Adam Smith ist es also, die Exekutive und die Legislative zu beraten, so dass diese eine Wirtschaftsordnung durchsetzen, die zu maximal möglichem Wohlstand führt.

Den einzigen Hebel, den er also sieht, ist das Wort, siehe auch Präliminarien. Die Staatslenker und der Gesetzgeber sollen also seine Werke lesen und von diesen inspiriert, das Richtige tun.

Das ist aber nun der schwächste aller denkbaren Hebel. Selbst wenn man die Ansicht von Adam Smith teilt, wofür es ja gute Gründe gibt, auch wenn wir später, bei Keynes, das alles relativieren werden, dass die marktwirtschaftliche Ordnung am ehesten geeignet ist, alle Produktivkräfte zu mobilisieren und den Wohlstand zu maximieren, so bedeutet das noch lange nicht, dass alle Interessensgruppen durch dieses System den maximalen Wohlstand erreichen.

Fraglich ist insbesondere, ob die marktwirtschaftliche Ordnung dem Souverän, "...It proposes to enrich both the people and the sovereign...", ein möglichst großes Einkommen garantiert. Auch die Leistung des Souveräns wäre in der marktwirtschaftlichen Ordnung ein Einkommen, dass auf einer Marktleistung beruht.

Die Veröffentlichung von Wealth of Nations fällt in die Regierungszeit von Georg III (1738 - 1820). Unabhängig davon, dass dieser bestrebt war, die Rechte des Parlaments einzuschränken, war dieses Parlament selbst nicht demokratisch legitimiert, zumindest nicht in dem Sinne, wie man demokratisch normalerweise definiert, denn das Wahlrecht galt nur für Männer und war obendrein abhängig vom Einkommen.

Noch 1911 waren, in England, nur 51 Prozent der Männer wahlberechtigt. Wir können also, ohne dies näher zu überprüfen davon ausgehen, dass es nicht Einsicht oder bewusste Steuerung war, was der marktwirtschaftlichen Ordnung zum Erfolg verhalf, zumindest im damaligen England, sondern die schlichten Machtverhältnisse. Die marktwirtschaftliche Ordnung hat sich durchgesetzt, weil sie wirtschaftlich erfolgreich, insbesondere mit den Interessen der Kaufleute kompatibel war, nicht weil sie politisch initialisiert wurde.

im Übrigen ist es auch marketingtechnisch merkwürdig, als Adressaten des Buches Staatslenker und Gesetzgeber zu nennen. Wer Bücher verkaufen will, und das wollte Adam Smith, sollte die mögliche Zielgruppe weit fassen.

Er macht auch denselben Fehler, wie die heutige Ökokaste. Politiker muss man nicht überzeugen. Man muss die Leute überzeugen, die die Politiker wählen. Die Erleuchtung der Politiker nützt wenig, wenn diese nicht gewählt bzw. abgewählt werden.

Immerhin sieht Adam Smith einen Zusammenhang zwischen Verfassung / Gesetz und Wirtschaft auch wenn er, wie seine Kollegen in den folgenden 250 Jahren, die Zusammenhänge nie systematisch darstellt, was erstaunlich ist, denn die marktwirtschaftliche Ordnung ist in gewissem Sinne eine "natürliche" Ordnung, sie stellt sich ein, wenn der Staat wenig tut, im Grunde reicht die Durchsetzung des Strafrechts vollkommen aus, woraus wir lernen können, dass ein "intuitives" Verständnis der Funktionsweise der marktwirtschaftlichen Ordnung immer vorliegt.

Ein Bankraub zum Beispiel ist nicht erlaubt, weil durch diesen, um mal in der Terminologie Adam Smith zu bleiben, die ganze Arbeit, die in den Scheinen verkörpert ist, sozusagen ohne Anstrengung transferiert wird. Wäre es erlaubt, würde niemand mehr arbeiten.

Manche Leute kommen ja auch auf die Idee, die marktwirtschaftliche Ordnung als eine spezielle Ausprägung des "survival of the fittest" oder als Raubtierkapitalismus zu bezeichnen, was auch nicht stimmt.

In einem Raubtierkapitalismus würde Steve Jobs nicht mit Bill Gates über den Mark konkurrieren, er würde ihm Schlicht mit einer Keule eine überbraten, was im Sinne der marktwirtschaftlichen Ordnung kein adäquates Verhalten darstellt und daher strafbewehrt ist. Der marktwirtschaftlich erwünschte Wettbewerb würde so unterbunden.

Die marktwirtschaftliche Ordnung ist das genaue Gegenteil von "survival of the fittest". Beim "survival of the fittest" geht es um die Ausschaltung des Wettbewerbers, möglichst physisch, bei der marktwirtschaftlichen Ordnung ist der Wettbewerb die Triebfeder und wird durch den Staat verteidigt, siehe Ordoliberalismus.

Dies ist ja auch der Kern des Ordoliberalismus. Zentrale Aufgabe des Staates ist es, den Wettbewerb aufrechtzuerhalten. Allerdings kann man diese Idee schon bei Adam Smith finden, allein wegen dieser Erkenntnis muss man Walter Eucken nicht feiern.

Der Überlebende im struggle for existence bei Darwin hat nicht vor, einen Mehrwert zu schaffen, er will seine Konkurrenten auch ohne die Schaffung irgendeines Mehrwertes physisch vernichten und wenn er das nicht kann, will er ihnen aus dem Weg gehen.

Sieht man also von diesen Einschränkungen ab, ist die marktwirtschaftliche Ordnung etwas höchst Natürliches. Sie entsteht automatisch, erklären muss man da nichts. Die Rolle des Staates besteht lediglich darin, den Wettbewerb auftrechtzuerhalten.

Die Logik müsste eher umgekehrt sein. Der Staat, egal welcher Art, neigt dazu, diese quasi "natürliche" Ordnung zu verändern, wofür es ja sogar manchmal gute Gründe geben kann.

Man braucht also keine Argumente, um die freie Marktwirtschaft einzuführen, sowenig wie man Argumente dafür braucht, dass Bäume grün sind, sie ist quasi im Naturzustand da. Schwieriger ist es ab an den Staat davon zu überzeugen, dass er alles im Naturzustand belässt. Von daher klärt Adam Smith auch niemanden auf, er beschreibt über weite Strecken nur, was die Leute so treiben.

Außenhandelspolitik ist nun natürlich ein lustiges Thema, wie alle Themen unterhaltsam sind, bei denen sich der Staat nicht darauf beschränkt, allgemeine Regeln, in überschaubarer Menge, vorzugeben, also so überschaubar, dass man noch darüber diskutieren kann, sondern punktuell eingreift, also einen Wust von Gesetzen schafft, die letztlich von niemandem mehr durchschaut werden und über deren ökonomische Sinnhaftigkeit niemand mehr reflektiert.

Dadurch wird ein Maximum an Intransparenz erreicht, über das kein Mensch mehr diskutieren kann. Es gibt zum Beispiel tatsächlich, das ist kein Witz, ein umfangreiches Kaffeesteuergesetz (Kaffeesteuergesetz), wobei kein Mensch einsieht, wieso Kaffee mit Steuer belegt wird. Sie bringt dem Fiskus 1 Milliarde Euro pro Jahr.

Interessant wäre nun zu wissen, wer sie bezahlt. Die Juristen, die sind ja in wirtschaftlichen Dingen meisten von keiner Vorkenntnis getrübt, sind der Meinung, dass diese vom deutschen Konsumenten bezahlt wird, sie vergessen aber, dass dies nur dann der Fall ist, wenn sie auf diesen in voller Höhe überwälzt werden kann.

Weigert sich selbiger aber diese zu bezahlen indem er schlicht weniger oder gar keinen Kaffee mehr kauft, dann trägt der Produzent oder der Handel diese Steuer. Im Zweifelsfalle trägt es das schwächste Glied der Gruppe, der Produzent in Amerika oder Afrika.

Auf einem Pfund Kaffee liegen etwa 1 Euro Steuern. Je nach der Elastizität der Nachfrage, kann dieser 1 Euro entweder auf den Verkaufspreis draufgeschlagen werden oder eben nicht.

Man kann das präziser fassen, einfacher lässt sich die Problematik so erklären.

Sind alle Kunden bereit, 4 Euro für ein Pfund Kaffee zu bezahlen, steigen aber bei 4,01 Euro um auf Tee, dann trägt der Produzent bzw. der Handel den einen Euro.

Im Extremfall zahlen also Entwicklungsländer Steuern an den deutschen Staat. Zählt man dazu noch Tabaksteuer, Zuckersteuer, Steuer auf Holz, Textilien etc. etc. dann relativiert sich das mit der Entwicklungshilfe drastisch. Die Summe an Steuern die Entwicklungsländer an den deutschen Fiskus bezahlen, dürfte weit größer sein, als die 5 Milliarden Entwicklungshilfe. Formal zahlen diese Steuer die deutschen Importeure, real aber, zumindest teilweise, der ausländische Produzent.

Man muss Jurist sein, um zu verstehen, wieso ein Land wie Deutschland mit einem enormen Leistungsbilanzüberschuss, ein Land, das also ohnehin mehr exportiert als es importiert, sich den Luxus von Zöllen leistet (Verbrauchssteuern auf Waren, die ausschließlich aus dem Ausland bezogen werden, sind de facto Zölle).

Organisationen wie fair trade bemühen sich ja redlich, die Machtverhältnisse wieder auszutarieren. Sinnvoller wäre eine Abschaffung der Kaffee- und ähnlicher Steuern.

Gegen einen Zoll ist jede noch so gut gemeinte Initiative machtlos. 1 Milliarde (Aufkommen im Jahre 2006) Euro ist im Übrigen richtig Kohle. Damit könnten die dann z.B. deutsche Maschinen kaufen und ihre Produktivität verbessern.

Wir können also festhalten, dass die Hoffnung von Adam Smith, dass sich der Gesetzgeber beraten lässt, vollkommener Schwachsinn ist. Juristen sind absolut beratungsresistent. Es kann nicht darum gehen, die Horde freilaufender Juristen in allen Ministerien zu beraten, das ist in etwa so, wie einer Sau das Evangelium zu predigen.

Es kann nur darum gehen, eine allgemeine Transparenz herzustellen, die öffentliche Diskussion zu schärfen und zu intensivieren und dadurch Druck auszuüben. Es ist kaum anzunehmen, dass irgendein mikroökonomisch geschulter Volkswirt, wir werden alle hier behandelten Themen nochmal auf einer höheren Abstraktionsebene durchgehen, das ist manchmal sinnvoll, diesem Tohuwabohu an weitgehend sinnfreien Zolltarifen irgendetwas abgewinnen kann.

Adam Smith beginnt seine Ausführung mit einer Diskussion über Gold und Silber als Indikator für Wohlstand, also mit einer Auseinandersetzung mit dem Merkantilismus und dessen führendem Vertreter in England Thomas Mun (1571 – 1641).

Für den Merkantilismus bestand Wohlstand vor allem in Gold und Silber. Wer nun meint, diese These sei erledigt, der möge mit den Begriffen Gold / Zahlungsmittel oder etwas in der Art googeln.

Dass sich die Idee, das Gold eine spezielle Art von Ware ist, solange halten konnte, im Grunde bis zum Zusammenbruch des Systems von Bretton-Woods im Frühjahr 1970 (da immer mehr Länder die Währungen ihre Länder gegen den Dollar frei floaten ließen), liegt daran, dass zumindest Laien glauben, dass bei den verschiedenen Systemen des Goldstandards eine Währung durch Gold "gedeckt" ist, was natürlich nicht der Fall ist.

Eine Währung ist natürlich letztlich durch den Warenkorb gedeckt, den man damit kaufen kann. Der Goldstandard ist ein System fester Wechselkurse, das bewirkt, dass Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen durch Preise korrigiert werden und nicht durch den Wechselkurs.

Sind alle Währungen zu einem festen Kurs in Gold konvertierbar, dann passiert bei Ungleichgewichten in der Handelsbilanz, wenn also zum Beispiel ein Land mehr exportiert als importiert, Folgendes.

Das Land mit dem Handelbilanzüberschuss erfährt einen Zustrom an ausländischem Geld (das muss so sein, denn die Ausländer haben dann keine Währung des Exportlandes mehr). Das würde also erstmal zu einem Preisverfall dieser ausländischen Währungen führen.

Da dies natürlich von den exportierenden Unternehmen nicht gewünscht ist, werden sie die ausländische Währung schnappen, zur emittierenden Zentralbank bringen und gegen Gold umtauschen.

Mit diesem Gold kaufen sie dann ihre innländische Währung.

Vereinfacht. Exportiert ein Land in seiner Währung zum Kurs 1:5 und durch den Zustrom von ausländischer Währung ist der Kurs dann 1:7 würden sie verlieren. Hätten sie für 1400 Einheiten fremde Währung 280 Einheiten einheimische Währung bekommen, kriegen sie jetzt nur noch 200 Einheiten. Kann aber die ausländische und inländische Währung in einem festen Verhältnis gegen Gold ausgetauscht werden, z.B. jede Einheit einheimische Währung 1 Unze und eine Einheit fremde Währung eine 1/5 Unze, dann bleibt alles wie es war. Für die 1400 Einheiten ausländischer Währung gibt 280 Unzen Gold und dafür gibt es dann 280 Einheiten einheimischer Währung.

Bei diesem System ist ausgeschlossen, dass ihre Gewinne via Wechselkursverfall dahinschmelzen wie Butter in der Sonne.

Die Zentralbank der ausländischen Währung ist nun gezwungen, die Geldmenge zu verringern, weil sie ja weniger Gold hat und sie ihre Währung jederzeit zu einem festen Kurs gegen Gold eintauschen können muss.

Die verringerte Geldmenge drückt nun entweder die Preise oder lässt das Volkseinkommen schrumpfen. Die niedrigeren Preise, wozu auch Löhne zählen, machen den weiteren Einkauf im Ausland teurer, wodurch er zunehemend unterbleibt. Die Leistungsbilanz wird wieder ausgeglichen.

Zusätzlich ist mit einem Preisanstieg im Exportland zu rechnen, wenn wir die Quantitätsgleichung akzeptieren, was wir eigentlich nicht tun, da dort ja die Geldmenge erhöht wird, was den Einkauf dort nochmal unattraktiver macht. Über diesen Weg kommt es zu einem Ausgleich in der Handelsbilanz. Die Anpassungslast tragen also die Preise und / oder das Volkseinkommen.

Alternativ können noch die Zentralbanken der Länder ausländische Währung anziehen oder abstoßen und damit ihre Währung drücken oder stärken indem sie den Leitzins anheben oder senken. (Anders formuliert: Besteht Druck auf eine Währung, weil das Angebot zu groß ist, kann die Zentralbank über geignete Maßnahmen, z.B. Erhöhung des Mindestreservesatzes, die Menge ihrer Währung wieder verringern.)

Letztlich sind bei festen Wechselkursen den Zentralbanken aber die Möglichkeiten genommen, eine autonome Geldpolitik zu betreiben. Sie können auf Handelbilanzdefizite oder auf Defizite in der Kapitalbilanz (eigentlich entscheidender) nur mit einer Ausdehnung, Verringerung ihrer Geldmenge reagieren. Systeme mit festen Wechselkursen müssen eigentlich scheitern und sind ja auch tatsächlich gescheitert. Der Euro ist hierbei ein Sonderfall. Der Euro ist mehr als ein fester Wechselkurs, es ist schlicht eine einheitliche Währung, die aber auch von einer Zentralbank gesteuert wird. Dass Argument, dass hier Regionen unterschiedlicher Wirtschaftskraft zusammengeschlossen worden sind, sticht nicht unbedingt, denn das ist bei jeder Währung so. Das riesige China hat eine Währung, Indien hat eine Währung, die USA und es ist kaum anzunehmen, dass diese Länder im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht höchst unterschiedliche Regionen haben.

Bei flexiblen Wechselkursen trägt die Anpassungslast der Wechselkurs. Die Währung des expotierenden Landes wird "härter", die des importierenden "weicher", was die Zahlungsbilanz ebenfalls zum Ausgleich bringt.

Letzlich ist aber im System fester Wechselkurse, wozu auch der Goldstandard gehört, Gold lediglich eine Recheneinheit. Da die Goldmenge pro Land und damit die zur Verfügung stehende Geldmenge konstant ist (wenn es zu keinen Zu- oder Abflüssen wie oben beschrieben kommt), kann das Volkseinkommen, bei konstanter Transaktionskasse, nur mit einem sinkenden Preisniveau vergrößert werden, bzw. nur mit einem steigenden Preisniveau verkleinert werden. (Wir vereinfachen jetzt mal ein bisschen und schauen und das später, bei Geldtheorie bei Ricardo, nochmal an.)

Einfacher einzusehen ist das natürlich, wenn schlicht von vorneherein mit Gold bezahlt wird. Dann sinkt bei gleichbleibendem Volkseinkommen eben der Goldwert, wenn die Goldmenge vergrößert wird, bzw. steigt der Goldwert, wenn Gold abgezogen wird.

Vergrößert sich der Warenkorb und bleibt die Goldmenge konstant, dann muss entweder der Wert der Waren nominal sinken oder die Umschlaghäufigkeit des Goldes erhöht werden.

Wir gehen bei diesen Vorstellungen immer von der Gültigkeit der Cambridge Gleichung aus, Volkseinkommen * Preis = Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit.

Wie man es auch dreht und wendet, Gold macht keine Nation reicher oder ärmer. Ob man allerdings den Euro innerhalb der Logik flexibler / fester Wechselkurse diskutieren kann, wie das derzeit ständig getan wird, wir schreiben immer noch das Jahr 2012, ist fraglich, denn der Euro ist schlicht EINE Währung.

Dass diese EINE Währung keine Anpassungsleistung vollziehen kann, ist naheliegend, allerdings ist das Argument schief. Wirft man dem Euro vor, dass er Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit und damit Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen nicht auszugleichen vermag, dann kann man das Gleiche auch von der DM sagen.

Nach dieser Logik bräuchte man den Gulden MeckPomm, den fränkischen Thaler, den hessischen Florint etc. etc.. Genau genommen bräuchte man beliebig viele Währungen. Logischer wäre, den Euroraum als einen Wirtschaftsraum zu definieren und die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit durch Direktinvestitionen auszugleichen. Wenn aber die Kapitalsammelstellen die ganze Asche in dubiosen Finanzgeschäften versemmeln, dann hat das nichts mit dem Euro zu tun, zumal die Krise im Dollarraum gestartet ist.

Hinsichtlich der Darstellung der Handelsbilanz orientiert sich Adam Smith weitgehend an den Ausführungen seines Freundes David Hume und die muss man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen.

Im Grunde wird da nämlich die Bedeutung des Geldmarktes von Keynes schon vorweggenommen und es wird klar, dass der Investition keine Ersparnis vorausgehen muss. Die Vernachlässigung des Geldmarktes, die Geldschleiertheorie, ist keine Lappalie, sondern ein schwerer Fehler und obendrein auch noch einer, den man im Grunde hätte leicht erkennen können.

David Hume hat es erkannt, allerdings ist ihm nicht klar geworden, dass damit praktisch alle zentralen Annahmen und damit das Fundament der klassischen Nationaökonomie einstürzt.

Der Geldmarkt allein reicht auch schon aus, von tausend anderen Gründen abgesehen, um das marxsche Theoriemodell zum Einsturz zu bringen. Die Akkumulation des Kapitals ist, ganz anders als Marx sich das vorstellt, eine creatio ex nihilo, sie entsteht in den tiefen des menschlichen Gehirns wie ein Komet in den Tiefen des Universums. Sie ist nämlich im wesentlichen das Produkt guter Ideen.

Hat jemand die pfiffige Idee, dann findet sich auch jemand, der ihm die Knete gibt, sie zu verwirklichen und das benötigte Geld wird im Zweifelsfalle einfach gedruckt. Deswegen können wir auch jedes Jahr Kapital ohne Ende vernichten, was immer dann passiert, wenn spezialisierte Unternehmen pleite gehen und das Kapital dann Schrottwert hat. Leicht und wie aus dem Nichts entsprungen entsteht dafür an einer anderen Stelle Neues.


Ob sich David Hume der Tragweite seiner Aussage bewusst war, ist schwer zu sagen. Vermutlich nicht. Er beginnt ganz klassisch und macht dann eine Wendung um 180 Grad. Eigentlich ist der Fall noch skurriler. Es reicht anzunehmen, dass der Arbeiter im voraus bezahlt wird, um einzusehen, das Geld der Gegenwert für ein Potential ist, nicht für etwas, was in der Vergangenheit geleistet wurde und akkumuliert wird. Wenn der Arbeiter den Gegenwert für das Geld erschafft nachdem er bezahlt wurde, braucht man das Geld auch nicht vorher anzusparen. Es reicht, das Potential "wachzurütteln". Das geht aber auch mit bedrucktem Papier.

Klingt einfach und ist einfach. An den marxschen Schwachsinn mit dem akkumulierten Kapital haben aber in der DDR 50 Jahre lang alle Leute geglaubt und der Schwachsinn findet sich in der neoklassischen Variante bis zum heutigen Tag in jedem Lehrbuch.

It is indeed evident that money is nothing but the representation of labour and commodities, and serves only as a method of rating or estimating them. Where coin is in greater plenty, as a greater quantity of it is required to represent the same quantity of goods, it can have no effect, either good or bad, taking a nation within itself; no more than it would make any alteration on a merchant s books if, instead of the Arabian method of notation, which requires few characters, he should make use of the Roman, which requires a great many. Nay, the greater quantity of money, like the Roman characters, is rather inconvenient, and requires greater trouble both to keep and transport it. But notwithstanding this conclusion, which must be allowed just, it is certain that since the discovery of mines in America industry has increased in all the nations of Europe, except in the pos sessors of those mines; and this may justly be ascribed, amongst other reasons, to the increase of gold and silver. Accordingly, we find that in every kingdom into which money begins to flow in greater abundance than formerly everything takes a new face; labour and industry gain life, the merchant becomes more enterprising, the manufacturer more diligent and skilful, and even the farmer follows his plough with greater alacrity and attention. This is not easily to be accounted for, if we consider only the influence which a greater abundance of coin has in the kingdom itself, by heightening the price of commodities, and obliging every one to pay a greater number of these little yellow or white pieces for everything he purchases. And as to foreign trade, it appears that great plenty of money is rather disadvantageous, by raising the price of every kind of labour. To account, then, for this phenomenon, we must con sider that though the high price of commodities be a necessary consequence of the increase of gold and silver, yet it follows not immediately upon that increase; but some time is required before the money circulates through the whole state, and makes its effects be felt on all ranks of people. At first, no alteration is perceived; by degrees the price rises, first of one commodity then of another, till the whole at last reaches a just proportion with the new quan tity of specie which is in the kingdom. In my opinion, it is only in this interval or intermediate situation, between the acquisition of money and rise of prices, that the in creasing quantity of gold and silver is favourable to industry. When any quantity of money is imported into a nation, it is not at first dispersed into many hands, but is confined to the coffers of a few persons, who immediately seek to employ it to the best advantage. Here are a set of manufacturers or merchants, we shall suppose, who have received returns of gold and silver for goods which they sent to Cadiz. They are thereby enabled to employ more workmen than formerly, who never dream of demanding higher wages, but are glad of employment from such good paymasters. If workmen become scarce, the manufacturer gives higher wages, but at first requires an increase of labour; and this is willingly submitted to by the artisan, who can now eat and drink better, to compensate his additional toil and fatigue. Es ist tatsächlich offensichtlich, dass Geld nichts anderes ist, als der Gegenwert für Arbeit und Wareneinsatz, und dass es nur dem Zweck dient, letztere zu schätzen und zu bewerten. Je mehr Geld vorhanden ist, desto mehr braucht man, um die gleiche Menge an Gütern zu messen. Es hat also weder einen positiven noch einen negativen Effekt, ob ein Land viel oder wenig davon hat, sowenig wie es für eine Kaufmann einen Unterschied macht, ob er seine Bücher nach der arabischen Methode führt, für welche es nur einige wenige Buchstaben bedarf, oder nach der römischen, für die man eine ganze Menge davon benötigt. Je mehr Geld allerdings da ist, ganz wie bei den römischen Buchstaben, desto unpraktischer ist es, weil es umständlicher wird es zu führen und zu transportieren. Doch dessen ungeachtet, was ja richtig ist, ist es auch zutreffend, dass die wirtschaftliche Aktivität seit der Entdeckung der Minen in Amerika in allen Ländern, außer in denen, die die Minen besitzen, zugenommen hat; ein Tatbestand, den man, zusammen mit anderen Gründen, mit dem höheren Aufkommen an Gold und Silber in Verbindung bringen kann. Damit übereinstimmend finden in jedem Staat, in das Geld in größeren Mengen einströmt, tiefe Veränderungen statt. Die Arbeit und wirtschaftliche Aktivität nimmt zu, die Händler werden umtriebiger, die Handwerker fleißiger und geschickter und sogar die Farmer folgen ihren Pflügen mit mehr Eifer und Aufmerksamkeit. Das kann man nicht allein duch den Preisanstieg der Waren erklären und durch die Tatsache, dass nun jedermann gezwungen ist, mit einer größeren Anzahl dieser kleinen gelben oder weißen Stücke zu bezahlen, wenn er einkauft. Was den Außenhandel angeht, ist das eher, so scheint es, ungünstig, weil es den Preis für jede Art von Arbeit verteuert. Um das Phänomen zu verstehen, müssen wir berücksichtigen, dass die Preiserhöhung zwar eine notwendige Konsequenz der Zunahme an Gold und Silber ist, aber diese Erhöhung nicht unmittelbar folgt. Es dauert eine Zeit, bis dieses Geld im ganzen Land zirkuliert und die Auswirkungen in allen Bevölkerungsschichten ankommt. Erstmal ist gar keine Änderung spürbar. Zuerst steigt der Preis einer Ware, dann einer anderen, bis schließlich alles proportional zur neuen Geldmenge im Land gestiegen ist. Meiner Meinung nach ist es nur innerhalb dieses Intervalls oder Zeitraums zwischen dem Erwerb des Geldes und dem allgemeinen Preisanstieg, dass die Zunahme an Gold und Silber der Wirtschaft nützt. Wenn irgendeine Geldmenge in ein Land importiert wird, dann wird es nicht gleich an viele Hände verteilt, sondern landet erstmal in der Kasse einiger weniger Personen, die erstmal versuchen, es möglichst vorteilhaft zu verwenden. Wir nehmen mal an es gibt einige Handwerker und Händler, die für Waren, die sich nach Cadiz gesendet haben, in Gold und Silber bezahlt wurden. Sie sind also in der Lage, mehr Arbeiter einzusetzen als früher, die auch keinen höheren Lohn verlangen, sondern glücklich sind, bei einem so guten Zahlmeister eingestellt zu werden. Wenn Arbeitskraft knapp wird, dann zahlt der Handwerker höhere Löhne, aber erstmal steigt die eingesetzte Menge Arbeit, die von dem Handwerker auch bereitwillig eingesetzt wird, der dann besser essen und trinken kann, um ihn für die zusätzliche Mühe und Anstrengung zu entlohnen.

[David Hume folgt also nicht dem Modell von David Ricardo, er geht davon aus, dass durch den Einstrom von Gold Arbeit irgendwann knapp wird und die Löhne steigen. Das Szenario ist allerdings vor dem Punkt, an dem Vollbeschäftigung erreicht ist unwahrscheinlich.]


Im Grunde ist die Beobachtung von David Hume 1752 (dem Erscheinungsjahr der Schrift of Money (David Hume) schärfer, als die der allermeisten Zeitgenossen im Jahre 2012.

Er beschreibt zwar, wie das auch Zeitgenossen tun, dass eine Erhöhung der Geld- oder Goldmenge langfristig inflationär wirken muss, beschreibt dann aber das Phänomen etwas genauer.

Erstmal hat eine ganz kleine Gruppe das Geld (Gold und Silber) und das ist auch heute noch so. Wird die Geldmenge durch die Zentralbanken erhöht, durch Senkung des Leitzinses, also des Zinsatzes zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei den Zentralbanken ausleihen können, oder durch Ankauf von Bundesobligationen, dann wird das Geld erstmal nicht gleichmässig über das Land verteilt, sondern es verbleibt erstmal bei den Banken.

Die Zentralbanken erhöhen die Geldmenge nicht, indem sie mit einem Hubschrauber über die Republik fliegen und Scheine rieseln lassen.

Diese Banken wiederum können das Geld dann mehr oder weniger rentabel anlegen. Verleihen sie es an topinnovative Unternehmen wie Google in der Phase der Gründung, dann haben wir gar keine Inflation, weil so ein Unternehmen ein Wachstum bringt, das das Wachstum der Geldmenge weit übersteigt.

Verleihen sie es an Häuslebauer oder vergeben Konsumentenkredite, das ist die Variante, die sie in der Regel präferieren, siehe Japan, USA, Irland, Griechenland, Spanien, also die lange Reihe der Immobilienblasen, dann ensteht quasi aus dem Nichts ein gewaltiger Schuldenberg, das ist das was wir aktuell erleben. Das muss aber auch noch kein Beinbruch sein, wenn die geschöpfte Geldmenge anschließend, wenn der Kredit getilgt wird, wieder vernichtet wird oder wenn den Schulden reale Vermögenswerte entgegenstehen. (Geisterflughäfen wie in Spanien reichen dazu natürlich nicht. Unter Vermögen verstehen wir etwas, das während seiner Nutzungsdauer, und die kann bei Immobilien verdammt lang sein, den Kredit tilgen kann.)

Erstmal wird aber Geld aus dem Nichts geschöpft, weil das Zentralbankgeld ebenso aus dem Nichts geschöpft wurde, wie das Gold, das aus bislang unbekannten Minen stammt. Die Produktion von Zentralbankgeld ist ein technisches Problem, man braucht geeignete Druckerpressen, aber erstmal kein ökonomisches. Die spannende Frage ist nicht, wer, wieviel gespart hat. Die spannende Frage ist, ob Kredite, die in beliebiger Höhe zur Verfügung gestellt werden, anschließend getilgt werden. Werden sie getilgt, haben wir keine Erhöhung der Geldmenge, denn in dem Umfang, wie Geld geschöpft wird, wird es anschließend vernichtet. Wird der Kredit allerdings nicht getilgt, dann bleibt das Geld im Umlauf.

Die Variante Goldimport qua Ausbeutung von Südamerika ist natürlich schicker. Denn in diesem Fall steht der Vermehrung der Geldmenge keine Zunahme der Verschuldung entgegen.

Vermutlich hat David Hume den Zusammenhang zwischen Ausdehnung der Gold- und Geldmenge und Inflation beobachtet. Er konnte ihn beobachten, weil der Zufluss an Gold aus Südamerika tatsächlich zu einer massiven Inflation in Spanien führte, zwingend ist dieser Zusammenhang jedoch nicht, denn das Geld muss erstmal jemand bei den Banken abholen.

Liegt es da nur rum, schränken diese ihre Giralgeldschöpfung ein, passiert schlicht gar nichts. (Einschub Giralgeldschöpfung: Verdient jemand z.B. 4000 Euro im Monat und gibt das Geld gleichmäßig aus, dann hat er am Anfang des Monats 4000 Euro, am Ende des Monats 0 Euro auf seinem Girokonto, im Durchschnitt also 2000 Euro. Diese 2000 Euro kann die Bank verleihen. Hat sie ein paar Millionen solcher Kunden, kommen da ein paar Milliarden zusammen, die sie verleihen kann.)

Darauf kommt es uns aber im Moment gar nicht an. Entscheidend für uns ist, dass es gesamtwirtschaftlich nicht notwendig einen Zusammenhang zwischen Sparen und Investieren gibt, da jede Zentralbank das zigfache an Geld drucken kann, und aktuell im Jahre 2012 auch tatsächlich druckt, als irgendjemand zusammensparen kann.

Die Faszination für das Sparen, vom Sparschwein, über Schwäbisch Hall (auf diese Steine können sie bauen), über die Riesterrente sind zum einen wohl durch die frühkindlichen Erfahrungen bedingt und zum anderen durch die Übertragung des Verhaltens von Haushalten, die auf einen neuen Fernseher hinsparen, auf die Gesamtwirtschaft.

Diese Übertragung ist aber unzulässig, weil die Gesamtwirtschaft Geld schöpfen kann, der einzelne Haushalt nicht.

Einen wahren Kern hat die Geschichte nur insofern, als eine Politik des knappen Geldes sinnvoll ist, wenn die Wirtschaft ausgelastet ist. In diesem Fall müssen Investitionen, insbesondere eben Erweiterungsinvestitionen, Ersatzinvestitionen kann man aus verdienten Abschreibungen finanzieren, durch Verzicht auf Konsum finanziert wird. Anders formuliert. Auf die regelmäßig fälligen Ersatzinvestitionen ist die Wirtschaft eingerichtet, dafür bedarf es keiner zusätzlichen Einschränkung des Konsums. Auf die Erweiterungsinvestition ist sie nicht eingerichtet. Um diese zu realisieren braucht es in der vollbeschäftigten Wirtschaft einen Verzicht auf Konsum.

Betreiben Zentralbanken eine Politik des leichten Geldes, dann ist zwangsläufig viel Liquidität im Markt und die Banken werden bestrebt sein, dieses rentabel anzulegen, was ihnen umso schwerer fällt, je mehr davon vorhanden ist. Das ist das, was wir aktuell, erleben.

Sie werden also folglich zu immer riskanteren Anlagen greifen, zum Beispiel, wie aktuell, zu mortgage backed securities oder sie versenken mal so in gut drei Monaten 2,2 Milliarden beim Börsengang eines Unternehmens wie Facebook. Wir schreiben immer noch das Jahre 2012.

Man kann also aus dem Nichts und ohne Sparen das Kreditangebot erweitern, aber aus diesem Nichts entstehen dann höchst reale Schulden, die ganze Staaten, wie aktuell, wir schreiben immer noch das Jahre 2012, in den Abgrund trudeln lassen.

Geldschöpfung zur Finanzierung des Konsums kann nicht funktionieren, denn die Geldschöpfung ist zwar eine creatio ex nihilo, aber die Schulden sind konkret. Wir sehen jetzt mal von sekundär Effekten ab, mit denen wir uns später, siehe Keynes, noch beschäftigen werden.

Dass Kredite aus Erspartem kommen, ist ein nicht auzurottender Irrglaube, der bei allen Finanz-, Schulden-, Bankenkrisen immer wieder auftaucht. Hätte Deutschland sich nach dem zweiten Weltkrieg aus "Erspartem" refinanziert, wären es kaum zu einem "Wirtschaftswunder" gekommen. Die weitverbreitete Meinung, dass dieser Aufschwung was mit der Marshall Aid Hilfe zu tun hat, ist Unsinn, vor allem schon deswegen, weil von den 1,5 Milliarden Dollar ERP Hilfen, ein gesamtwirtschaftlich irrelevanter Betrag, 1 Milliarde Kredite waren.

Von dieser Summe sind dann noch die Reparationszahlungen abzuziehen. Der grundlegende Fehler der gegenwärtigen Krisen besteht darin, dass zuwenig in rentable Realinvestitionen investiert wird. Wird dieses Problem nicht gelöst, wird die Krise andauern und sich zyklisch erneuern. Von daher macht es auch keinen Sinn, irgendwelche Banken oder Staaten zu retten. Wenn wir gelernt haben, dass über diesen Weg das Kapital von allen Knappheitssignalen des Marktes unbeeindruckt verblubbert, dann haben wir einen systemischen Fehler. Genau das ist, unter anderem, was wir bei Keynes lernen können.

Schauen wir uns Adam Smith ganz genau an, dann erkennen wir, dass er unbewusst diesen Zusammenhang, also Kreditschöpfung via Geldschöpfung ebenfalls sieht. Was er im folgenden Absatz beschreibt, entspricht schon fast der Geldtheorie von Keynes. Er beschreibt monetäre Transmissionsmechanismen.

The same quantity of money, besides, can not long remain in any country in which the value of the annual produce diminishes. The sole use of money is to circulate consumable goods. By means of it, provisions, materials, and finished work, are bought and sold, and distributed to their proper consumers. The quantity of money, therefore, which can be annually employed in any country, must be determined by the value of the consumable goods annually circulated within it. These must consist, either in the immediate produce of the land and labour of the country itself, or in something which had been purchased with some part of that produce. Their value, therefore, must diminish as the value of that produce diminishes, and along with it the quantity of money which can be employed in circulating them. But the money which, by this annual diminution of produce, is annually thrown out of domestic circulation, will not be allowed to lie idle. The interest of whoever possesses it requires that it should be employed; but having no employment at home, it will, in spite of all laws and prohibitions, be sent abroad, and employed in purchasing consumable goods, which may be of some use at home. Its annual exportation will, in this manner, continue for some time to add something to the annual consumption of the country beyond the value of its own annual produce. What in the days of its prosperity had been saved from that annual produce, and employed in purchasing gold and silver, will contribute, for some little time, to support its consumption in adversity. The exportation of gold and silver is, in this case, not the cause, but the effect of its declension, and may even, for some little time, alleviate the misery of that declension. Dieselbe Menge an Geld kann in einem Land, in welchem der Wert der jährlichen Produktion zurückgeht, nicht lange gleich bleiben. Der einzige Zweck des Geldes ist es, den Warenumlauf sicherzustellen. Mit Hilfe von Geld werden Nahrungsmittel, Materialien und Fertigprodukte gekauft und verkauft und so an die Endkonsumenten verteilt. Deshalb ist die Menge an Geld, die in irgendeinem Land benötigt wird, durch die Güter bestimmt, die in ihm gehandelt werden. Diese können nur in dem bestehen, was der Boden und die Arbeit des Landes erwirtschaftet hat oder in etwas, das mit dem Wert dieser Waren gekauft wurde. Ihr Wert muss also sinken, wenn der Wert dieses Produktes sich verringert und infolge davon muss auch die Geldmenge, die für den Umsatz dieses Produkten benötigt wird, sich ebenfalls verringern. Doch wird man das Geld, welches durch diese Verringerung Jahr für Jahr aus dem heimischen Wirtschaftskreislauf geworfen wird, nicht unnötig herumliegen lassen. Es liegt im Interesse desjenigen, der es besitzt, dass es genutzt wird. Auch wenn die Gesetze und Beschränkungen dies verbieten, wird es ins Ausland geschickt und dafür verwendet werden, Konsumgüter zu kaufen, die zu Hause von einem gewissen Nutzen sind. Dieser Jahr für Jahr sich wiederholende Export wird auf diese Weise eine zeitlang andauern und die jährliche Verfügbarkeit von Konsumgütern in einem Maße vergrößern, der jenseits der Möglichkeiten des Landes liegen. Was in den Jahren des Wohlstands vom jährlichen Produkt gespart wurde und in den Ankauf von Gold und Silber gesteckt wurde, kann für eine gewisse Zeit dazu beitragen, den Konsum in Zeiten der Krise aufrechtzuerhalten. Der Export von Gold und Silber ist in diesem Falle nicht die Ursache, sondern das Resultat des Niederganges, und kann für eine kurze Zeit das Elend des Niedergangs mildern.

aus: Book II, Chapter III

[Die Schlüsse, die Adam Smith zieht, sind zwar völlig wirr, aber er erkennt, dass es sowas wie eine Transaktionskasse gibt, und dass diese größer ist als nötig, wenn die Preise sinken. Der Trick allerdings, mit dem dann überschüssigen Geld Waren im Ausland zu kaufen funktioniert nur, wenn GOLD bzw. SILBER ein international anerkanntes Zahlungsmittel ist, was zu seiner Zeit der Fall war. Eine nationale Währung würde sofort abwerten, wenn die Leistungsbilanz negativ ist. Gold bzw. Silber würde eine Inflation im Ausland auslösen, wenn der Zustrom an Gold und Silber das Produktionspotential des Auslandes übersteigt.]


Der entscheidende Fehler besteht darin, dass er den Wert des Geldes durch die Menge an Gütern definiert sieht, die in der Vergangenheit gehandelt wurden: "These must consist, either in the immediate produce of the land and labour of the country itself, or in something which had been purchased with some part of that produce." Das ist falsch. Der Wert des Geldes ergibt sich nicht aus dem, was in der Vergangenheit produziert wurde, sondern aus dem, was in der Zukunft produziert wird. Der Autoverkäufer, wird sein Auto behalten und kein Geld entgegennehmen, wenn er nicht sicher sein kann, dass er sich in Zukunft auch was davon kaufen kann. Das Auto hat er sicher und das hat einen Wert. Das Geld, das er dafür erhält, hat nur dann einen Wert, wenn er in Zukunft was dafür kaufen kann.

Das ist keine Spitzfindigkeit. In der Aussage steckt ein Fehler, der ganze Kaskaden von Fehlern nach sich zieht. Sparer akkumulieren Geld. Ob sie aber für das Geld in der Zukunft etwas erhalten werden und was, steht auf einem völligen anderen Blatt. Der Wert des Geldes ergibt sich aus der Zukunft, nicht aus der Vergangenheit und der Fehler steckt auch in dem Abschnitt oben.

Der Zusammenhang ist entscheidend. Wäre Geld durch Werte gedeckt, die in der Vergangenheit produziert wurden, wie Adam Smith vermutet, hat Geld nur einen Wert, wenn die Produktion bereits erfolgte. Frisch gedrucktes Geld wäre dann wertlos. Ist Geld aber durch Produkte gedeckt, die in der ZUKUNFT produziert werden können, kann man solange Geld drucken, wie dem Geld eine zukünftige Produktion entgegensteht. Entscheidend ist dann das Produktionspotential in der ZUKUNFT und nicht die Produktion der Vergangenheit.

Die Logik, dass man mit "überschüssigem" Geld etwas im Ausland kaufen kann stimmt nur, wenn dieses dort ein Zahlungsmittel ist, z.B. Gold, und das Ausland liefern kann. Davon geht er tatsächlich aus: "...The exportation of gold and silver is, in this case, not the cause, but the effect of its declension..." Er meint also Gold und Silber, obwohl er eingangs von money spricht. Für ihn ist das dasselbe, sowohl mit bedrucktem Papier wie auch mit Gold kann man Werte aufbewahren. Tatsächlich ist es so: Gold war ein international anerkanntes Zahlungsmittel, deshalb konnte man damit im Ausland einkaufen und nicht, weil es einen Wert verkörpert. (Dieser Wert wäre im übrigen gesunken, wenn der Zufluss an Gold das Produktionspotential überstiegen hätte.) Bedrucktes Papier allerdings ist nur in einem Land Zahlungsmittel und wenn man in diesem Land nichts mehr dafür kaufen kann, dann verliert es seinen Wert.

Produziert das Inland nichts mehr, was das Ausland interessieren könnte, dann wird es dessen Währung auch nicht akzeptieren. Der Denkfehler von Adam Smith erscheint einfach einzusehen, aber Adam Smith ist derartig festgefahren in seiner Idee, dass man mit Geld irgendwelche Werte aufbewahren kann, dass er diesen Fehler nicht sieht.


Richtig an seinen Ausführungen ist jedoch, dass er erkannt hat, dass die Transaktionskasse sinken oder steigen kann und damit Geld "überflüssig" wird. In modernen Geldtheorien, siehe Monetarismus, führt das zu einer Zinsenkung. Bei ihm wird es konsumiert. In gewisser Weise löst er sich damit von der Geldschleiertheorie.

Allerdings ist er nicht in der Lage, das zu Ende zu denken, denn das hätte das ganze klassische System zusammenstürzen lassen. Der geringere Bedarf an Transaktionskasse, würde 'Geld' für investive Zwecke zur Verfügung stellen, die Zinsen würden sinken und zwar unabhängig davon, ob die Leute sparen oder nicht. Der nächste logische Schritt wäre dann die Erkenntnis gewesen, dass man durch die Ausdehnung der Geldmenge den Zins senken kann. Adam Smith war aber derartig in der Idee befangen, dass Investitionen nur möglich sind, wenn vorher gespart wurde, dass er diesen Zusammenhang nicht sehen konnte.



Bei David Hume setzt Geld, das nicht gespart wurde, etwas in Gang. Adam Smith bleibt zwar stärker in der Geldschleiertheorie verhaftet, erkennt aber, das man mit Geld, das "übrflüssig" geworden ist, was einkaufen kann. Hätte Adam Smith sich jetzt noch überlegt, dass man Geld auch schlicht drucken kann, dann wäre er der Wahrheit noch näher gekommen.

Adam Smith scheitert daran, dass er zwischen Kapital, Geld, Gold gar nicht unterscheidet. Diese haben nur eine Funktion, die Aufbewahrung von Werten, wobei dieser Wert sich aus der Arbeit ergibt, die in diesen Waren verkörpert ist. Diese fixe Idee verbaut ihm jeden Zugang zur Erfassung der tatsächlichen Funktionen.

Natürlich würde uns jetzt nicht sonderlich interessieren, welchen Irrtümern Adam Smith vor 150 Jahren erlegen ist. Betrachten wir aber die öffentliche Debatte, werden wir feststellen, dass sich in der öffentlichen Debatte ganz ähnliche Irrtümer feststellen lassen.

Wir lesen z.B. immer wieder, dass die Sparer von der EZB enteignet werden. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Sparer ein Opfer erbracht haben und den Wert des Geldes nicht durch Konsum vernichtet haben. Dass sie ein Opfer erbracht haben, mag sogar sein, aber dieses war eben sinnlos, weil der vermeintliche Wert, der so entstanden ist, auch von der EZB gedruckt werden kann.

Ein Opfer ist nur sinnvoll, wenn damit ein Ziel erreicht wird, auch wenn der Opfernde selbst durch das Opfer eine Nutzeneinbuße erfährt. Ein Opfer allerdings, das für die Erreichung des Zieles ungeeignet ist, ist schlicht Blödsinn.

Um es einfacher zu formulieren: Es kann sich auch jemand die Badewanne voll laufen lassen in dem Bestreben Wasser zu verkaufen und sich dann beschweren, dass die städtischen Wassewerke Wasser quasi kostenlos durch den Hahn fließen lassen. Allerdings wird seine Ansichten, in diesem Fall, niemand teilen, wohingegen die Ansicht, dass Geld knapp gehalten werden muss, damit die Sparer was verdienen, sich hoher Zustimmung erfreut, obwohl diese Ansicht so absurd ist wie die andere. Nach der gleichen Logik könnte man verlangen, dass die Wasserwerke das Wasser aus dem Hahn vergiften, damit das Wasser aus der Badewanne einen Wert hat.

Tatsächlich kommt er später, wir kommen darauf zurück, näher an die Realität. Er macht sich nämlich Gedanken über Kreditwechsel, die ebenfalls Geldfunktion haben. Die oft kolportierte These, dass die Klassik in der Geldschleiertheorie verhaftet ist, stimmt nicht 100prozentig. Wahr daran ist nur, dass Adam Smith und David Hume die volle Tragweite ihrer Ausführungen über den Geldmarkt nicht erkannt haben.

Das kann man nun folgendermaßen zusammenfassen. Eine bestimmte Menge Geld wird benötigt, um das Sozialprodukt umzusetzen. Je größer die Umschlagshäufigkeit des Geldes, ein Aspekt den Adam Smith auch schon erwähnt, desto weniger braucht man davon, aber eine gewisse Menge wird eben gebraucht.

Vergrößert sich nun das Sozialprodukt, dann brauchen wir allein für Transaktionszwecke mehr, verkleinert sich das Sozialprodukt, das ist der Fall, von dem Adam Smith ausgeht, dann brauchen wir weniger davon.

Bei Adam Smith und an dieser Stelle (eigentlich existierte auch damals schon parallel Papiergeld) ist Gold und Silber Zahlungsmittel. Er diskutiert dann nur den Fall, dass die Gold- und Silbermenge zwar konstannt, sich das Sozialprodukt aber verändern kann ( in seinem Beispiel verringert es sich).

De facto ist aber weder die Gold und Silbermenge konstant, die kann sich sogar dramatisch und schnell erhöhen, wenn neue Minen erschlossen werden, was die Spanier in Südamerika getan haben, oder, in einer heutigen Wirtschaft, die Geldmenge (in Form von Papier und Münzen), weil diese von der Zentralbank gesteuert wird.

Seinen Gedanken kann man also auf alle möglichen Situationen ausdehnen. Schrumpfen / Wachsen des Sozialproduktes oder Schrumpfen / Wachsen der Geldmenge. Er diskutiert den Fall, dass das Sozialprodukt schrumpft, die Gold- und Silbermenge aber konstant bleibt. In diesem Fall verringert sich, wenn die Preise nicht steigen, was ebenfalls möglich wäre, die Transaktionskasse. Die Leute haben also Geld, das sie für Transaktionszwecke nicht brauchen, das ist das, was Keynes die Spekulationskasse nennt.

Dieses Geld könnten sie jetzt natürlich auch im Inland an jemanden verleihen, der ein Auto baut, das den Fahrtwind nutzt, um eine Batterie im Auto aufzuladen, um mal ein Beispiel zu nennen, oder beim Abremsen Energie gewinnt. Dieser Kredit wäre aber vorher nicht angespart worden, sondern hätte sich schlicht aus dem Schrumpfen des Sozialproduktes ergeben. Er konstruiert den Fall, dass mit dem "überschüssigen" Gold und Silber erstmal der Konsum aufrechterhalten wird.

Hätte er über sein Beispiel länger nachgedacht, wäre er ebenfalls auf die Idee gekommen, dass es der Geldmarkt ist, der den Kredit zur Verfügung stellt und nicht notwendigerweise eine Verringerung des Konsums, also Investitionen nicht, wie er sich das vorstellt, notwendigerweise aus dem Ersparten erfolgen müssen. In seinem Beispiel wird das Gold und Silber exportiert, in ein Land, das offensichtlich noch freie Ressourcen hat.

Er hätte natürlich auch darüber nachdenken können, wieso dieses Land die Güter produzieren kann, die das Inland nicht produzieren kann. Dann hätte er festgestellt, dass seine Annahme, dass Kapital quasi mühelos in die jeweils rentabelste Verwendung fließt nicht aufgeht, denn das Inland kann die Güter wohl nicht produzieren. Es gibt da strukturelle Probleme und der Tradition, von strukturellen Problemen zu abstrahieren ist die Volkswirtschaftlehre bis zum heutigen Tage treu geblieben.

In diesem Land, also das Land, wohin das Gold fließt, wird durch die zusätzliche Produktion an Waren weder weniger konsumiert, noch hat dieses Land etwas angespart. Die Produktion dieses Landes ist eine creatio ex nihilo. Solange dieses Land für das importierte Gold und Silber einen Gegenwert liefert, ist das völlig unproblematisch.

Problematisch wird es, wenn die Deutsche Bank griechische Staatsanleihen kauft und diese in Griechenland vollkommen verputzt werden und nix zurück kommt, bzw. die Deutsche Bank Kredite an Griechenland vergibt und Griechenland mit dem Geld Waren, z.B. U-Boote, in Deutschland kauft.

Über die Tragweite seiner Gedanken ist sich Adam Smith aber wohl noch nicht voll im Klaren.

Denn er geht davon aus, dass das Gold und Silber in früheren Jahren "angespart" worden ist. Das mag in England sogar stimmen, was Spanien und Portugal angeht, stimmt es nicht.

Die haben das Gold und Silber schlicht gefunden. Unabhängig davon, würde aber der Trick, den Adam Smith beschreibt, auch mit bedrucktem Papier funktionieren, denn dieses hat, wenn die Knappheit durch Gesetz bestimmt ist, die gleiche Funktion wie Gold, immer unter der Voraussetzung, dass ein entsprechender Gegenwert geschaffen wird. Allerdings käme mit Papiergeld das Spiel rasch zum erliegen. Der Außenwert dieser Währung würde, bei einem System flexibler Wechselurse, rasch fallen und so die Importe aus dem Ausland verteuern. Mit angespartem Gold kann es funktionieren, wenn dieses im Ausland zu einem stärkeren Wachstum führt. Andernfalls würde der Goldpreis sinken.

Sowohl er wie auch sein Freund David Hume, Adam Smith und David Hume waren eng befreundet, argumentieren also ähnlich wie Schumpeter 200 Jahre später, erkennen also, dass Investitionen nicht notwendigerweise durch Sparen, also Einschränkung des Konsums finanziert werden müssen, allerdings erkennen sie die Tragweite dieses Gedanken nicht, erkennen nicht, dass dies die gesamte Volkswirtschaftslehre auf den Kopf stellt. Das hat in aller Klarheit erst Keynes erkannt.

Am sprachgewaltigsten allerdings hat Goethe in Faust II, 1 Akt die Geldschöpfung beschrieben.

Beglückt genug in meinen alten Tagen. –
So hört und schaut das schicksalschwere Blatt,
Das alles Weh in Wohl verwandelt hat.
»Zu wissen sei es jedem, der's begehrt:
Der Zettel hier ist tausend Kronen wert.
Ihm liegt gesichert, als gewisses Pfand,
Unzahl vergrabnen Guts im Kaiserland.
Nun ist gesorgt, damit der reiche Schatz,
Sogleich gehoben, diene zum Ersatz.«

Was ist passiert? Mephistopheles hat den Kaiser dazu überredet, Staatsanleihen herauszugeben, die durch irgendwelche dubiosen Schätze gedeckt sein sollen, was de facto nicht der Fall ist. Die Leute nehmen aber den Fetzen Papier für Gold, der Staat zahlt seine Schulden, die Leute haben Geld, das kurbelt die Wirtschaft an und alles ist gut. Mephistopheles hat also klar erkennt, dass die neoklassische Identität der Gleichheit von Investition und Sparen Unsinn ist. Geld druckt man.

Wird der Fetzen Papier, den Mephistopheles produziert hat, als allgemeines Zahlungsmittel akzeptiert, hat also den Status von Geld, dann hat sich der Staat, in diesem Fall also Herzog Karl August, unter ihm war Goethe 1782 Finanzminister, nicht mal verschuldet. Schlimmstenfalls kam es zu ein bisschen Inflation, bestenfalls zu einer Ausdehnung des Volkseinkommens bei konstanten Preisen. Dass man das Spiel nicht ewig treiben kann, ist klar, aber es hätte keinen Unterschied gemacht, ob Mephistopheles einen Fetzen Papier vollschreibt oder Gold produziert, was er ja ebenfalls hätte tun können, schließlich hat er ja auch Gold für Margarete herbeigeschafft.

Wer jetzt noch nicht verstanden hat, was das bedeutet, dem sagen wir es nochmal. Keine Kapitallebensversicherung, keine Riesterrente, keine Rüruprente, keine vermögenswirksamen Leistungen sichern in irgendeiner Weise die Altersversorgung. Zwar erhöht das die gesamtwirtschaftliche Sparquote, das nützt aber nix, wenn das Ersparte niemand braucht.

Wenn es niemand braucht, finden die Kapitalsammelstellen dafür keine Verwendung und wenn sie dafür keine Verwendung finden, können sie auch keine Zinsen bezahlen und wenn sie keine Zinsen bezahlen können, kann man damit auch keine Alterversorgung finanzieren.

Im Gegenzug kann aber jede Investition über Kreditschöpfung qua Geldschöpfung finanziert werden, wenn anschließend bei der Tilgung des Kredites das geschaffene Geld wieder vernichtet wird. Noch einfacher. Die Altersversorgung wird durch Hirn gesichert, durch Innovationen, nicht durch Geld. Hat jemand eine pfiffige Idee, dann druckt man Geld. Hat aber niemand eine pfiffige Idee, dann nützt Geld nüscht. Und das wiederum ist ein echtes Problem, denn Hirn kann man nicht drucken. Für die Produktion von Hirn brauchen wir ausgefeilte didaktische Konzepte.

Das, also die Dominanz des Geldmarktes über den Gütermarkt, ist einer der Kerngedanken von Keynes und je schneller man den Sparen = Investieren Hokuspokus aus den akademischen Lehrbüchern tilgt, desto besser für die Menschheit. Sparen = Investieren stimmt nur EX POST, das aber ist eine Tautologie. Wird zwischen EX POST und EX ANTE nicht eindeutig und klar unterschieden, wie in 80 Prozent der Lehrbücher, dann hat der Leser keine Chance, das keynessche System zu verstehen.

Das dürfte eine der Ursachen sein, warum Keynes zwar für alles Mögliche herhalten muss, womit er nichts zu tun hat, er praktisch täglich von irgendwelchen Journaille Fuzzis zitiert wird, die offensichtlich Null Plan haben, was er tatsächlich gesagt hat. Die Reihenfolge bei Keynes geht so: ZUERST wird investiert, dann steigt das Volkseinkommen und zwar solange, bis das einkommenabhängige Sparen dem Investitionsvolumen entspricht. Wir werden das im Kapitel über Keynes nochmal betrachten.

Ein weiteres Kuriosum bei Adam Smith ist, dass er die Denkfehler des Merkantilismus zwar korrekt auflistet, aber das zentrale Moment, nämlich das Gold und Silber ihren Wert als Tauschmittel aus ihrer Knappheit beziehen und durch jedes x beliebige Gut, das ähnliche Eigenschaften besitzt, beliebig teilbar, leicht transportierbar und ebenfalls, zum Beispiel per Gesetz, knapp ist, ersetzt werden kann, nicht sieht.

Der Merkantilismus misst das Vermögen einer Volkswirtschaft an seinen Gold- und Silberbeständen, die Idee ist irgendwie suggestiv und führte zeitweise ja auch im Jahre 2012, in diesem Jahr befindet sich der Autor (haben wir das schon erwähnt?), zu einem Run auf Gold und zu einer self fulfilling prophecy. Je mehr Leute Gold kaufen, desto höher dessen Preis.

Wenn alle Gold kaufen, dann steigt der Goldpreis natürlich bis die Blase platzt. Hätten alle Leute in Rubine investiert oder in Aktien, hätte sich das gleiche Phänomen ergeben.

[Die Blase wird im übrigen platzen, wenn die Zentralbanken die Geldmenge konstant halten. Ab dann werden die Kurse nicht mehr steigen, es wird keine weiteren Spekulationsgewinne mehr geben. Ab diesem Moment wird es unattraktiv, die Wertpapiere weiter zu halten, weil mit weiteren Gewinnen nicht zu rechnen ist. Institutionelle Anleger werden beginnen, die Papiere abzustoßen, die Aktienkurse werden fallen. Ist die Blase über Kredite finanziert, kann es zu einem chaotischen Ausstieg kommen.]

Da nur bei einem Handelsbilanzüberschuss mit einem Zustrom von Gold- und Silber aus dem Ausland zu rechnen ist, waren die Merkantilisten bestrebt, den Import von Rohstoffen, soweit im Land nicht vorhanden, und den Export von Waren mit großer heimischer Wertschöpfung zu fördern. Wenn Adam Smith jetzt ein bisschen länger nachgedacht hätte, hätte er auf die Idee kommen müssen, dass Gold, das einfach mal so "übrig bleibt" und Gold, dass man über eine positive Leistungsbilanz erhält, verdammt gleich aussieht und sich Unterschiede höchstens mit very sophisticated Analysen erkennen lassen, die zu seiner Zeit nicht möglich waren. Bei den Merkantilisten allerdings verneint er, dass Gold anhäufen sinnvoll ist, weil Gold lediglich ein Zahlungsmittel ist. Das Gold, das einfach so mal "übrig bleibt" ist aber positiv, weil es nicht konsumiertes Einkommen aus der Vergangenheit ist, also einen Wert hat.

Dass das Spiel irgendwie nicht funktionieren kann, ist auch heutzutage noch nicht allen klar. Rainer Brüderle, uns Wirtschaftsminister zum Beispiel, wir schreiben immer noch Jahre 2012..., sieht partout nicht ein, dass ein Leistungsbilanzüberschuss letztlich lediglich bedeutet, das sich andere Länder entweder verschulden oder der Zustrom an Devisen via Abwertung dahinschmilzt wie Butter in der Sonne, bzw. dies wegen der Einheitswährung bedauerlicherweise nicht tut, so dass der tragische Verlauf erst über Umwege gestoppt wird. Zum Beispiel wenn der Steuerzahler für die Leistungsbilanzüberschüsse aufkommt.

Ein Exportweltmeister ist sozusagen der Oberdepp, denn er produziert einen Kuchen, von dem er gratis und unentgeltlich einen Teil an das Ausland abliefert und bei der Gelegenheit noch Arbeitslosigkeit exportiert.

Ob man aber Devisen ansammelt oder Gold, ist fast egal, bis auf die Tatsache eben, dass Devisen unter Umständen schneller an Wert verlieren als Gold, weil die Knappheit nicht wie bei Gold natürlich ist, sondern abhängig von wirtschafts- und geldpolitischen Entscheidungen der jeweils zuständigen Zentralbank.

Ob China mit seinen 3 Billionen (!!) US Dollar an Devisenreserven jemals glücklich wird, kann man bezweifeln.

Wahrscheinlich ist aber, dass kein Riestersparer seines Lebens froh wird, weil die Welt mit Liquidität völlig überversorgt ist und damit keine kapitalgedeckte Rentenversicherung möglich ist. Wir werden also in den nächsten 10 Jahren eine völlige Implosion des gesamten Systems erleben. Dann haben wir richtig Krise. Bis jetzt haben wir nur ein Planschen im Wasserglas.

Im 23 Kapitel der General Theory on Interest, Employement and Money verteidigt zwar Keynes den Merkantilismus, aber die Argumente sind somehow sophisiticated und sollten auch nicht aus dem Kontext gerissen werden. Bei Abwesenheit von Zentralbanken, gibt es keine kontrollierte Geldschöpfung. Um die Zinsen also niedrig zu halten, braucht es einen Zustrom an Gold oder Silber, welches dann in der Spekulationskasse landet und als Kredigangebot zur Verfügung steht. In diesem Sinne käme also der Import von Gold und Silber einer Rechtsverschiebung der LM Kurve und einem Absenken des Zinsatzes gleich.

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE


 

Grundlegende Fehler
ziehen sich durch alle Bereiche. Mit Geld kann nicht über Ressourcen
des Nachbarlandes verfügt werden, es sei denn es handelt sich um Gold, ist also auch im Ausland anerkanntes Zahlungsmittel.

Sowohl Humes wie auch Adam Smith habe im
Grunde erkannt, dass die Geldschleiertheorie falsch
ist. Über die Tragweite
ihrer Gedanken, waren sie sich wohl nicht im Klaren.

Zentrale Irrtümer des Merkantilismus hinsichtlicih des Charakters von Gold
und Leistungsbilanz-überschüssen sind bis auf den heutigen Tag nicht vollständig ausgerottet.

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