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1.2.5 Besondere Probleme bei der Darstellung von VWL Themen

In e-learning Projekte flossen Millionenbeträge aus Bund, Ländern und EU. Neuerdings fließt sogar venture capital in diesen Bereich, wobei allerdings zu vermuten ist, dass venture hier nicht nur mit Abenteuer, sondern auch mit abenteuerlich übersetzt werden kann. Allein im Bereich Sprachen bringen es einige Unternehmen auf einige 100 Tausend Euro Verlust pro Jahr. (Die infos24 GmbH ist im übrigen nicht dabei, wir haben zwar nie anderer Leute Geld verzockt, aber dafür machen wir Gewinn.) Einige Universitäten erhalten für solche Programme mehrere Millionen Euro. Im Bereich internetgestützes Sprachen lernen sind es Millionenbeträge im zweistelligen Bereich allein in Deutschland. Das wird nicht gut gehen, aber Argumente werden nicht helfen. Bei zahlreichen Projekten dürften die Erstellungskosten unter marktwirtschaftlichen Bedingungen bei 50 000 Euro liegen, ausgetütet hat das BmBF mehrere Millionen Euro.

Im Bereich VWL gibt es inzwischen, in Deutschland, ebenfalls zwei Unternehmen, die mit venture capital und Geldern aus dem europäischen Sozialfond angefüttert wurden und natürlich ebenfalls heftige Verluste einfahren und wohl bald das Zeitliche segnen.

Es ist eine Besonderheit des Internets, das Kapital da nicht viel hilft. Das ist aber nicht das Thema. Die Angebote dieser Unternehmen, viel Video und so, wie auch die Angebote im Zusammenhang mit der Fernuni Hagen, auch viel video und so, richten sich dabei an Studenten, nudeln also im Großen und Ganzen phantasielos den üblichen Unistoff ab. Wer sich anschauen will, kann zu youtube gehen und dort Volkswirtschaftslehre eingeben. Nicht alles was er findet ist staatlich gefördert, aber vieles. Zu vieles. (Wer direkt Lecturio eingibt, sieht das Problem in seiner ganzen Pracht.)

Volkswirtschaftlehre ist aber auch ein Thema aller kaufmännischen Ausbildungsberufe und an Wirtschaftsgymnasien. Diese Gruppe werden wir erstmal nicht abdecken. Da der Autor schon Ausbildungsberufe aller Couleur auf die IHK Prüfung vorbereitet hat und ihm die Lehrpläne der Wirtschaftsgymnasien bekannt sind, weiß er, dass diese Gruppe Wissen in prüfungsrelevanter Form aufbereitet haben will. Das geht also in etwa so.

Frage: Bund und Länder werden bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen auf bestimmte Ziele verpflichtet.
In Klammern die Lösung.

  1. Durch welches Gesetz erfolgt die Zielvorgabe? (Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft
    vom 8. Juni 1967)
  2. Welche Ziele nennt das Gesetz (Preisniveaustabilität, angemessenes Wachstum, außenwirtschaftliches Gleichgewicht)
  3. Welche Ziele, die zunehmend in den Fokus der öffentlichen Diskussion geraten, werden nicht genannt (Umweltschutz, Nachhaltigkeit, "Glück", etc.)

Die Frage ist einer tatsächlichen Prüfung entnommen, die in Klammern stehenden Antworten, im Orginal starr vorgegeben, hat der Autor etwas korrigiert. Die Frage ist, ob dies ein sinnvolles Vorgehen ist, ob die Reduktion der Volkswirtschaftslehre auf multiple choice Aufgaben tatsächlich hilfreich ist.

Bei Rainer Brüderle, ehemals Wirtschaftsminister, hat es wohl nicht geholfen. Schauen wir uns mal kurz den Orginaltext des "Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft" an.

§ 1: Bund und Länder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Maßnahmen sind so zu treffen, daß sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen.


Das vergleichen wir mit den Aussagen von Rainer Brüderle, der Mann ist zur Zeit unser Wirtschaftsminister.

"Das Ausland neidet Deutschland seinen Exporterfolg. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nimmt das als Kompliment für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen und sieht das Land auf einem guten Weg. (....) Zugpferd der deutschen Wirtschaft sei weiterhin der Export. Er mache die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Das mag einigen in Europa nicht passen, er selber aber freue sich darüber."


Also der Bundesminister freut sich über den Leistungsbilanzüberschuss ([Exportierte Waren + Dienstleistungen] - [Importierte Waren + Dienstleistungen]). Dieser betrug im Jahre 2011 etwa 150 Milliarden Euro. Man könnte nun meinen, der Mann ist Jurist, aber Pustekuchen, er ist Diplom Volkswirt und freut sich darüber, dass ein gesetzlich verankertes Ziel der Wirtschaftspolitik, das außenwirtschaftliche Gleichgewicht, nicht eingehalten wird. Wir sehen also, dass stures Auswendiglernen, ohne tieferes Verständnis keinerlei Effekt hat.

Er hat wohl nicht verstanden, dass das Gesetz eine Berechtigung hat. Dem Leistungsbilanzüberschuss steht ein Kapitalexport entgegen und man kann nicht ewig Kapital exportieren, denn das würde bedeuten, wenn den Ländern mit den Überschüssen immer die gleichen Länder mit Defiziten gegenüberstehen, dass die Verbindlichkeiten der defizitären Länder bis zum Staatsbankrott steigen. Wir erleben aktuell, wir schreiben immer noch das Jahr 2012, dass das nicht funktioniert.

Dasselbe skurrile Phänomen, also die Tatsache, dass schulische / universitäre Bildung irgendwie keine tiefere Wirkung erzielt, zeigt sich auch in dem Begriff Kapitalismus, angewendet auf das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland. Obwohl in allen Lehrbüchern das Teil richtig benannt wird, Marktwirtschaft, wird im öffentlichen Diskurs ausschließlich mit dem Begriff Kapitalismus operiert und zwar unabhängig davon, ob man dafür oder dagegen ist.

Man kann die aktuelle Finanzkrise als ein Problem der Akkumulation des Kapitals deuten, es findet einfach keine rentablen Anlagen mehr. Wer aber das gesamte System als kapitalistisch bezeichnet, verkennt, dass es 1 Million kleine Unternehmen gibt in dieser unserer Republik, die unter marktwirtschaftlichen Bedingungen, zum Wohle der Nation funktionieren.

Und um es mal auf den Punkt zu bringen. Der Gegenspieler des Kapitalismus ist bekanntlich der Sozialismus und der Sozialismus ist dadurch charakterisiert, dass allen alles am Arsch vorbeigeht, also alle verbeamtet sind. Der Beamte ist das Ideal des Arbeiters in der Planwirtschaft. Er denkt exakt bis zur nächsten Direktive / Dienstanordnung; er hat keinerlei Anreiz, über irgendetwas jenseits der Dienstanweisung nachzudenken; was die Partei oder das Amt ihm befiehlt, führt er aus, egal wie hirnrissig das ist. Er ist ein treuer und ergebender Diener seines Staates. Im Zweifelsfalle solange, bis dieser auseinanderbricht. Wer also unser Wirtschaftsystem als Kapitalismus bezeichnet, der muss dann ehrlicherweise auch Beamte als Kommunisten bezeichnen. Also irgendwie schafft es das Bildungssystem nicht, den Leuten mal ein paar richtige Definitionen ins Hirn zu bimsen.

Das zweite Problem besteht darin, dass das "Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft" theoriegeladen ist. Wir sehen dies besonders deutlich bei dem Ziel außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Dies ist Staatsziel, weil einem Leistungsbilanzüberschuss des einen Landes, eine Verschuldung anderere Länder entgegensteht und das summiert sich für Deutschland in den Jahren 2007 bis 2011 auf überschlagen 800 Milliarden Euro. Man kann also cum grano salis sagen, dass Deutschland für einen Teil der Schulden Spaniens, Griechenlands, Italiens selbst verantwortlich ist, bzw. es gab die Wahl zwischen höherer Arbeitslosigkeit in Deutschland oder einer Verschuldung des Auslands.

Das Argument des Thilo Sarrazin, dass dieses Phänomen die Verschuldung der Mittelmeerländer nicht erklären könne und insbesondere kein Argument für den Euro sei, weil die Exporte überwiegend in nichteuropäische Länder gingen (was im übrigen auch noch falsch ist, 100 Milliarden Euro Überschuss in der Leistungsbilanz des Jahres 2008 entfällt auf Europa) sticht nicht wirklich, denn hätte Deutschland die DM, wäre diese massiv aufgewertet worden und das Spiel wäre beendet worden. Da die anderen Länder den Euro nach unten drückten, konnte Deutschland den hohen Exportüberschuss auch gegenüber den USA aufrechterhalten und auch seine Exporte nach China steigern (auch wenn gegenüber China ein Leistungsbilanzdefizit entstanden ist).

Das ist der Grund, warum das außenwirtschaftliche Gleichgewicht Staatsziel ist. Es ist Staatsziel, weil alles andere ein Irrweg ist. Im übrigen ist es auch unsinnig, einen Kuchen zu backen und immer nur einen Teil davon zu verspeisen. Bei flexiblen Wechelskursen bedeutet ein Leistungsbilanzüberschuss, dass man Devisen erhält, die dann dahinschmelzen wie Butter in der Sonne.

Von daher kann man heute, wir schreiben den Juni 2012, prognostizieren, dass der Fiskalpakt scheitern wird, weil ein zentrales Problem die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands und Österreichs sind und niemand vorhat, was auch bei einer gemeinsamen Währung schlecht von der Politik bzw. der Bundesbank realisierbar ist, diese zu reduzieren.

Im übrigen hat die Sache noch eine subtile Verteilungswirkung. Die deutschen Banken vergeben Kredite an das Ausland, mit denen die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse finanziert werden. Gehen die Banken dann hops, werden sie vom deutschen Steuerzahler gesponsert. Dagegen war die Abwrackprämie noch vergleichsweise fair. Da wurde wenigstens gleich gesagt, dass man subventioniert.

Doch wir wollen uns in Details (noch) nicht verlieren. Wir wollen nur feststellen, dass VWL kein multiple choice Fach ist. Wie im tobenden Leben selbst, gibt es selten klare Antworten und auswendig gelernte taugen zu gar nichts, das hat auch dem Brüderle nicht geholfen. Mit Phrasen kann man vielleicht Wirtschaftminister werden, aber man kann mit Phrasen kein tieferes Verständnis der Wirtschaft erhalten. Kultusbehörden, die die Lehrpläne für Wirtschaftsgymnasien stricken, sind gemütliche, verbeamtete Einrichtungen und die IHKs subsummieren wir unter der Kategorie planwirtschaftliche Institution, also beamtenähnlich, und die Welt eines Beamten passt locker in ein einfaches Frage <=> Antwort Spiel. Für jede Frage gibt es genau eine Dienstanweisung.

So wird denn aus dem oben beschriebenen Zweifrontenkrieg, ein Dreifrontenkrieg, wenn man für die Zielgruppe Ausbildung / Wirtschaftgymnasien auch noch ein Lehrbuch machen will. Den Krieg kann man aber nicht gewinnen. Diese Zielgruppe kann das Lehrbuch nutzen, wird aber nicht das erhalten, was sie für die Prüfungsvorbereitung braucht, also einen Stapel Phrasen zum auswendig lernen. Im Fokus dieses Lehrbuches steht das tobende Leben, mit allen Irrungen und Wirrungen. Wer nur mit Phrasen klar kommt, soll Beamter werden, da gibt es für das Denken eine Dienstvorschrift. Jenseits der Dienstvorschrift, kann man das Gehirn dann abschalten.

Sowohl für die Gruppe Studenten der Volkswirtschaftslehre wie auch für Auzubildende / Schüler könnte man Lehrbücher machen. Für die erste Gruppe müsste man den Unistoff runternudeln, für die zweite Gruppe ein paar Merksätzchen abspulen.

Wir bezweifeln schlicht, dass die Art, wie die Volkswirtschaftlehre heute gelehrt wird, die Leute in die Lage versetzt, Theorien auf konkrete Probleme anzuwenden.

Das Problem ist, dass beide Ansätze einem Weg folgen würden, der ins Nirvana führt, wie man ja aktuell beobachten kann und wie bereits mehrfach erötert. Die Ökokaste wird natürlich behaupten, dass die oben beschriebenen Probleme nicht existieren und sie ihre Aufgabe erfüllt, also das Bewußtsein in der Öffentlichkeit um ökonomische Zusammenhänge ausreichend ist und in der Politik ausreichend ökonomischer Sachverstand vorhanden ist.

Sie wird auf die verschiedenen Wirtschaftsforschungsinstitute verweisen, Kieler Institut für Weltwirtschaft, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Ifo Institut für Wirtschaftsforschung etc. etc.. Auf die Anzahl der Volkswirte unter der Journaille, auf den Studiengang Wirtschaft mit didaktischer Ausrichtung (früher Diplom Handelslehrer) und so weiter und so fort.

Wir haben hier ein allgemeines Problem, dass wir in der öffentlichen Verwaltung immer finden. Sind die Ziele unklar definiert, dann hat man einen Pudding, den man schwer an die Wand nageln kann.

Das gleiche Problem haben wir natürlich auch bei den Geisteswissenschaften. Diese sind, behaupten sie zumindest, zuständig für das Wahre, Schöne und Gute, sie teilen uns aber nie anhand belastbarer Fakten mit, welchen Beitrag sie zur Förderung des Wahren, Schönen und Guten denn konkret leisten. (Wer das Elend betrachten will, kann es hier tun: 1000 Worte für die Geisteswissenschaften.)

Die Volkswirtschaft beschäftigt sich zwar intensiv mit Zielen, denn allein klar definierte Ziele ermöglichen eine Erfolgskontrolle, verweigert aber die klare Definition von Zielen in Bezug auf die Volkswirtschaftslehre, was aber sinnvoll wäre, denn in Ausbildung und Forschung auf diesem Gebiet fließen ganz beträchtliche Beträge.

Da die Volkswirtschaftlehre keine harten Paramenter ermittelt, an denen sich ihre Effizienz messen lässt, daran so richtig auch kein Interesse hat, aus naheliegenden Gründen, kann kein Mensch sagen, ob sie in den für das Fach genuinen Aufgabenstellungen erfolgreich ist oder nicht.

Der Autor hat eine zeitlang Controlling in der Öffentlichen Verwaltung unterrichtet, Teilnehmer waren seine ganz speziellen Freunde, die Beamten. Die Idee war, das System hatte sich KPMG, Price Waterhouse und Arthur de Little ausgedacht, in die öffentliche Verwaltung quasi künstlich marktwirtschaftliche Elemente hineinzutragen, in dem man die Produkte der Verwaltung, Ausstellen eines Passes, Ausstellen eines Wohnberechtigungsscheines, Entleihen eines Buches in einer Stadtbibliothek, Anmeldung eines KFZ etc. über eine an die Kameralistik angepasste Kosten- und Leistungsrechnung pro Bezirk zu berechnen und dann die verschiedenen Bezirke Berlins miteinander zu vergleichen.

Kurz und bündig: Kostet die Ausstellung eines Wohnberechtigungsscheines in Wedding mehr als in Kreuzberg, dann läuft in Wedding was schief. Soweit die Theorie, über den Rest hüllen wir den gnädigen Mantel des Schweigens. Wer das Problem nochmal betrachten will, kann es, für den Bereich Rechtssprechung, hier betrachten: Kosten- und Leistungsrechnung in der Justiz. Die Rechtssprechung hat hier ein ganz ausgepufftes System entwickelt, um die Messung der Leistung anhand harter Kriterien zu verhindern.

Das nicht Nennen von Zielen und damit die Immunisierung gegen jede Kritik, ist eine veritable Waffe im Verteilungskampf der öffentlichen Verwaltung. Besonders beliebt ist das im Bereich öffentlicher Ausgaben für Kultur. Diese dient ganz prinzipiell dem Wahren, Schönen und Guten. Dieses Ziel ist nun so abstrakt definiert, dass kein Mensch sagen kann, ob der Mittelaufwand dem Zielerreichungsgrad adäquat ist.

Ein drastisches Beispiel für einen solches Zusammenhang ist das Goethe Institut, das mit 200 Millionen Euro pro Jahr gefördert wird. Bei soviel Wahrem, Schönen und Guten könnten es aber genau so gut, 400 Millionen Euro, 600 Millionen Euro oder eine Milliarde Euro sein. Wir fahren eine Campagne gegen das Goethe Institut, aus allen möglichen Gründen: www.spanisch-lehrbuch.de. Die Videos zeigen dann auch, die Problematik in ihrer ganzen Pracht, besonders die SPD:

Frage: Braucht man ein Goethe Institut in Berlin?
Antwort: Man braucht überall auf der Welt eine Goethe Institut, folglich auch in Berlin.


Das ist das erste Problem, dass wir in diesem Zusammenhang in seiner ganzen bunten Pracht und Vielfalt betrachten können. Schwammig definierte Ziele sind eine Waffe im Verteilungskampf. Das Goethe Institut als Vertreter des Wahren, Schönen und Guten braucht mindestens 600 Millionen Euro, wer will schon sagen, dass es irgendeine Geldsumme gibt, die zu viel wäre für das Wahre, Schöne und Gute?

Wie immer diskutieren wir mit Beispielen, ergiebiger sind natürlich Aussagen über systemmische Fehlallokationen. Wir werden also die Ebene der Beispiele irgendwann verlassen. Wer aber nicht erkennt, warum die Diskussion über Ziele ex catedra und an anderen Orten so intensiv betrieben wird, der muss mal mit den Amtsleitern aus dem Bereich Kultur, Grünflächenamt, VHS etc. über Ziele diskutieren. Klingt das ex catedra ziemlich müde, weil derjenige, der hinter dem Katheder steht keine Arbeitserfahrung hat, dann wird das vor Ort zu einem absolut spannenden Thema.

Wir sehen des weiteren, und dann verstehen wir auch, warum das Kind Marktwirtschaft und nicht Kaptialismus heißt, dass Systeme anfangen zu floaten, wenn es keine Verankerung in der Realität gibt. Die Ingenieurswissenschaften zum Beispiel sind hart durch den Markt kontrolliert. Sind die Ingenieure nach Beendigung ihres Studiums nicht in der Lage, auch nach einer Einarbeitungszeit nicht, marktfähige Produkte zu erstellen, dann wird sich nicht der Markt anpassen, sondern die betroffenen Studiengänge. Spätestens dann, wenn die Unternehmen pleite machen bzw. in Länder auswandern, wo sie qualifiziertes Personal finden.

Auf diesen Druck, der sich aus eindeutigen Parametern ergibt, Umsatz und Kosten, wird reagiert. Davon profitieren natürlich auch die Präzision der Aussagen, die in diesen Studiengängen gemacht werden. Einen "Markt" im Sinne der marktwirtschaftlichen Ordnung, gibt es aber in den Wirtschaftswissenschaften nicht, bzw. dort existiert er nur als Objekt des Betrachtens, aber nicht als etwas, in das man als Subjekt involviert ist.

Ist man in einer Position, wo der Markt lediglich Gegenstand der Betrachtung ist, was bei der dozierenden Ökokaste der Fall ist, dann profitiert man von dessen Effizienz und findet die marktwirtschaftliche Ordnung schlicht genial. Ist man aber als Subjekt Teilnehmer dieses Marktes, dann hat er durchaus auch negative Aspekte, der Markt entlohnt nämlich nach Leistung. Erfolgte die Entlohnung der Leistung bei der Ökokaste nach Leistung, so müsste ein Teil für die Leistungserbringung sogar noch was bezahlen. Zahlreiche, sehr zahlreiche Vorlesungen, haben nämlich nicht nur einen Grenznutzen von Null, sondern dieser ist sogar negativ.

Bei ihrem Gründer, hätten die Ökonomen schon nachlesen können, worin das Problem besteht, siehe Staatliche Tätigkeit. Die Entkoppelung von Vergütung und Leistung an Universitäten ist ein Irrweg, schrieb Adam Smith vor 250 Jahren.

Das erklärt die Position der Wirtschaftswissenschaften: Der Markt ist für diese Kaste Objekt, als Subjekt sind sie nicht involviert. Als Subjekt des Marktes wird die eigene Leistung mit der der anderen verglichen, was Stress auslösen kann und ab und an wird man auch schlicht eliminiert.

Die Wirtschaftswissenschaften unterliegen nicht der Kontrolle durch den Markt. Die zu konstatierenden Fehlentwicklungen, Lösung irrelevanter Probleme (Wohlfahrtsökonomie), didaktisches Unvermögen, verquaste Darstellungen von Trivialitäten, Fokusierung auf die Präzisierung theoretischer Modelle unabhängig von der Frage, ob dies einen tieferen Einblick in die Realität erlaubt, Subsumierung von relevanten Paramentern unter andere Größen (Wachstum, Bildung, technischer Fortschritt) sind systemimmanent. Wir kommen auf alle diese Aspekte im Verlaufe unserer Darstellung detailliert zurück, siehe z.b. wissenschaftstheoretische Grundlagen.

Hinsichtlich der Didaktik scheint im übrigen ein stärkeres Feedback der Studenten und eine Bezahlung nach Leistung Wunder zu wirken. Dass inzwischen auch im deutschsprachigen Raum nur noch amerikanische Lehrbücher zum Einsatz kommen, spricht Bände.

Besonders Gewitzte werden jetzt entgegenhalten, dass es sich bei der Forschung um ein öffentliches Gut handele, dass der Logik des Marktes sinnvollerweise entzogen wird. So schlau ist der Autor auch schon. Auch ihm ist klar, dass z.B. Molekulargenetik anfangs sinnfreies Forschen war, sich die wirtschaftliche Bedeutung erst später ergab. Auch ihm ist klar, dass Grundlangenforschung nur durch öffentliche Mittel finanziert werden kann. Wir kommen darauf zurück, siehe Forschung und Entwicklung durch den Staat.

Volkswirtschaft hat aber als genuine Aufgabe die Darstellung ökonomischer Zusammenhänge in der Öffentlichkeit. Nur über den Wissenszuwachs der Öffentlichkeit, kann sie eine Wirkung entfalten. Die subtilsten Einsichten nützen hier wenig, wenn niemand sich dafür interessiert.

Das gleiche systemimmanente Problem haben auch die Geisteswissenschaften, einen Vergleich, den die Wirtschaftswissenschaften scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Die Anstrengungen, die die Ökokaste betreibt, um sich von diesen abzugrenzen, sind so aufwendig wie lächerlich und erfoglos. Wir werden im übrigen noch sehen, dass alle Autoren, auf denen die heutigen Wirtschaftswissenschaften fußen, die Problematik der Abgrenzung intensiv und mit unterschiedlichem Ergebnis diskutiert haben.

Auch Geisteswissenschaften müssen letztlich die Gegenstände ihres Faches zu einer spannenden Sache machen, sie wirken in den Gehirnen ihrer Zeitgenossen. Oder eben nicht. Sind sie für die öffentliche Debatte irrelevant, was der Fall ist, dann wird man, was konkret passiert, Lehrstühle streichen. Man braucht die Irrelevanz der Geisteswissenschaften nicht mal so abstrakt zu beschreiben, wie Adorno das tut, siehe Kulturindustrie oder Aufklärung als Massenbetrug. Ihre Irrelevanz ist offensichtlich. Es ist geradezu ein Treppenwitz der Geschichte, dass die Kulturindustrie in der Summe spannendere, authentischere Artefakte hervorbringt, also die professoralen Trantüten. Es würde niemandem auffallen, wenn man Institutionen wie die Deutsche Akademie für Dichtung und Sprache einfach schließt und die Millionen anderweitig verwendet.

Der Ingenieur muss nicht im Hirn seiner Zeitgenossen wirken, es reicht vollkommen, wenn der DSL Router schlicht funktioniert. Muss noch eine Wirkung im Hirn der Zeitgenossen erwirkt werden, ist das Teil schlecht bedienbar und verschwindet dann hoffentlich bald vom Markt, wie die unsäglichen ersten ISDN Karten, deren Treiber nur mit plug and pray zu installieren waren.

Die aufgesetzte Mathematik, die theoretische Modelle präzisieren, aber keinen Erkenntniszuwachs für das Verständnis der realen Welt bringen, illustriert das kollektiv Unbewußte der Ökokaste. Allein durch die Übernahme mathematischer Methoden, will man zu einer exakten Wissenschaft werden. Die Sehnsucht ist real unerfüllbar und im übrigen so wenig zielführend, wie die Sehnsucht der kleinen Meerjungfrau nach dem Prinz. Auch dieses Problem wird uns noch intensiv beschäftigen, siehe Sinnhaftigkeit mathematischer Modellierung.

In Kürze: Lassen sich ökonomische Entwicklungen präzise vorhersagen und beschreiben, brauchen wir die marktwirtschaftliche Ordnung nicht. Was planbar ist, wird besser geplant. Der entscheidende Vorteil der marktwirtschaftlichen Ordnung besteht eben genau darin, dass die dezentrale Informationsverarbeitung durch Preise eher in der Lage ist, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Die mathematische Modellierung, damit soll eine präzisere Beschreibung der wirtschaftlichen Entwicklung erreicht werden, negiert die zentrale Stärke marktwirtschaftlicher Ordnungen. Ließe sich die wirtschaftliche Entwicklung anhand mathematischer Modelle vorhersagen, bräuchte man die Marktwirtschaft nicht. Die Marktwirtschaft findet die beste Lösung über trial and error. Lässt sich aber das Ergebnis mit mathematischen Modellen vorhersagen, brauchen wir kein trial and error.


Wir werden noch sehen, dass sich die Neoklassik und ihr Gegenspieler, der Marxismus, den völlig identischen methodischen Ansatz haben. Es kann von daher kaum verwundern, dass beide eine Parallelwelt beschreiben.

Noch einfacher: Wenn die mathematische Modellierung Erfolge gebracht hat, wie immer wieder behauptet wird, so müsste es doch ein Leichtes sein, die wirtschaftliche Entwicklung von Entwicklungsländern planmäßig zu fördern.

Egal wie sehr sich die Ökokaste bemüht, den Popper Kriterien, wir kommen darauf zurück, siehe Karl Popper, in puncto Präzision zu genügen, das Spiel wird nicht funktionieren. Fehlgeleitet ist die Sehnsucht aber auch deswegen, weil selbst dann, wenn sie instrumentellen Charakter hätte, das heißt eindeutige Zusammenhänge zwischen Ursache <=> Wirkung nachweisen könnte, sie immer noch die breite Öffentlichkeit von der Richtigkeit ihrer Aussagen überzeugen muss. Denn in einer Demokratie hängt die Durchsetzbarkeit einer wirtschaftstspolitischen Maßnahmen von der Zustimmung der Mehrheit ab.

Fazit: Wir können drei Zielgruppen für dieses Lehrbuch identifizieren. Studenten der Wirtschaftswissenschaften, Auszubildende und Schüler und die breite Öffentlichkeit. Im Fokus dieses Lehrbuches steht letztere. Die ersten beiden werden nur dann bedient, wenn sich der prüfungsrelevante Stoff mit dem, was für die reale Welt relevant ist, überschneidet.

Wir sind zuversichtlich, aus den oben genannten Gründen, dass die Welt zunehmend transparenter wird, der zwei Fronten Krieg unter dem Banner der Demokratie gewonnen wird. Bürokratien werden zunehmend ihre Daten offenlegen müssen, das Wissen um Zusammenhänge wird zunehmen. Die Journaille, die Politik und die Ökokaste werden an Einfluss verlieren, die Diskussion um ökonomische Zusammenhänge wird ins Internet verlagert, wodurch auch die institutionalisierte Bildung in diesem Bereich an Einfluss verliert. Die Prozesse, die das Internet eingeleitet hat, sind unumkehrbar.

Wir werden aber keinen verquasten Müll zusammendichten. Unser Ziel wird es auch nicht sein, diese Welt als vollkommen undurchschaubar darzustellen und das hohe Lied auf das Expertenwissen zu singen und damit die Ohnmacht der anderen predigen, die nur noch glauben dürfen. Wir halten das mit Theodor Storm.

Der Glaube ist gut,
doch bringt er nichts von der Stelle
der Zweifel in ehrlicher Männerfaust,
der sprengt die Pforten zur Hölle

Der Eindruck, dass Prozesse undurchschaubar sind, führt zu Ohnmacht. Ohnmacht zu Passivität und der Beschäftigtung mit irrelevanten Dingen. Wenn Diana Prinz Charles nicht liebt, dann ist das nachvollziehbar, denn der Typ ist einfach stinklangweilig. Damit ist dann aber zu dem Thema alles gesagt. Das Gefühl der Ohnmacht ist das Gift der Gesellschaft. Das brauchen wir gar nicht.

Des weiteren werden wir auch uns auch nicht seitenlang über knappe und freie Güter und Ähnliches unterhalten. Wer nicht kapiert, dass Sand in der Wüste keinen Wert hat, der soll hat mal Urlaub in Marokko machen. Kapiert er es dann immer noch nicht, dann kapiert er es auch nicht, wenn man es ihm nochmal 1000 Mal erklärt.

Last not least. Wir sind als Unternehmen Subjekt der marktwirtschaftlichen Ordnung, die marktwirtschaftliche Ordnung ist für uns also nicht nur Objekt der Betrachtung. Wir nehmen also viele Begriffe, die der Ökokaste nur in der Theorie erscheinen, bierernst und völlig humorlos, so zum Beispiel das ökonomische Prinzip.

Selbiges besagt, dass man mit gegebenen Mitteln ein maximales Ziel erreichen will (also möglichst viele Caipirinhas saufen bei gegebenem Bafög) oder mit minimalen Mitteln ein gegebenes Ziel (also mit minimalen Mitteln irgendwelche Klausuren zu bestehen).

Die Realität ist jetzt natürlich komplizierter. Die Leute, die die Brötchen verdienen, von denen wir alle leben, haben nun ziemlich wenig Zeit und mit diesen knappen Budget an Zeit, müssen sie versuchen, ein Maximum an Wahlkompetenz zu bekommen, also zu durchschauen, wie ausgeklügelt das Produktportfolio der verschiedenen Parteisoldaten ist. Das hat naheliegenderweise Konsequenzen für die Gestaltung dieses Lehrbuches.

Dann gibt es noch einen zweiten Aspekt, der ist diffuser und liest sich in Goethes Faust etwa so.

  1. Greift nur hinein ins volle Menschenleben!
  2. Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt,
  3. Und wo ihr's packt, da ist's interessant.
  4. In bunten Bildern wenig Klarheit,
  5. Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
  6. So wird der beste Trank gebraut,
  7. Der alle Welt erquickt und auferbaut.
  8. Dann sammelt sich der Jugend schönste Blüte
  9. Vor eurem Spiel und lauscht der Offenbarung,
  10. Dann sauget jedes zärtliche Gemüte
  11. Aus eurem Werk sich melanchol'sche Nahrung,
  12. Dann wird bald dies, bald jenes aufgeregt
  13. Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.

1. machen wir mit, kein Thema. 2. ist richtig, daran besteht kein Zweifel. Wenn wir beim Bäcker ein Brötchen kaufen, dann hat niemand einen Plan, was da abläuft. Der Bäcker verkauft uns das Brötchen, da wirkt die unsichtbare Hand des Adam Smith, aber es ist ein Cent teurer geworden, weil die Ölscheichs beschlossen haben, den Preis für ein Barrel Öl mal wieder anzuheben, dann müssen wir uns wohl anpassen. 3. Das will ich schwer hoffen. 4. Na ja, das geht so nach dem Motto "Wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirre sie". Also nicht wirklich. 5. Ne, ne, da beschreibt Goethe eindeutig den status quo, also die Wahrheit sollte schon überwiegen. 6 bis 11 trifft wohl nur auf seine Produktion zu. Es mag ja Theorien geben, bei denen man melancholisch werden kann, aber da würden wir dann erstmal die Richtigkeit in Frage stellen. 12. Das hoffen wir natürlich auch. Wir haben aber bereits beschrieben, dass Leute erst richtig aufgeregt werden, wenn sie mal ordentlich auf den Arsch gefallen sind. Also so eine Krise hat durchaus ihren Charme. 13. Das stimmt leider. Wahrscheinlich sieht jeder, wenn der Text nur lang genug ist, genau das, was er im Herzen trägt. Das ist aber ein Fehler. Das mag richtig sein, aber zielführend ist es auf lange Sicht nicht.

Wir haben also ein kristallklare Vorstellung von dem, was wir erreichen wollen unter Anwendung des ökonomischen Prinzips.

Die Ökokaste handelt nach dem antiökonomischen Prinzip. Das steht zwar in keinem Lehrbuch, ist aber genaus so lebensnah und realistisch wie das ökonomische Prinzip.

Die Ökokaste will entweder mit gegebenen Mitteln ein minimales Ziel erreichen (das schafft man dadurch, dass man sich ausgiebig mit Fitzliputzli beschäftigt) oder ein gebenes Ziel mit maximalen Mitteln (das erreicht man dadurch, dass man eine so verquaste Schreibe hat, das jeder für jeden Satz eine Woche braucht.)

Dann gibt es noch eine drittes Ziel, das ist übrigens der Normalfall. Man hat gar kein Ziel, die Frage nach den aufzuwendenden Ressourcen entfällt dann von vorneherein. Kein Ziel mit maximalen Mitteln und kein Ziel mit minimalen Mitteln läuft irgendwie auf das Gleiche hinaus. Das ökonomische Prinzip der Volkswirtschaftlehre ist also ein äußerst selten auftretender Spezialfall. Die Ökokaste wird von dem zuletzt genannten Ziel geleitet. Die Mittel kommen vom Steuerzahler und wenn der nicht mehr genug austütet, dann werden Studiengebühren erhoben. Den Fall gibt es übrigens auch noch: Verfolge ein Ziel, aber rede nicht darüber und mach Kasse.

Infos und Anmerkungen:

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