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1.2.4 Geldtheorie bei Ricardo

Wir lesen hier und da, und eigentlich ziemlich oft, dass Ricardo ein Anhänger der Quantitätstheorie gewesen sei. Das ist etwas schwierig, denn die Quantitätstheorie entsprach zu jener Zeit schlicht der allgemeinen Auffassung.

Ein Anhänger einer Theorie kann man nur sein, wenn es überhaupt eine gegenteilige Meinung gibt. Die Quantitätstheorie setzt er als dermaßen selbstverständlich voraus, dass er sie in On the Principles of Political Economy and Taxation schlicht voraussetzt. Sie explizit zu erklären hält er schlicht für nicht notwendig.

Er geht also davon aus, dass auch der Leser von deren Gültigkeit ausgeht. Nimmt man es genauer, dann geht er im Übrigen von einem ganz speziellen Typ der Quantitätsgleichung aus.

Die Quantitätsgleichung besagt, dass, bei gegebener Umlaufgeschwindigkeit, die Preise steigen müssen, wenn die Geldmenge erhöht wird.

(Um genau zu sein: Auch unter Zugrundelegung der quantitativen Theorie des Geldes könnte das Volkseinkommen steigen und nicht die Preise, aber in der Klassik / Neoklassik haben wir die quantitative Theorie des Geldes nur in der Geldschleier Variante, wo Geld keinen Einfluss hat auf die Realwirtschaft. Wir kommen darauf in dem Kapitel über den Monetarismus zurück.)

Das wiederum ist das, was bis zum heutigen Tag allgemein geglaubt wird, was aber, wie wir aktuell, wir schreiben immern noch das Jahre 2012, offensichtlich nicht zutrifft.

Die EZB hat die Geldmenge drastisch erhöht, die Inflation ist aber auf dem Niveau, auf dem sie schon seit Jahren liegt. Es mag eine Inflation geben in den kommenden Jahren, diese wird aber von den Börsen und den Immobilien ausgehen. Zwischen diesen beiden scheint das frei drehende Kapital ja hin und her zu fluten.

Denkbar wäre noch, dass exogene Schocks eine Inflation in Gang setzen. Wir glauben im Übrigen nicht, dass sich mit irgendeiner Spielart der Quantitätstheorie die Wirklichkeit erklären lässt. Die quantitative Theorie des Geldes macht keinerlei Aussagen über die Transmissionsmechanismen der Geldpolitik in die Realwirtschaft und kann folglich auch nichts erklären. Die Quantitätstheorie ist also im eigentlichen Sinne gar keine Theorie, sondern eine Definitionsgleichung. Sie macht keinerlei Aussagen über monetäre Transmissionsmechanismen, siehe Keynes.

Das Geld landet nämlich erstmal bei den Banken, damit es zur Inflation kommt, muss es dort erstmal jemand abholen, etwa weil durch exogene Schocks, z.B. einer Erhöhung des Erdölpreises, die Kreditnachfrage steigt.

Die Quantitätstheorie kann im Übrigen mit oder ohne Bindung von Papiergeld an das Gold formuliert werden. Bei Ricardo besteht eine Bindung an Gold, was sich historisch erklärt. Nur etwas, was knapp ist, also nicht beliebig vermehrt werden kann, kann Geldfunktion haben. Die Knappheit kann dadurch bedingt sein, dass etwas naturgemäß knapp ist, was bei Gold der Fall ist, oder dadurch, dass es per Gesetz knapp gehalten wird, das trifft auf Geldscheine zu.

Weiter können nur Dinge Geldfunktion haben, die noch ein paar andere Eigenschaften besitzen. Geld muss leicht transportierbar, beliebig teilbar und von gleicher Qualität sein. Edelsteine zum Beispiel sind da eher schlecht. Verkrümmelt man einen großen Diamanten, dann ist die Summe der Krümel weniger, als der ursprüngliche Diamant. Kupfer und Platin wäre eine Option, allerdings muss dann die Kupferproduktion einigermaßen stetig sein, so dass es bei Ausdehnung zwar zu einer Inflation kommt, aber diese einigermaßen kalkulierbar ist. Platin wäre eine weitere Option, die Münzen wären dann aber verdammt klein. Eigentlich bleibt außer Gold, Silber und Papiergeld, das von einer zentralen Stelle künstlich knapp gehalten wird, nicht viel übrig, was als Geld dienen kann.

Klar ist nur, was Ricardo mit der Geldpolitik erreichen will. Es geht ihm allein um Geldwertstabilität, die er gefährdet sieht, wenn der Staat selbst es ist, der Geld emittieren kann, weil er dann im Zweifelsfalle eben sehr viel davon emittieren wird. Manchmal lesen wir auch, dass Ricardo geldpolitisch ähnliche Vorstellungen hat, wie der Monetarismus à la Milton Friedmann. Tatsächlich hat das von ihm beschriebene Geldsystem eine Tendenz, sich dem Wachstum der Wirtschaft anzupassen, die Geldmenge wächst also proportional zum Volkseinkommen.

(Im Detail ist das komplizierter. Der Monetarismus kommt unter Zugrunedelegung keynesianischer Transmissionsmechanismus zum gleichen Ergebnis, wie die quantitative Theorie des Geldes, auch wenn man die Argumente des Monetarismus nicht besonders überzeugend finden muss, weil sie offensichtlich die Realität nicht erklären, siehe Monetarismus.)

In the present state of the law, they have the power, without any control whatever, of increasing or reducing the circulation in any degree they may think proper: a power which should neither be intrusted to the State itself, nor to any body in it; as there can be no security for the uniformity in the value of the currency, when its augmentation or diminution depends solely on the will of the issuers.

So wie die Gesetze heute sind, haben sie (die Direktoren der Bank von England), die Macht, den Geldumlauf ohne jegliche Kontrolle auszudehnen oder einzuschränken, je nachdem was ihnen opportun erscheint: Mit dieser Macht sollte man nie den Staat oder eine von ihm abhängige Institution ausstatten, denn die Stabilität der Währung kann nicht gewährleistet werden, wenn die Vergrößerung oder Verkleinerung allein von den Emittenten abhängt.

aus: David Ricardo, On the Principles of Political Economy and Taxation, On Currency and Banks

Dass David Ricardo, ein Besitzer von Geld, wenig begeistert ist, wenn die Banc of England das druckt, was er sich an der Börse zusammen spekuliert hat, können wir nachvollziehen. Das gleiche Problem haben die heutigen Sparer.

Die Vorstellungen von David Ricardo zur Geldpolitik sind nun etwas speziell und im Detail nur aus der damaligen Zeit heraus zu verstehen.

Die Stabilität der Währung sieht er gewährleistet, wenn die Bank von England verpflichtet ist, Papiergeld gegen einen GESETZLICH FESTGELEGTEN PREIS in GOLDBARREN, nicht Goldmünzen, die ebenfalls gesetzliches Zahlungsmittel waren, umzutauschen.

Bei einer gesetzlich festgelegten Golddeckung steht Geld und Gold immer ein gleicher Warenkorb gegenüber. Steigt die Geldmenge, verliert Geld an Wert, die Leute tauschen ihr Geld gegen Gold, mit dem sie den Warenkorb erwerben können, den sie früher mit Geld kaufen konnten.

Haben die Leute also Geld und vermuten, dass dieses, etwa weil die Regierung zuviel davon druckt, in Zukunft an Wert verliert, dann tauschen sie Geld gegen Gold, denn Gold kann aus natürlichen Gründen seinen Wert nicht verlieren, weil es von Natur aus knapp ist.

Durch den Tausch von Geld geben Gold wiederum wird Geld aus dem Verkehr gezogen, bis es wieder auf dem alten Niveau landet. Für den Mechanismus ist es natürlich NICHT nötig, das alles Geld durch Gold gedeckt ist, solange die Leute das Vertrauen haben, jederzeit Geld in Gold umtauschen zu können.

Rennen also alle Leute gleichzeitig zur Bank, dann platzt das System. Normalerweise passiert das aber nicht, da ja nur wenige Leute tatsächlich Geld durch Gold ersetzen müssen, damit alle feststellen, dass es keinen Unterschied macht, ob sie mit Gold oder Geld bezahlen.

Auch bei einer durch Gold gedeckten Währung ist also nicht alles zirkulierende Geld durch Gold gedeckt, wie oft irrtümlich angenommen wird. Die Golddeckung übernimmt lediglich das Finetuning.

Erwarten die Leute also eine Inflation, werden sie nur noch Gold als Zahlungsmittel akzeptieren, weil dieses aus natürlichen Gründen seinen Wert nicht verlieren kann. Wer also eine 5 Pfund Note als Zahlungsmittel akzeptiert, riskiert, dass sich deren Wert mindert, wenn die Zentralbank mehr Geldnoten druckt. Wer eine Unze Gold hat riskiert fast nichts, es sei denn, irgendjemand findet eine gigantische Goldader. Gold hat also die gleiche Funktion, wie heutzutage in manchen Ländern Südamerikas der Dollar. Der Wert des Dollars wird verteidigt von einer ausländischen Zentralbank und genießt von daher größeres Vertrauen, als die Währung des Inlandes.

Eine orginelle Variante ist der kubanische cuc (peso cubano convertible). Hier wurde der Dollar, der sich als Zweitwährung durchgesetzt hatte, durch eine nationale Parallelwährung, den cuc eben, ersetzt, der aber in einem festen Austauschverhältnis zum Dollar steht, bzw. stehen soll. Unklar ist nur, warum man mehr Vertrauen in den cuc haben soll als in den peso, oder die moneda nacional. Die Währung hat auf jeden Fall den Vorteil, dass ein im Todeskampf zuckendes Regime die Devisen unter seine Kontrolle bringt.

Letztlich definiert also der Warenkorb, den man mit einer bestimmten Menge Gold erwerben kann, auch den Geldwert. Dieser bleibt in diesem System auch bei einer an das Wachstum der Wirtschaft angepassten Geldmengenvermehrung konstant. Beobachten die Leute inflationäre Tendenzen, werden manche Geld gegen Gold eintauschen und den Prozess damit stoppen.

Wenn man will kann man es so ausdrücken: Die Golddeckung bewirkt ein Feintuning. Zwar ist nicht alles Geld durch Gold gedeckt, aber das ist auch nicht nötig. Wächst die Geldmenge schneller als das Volkseinkommen, wird es günstiger, Geld gegen Gold einzutauschen. Die Geldmenge schrumpft dann solange, bis die Abweichung zwischen Geld und Gold wieder verschwindet, der Warenkorb also in Geld oder Gold den gleichen Wert hat. Ist dies der Fall, gibt es auch keinen Grund mehr umzutauschen. Die Geldmenge steigt also proportional zum Volkseinkommen. Ein Überschuss an Geld, der sich in einer Inflation äußert, wird abgesaugt.

Die Geldmenge kann also auch bei einer Golddeckung zunehmen, etwas anderes kann auch nicht funktionieren. In einer wachsenden Wirtschaft steigt der Bedarf an Transaktionskasse, Geld, das man braucht, um zu kaufen und zu verkaufen. Eine 100 prozentige Golddeckung würde aber die Möglichkeit die Geldmenge auszudehnen vom Zufall abhängig machen. Möglich wäre dies nur, wenn man die Produktion von Gold erhöhen kann, was ja vom Zufall abhängt. Die Transaktionskasse kann zwar auch dadurch steigen, dass die Preise sinken, aber sinkende Preise haben immer eine verheerende Wirkung auf das wirtschaftliche Wachstum.


Aber irgendwie ist Geld für ihn etwas völlig anderes als Kapital, siehe Abschnitt unten. Wird ein Goldbarren in Peru gewonnen oder, wie im 17. Jahrhundert schlicht geklaut, und das Schiff, das ihn nach Spanien transportiert, von Francis Drake auf hoher See gekapert und landet es dann in England, dann ist es wohl kein akkumuliertes Kapital in seinem Sinne. Man kann einen solchen Vorgang schwerlich so interpretieren, dass der Fang der Profit aus dem räuberischen Segeltörn war. Entsteht derselbe Goldklumpen aber durch den Mehrwert, der den Arbeitern abgepresst wird, ist es Kapital. Die beiden Goldnuggets sehen zwar völlig gleich aus, aber aus irgendwelchen Gründen ist das eine lediglich Geld und das andere Kapital.

Landet dieses Gold, das man, was die ökonomische Bedeutung angeht, auch schlicht hätte am Strand finden können, bei der Münze und wird geprägt, dann ist das bei Ricardo irgendwie eine völlig andere Art von Gold, als das Gold, das Landbesitzer, Manufakturbetreiber oder der "Kapitalist" erworben hat, denn er schreibt.

The whole business, which the whole community can carry on, depends on the quantity of its capital, that is, of its raw material, machinery, food, vessels, &c. employed in production. After a well regulated paper money is established, these can neither be increased nor diminished by the operations of banking.

Die wirtschaftliche Tätigkeit eines Landes, hängt allein von der Menge an Kapital ab, also von seinen Rohstoffen, seinen Anlagen, Nahrung, Schiffe, die produktiv genutzt werden können. Nachdem Papiergeld stimmig gesetzlich verankert ist, können diese durch Bankgeschäfte weder vergrößert noch verkleinert werden.

aus: David Ricardo, On the Principles of Political Economy and Taxation, On Currency and Banks

Seine Logik nochmal. Nur Arbeit schafft einen Mehrwert. Die Arbeiter bekommen aber nur das Existenzminimum, was darüber hinausgeht, sackt der Kapitalist ein. Der wiederum investiert das in Anlagen und nur über diesen Weg läßt sich die Produktion ausdehnen, also über ex ante sparen, akkumulieren, whatever.

Die Kreditvergabe der Banken kann die Produktion nicht ausdehnen und Geld oder Gold ändert an diesem Zusammenhang gar nix. Bei Ricardo.

Die Marotte zieht sich durch die gesamte Klassik, Neoklassik und hat sich fest bis in unsere Tage in den Gehirnen verankert, warum weiß kein Mensch. In einer unterbeschäftigen Wirtschaft, und eine Wirtschaft ist eigentlich immer unterbeschäftigt, nimmt man jetzt den Goldbarren, den man am Strand gefunden hat und den niemand via Akkumulation erworben hat, geht damit zur Bank und tauscht ihn aus gegen Geld.

(Wir nehmen jetzt mal an das geht, dass das gesetzlich zulässig ist, letztlich kann man sich aber auch vorstellen, dass die Bank of England gleich Geld druckt.)

Das Geld nimmt man und stellt damit Arbeiter ein. Die schaffen dann, so man in der Logik der Klassik bleibt, einen "Mehrwert", akkumulieren also fröhlich vor sich hin, andernfalls produzieren sie schlicht irgendwas. Das Gold wurde hier hypothetisch eingeführt, natürlich kann die Zentralbank auch gleich Geld drucken und mit dem Goldbarren lässt man Ohrringe für die Angebetete schmieden.

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund macht es in der Klassik und Neoklassik einen Riesenunterschied, ob jemand den heroischen Entschluss fasst zu sparen und da den Goldklumpen her hat oder schlicht einen Goldklumpen findet. Nach der Logik der Klassik macht es auch überhaupt keinen Sinn, nach Gold zu schürfen, denn dann wurde ja auch nicht gespart bzw. akkumuliert. Nach der gleichen Logik ist ein 100 Euro Schein frisch aus der Druckerpresse der EZB weniger wert, als ein zusammengeriesterter 100 Euro Schein.

Des Rätsels Lösung kann nur die Bibel sein, 1.Mose 3,19: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

Ein christlicher 100 Euro Schein ist nur einer, der angespart oder akkumuliert wurde, im Schweiße des Angesichts. Ein von der EZB ohne Schweiß gedruckter, ist ein Werk des Teufels. Was allerdings nicht in der Bibel steht, ist woran man einen christlichen 100 Euro Schein von einem Werk des Teufels überhaupt unterscheidet. Wahrscheinlich steht das irgendwo bei Thomas von Aquin.

Die Angelegenheit läuft auf einen ziemlich schlichten Zusammenhang hinaus. Im Zustand der Unterbeschäftigung, braucht man kein Kapital, das wird bei Bedarf schlicht gedruckt. Was man tatsächlich braucht, sind Leute mit Ideen, also Leute, die irgendwas produzieren, was irgendjemand auch haben will.

Man braucht in der Tat Maschinen, Werkzeuge, Rohstoffe etc.. also Kapital im Sinne von Produktivkapital. Allerdings kriegt man das, wenn man Geld hat, egal wo es herkommt, und jemand da ist, der es herstellen kann.

Wenn jemand eine coole Idee hat, geht er zur Bank und wenn er Glück hat, kann er Sicherheiten bieten und die Bank gibt ihm das Geld. Die Bank schöpft das Geld, via Giralgeld oder via Zentralbank und gibt ihm den Kredit. Ist die Idee wirklich cool, kann er den Kredit zurückzahlen. Geld wird geschöpft und anschließend, bei der Tilgung des Kredits, gleich wieder vernichtet.

Was tatsächlich eine Rolle spielt, ist der Ausbildungsstand der Bevölkerung. Das Wirtschaftswunder nach dem zweiten Weltkrieg ist schlicht auf die Tatsache zurückzuführen, dass ein Land das Wohlstandsniveau erreicht, dass dem Ausbildungsstand entspricht. Mit Sparen hat das gar nichts zu tun. Kurios an dem Phänomen ist, dass die heute dozierende Ökokaste das sozusagen am "eigenen Leib" erlebt hat, also höchst sinnlich wahrnehmbar und dennoch die Suada vom sparen = investieren singt.

Es wird auch kein einziges Problem gelöst, wenn Griechenland, Spanien, Italien etc. sparen. Was diese Länder brauchen, sind pfiffige Ideen. Sparen verschärft lediglich die Krise. Sinnvoller als Geldtransfer wäre also ein know how Transfer und Direktinvestitionen in rentable Projekte. Sparen allein wird keinerlei Umstrukturierungsprozesse auslösen. Die Griechen müssen umschichten, von unproduktiven Tätigkeiten, hin zu produktiven Tätigkeiten. Nicht weil in den unproduktiven Tätigkeit keine Arbeit verkörpert ist, wie Adam Smith sich das vorstellt, siehe produktive / unproduktive Tätigkeiten, sondern weil beim kreditfinanzierten Konsum die Verschuldung steigt.

Teilweise lässt sich sogar recht genau berechnen, was zu tun ist. Ein Teil des spanischen Leistungsbilanzdefizits kommt z.B. durch den Import von Energie zustande. Durchzurechnen ist also, was dieser Import kostet und was es kosten würde, mehr Energie, Solarenergie, in Spanien zu erzeugen. Anstatt also Energie ad calendas graecas einzukaufen, könnte man einen Kredit aufnehmen, die Anlagen aufbauen und mit dem gesparten Geld den Kredit tilgen.

Die eigentlich entscheidende Variable ist die Ausbildung der Gesellschaft. Je mehr fixe Leute vorhanden sind, je mehr sich diese fixen Leute mit anderen fixen Leuten vernetzen können, die meisten Projekte sind so komplex, dass sie nur von Teams bewältigt werden können, desto größer ist das Wirtschaftswachstum. Das eigentliche Problem der Wirtschaft sind überhaupt nicht die "rein wirtschaftlichen" Zusammenhänge, also die Beziehung der begrenzten Anzahl von Parametern, die die Ökokaste typischerweise in ihren Modellen verbackt.

Das eigentliche Problem ist die Organisation des Bildungswesens. Oder um es mal ganz genau zu sagen: Es schlurfen zuviele Deppen dozierend durch die Unis. Projekte zu entwickeln und umzusetzen, ist nicht gerade die Stärke dieser verbeamteten Ökokaste. Das ewige Gelalle von I = S ist ein bisschen ekelhaft. Das müssen die Jungs und Mädels jetzt einfach mal lassen. Es ist ökonmisch falsch und eher Teil des Problems, als Teil der Lösung. Das Gesülze ist nicht viel besser als der Marxismus Hokuspokus an der ehemaligen Ostfront. Das gleiche Problem haben wir mit dem Spruch hier.

A circulation can never be so abundant as to overflow; for by diminishing its value, in the same proportion you will increase its quantity, and by increasing its value, diminish its quantity.

Der Umlauf an Geld kann nie so üppig sein, dass es überfließt, denn in dem Maße, wie sein Wert verringert wird, wird die Menge zunehmen und wenn der Wert zunimmt, wird die Menge abnehmen.

aus: David Ricardo, On the Principles of Political Economy and Taxation, On Currency and Banks

Damit zielt er auf Adam Smith und David Hume, siehe Zahlungsbilanz, denen eben schon sehr zutreffend auffiel, dass "überschüssiges" Geld eben sehr wohl produktiv verwendet werden kann.

Seine Theorie, jede Vermehrung der Geldmenge wirkt inflationär, ist Schwachsinn. Dies hätte man schon sehen können, wenn man sich die Quantitätsgleichung anschaut.

reales Sozialprodukt * Preis = Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit

Wenn das Sozialprodukt gewichtet mit dem Preisniveau, der Geldmenge multipliziert mit der Umlaufgeschwindigkeit entspricht, dann kann bei einer Ausdehnung der Geldmenge sowohl das Sozialprodukt steigen, wie auch der Preis und es ist sogar wahrscheinlicher, dass das Sozialprodukt steigt, denn wenn das Geld niemand bei den Banken abholt, wird die Geldmenge gar nicht erhöht und nur wenn irgend jemand etwas damit anstellen kann, was es ihm erlaubt, den Kredit zu tilgen, wird er es dort abholen.


Abgesehen davon haben Banken immer "überschüssiges" Geld, denn sie können qua Giralgeldschöpfung Geld schaffen. Nach seiner Logik müsste wir also ständig eine enorme Inflation haben, wenn der Mindestreservesatz nicht 100 Prozent beträgt, das heißt die Möglichkeit zur Giralgeldschöpfung vollkommen eingeschränkt wird.

Tatsächlich haben wir das aber nicht, denn erst wenn jemand zur Bank geht und einen Kredit haben will, wird das Geld geschöpft, ex nihilo, ganz ohne Akkumulation oder Sparen.

Es wird aber niemand zur Bank gehen und dort Geld abholen, wenn er es nicht investieren will. Da er es aber investieren will, wird er etwas produzieren und damit steigt das Volkseinkommen. Zumindest ist das sehr viel wahrscheinlicher, als das jemand Kredite aufnimmt um ein Produkt zu konsumieren, dass es gar nicht gibt. Der einzige, der sowas tut, ist der Staat. Der kickt dann privaten Konsum raus.

Der einzige, der auf die Idee kommen kann, Geld bei den Banken abzuholen ohne die Absicht zu haben, es auch vollständig zurückzuzahlen ist der Staat und selbiger ist auch der einzige, dem eine Bank unter diesen Auspizien überhaupt Geld gibt, denn er bietet phantastische Sicherheiten.

Der Staat ist also tatsächlich ein wackeliger Kandidat. Die Regierung, die die Kredite aufnimmt, denkt in Wahlperioden und sie haftet auch nicht für die Kredite, geschweige denn persönlich. Obendrein kann sie aber auch noch Sicherheiten bieten, die kein privater Investor bieten kann. Und last not least bestehen Regierungen in der Regel aus Juristen, die weder von Wirtschaft etwas verstehen, noch Berufserfahrung haben. Wir haben hier also eine ganz gefährliche Situation.

Ob die expansive Fiskalpolitik tatsächlich der zentrale Baustein der keynesianischen Theorie ist, würde der Autor bestreiten. Auf jeden Fall wäre es günstiger, wenn die EZB schlicht die Kreditvergabe an die Privatbanken an die Bedingung knüpft, dass diese damit ausschließlich Realinvestionen finanziert. Damit kann man die Spekulation auch abwürgen.

Es ist nicht das Geldangebot, das die Geldmenge ausdehnt, sondern die Geldnachfrage und nur wenn die Geldnachfrage rein konsumtiv induziert ist, haben wir Inflation, denn andernfalls wird das Geld anschließend wieder vernichtet, wenn nämlich der Kredit zurückgezahlt wird. Des weiteren impliziert Investition, dass das Warenangebot erhöht wird.

Die Konstruktion "Überfließen von Geld", oveflow, ist nun merkwürdig. Es ist zu vermuten, dass David Ricardo hiermit ein Idee aufgriff, die allgemein diskutiert wurde. Und in der Tat lesen wir Ähnliches bei Adam Smith in Wealth of Nations. Tatsächlich ist es so, dass Geld "überfließen" kann, das ist ein wesentliches Element der keynesschen Theorie. Eine bestimmte Menge Geld wird schlicht für Transaktionszwecke gebraucht, um also das Sozialprodukt umzusetzen, der Rest wandert in die Spekulationskasse. Da dieser Rest gar nicht zum Erwerb von Gütern gebraucht wird, kann er auch schlecht eine allgemeine Preissteigerung bewirken. Dass eine Spekulationskasse vorhanden ist, also Geld, das nicht für Transaktionzwecke gebraucht wird, ist heute offensichtlich, wir werden im Kapitel über Keynes Keynes darauf zurückkommen. Die keynessche Spekulationskasse wird man etwas anders definieren müssen, damit sie für die heutigen Verhältnisse passt.

Fragen könnte man sich natürlich, warum Ricardo nicht direkt das Geldmengenwachstum an das Wachstum des Sozialproduktes knüpfte. Sein Mechanismus, siehe oben, sorgt ja indirekt für eine am Wachstum orientierte Vermehrung der Geldmenge. Der schlichte Grund könnte sein, dass man damals nicht in der Lage war, das Sozialprodukt zu berechnen. Bei Adam Smith lesen wir.

What is the proportion which the circulating money of any country bears to the whole value of the annual produce circulated by means of it, it is perhaps impossible to determine. It has been computed by different authors at a fifth, at a tenth, at a twentieth, and at a thirtieth, part of that value.

Was das Verhältnis des umlaufenden Geldes eines Landes zum seinem jährlichen Sozialprodukt angeht, das mit diesem umgesetzt wird, so lässt sich dieses wahrscheinlich nicht bestimmen. Von verschiedenen Autoren wurde berechnet, dass dieses ein Fünftel, ein Zehntel, ein Zwanzigstel oder ein Dreißigstel dieses Wertes beträgt.

aus: Adam Smith, Wealth of Nations, Book II, Chapter II


Zwischen einem Fünftel und einem Dreißigstel haben wir dann natürlich eine große Spanne. Mit so vagen Vorstellungen lässt sich keine Geldpolitik machen.

Wenn man aber die optimale Relation zwischen Sozialprodukt und Geldmenge nicht errechnen kann und nicht mal weiß, wie hoch das Sozialprodukt überhaupt ist, was damals wohl der Fall war, dann ist die Bindung an das Gold eine gute Idee. Ist zuviel Geld im Umlauf, wird es durch den Umtausch von Geld in Gold dem Wirtschaftskreislauf entzogen. An einer Vermehrung der Geldmenge über einen Umtausch von Gold in Geld besteht hingegen wohl kein Bedarf. Jede Regierung sorgt immer für eine ordentliche Staatsverschuldung und damit für eine Vermehrung der Geldmenge.

Die Klassik und die Neoklassik sind von der fixen Idee beherrscht, dass nur durch Sparen Investitionen finanziert werden können. Einen wahren Kern hat die Aussage nur insofern, als bei Vollbeschäftigung, von der in der Klassik immer ausgegangen wird, die aber tatsächlich nie vorliegt, die Investition immer zu Lasten des Konsums geht. Adam Smith war hier weitsichtiger als Ricardo.

The commerce of Scotland, which at present is not very great, was still more inconsiderable when the two first banking companies were established; and those companies would have had but little trade, had they confined their business to the discounting of bills of exchange. They invented, therefore, another method of issuing their promissory notes; by granting what they call cash accounts, that is, by giving credit, to the extent of a certain sum (two or three thousand pounds for example), to any individual who could procure two persons of undoubted credit and good landed estate to become surety for him, that whatever money should be advanced to him, within the sum for which the credit had been given, should be repaid upon demand, together with the legal interest. Credits of this kind are, I believe, commonly granted by banks and bankers in all different parts of the world. But the easy terms upon which the Scotch banking companies accept of repayment are, so far as I know, peculiar to them, and have perhaps been the principal cause, both of the great trade of those companies,and of the benefit which the country has received from it.

Der Handel in Schottland, der auch heute nicht besonders bedeutend ist, war noch unbedeutender, bevor die zwei ersten Banken gegründet wurden und diese Gesellschaften hätten nur wenige Geschäfte getätigt, wenn sie ihr Geschäft auf die Diskontierung von Wechseln beschränkt hätten. Sie entwickelten deshalb eine andere Methode, ihre Zahlungsversprechen zu emittieren. Durch die Einräumung eines Überziehungskredites, also durch die Gewährung eines Kredites in bestimmter Höhe (zwei oder dreitausend Pfund zum Beispiel) an jedermann der zwei ohne Zweifel kreditwürdige Bürgen mit Landbesitz und die Zusicherung, dass jede Summe, die diesem vorgestreckt worden war, auf Verlangen in voller Höhe mit Zinsen zurückbezahlt würde, stellen kann. Kredite diese Art sind, so denke ich, bei allen Banken und Bankern überall üblich. Doch die erleichterten Bedingungen mit welcher die Schottischen Banken die Auszahlung zusichern, sind, so weit ich das weiß, einzigartig und waren vielleicht die Hauptursache sowohl für die große Geschäftstätigkeit dieser Banken wie auch für den Vorteil, den das Land hieraus bezog.

aus: Adam Smith, Wealth of Nations, Book II, Chapter II

Vereinfacht: Die Bank sicherte also bestimmten Leuten, für die wiederum jemand gebürgt hat, zu, bei Zahlungsausfall deren Wechsel in der Höhe der noch nicht getilgten Schuld einzulösen. Wenn also A eine Garantie der Bank über 2000 Pfund hat, ist B gerne bereit, einen Wechsel von ihm anzunehmen, weil er weiß, dass die Bank dahinter steht. B hat also geliefert, was A wollte. Somit konnte A investieren, etwa in ein neues Fuhrwerk, ohne dass irgendjemand hierfür Geld angespart hätte. Zahlt A den Kredit an B zurück, wird das "Geld" vernichtet, der Wechsel ist de facto Geld, zahlt er nicht zurück, wechselt eine Menge Geld den Besitzer: Es wandert von der Bank zu B und die Bank wiederum holt es sich von den Bürgen.

David Ricardo ist das jetzt unheimlich, er schreibt dazu.

Adam Smith speaks of the advantages derived by merchants from the superiority of the Scotch mode of affording accommodation to trade, over the English mode, by means of cash accounts. These cash accounts are credits given by the Scotch banker to his customers, in addition to the bills which he discounts for them; but, as the banker, in proportion as he advances money, and sends it into circulation in one way, is debarred from issuing so much in the other, it is difficult to perceive in what the advantage consists. If the whole circulation will bear only one million of paper, one million only will be circulated; and it can be of no real importance either to the banker or merchant, whether the whole be issued in discounting bills, or a part be so issued, and the remainder be issued by means of these cash accounts.

Adam Smith spricht von den Vorteilen, die die Händler durch die Überlegenheit der schottischen Methode bezüglich des Handels haben, nämlich durch die Buchkonten. Diese Buchkonten sind Kredite, die Schottische Banken ihren Kunden zusätzlich zu den Wechseln, die sie für sie diskontieren, gewähren. Der Banker jedoch ist, in dem Maße, wie er Geld vorstreckt und es in Umlauf bringt, daran gehindert, dieses auf andere Art in Umlauf zu bringen. So ist es schwierig, den Vorteil zu erkennen. Wenn der gesamte Umlauf nur eine Million Papiergeld aufnehmen kann, dann kann auch nur eine Million in Umlauf gebracht werden und es ist weder für den Banker noch für den Händler von irgendwelcher Bedeutung, ob das ganze Geld durch die Diskontierung von Wechseln in Umlauf gebracht wird oder nur ein Teil davon und der Rest durch Gewährung von Buchkonten.

Der Autor wiederum vesteht nicht, was David Ricardo daran nicht versteht. Gewähren die Banken selber Wechselkredite, dann müssen sie auch Geld rausrücken. In diesem Fall ensteht kein zusätzliches Geld. In diesem Fall tüten sie Geld aus und sammeln es wieder ein, wenn der Kredit bezahlt wird. Bei der Methode von Adam Smith entsteht zusätzliches Geld. Die Bank tütet überhaupt kein Geld aus. Sie bürgt nur für Geld und deckt das hieraus entstehende Risiko durch andere Bürgen.

Das Grundproblem von David Ricardo verstehen wir sehr gut, es ist das gleiche, das die heutigen Sparer haben, wenn die Zentralbank den Geldmarkt mit Liquidität flutet. Dass David Ricardo, der ja 67 Millionen Pfund an der Börse erspekuliert hat und wahrscheinlich vom Geldverleih lebte, das nicht witzig findet, ist verständlich, ändert aber nur wenig an der Tatsache, dass ex ante Sparen und Kreditvergabe nichts miteinander zu tun haben. David Ricardo versteht da was falsch. Die Bank bürgt lediglich für das Geld, tütet es aber nicht aus. Wahrscheinlich will er es aber auch gar nicht verstehen.

Er versteht aber auch das tieferliegende Problem nicht. Selbst wenn die Banken direkt Geld ausleihen würden, also direkt in das Risiko einsteigen, könnten brachliegende Ressourcen mobilisiert werden, immer unter der Vorraussetzung natürlich, dass irgendjemand die brachliegenden Ressourcen produktiv nutzen kann, das heißt so nutzen kann, dass er den Kredit zurückzahlen kann. Zahlt er ihn nämlich zurück, wird die Geldmenge gar nicht vermehrt.

Spanien, Griechenland, Portugal etc. zum Beispiel täten besser daran, die Güter, die sie durch die Produktion eines Leistungbilanzdefizites erhalten haben, im Land selber zu produzieren. Es ist zwar nett von ihnen, dass sie es Deutschland erlaubt haben, die Arbeitslosigkeit zu exportieren, aber langfristig bringt das alles gar nix.

Dass sich Marx an Ricardo hält und Adam Smith geflissentlich übersieht, bzw. nur das sieht, was er sehen will, können wir ebenfalls nachvollziehen. Denkt man nämlich Adam Smith zu Ende, können die Kapitalisten nämlich auch von den Zentralbank expropriiert werden, vor allem wenn die Proleten über das nötige know how verfügen. Da aber im Marxschen System es die Proleten sind, die tatsächlich arbeiten, verfügen die Proleten eben auch über das know how. Bill Gates, Steve Jobs, Hasso Plattner, Larry Page gehen zur Bank, holen sich Geld und expropriieren die Kapitalisten. Das kann so ganz locker innerhalb von zehn Jahren passieren. Das ist gar nicht theoretisch. Wir haben zu unseren Lebzeiten sehr konkret gesehen, dass zwei Softwareheinis, also google, Tausende von Verlagen in den Boden stampfen und riesige Medienkonzerne pulverisieren.

Bei Adam Smith sieht man, wie stark eine bestimmte Vorstellungswelt die Erkenntnis verbaut. Eigentlich war er immer wieder auf der richtigen Spur, hat aber nicht gesehen, welche Konsequenzen sich aus seinen Vorstellungen ergeben.

David Ricardo erhoffte wahrscheinlich sein Geldkapital verzinst zu bekommen. Damit hat er dann das gleiche Problem, wie die Kapitalsammelstellen heute. Wenn man Geld beliebig schöpfen kann, gibt es nur einen geringen Bedarf an Gespartem. Das Thema dürfte uns in 15 Jahren noch massiv beschäftigen. Im Fokus stehen im Moment die Banken. Der Autor vermutet, dass die eigentliche Zeitbombe bei den Versicherungen tickt.

Es ist ein Problem der theoretischen VWL, bis auf den heutigen Tag, dass sie von den konkreten intitutionellen Verankerungen eines System abstrahiert. Das erschwert das Verständnis, weil es dem Leser überlassen bleibt, sich zu überlegen, wie eine Theorie tatsächlich umgesetzt wird. In ein Lehrbuch

M * V = P * Y

mit M = Geldmenge, V = Umlaufgeschwindigkeit, P = Preisniveau und Y Sozialprodukt, zu pinseln ist ein Sache. Sich auszumalen was das unter konkreten institutionellen Rahmenbedingungen bedeutet eine andere.

Unter Abstraktion der konkreten institutionellen Verankerung hat das sogar eine gewisse Logik, auch wenn es, wie wir später, im Kapitel über Keynes sehen werden, grottenfalsch ist. Die Gleichung besagt, als mögliche Option, dass das Preisniveau steigt, wenn man die Geldmenge ausdehnt (wenn nicht das Sozialprodukt steigt).

Im Grunde sagt die Gleichung jedoch schlicht gar nichts und insbesondere nicht, wie das Geldsystem mit der Realwirtschaft gekoppelt ist, weil unklar ist, wie das Geld, in den Wirtschaftskreislauf kommt.

Denkbar sind alle möglichen Zusammenhänge mit jeweils höchst unterschiedlichen Wirkungen auf die Realwirtschaft. Kann der Staat selbst Zentralbankgeld schöpfen und verwendet dieses Geld, was zum Beispiel während der Weimarer Zeit (die Schatzanleihen sollten im NACHHINEIN von der Bevökerung gedeckt werden) der Fall war, und wird dieses Geld rein konsumtiv verwendet, dann wird es naheliegenderweise nie mehr eingezogen, die Geldmenge und das Preisniveau steigt.

Stellt der Staat mit dem Geld Infrastruktur zur Verfügung, Straßen etc. dann steigert er die Produktivität der Privatwirtschaft und damit das Sozialprodukt. Ist Fortuna wohlwollend gestimmt, kann ein Teil der Kredite sogar qua Steuern getilgt werden, weil mit einem höheren Sozialprodukt auch die Steuereinahmen steigen. Nehmen private Unternehmen Kredite auf, wird ebenfalls Geld geschöpft. Zahlen sie die Kredite zurück, wird Geld im gleichen Umfang vernichtet, wie es vorher geschöpft wurde. Tun sie das nicht, bleibt das Geld in der Wirtschaft.

Mit sehr wenig Phantasie, lassen sich also alle möglichen Wirkungsketten ausdenken, wobei die Klassik und Neoklassik nur einen Zusammenhang sieht: Steigt die Geldmenge, steigen die Preise. So einfach ist das weder in der Theorie noch in der Praxis.

Wir werden im Kapitel über den Monetarismus die verschiedenen monetären Transmissionsmechanismus nochmal diskutieren, siehe Monetarismus.

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE

Das Wachstum einer Volkswirtschaft hängt von der Innovationskraft ab, nicht vom Sparen

Ricardo vertritt eine spezielle Form der Quantitätstheorie. Die Feinjustierung der Geldmenge geschieht über die Konvertierbarkeit von Papiergeld in Gold.

Er vertritt des weiteren eine Geldschleiertheorie. Geld hat keinen Einfluss auf die Wirtschaft. Diese These vertritt auch Milton Friedman. Falsch ist es trotzdem.

Adams Smith und David Hume folgen der Wahrheit immer wieder dicht auf den Fersen, verlieren dann aber ihre Spur wieder.

Das Grundproblem ist immer das Gleiche. Wachstum hängt nicht ab vom Sparen, sondern von der Innovationskraft.

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