Wer eine Biographie zu David Ricardo sucht, der findet eine solche, hoppla wer hätte das gedacht, bei Wikipedia: David Ricardo.

David Ricardo hat Eingang gefunden in die akademischen Lehrbücher mit seiner Theorie zu den komparativen Kosten. Diese beschreibt er auf einer Seite von 380 Seiten seines Hauptwerkes, On the Principles of Political Economy and Taxation, Grundlegende Zusammenhänge der Politischen Ökonomie und der Besteuerung.

Dass unter Umständen die Subsummierung von Autoren unter einer Epoche nicht besonders sinnvoll ist, wird im Falle von David Ricardo sehr deutlich, denn eigentlich, auch wenn der formale Aufbau seines Hauptwerkes starke Ähnlichkeiten mit Wealth of Nations aufweist, handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Theoriegebäude oder, wenn wir genauer sein wollen, um unterschiedliche Akzentuierungen oder, wenn wir es noch genauer haben wollen, was schon bei Adam Smith falsch war, aber nur ein Teilaspekt ist, wird bei Ricardo zur Kernaussage: Die Akkumulation des Kapitals. Die Thesen von Ricardo beruhen auf vier Aussagen, die alle vier grottenfalsch sind.


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1.2.1 David Ricardo

John Maynard Keynes
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  1. Das Wachstum der Bevölkerung ist begrenzt durch das Nahrungsmittelangebot, welches wiederum begrenzt ist durch die agraisch nutzbaren Flächen. Wächst die Bevölkerung, steigen die Nahrungsmittelpreise, weil entweder immer mehr unfruchtbare Böden bewirtschaft werden müssen, was einen höheren Einsatz an Arbeit und Kapital erforderlich macht, oder die Nahrung von immer weiter herangeschafft werden muss.

  2. Die zweite Prämisse ist das, was als ehernes Lohngesetz in die Geschichte eingegangen ist. Übernommen hat er den Stuss von Thomas Malthus. Das eherne Lohngesetz besagt, dass die Entlohnung der Arbeiter langfristig sich nicht vom physischen Existenzminimum wird lösen können. Tut es dies dennoch, werden die Arbeiter heiraten und Kinder kriegen. Da sie mit dem, kurzfristig über dem physischen Existenzminimum liegenden Lohn diese Kinder auch werden ernähren können, wird die Bevölkerung wachsen und zwar solange, bis der höhere Preis für Nahrungsmittel, der sich aus der Begrenztheit des Bodens ergibt, die Reallöhne wieder auf das physische Existenzminimum drückt, bei dem die Bevölkerung konstant bleibt.

  3. Er geht davon aus, dass allein die Arbeit einen Mehrwert schafft, damit sind wir dann schon fast bei Karl Marx, und dieser Mehrwert akkumuliert wird. Falsch daran ist nicht nur die Vorstellung, dass Arbeit akkumuliert wird. Falsch daran ist schon die Grundidee. Die Akkumulation ist nichts anderes als Sparen, wobei er davon ausgeht, dass dieses Sparen ex ante erfolgt, also die Entscheidung welcher Anteil des Sozialproduktes konsumtiv und welcher investiv verwendet wird, ex ante erfolgt. Die Wahrheit ist, dass bei Unterbeschäftigung der Konsum nicht zu Lasten der Investition erfolgen muss. Hat jemand eine brilliante Idee, geht er zur Bank, leiht sich Geld, welches, um es pointiert auszudrücken, von der Zentralbank gedruckt und von niemandem angespart wurde und stellt die bislang arbeitslosen Arbeiter ein. Einen trade off zwischen Investieren und Konsumieren gibt es, bei Unterbeschäftigung, nicht. Die Investitionstätigkeit erfolgt zusätzlich. Dies erkannt zu haben, ist die wesentliche Leistung von Joseph Schumpeter und nicht die diesem immer wieder zugeschriebene "schöpferische Zerstörung".

  4. Bei Ricardo kann man zwar irgendwie akkumulieren oder sparen, aber entsparen ist in seinem Modell nur als überhöhter Konsum, der die Substanz angreift, vorgesehen. In der realen Welt wird aber mehr Kapital durch Insolvenzen vernichtet, als durch übermäßigen Konsum. Kapital ist bei ihm immer "flüssig" und kann problemlos überall hinwandern. Genau das ist aber nicht der Fall. Da Kapital eben nicht wandern kann, kann es genau so gut vernichtet, wie akkumuliert werden. Für die Gesamtwirtschaft ist das aber nicht tragisch, weil das Wachstum der Gesamtgesellschaft eben nicht von ex-ante sparen abhängt.

Wer will kann bei Ricardo ein hübsches Beispiel dafür sehen, dass implizite Annahmen, etwa über den Stand der Technik, die Grundlagen einer Theorie komplett in Frage stellen können. Das ist insofern interessant, als durch jedes Lehrbuch der VWL ohne Ende Variablen geistern, die lediglich Ausdruck einer Ursache sind, nicht aber die Ursache selbst und deren Erklärungswert von daher Null ist bzw. sich im Nebulösen verliert. Die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals zum Beispiel ist Ausdruck komplexer Ursachen: Bildung, Innovationskraft, geschickte Steuerung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung etc.. Wer sie lediglich als Parameter in ein Modell einbaut, expediert die eigentlichen interessanten Probleme und erhält ein Modell, welches seine Allgemeingütigkeit aus seiner geringen Aussagekraft bezieht. Ein Modell, das die Verhältnisse in Bolivien genau so erklärt, wie die Verhältnisse in der BRD ist schlicht unbrauchbar.

David Ricardo ist ein illustratives Beispiel für mehrere Probleme, die für die VWL typisch sind. Das Modell nimmt Effekte für Ursachen und beschreibt Beziehungen zwischen Effekten, die sich logischerweise ändern, wenn die Ursachen, die diese Effekte hervorbringen, sich ändern. Z.B. hing die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln schon zu seiner Zeit nicht von der Verfügbarkeit agrarisch nutzbarer Flächen ab, sondern von den Transportmöglichkeiten. Allgemein hängt die Nahrungsmittelproduktion von der Verfügbarkeit von Wasser ab und das Vorhandensein von Süßwasser von der technischen Entwicklung. Auch zu seiner Zeit, das bemerkt Adam Smith, ging das Bevölkerungswachstum im übrigen mit zunehmendem Reichtum zurück. Da genau das Gegenteil von dem eingetreten ist, was David Ricardo prognostizierte, in jeder Hinsicht, illustriert die ricardianische Theorie plastisch was passiert, wenn man Effekte für Ursachen nimmt.

Um es mal kurz und bündig und überspitzt zu sagen: Agraisch nutzbare Flächen haben vor allem dann einen Wert, wenn die EU Geld für deren Stillegung bezahlt. Kapital wird nicht akkumuliert, da es im Zweifelsfalle von der EZB gedruckt wird. Das Problem vieler Industriestaaten sind schrumpfende Bevölkerungen.

Typisch für die VWL ist auch die Tatsache, dass nur wenige Parameter, und eigentlich immer die gleichen, überhaupt Eingang finden in das Modell. Ohne Aussagen über technischen Fortschritt, insbesondere wie man diesen KONKRET vorantreibt, über das Bildungssystem, Entwicklung der Organisation, politische Rahmenbedingungen etc.. können keine langfristigen Prognosen erstellt werden. Prognosen können maximal erstellt werden für das nächste Jahr, wo sie aber meistens auch falsch sind. Berücksichtigt das Modell nur wenige Parameter, wird also von der Realität weitgehend abstrahiert, erhalten wir Modelle, die zwar immer gelten, aber trivial sind.

Ein typisches Beispiel für so eine Trivialthese ist das Pareto Optimum. Dieses besagt, dass ein Tausch nur solange stattfindet, bis zumindest einer der Tauschpartner seine Situation verbessert und die des anderen nicht verschlechtert wird. In solch einem Zustand, besteht ein Gleichgewicht, weil sich keiner der Tauschpartner mehr verbessern kann. Die These ist so richtig wie die These, dass man desto mehr Geld ausgeben kann, je mehr man hat. Sie ist vollkommen trivial. Uns interessiert wieviele Waren zum Tausch zur Verfügung stehen und nicht die Binse, dass man nur tauscht, wenn man was davon hat. Ein bisschen Mathe Hokuspokus nützt da wenig, die Aussage ist auch dann noch trivial, siehe mathematische Modellierung.

Für einen kurzen Zeitraum mag das Modell von Ricardo zutreffend gewesen sein, für England genauso wie für Argentinien, da sich in einer sehr kurzen Frist die Rahmenbedingungen nicht ändern. Langfristig war aber die Entwicklung der verschiedenen Volkswirtschaften sehr unterschiedlich.

Aussagen über Technik, Verhalten etc. werden in die Modelle, wenn überhaupt, in abstrakter Form eingeführt, so dass sich zwar Aussagen über Entwicklungen machen lassen, aber nicht über Größen. Uns interessieren aber Größen. Uns interessiert nicht wie sein hypothetisch angenommener technischer Fortschritt auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirkt. Das führt zu Binsen. Uns interessiert, wie man den technischen Fortschritt konkret beeinflussen kann. Wir sehen ein, dass die Ökokaste zu dem Thema nichts zu sagen hat. In diesem Fall ist aber günstiger, einfach zu schweigen.

Die Ökokaste bestätigt ein Gesetz von Parkinson: In der Regel diskutieren Bürokratien über Dinge, von denen sie Ahnung haben, aber nicht über die Dinge, die relevant sind.

Selbst bei einem primitivem Modell wie dem von Ricardo, das schon grundsätzlich falsch ist, hätte uns natürlich interessiert, wie hoch die Profite denn eigentlich genau sind. Unter Abstrahierung der oben genannten Faktoren kann er eine allgemeine Entwicklung beschreiben, wobei in diesem konkreten Fall selbst diese falsch war, aber er kann sie nicht quantitativ beschreiben.

Die Aussagen über Entwicklungen sind so vage, dass sie uninteressant sind. Uns interessiert nicht, ob sich ein Gleichgewichtspreis einstellt, was dann die Neoklassik so vielgestaltig beschreibt, uns interessiert die Höhe, auf der er sich einstellt, die wiederum abhängt von der Technik, Bildung, know how Transfer, geschickte Investition in Forschung und Entwicklung, Organisation des Bildungswesens inklusiv Didaktic etc. etc.. Volkswirtschaftliche Theorien beschreiben die Wirtschaft Somalias so präzise oder unpräzise wie die Wirtschaft der BRD.

Immer gibt es irgendwelche Gleichgewichte oder Ungleichgewichte, die man durch Verschieben von Kurven verändern kann. Der Erkenntniswert dieses Geblubbere liegt sehr dicht bei Null. Es mag schon sein, dass es schwierig ist, in der Volkswirtschaftslehre zu ähnlich präzisen Aussagen zu kommen, wie in den Naturwissenschaften. Aber dass es mehr Sinn macht, zu versuchen praktische Probleme zu lösen bzw. sich berufsqualifizierende Kenntnisse anzueignen, wenn der Grenznutzen der Theorie bei Null liegt, kann man schon kapieren, selbst als Beamter ohne Berufserfahrung.

Wer will kann die Angelegenheit auch philosophischer betrachten. Menschen neigen allgemein dazu, bestimmte Dinge für im Zeitablauf als stabil zu hypostasieren. Sie neigen allgemein dazu, Effekte für Ursachen zu halten unter Abstraktion der Dynamik zwischen Subjekt und Objekt, um es mal philosophisch abstrakt auszudrücken. Von daher springt Popper in seinem Werk "Das Elend des Historizismus" viel zu kurz. Problematisch sind nicht nur Weltanschauungen, die eine bestimmte historische Entwicklung hypostasieren, sondern ganz prinzipiell die Hypostasierung von etwas als stabil, was lediglich der Effekt von etwas ist.

Um es mal an einem einfachen Beispiel zu erläutern. Eine Islamkonferenz macht dann Sinn, wenn man den Islam, bzw. die Gruppe, die sich diesem zugehörig fühlt, als etwas Stabiles betrachtet. Geht man davon aus, dass diese Gruppen lediglich bezüglich Homosexualität, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, außereheliche Beziehungen, Einstellung zu Frauen, Befolgung religiöser Riten und Bräuche etc. Ansichten vertreten, die auch für die Bevölkerung "christlicher" Nationen im 19. Jahrhundert typisch waren, dann ist die Islamkonferenz sinnlos, weil es eher ein kulturelles und weniger ein religiöses Problem ist. Der Begriff Islamkonferenz suggeriert, dass die Probleme irgendwas mit dem Islam zu tun haben. De facto dürfte es ein zeitliches Problem sein. Islamische Gesellschaften hinken der allgemeinen Entwicklung teilweise 50 Jahre hinterher. Ein Problem, dass in sich in den nächsten 20 Jahren von alleine löst.

Mit diesen vier Aussagen kommt er dann zu dieser Theorie. Am Anfang der Menschheitsgeschichte ist Boden in unbeschränkter Menge vorhanden. Um ihn zu bearbeiten, braucht man nur Kapital (wie das erste Kapital zustande kommt, erklärt er nicht, wahrscheinlich unterstellt er einen ähnlichen Zusammenhang wie Adam Smith. Der frühe Jäger, Fischer, Bauer verwendete nicht seine ganze Arbeitszeit mit jagen, fischen, ackern, sondern auch damit, Werkzeuge herzustellen, die das Jagen, das Fischen, das Ackern effizienter machten. Er produzierte also Fallen, Speere, Flitzebogen, Boote, Netze, Pflug etc.etc.. Diese von ihm erstellen Werkzeuge waren dann Kapital. Dieses wurde dann perfektioniert, so dass irgendwann irgendwelche Leute "Kapital" hatten.)

Für den Boden wird dieser ganz frühe Kapitalist noch nicht allzuviel bezahlen müssen, im Zweifelsfalle gar nichts, weil der Boden entweder niemandem gehörte oder der Bodenbesitzer ganz schlechte Karten hat, weil es relativ schwierig ist, für igend etwas Geld zu verlangen, was üppig vorhanden ist.

Dieser ganz frühe Kapitalist wird sich aber auch schon überlegen, wo sich sein Kapital am meisten akkumuliert. Die Arbeiter kann man dazu anstellen, den Boden zu beackern, Häuser zu bauen, Werkzeuge herzustellen etc..

Da das Kapital immer da hinwandert (also der akkumulierte Mehrwert muss schon irgendwie flüssig sein, also z.B. in Gold vorliegen), wo es die größten Profite abwirft, wird die Profitrate in allen Anwendungen gleich sein, denn wenn sie irgendwo anders höher ist, wird das Kapital dahin wandern.

In diesem frühen Stadium kann aber der Lohn durchaus noch über dem physischen Existenzminimum liegen, da die Nachfrage nach Arbeit größer ist, als das Angebot an Arbeit, bzw. Nahrungsmittel sind noch relativ billig, weil Boden, der letztlich begrenzte Faktor, noch reichlich vorhanden ist.

Aufgrund der kruden Prämisse, dass jeder Lohn, der über dem physischen Existenzminimum des Arbeiters und seiner Famlie liegt, wird sich aber die Bevölkerung solange ausdehnen, bis irgendwann ein Zustand erreicht wird, bei der die Nahrungsmittelproduktion nur noch mit einem immer größeren Einsatz an Arbeit ausgedehnt werden kann, sei es, weil die Böden intensiver bearbeitet werden müssen, sei es, weil die Nahrung über weite Strecken transportiert werden muss.

Irgendwann wird dann, unter seinen Prämissen, ein Zustand erreicht, bei dem der volle Lohn der Arbeiter für das physische Existenzminimum draufgeht.

Für die Profitrate ergibt sich dann folgendes. Da mit zunehmender Bevölkerung Nahrung immer teurer wird und der Kapitalist zumindest einen existenzsichernden Lohn bezahlen muss, wird sein Profit immer geringer. Im Gegenzug nimmt aber die Bodenrente zu. Der Preis für Nahrungsmittel ergibt sich nämlich aus dem unproduktivsten Boden, bzw. je mehr Nahrung gebraucht wird, desto höher ist der Marktpreis. Die besonders produktiven und / oder nahe gelegenen Böden erhalten also eine Rente, die zu Lasten des Profits geht.

Das ist die entscheidende Stelle, machen wir uns das an einem Beispiel klar. Eine Stadt hat einen Bedarf an Getreide von X Tonnen. Der Preis für das Getreide ist natürlich in dieser Stadt einheitlich. Das kann nicht anders sein, denn bei einem uneinheitlichen Preis würde die Leute da kaufen, wo es billiger ist, was die anderen Verkäufer dann veranlassen wird, den Preis zu senken. Die X Tonnen stammen zum Teil von agraisch nutzbaren Flächen in unmittelbarer Nähe und zum Teil aus Flächen, die weit entfernt liegen. Es ist nun klar, zumindest bei den damaligen Transportmöglichkeiten, Pferd und Kutsche, dass bei dem Getreide, das von weit her herangekarrt werden muss Transportkosten anfallen, die nicht anfallen, wenn die Flächen in unmittelbarer Nähe der Stadt liegen. Da es aber nur einen Preis gibt, erhält der Farmer in der Nähe der Stadt eine Rente. Rente heißt das Ding, weil es ein Einkommen ist, das nicht auf überlegener Leistungsfähigkeit beruht, sondern sich schlicht aus der Tatsache ergibt, dass er einen geographischen Vorteil hat.

In dem Maße nun, wie die Bevölkerung wächst, muss das Getreide von immer entfernter gelegenen Regionen herangekarrt werden, der Marktpreis steigt, die Rente nimmt zu. Der Kapitalist wiederum muss immer höhere Löhne bezahlen, damit seine Arbeiter überleben. Sein Profit sinkt.

Diesen Effekt kann der Kapitalist unter Umständen kompensieren, wenn er durch fixes Kapital, Anlagen / Maschinen, seine Arbeiter produktiver einsetzt. Zahlt er ihnen dann aber mehr, wird die Bevölkerung, siehe oben, wieder zunehmen, es müssen wiederum Nahrungsmittel unter ungünstigeren Bedingungen hergestellt werden und der Lohn wird sich wiederum auf einem Niveau einpendeln, das gerade ausreicht, das Existenzminimum zu sichern, wobei wir immer bedenken müssen, dass die Profitrate überall die gleiche ist, weil erstens der technische Fortschritt sich überall auswirkt, zumindest in der Vorstellung Ricardos, und zweitens Ricardo davon ausgeht, dass zumindest ein Teil des Kapitals, nämlich der variable Teil, immer dahin fließt, wo er am produktivsten ist. Die Profitraten gleichen sich folglich aus.

Daraus ergeben sich dann zwei Entwicklungen. Erstens nimmt die Profitrate immer weiter ab und zweitens nimmt die Bodenrente zu. Die Profitrate nimmt ab, weil nur die Arbeit einen Mehrwert erwirtschaftet (der Warenkorb, den der Arbeiter für seinen Lebensunterhalt braucht, ist immer kleiner, als der, den er produziert, er bekommt ja immer nur das Existenzminimum, das Mehr ist der Mehrwert, der geht an den "Kapitalisten"). Diese Arbeit wird aber in dem Maße, wie immer schlechtere Böden genutzt werden müssen, immer teurer wird, so dass der "Kapitalist" mehr bezahlen muss, damit ihm der Arbeiter nicht wegstirbt. Gleichzeitig steigt aber die Bodenrente. Was sich bildet, ist ein EINHEITLICHER Marktpreis für Getreide, Kartoffeln, Fleisch etc.. Je höher dieser Marktpreis nun ist, also je mehr Arbeit in die Bewirtschaftung der Felder und den Transport der Nahrung investiert werden muss, desto mehr verdienen die fruchtbarsten / nah gelegenen Böden. Ricardo definiert also präzise, was eine Rente ist. Das Konzept der Konsumenten bzw. Produzentenrente, das wir später noch, bei Alfred Marshall sehen werden, beruht auf den gleichen Überlegungen.

(Wobei das Konzept der Produzentenrente bei Alfred Marschall widersprüchlich ist. Herrscht vollkommene Information, davon geht die Neoklassik aus, und können die Produktionsfaktoren wandern, dann produzieren alle Anbieter, zumindest langfristig, zu den gleichen Kosten. Produzieren alle zu den gleichen Kosten, gibt es keine Renten. Allerdings bemerkt Alfred Marshall, ganz im Gegensatz zu dem was in den Lehrbüchern zur Mikroökonomie steht, dass das berühmte Kreuz von Alfred Marshall, das Kreuz aus Angebot und Nachfrage, nur für eine kurze Frist die Verhältnisse korrekt abbildet.)

Die Frage ist nun, was an dieser Theorie, als an der Beschreibung der wirtschaftlichen Entwicklung, falsch ist. Die Antwort auf diese Frage lautet, eigentlich irgendwie alles.

Wir wollen ihm mal gar nicht ankreiden, dass die heutige Situation sich nicht wirklich mit seinen Prognosen deckt. Zwar gibt es tatsächlich eine Bodenrente, aber die wird für die schlichte Nichtnutzung des Bodens von der EU in Form von Subventionen bezahlt um den Überschuss an Nahrungsmitteln abzusaugen.

Der Hokuspokus mit dem Boden findet sich zwar auch bei Adam Smith in Wealth of Nations, aber der meint dann schlicht, dass noch kein Land diesen Zustand, also den Zustand, wo alle Böden maximal genutzt werden müssen, jemals erreicht hat und wohl nie erreichen wird.

Vermutlich hat auch Adam Smith die Idee irgendwo aufgeschnappt und David Ricardo hat sie dann weiterentwickelt. Unterstellt man die von ihm beschriebene Bevölkerungsentwicklung, dann bedarf es im Übrigen keiner komplexen Theorie, um zu erkennen, dass das problematisch ist.

Die Entwicklung wäre im Übrigen auch nicht so gelaufen, wenn sein Prämissen zutreffend gewesen wären. On the Principles of Political Economy and Taxation erschien 1817, die französische Revolution hätte ihm bekannt sein müssen. Die Bodenbesitzer wurden schlicht an die Bäume gehängt und dann war gut. Das wäre auch in England passiert.

Unterstellt man, dass sich die Bevölkerung ständig vermehrt, hätten wir zwar trotzdem eine unheilvolle Entwicklung gehabt, aber nicht die, die er sich vorstellt. Die Geschichte mit der Bevökerungsentwicklung trifft zwar hinten und vorne nicht zu, das Muster scheint eher zu sein, dass mit zunehmendem Wohlstand, völlig umgekehrt als er sich das vorstellt, die Bevölkerung zurückgeht, aber aus seiner Zeit heraus konnte er das glauben, obwohl sich auch dann nicht der von ihm beschriebene Verlauf ergeben hätte, weil Leute, die am physischen Existenzminimum leben, nicht mehr viel zu verlieren haben. Da werden Gesellschaftordnungen sehr instabil und die Proletarier hätten einfach den Landsitz der Familie Ricardo gestürmt.

Da hätte er solange nach der Polizei schreien können, wie er wollte, da wäre niemand mehr gekommen. Des weiteren kann man sich natürlich fragen, was für einen Narren er am Boden gefressen hat. Wir schließen daraus, dass bei Familie Ricardo nie Fisch auf den Tisch kam, denn der Nahrungsmittelbedarf kann weitgehend auch über Fisch gedeckt werden. In den weiten Alaskas zum Beispiel wachsen nur Eisblumen, die Inuit ernähren sich nur vom Meer, das geht also. Wenn überhaupt, in Bezug auf die Nahrung, irgendetwas knapp ist, dann sind es Fische, nicht Getreide.

Boden ist im Übrigen überhaupt nicht knapp, war noch nie knapp und wird nie knapp sein. Was tatsächlich knapp ist, ist Wasser. Wir haben es also mit einem rein technischen Problem zu tun. In manchen Gegenden der Erde braucht man effizientere Wasserentsalzungsanlagen.
Alternativ hierzu könnte man auch die Produktion von Fischfarmen steigern. Was für ihn ein "ehernes Gesetz" ist, ist de facto ein rein technisch / wissenschaftliches Problem. Hätte man die Zeit, Grips, Energie und Geld, die man in die Verbreitung des David Ricardo Hokuspokus investiert hat, in die Lösung des eigentlichen Problems gesteckt, dann wäre selbiges wahrscheinlich schon gelöst.

Relevanter ist aber seine These von der "Akkumulation", was im Grunde lediglich eine spezielle Form von Sparen ist. Dieser Fehler ist jetzt natürlich relevanter, weil er bis auf den heutigen Tag nicht ausgerottet ist und dieser Irrglaube auch nicht auzurotten ist. Da kann sich Keynes noch so abmühen und sein ganzes Prestige in die Waagschale werfen. Hier haben wir es mit einer "Urerfahrung" zu tun, einer Erfahrung, die sich im privaten Bereich der Bevölkerung immer wieder bestätigt, auch wenn sie nicht auf die Gesamtwirtschaft übertragen werden kann. Gegen "Urerfahrungen" haben rationale Argumente keine Chance.

Die Einschränkung des Konsums, darin besteht letztlich sparen, ergibt sich, wenn überhaupt, ex post. Auch wenn man es in allen Lehrbüchern unscharf geschildert findet. Wer nicht sieht, dass die Gleichung Sparen = Investieren nur ex post gilt, der hat Keynes im Grunde nicht verstanden, auch wenn er ein halbes Semester lang über das IS-LM Modell philosophiert, siehe IS-LM Modell.

Im Übrigen ist die ganze Idee, dass Kapital "liquide" vorliegt völlig wirklichkeitsfremd und war das auch schon vor 200 Jahren. Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass David Ricardo, sowenig Ahnung hatte vom kaufmännischen Rechnungswesen und Buchhaltung wie Karl Marx. Vollkommen liquide ist Kapital eben nur in Form von Wertpapieren, was ja der Bereich ist, wo David Ricardo sein Geld gemacht hat.

Rein theoretisch kann Kapital in andere Verwendungen fließen, auch fixes Kapital, aber nur sehr allmählich. Anlagen und Maschinen, also fixes Kapital, werden abgeschrieben. Das heißt konkret, dass sie den Gewinn, also das Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung nach HGB zwar mindern, aber diese Verminderung als Aktiva, also Forderungen oder Bargeld, im Unternehmen verbleiben, wenn die Abschreibungen tatsächlich verdient wurden. Reine Ersatzinvestitionen können also auch aus verdienten Abschreibungen finanziert werden und in diesen Ersatzinvestitionen steckt eben immer auch technischer Fortschritt.

Kauft also eine Druckerei eine Heidelberger Druckmaschine für 1 Million Euro und schreibt diese in 10 Jahren ab, dann hat sie, wenn die Investition sich amortisiert hat und sie das Bargeld brav auf dem Konto hat liegen lassen, nach 10 Jahren 1 Million Euro auf dem Bankkonto und kann sich eine neue Druckmaschine kaufen.

(Einfachster denkbarer Fall: Sie "verdient" 10 Jahre lang 100 000 Euro. Zehn Jahre lang zahlt sie also keine Steuern, weil die 100 000 Euro durch die Abschreibung weggehoben werden. Sie hat also nach 10 Jahren wieder die 1 Million)

Innerhalb von 10 Jahren könnte sie also tatsächlich in ein andere Branche wechseln, etwa einen Mähdrescher oder eine Photovoltaik Anlage kaufen.

In welchem Umfang also via Desinvestition Kapital verlagert werden kann, ist völlig unklar.

Hinzukommt, dass selbst dann, wenn im statistischen Mittel Umwidmungen von Kapital in relevantem Umfang möglich sind, der Unternehmer das Kapital nur jemandem wird leihen können. Er wird in der Regel nicht in der Lage sein, in einer anderen Branche selbst tätig zu werden.

Der KFZ-Meister, der beschließt, ein Bauunternehmen aufzumachen, wird aus vielen Gründen Schiffbruch erleiden. Aus demselben Grund wird er selbst das variable Kapital nicht umwidmen können.

Er hat zwar, so das Unternehmen rentabel arbeitet, nach einem Monat die Löhne der Angestellten wieder "reingeholt", kann sie also, von der Rechtslage sehen wir jetzt mal ab, auch anderweitig verwenden, doch die Option ist theoretisch. Er hat das Wissen nicht um Arbeiter in anderen Branchen anzuleiten.

In speziellen Fällen ist es vorstellbar, dass ein Unternehmer in einer anderen Branche unternehmerisch tätig wird, aber das sind Ausnahmen. im Übrigen wird er auch gar nicht wissen, welche Branche überhaupt rentabler ist. Wer einwendet, dass die Banken hier als Clearing Stellen arbeiten, also via Zins die rentabelsten Investitionen finden, der hat nicht verstanden, dass Banken Kredite nach Maßgabe der Sicherheiten vergeben. Rentabilitätsüberlegungen, was ja die Bedingung wäre für eine optimale Allokation des Kapitals, spielen da nur eine untergeordnete Rolle, siehe Zins.

Die Bank gibt dem Geld, der die größten Sicherheiten bietet. Die Idee, dass Investieren aus Sparen resultiert und über den Zins in Übereinstimmung gebracht wird, ist vollkommener, totaler Blödsinn. Auch wenn es in allen akademischen Lehrbüchern steht. Bestenfalls trifft die These auf Ersatzinvestitionen zu.

Es ist totaler Schwachsinn, der letztlich dadurch begründet ist, dass keiner von den Jungs und Mädels von der akademischen Ökofront jemals in der Wirtschaft gearbeitet hat.

Auch Ricardo ist an der Börse reich geworden, unternehmerisch tätig war er nie. Die dozierende Ökokaste muss an diesem Blödsinn einfach festhalten, denn sonst hätte das neoklassische System eine enorme Lücke und solange man den Blödsinn noch in irgendwelche Lehrbücher pinseln will, muss man an dieser Fiktion festhalten.

Vermutlich hat die dozierende Ökokaste sogar kapiert, dass der Schwachsinn mit Sparen = Investieren keinerlei reale Relevanz besitzt. Vermutlich ist ihr aufgefallen, dass der Zins von den Zentralbanken gesetzt wird, um es mal ganz platt darzustellen und es bezüglich des Zinssatzes relativ egal ist, was die Leute zusammensparen. Dass sie den Blödsinn nun dennoch seit 200 Jahren in jedes Lehrbuch pinselt und alle Jahre wieder in Vorlesungen vorträgt, hat irgendwas mit dem Verharrungsvermögen des akademischen Betriebs zu tun.

Sparen wird irgendwie als so eine Art Batterie gesehen, die man aufladen und dann wieder entladen kann. Man kann anstatt das Geld zu verkonsumieren, auch eine Batterie damit aufladen, die man dann irgendwann wieder entlädt, wenn man investieren will.

Dem ist mitnichten so. Von allen anderen Einwänden mal abgesehen, müssten auch die Produktionskapazitäten vorgehalten werden, denn die Leute, die investieren wollen und die Leute, die sparen wollen, sind nicht diejenigen, die die die Investitionsgüter herstellen.

Der Teil der Produktion der Investitionsgüterindustrie, der lediglich Anlagen und Maschinen ersetzt, wird über Abschreibungen finanziert. Das ist zwar in gewissen Sinne auch "Sparen", hat aber mit dem Zins nichts zu tun.

Wenn aber die Leute, die sparen und die Leute, die investieren, nicht die sind, die tatsächlich auch produzieren, dann muss die Investitionsgüterindustrie ständig leicht unterbeschäftigt sein, um eventuelle Spitzen abfangen zu können.

Das ist zwar der Fall, die neuen Bundesländer wurde anfänglich aus dem Stand problemlos und ohne Inflation mitversorgt, aber das wiederum wiederspricht der neoklassischen Theorie, dass auf allen Märkten Vollbeschäftigung herrscht. Sparen = Investieren, sparen vorgestellt als nichtkonsumierte Einnahmen der Vergangenheit, kann nur funktionieren, bei permanenter Unterbeschäftigung. Selbst wenn man akzeptiert, dass das Sparen der einen die anderen zum Investieren motiviert, muss die Investition auch real möglich sein, was nur der Fall ist, wenn Ressourcen frei sind. Das einzige, was man sich vorstellen könnte, ist, dass die Investoren die Ressourcen über dem Marktpreis entlohnen können und so in der Lage sind, sie aus anderen Sektoren abzuziehen.

Sparen gibt keine Energie ab, wie eine geladene Batterie. Sparen saugt Energie auf, die muss aber erstmal da sein.

Richtig an diesem ganzen Geschriebsel von Adam Smith über David Ricardo bis zur kapitalgedeckten Lebensversicherung à la Riester / Rürup und Ursula von der Rolle ist, dass Sparen den Konsum einschränkt und damit die Produktion von Investitionsgüter ermöglicht.

Die Logik ist aber nur bei Vollbeschäftigung richtig. Bei Unterbeschäftigung kann man auch schlicht Geldscheine drucken, weil es keinen vernünftigen Grund gibt, bei Unterbeschäftigung den Konsum einzuschränken. Unter Unterbeschäftigung verstehen wir aber nicht schlicht Arbeitslosigkeit. Unter Unterbeschäftigung verstehen wir die konkrete Fähigkeit, irgendetwas zu produzieren, was irgendjemand auch haben will.

In diesem Fall, bei Unterbeschäftigung, geht die Investition nicht zu Lasten des Konsums und man braucht weder Erspartes noch irgendwelche Arbeit, die sich irgendwo akkumuliert hat. Den marxistischen Gang der Weltgeschichte hätte man durch das Drucken von Geldscheinen erheblich beschleunigen können, das hätte ohne einen einzigen Proletarier funktioniert. Bedingung für eine Kreditschöpfung qua Notenpresse ist lediglich, dass der Kredit anschließend wieder getilgt wird. Dann wird exakt soviel Geld vernichtet, wie vorher gespart wurde.

Immer natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die Geldscheine kein Strohfeuer entfachen. Ein Strohfeuer wird zum Beispiel dann entfacht, wenn die Geldscheine zwar Beschäftigungswirkungen haben, aber der hieraus resultierende Konsum über ein Leistungsbilanzdefizit gedeckt wird. Ist das Strohfeuer dann abgefackelt, wie aktuell in Spanien, Griechenland, Portugal, dann landet die Wirtschaft wieder da, wo sie am Anfang war, allerdings bei einem höheren Schuldenstand. Billiges Geld muss also dazu verwendet werden, die Anlagen aufzubauen, die es ermöglichen, den Konsum, der über ein Leistungsbilanzdefizit befriedigt wird, im Land zu produzieren.

Wir bezweifeln schlichtweg, dass die zentrale Aussage von Keynes seine Vorstellungen zur Fiskalpolitik sind. Zentral ist, dass "Sparen" bei ihm eine ex post Größe ist, die Möglichkeiten zur Kreditschöpfung sich aber aus dem Geldmarkt ergeben und mit dem "Sparen" der Neoklassik nichts zu tun hat. Die Erkenntnis ist zwar ausgesprochen simpel, hat aber sehr weitreichende Konsequenzen, siehe Keynes.

Sowohl die Klassik wie auch die Neoklassik wie auch Marx haben skurrile Vorstellungen hinsichtlich der Bedeutung von Sparen. Das ist auch der Grund, warum Keynes da gar nicht trennt, Klassik und Neoklassik ist für ihn das Gleiche.

Weit häufiger als der Fall, dass Kapital via Desinvestition, also über Abschreibungen, einer neuen Verwendung zugeführt wird, ist die Vernichtung von "angespartem Kapital" oder "akkumuliertem Kapital".

Strukturelle Anpassungen finden weniger durch Desinvestition und Neuinvestion statt, als durch schlichte Vernichtung von Kapital auf der einen Seite und kreditfinanzierte Investition via Geldschöpfung auf der anderen Seite. Wie die Geldschöpfung realisiert wird, ob über Giralgeld, Zentralbankgeld, angespart, ist schlicht völlig egal.

Realwirtschaftlich entscheidend ist lediglich die Frage, ob Unterbeschäftigung herrscht und ob diese Unterbeschäftigung produktiv genutzt werden kann. Produktiv genutzt wird sie zum Beispiel, wenn das investierte Kapital, das nicht vorher angespart werden muss, sich irgendwann amortisiert. In diesem Fall steht der Geldschöpfung durch eine entsprechende Geldvernichtung entgegen, wenn es Zentralbankgeld war, bzw. es ist an den Kreditgeber zurückgeflossen.

Aber selbst in der Welt der Klassik und Neoklassik kann ein staatlich induziertes Sparen via Steuervergünstigungen, also nach dem System Riester und Konsorten, nicht funktionieren. Ein Sparen, das nicht über den Zins mit der Investion in Übereinstimmung gebracht wird, wäre kein Marktzins. Heizt also der Staat das Sparen an, dann sinkt dieser Zins. Die staatliche Subventionierung muss dann noch höher werden, denn der Anreiz zu sparen, ist durch den gesunkenen Marktzins nochmal gesunken. Der Staat muss also.... Wenn dann alle steuersubventioniert mächtig geriesert und anderweitig gespart haben, kommt die Zentralbank und drückt auf den Knopf und kauft irgendwelche Staatsanleihen. Auf diese Weise wird, wir schreiben immer noch das Jahr 2012, in einer Stunde mehr "gespart", also eine Million Leute in zehn Jahren zusammenriestern.

Die Riesterrente geht also implizit davon aus, dass unabhängig von der Rentabilität jede Summe durch Investionenn abgesaugt wird. Wäre dies der Fall, müsste ja auch keynesianische Fiskalpolitik immer funktionieren. Es gäbe für den Staat immer genug Investitionen, die rentabel sind. Die Riesterrente ist schlicht die komplette Ignorierung jeder ökonomischen Vernunft.

Das mehr an Sparen kann nur abgesaugt werden, wenn der monetär bewertete Grenzertrag des Kapital abnimmt, die Verzinsung des Kapitals also sinkt. Davon geht auch Keynes aus. Keynes geht davon aus, dass der Zins solange abgesenkt werden muss, bis Vollbeschäftigung herrscht. Der Trick mit Riester geht aber anders. Hier soll gleichzeitig die Nachfrage über Sparen zurückgedrängt werden und die Rentabilität der Investitionen aufrechterhalten werden. Das ist schlicht ökonomisch unmöglich. Die heutigen Probleme aller Sparten der kapitalgedeckten Altervorsorge waren absehbar. Das kann nicht funktionieren. Vermutlich steckt die eigentliche Bombe, die uns in Zukunft beschäftigen wird, gar nicht bei den Banken, sondern bei den Versicherungen.

Die akademische Volkswirtschaftslehre schwebt in etwa so freidrehend über der Realität, wie der Marxismus in untergegangenen Staaten. Der eigentliche Kern der Volkswirtschaftslehre wäre in drei Semestern vermittelbar. Dass man das in die Länge zieht wie einen Kaugummi, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass die dozierende Ökokaste auch nicht viel mehr in der Birne hat.

Anstatt mathematisch zu schwurbeln, hätte die Ökokaste bei der Einführung der Riesterrente darauf hinweisen können, dass das Prinzip nicht funktionieren kann. Wahrscheinlich hat sie aber vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr gesehen.

Wie ihre Kollegen von der marxistischen Einheitsfront, ergehen sie sich mangels Alternativen in Sophismen, Haarspaltereien und realitätsfernem Geschwurbel. Die Jungs, überwiegend sind es Jungs, können einfach nichts anderes, als irgendwelche Literaturarbeiten schreiben.

Wir haben hier ein gewisses Übersprungverhalten vor uns. Weil man nicht weiß, was man Sinnvolles tun könnte, beschäftigt man sich mit Sinnlosem.

Wenn man intellektuell nicht in der Lage oder zu faul ist, praktische Probleme zu stemmen, z.B. konkrete Stellungnahmen zur Effizienz der Entwicklungshilfe, am besten mit Untersuchung vor Ort, auch als Seminar möglich, konkrete Stellungnahmen zur Riester / Rürup Rente, konkrete Erfassung der Bedeutung des Zinses für den Mittelstand, in Kooperation mit der Solarindustrie und dem Frauenhofer Institut Auslotung der Chancen für energieintensive Unternehmen in Spanien etc. etc., dann sollte man dazu übergehen, praxisbezogenes Wissen zu vermitteln. Der Glaube, dass es wissenschaftlich ist, wenn man länger studiert, dafür aber am Ende weniger kann, ist falsch.

Dass sich die Idee, dass Investieren vorheriges Sparen voraussetzt derartig massiv in den Köpfen festgesetzt hat, liegt letztlich daran, dass von Privathaushalten ausgegangen wird, das scheint so eine Art "Urerfahrung" zu sein. Wer sich was leisten will, muss sparen. Haushalte sparen aber für Konsumgüter, das heißt für Güter, die sich nicht amortisieren und die sich auch nicht amortisieren sollen. Man sieht unmittelbar ein, dass Konsumgüter nicht über Geldschöpfung finanziert werden können, denn sonst würde schlicht gar niemand mehr irgendwas produzieren. Langlebige Konsumgüter, für die die Haushalte sparen, können nur über eine Einschränkung des Konsums finanziert werden. Entweder in der Zukunft, wenn man diese langlebigen Konsumgüter über Kredite finanziert hat, oder über Einschränkung des Konsums in der Vergangenheit, also über ansparen.

Im ersten Fall findet eine Geldschöpfung statt, auf die bei Tilgung eine Geldvernichtung folgt. Im zweiten Fall hat eine Geldschöpfung nie stattgenfunden, folglich gibt es auch keine, die zu vernichten wäre.

Da ein Konsumgut nun mal per definitionem zu keinem Zufluss liquider Mittel führt, muss der Kredit, und damit zusammenhängend die Vernichtung des vorher geschöpften Geldes, aus einer anderen Quelle getilgt werden.

Der Fall liegt bei Investitionsgütern völlig anders. Diese können über Geldschöpfung finanziert werden und werden über Geldschöpfung finanziert. Sind sie amortisiert, wurde Geld in dem Umfang vernichtet, wie es vorher geschaffen wurde. Wir kommen bei Say darauf zurück. Letztlich beschreibt aber erst Joseph Schumpeter den Vorgang korrekt, obwohl, wenn man nicht selber drauf kommt, der Zusammenhang schon bei David Hume geschildert ist, siehe, Zahlungsbilanz.

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE

ON THE PRINCIPLES
OF POLITCAL ECONOMY
AND TAXATION


David Ricardo und die Irrungen und Wirrungen mit dem "ehernen Lohngesetz".

Richtig bei Ricardo ist das Konzept der Rente. Die gleichen Überlegungen, die der Bodenrente bei Ricardo zugrunde liegen, kann man auch auf die Konsumenten- und Produzentenrente anwenden.

Dass David Ricardo nur die Bodenrente kennt, liegt daran, dass er Arbeit und Kapital als völlig mobil betrachtet.

Hinsichtlich seiner Defintion des Profits, den Mehrwert aus der Arbeit, unterliegt er demselben Fehler wie alle Klassiker. Say nehmen wir hier aus, weil dieser einen eigenen Unternehmerlohn einführt.

Seine Prognosen über die geschichtliche Entwicklung sehen ab von der politischen Verfasstheit des Staatswesens. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Geschichte so hätte entwickeln können und tatsächlich hat sie sich nicht so entwickelt.

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