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1.2.6 Änderung des Etiketts für den gleichen Inhalt: Bachelor / Master

Das ist nun ein absolut spannendes Thema. Diplomstudiengänge bzw. Magisterstudiengänge im Bereich Kultur- / Geisteswissenschaften waren so gestrickt, dass zwar auch niemand einen Plan hatte, wozu das gut sein sollte, bzw. wo es hinführen sollte, aber immerhin gab es Handlungsoptionen, das heißt, dass derjenige, der einen Plan hatte, was er machen will mit seinem Studium, immerhin in einem gewissen Umfang das Studium steuern konnte, also wer z.B. Sprachen studiert, konnte sich, so ein Angebot da war, mit Computerlinguistik beschäftigen, einen Doppelstudiengang aufnehmen, Scheine in fachfremden Fächern machen, wenn das zu seiner Planung passte. Oder schneller studieren, wenn er schnell raus wollte oder eben langsamer, wenn er nebenbei einen Job hatte etc. etc..

Dass die Leute, die die Lehrpläne ausheckten, keinen Plan hatten, war zwar nicht gerade super, aber in Anbetracht der Tatsache, dass sowieso keiner weiß, was in zehn Jahren los ist, irgendwie hinnehmbar. Die Leute, die jetzt die Curricula austüfteln, haben zwar immer noch keinen Plan, schreiben aber die geplante Planlosigkeit fest. Teilweise wird es dann heftig dreist.

"Der Bachelorstudiengang Wirtschaftswissenschaften vermittelt eine wissenschaftlich fundierte, berufsqualifizierende Ausbildung im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Diese soll es den Studierenden ermöglichen, in einem Tätigkeitsfeld mit wirtschaftswissenschaftlichem Bezug anspruchsvolle fachliche Aufgaben zu übernehmen und wirtschaftliche Problemstellungen selbstständig zu lösen."

Schreibt so die Uni Mainz und Hunderte andere ähnlich, wobei das Programm weitgehend das Gleiche ist, wie vor dreißig Jahren. Berufsqualifizierend ist an diesen Studiengängen gar nichts und vor allem nicht direkt.

Wirtschaftswissenschaftler diskutieren oft und gerne über Macht ohne Kompetenz. Es gibt ein ganzes Werk zu diesem Thema, von Hayek: Wege zur Knechtschaft, siehe Friedrich August Hayek. Wir werden ausführlich darauf zurückkommen.

Sie meinen damit, dass in Planwirtschaften Leute über Ressourcen verfügen, die keinen Plan haben, die Planwirtschaft ist sozusagen durch die Planlosigkeit charakterisiert, was ja weitgehend zutreffend ist, da es erstens gar keine Marktsignale gibt, die Preise werden staatlich festgelegt und sie zweitens, selbst wenn sie bekannt wären, beharrlich ignoriert würden, bis das System dann zusammenbricht.

Der Zusammenhang ist aber, das Phänomen kennen wir bereits, für die Ökonomen nur als Objekt der Betrachtung interessant. Man käme nie auf die Idee selbst Handelnder in der geplanten Planlosigkeit zu sein, obwohl dies zutrifft. Man könnte natürlich Zahlen ermitteln, dies wäre nicht mal besonders schwierig, aber es ist nun mal ein Zeichen der Planwirtschaft, dass sie sich der Realität verweigert.

Zahlen ermitteln würde hier konkret bedeuten, dass man die Studienabgänger einer bestimmten Fakultät ein Jahr nach dem Studium fragt, wie ihre bisherige Karriere verlaufen ist. Dann würde aus einer vagen Aussage, so an der Grenze zur Werbung, eine harte, empirisch überprüfte Aussage. Die Aussage oben, die von der Uni Mainz, ist durchaus der empirischen Prüfung zugänglich.


Das System reproduziert sich, in der Biologie nennt man sowas Inzucht, eine passende Analogie, denn sowohl bei der Inzucht wie auch bei der Ökokaste geht die Vielfalt verloren.

Außerhalb der mit Steuergeldern gedüngten Biotope gibt es für Volkswirtschaftler, so sie ausbildungstypisch arbeiten, eigentlich keine Jobs, denn konkret kann der Volskwirtschaftler nichts. Im Bereich Rechnungswesen konkurriert er mit dem Industriekaufmann, denn die machen Rechnungswesen bis zum Abwinken, wie der Autor aus seiner Lehrtätigkeit weiß. Was dort in der Ausbildung gemacht wird, geht über einen einsemestrigen Kurs betriebliches Rechnungsesen weit hinaus. Als Konkurrent auf dem Arbeitsmarkt kommen noch andere IHK Abschlüsse hinzu, zum Beispiel der geprüfte Bilanzbuchhalter. Von den Diplom Kaufleuten mal ganz zu schweigen.

Die Tatsache, dass die Wirtschaftswissenschaften im Allgemeinen und die Volkswirtschaft im Besonderen nicht auf ein konkretes Berufsziel ausbilden, wie etwa Medizin, Informatik, Elektrotechnik etc. wäre im übrigen nicht mal so tragisch und praktisch in einer sich sich ständig ändernden Welt nicht mal möglich.

Es entstehen ständig neue Berufe, in die man mit einem Querschnittswissen einsteigen kann. Inakzeptabel ist aber, dass Leute, die keinen Plan haben Lehrpläne dichten und diese verbindlich sind. Hat man es mit Unsicherheit zu tun, so hilft die Erwartungswertmaximierung nicht wirklich weiter, mal so ganz praktisch gesehen. Dann geht es darum, sich strategische Handlungsoptionen zu erarbeiten.

Studiert z.B. jemand Volkswirtschaftslehre und will irgendwas mit Journalismus machen, dann ist ihm vielleicht unter Umständen, wenn er die Diskussion um das Leistungsschutzrecht für Presserzeugnisse, das Jammern über google Werbung, die Entwicklung des Anzeigenmarktes, die Marktbereinigung im Zeitungswesen etc. etc. verfolgt, klar, dass die klassische Zeitung in zehn Jahren in etwa so exotisch ist, wie das Telegramm für die allermeisten Leser dieser Zeilen.

Er weiß dann unter Umständen, dass Zeitungen durch News Portale im Internet ersetzt werden und er kann sich ausrechnen, wie diese arbeiten werden und wie sie sich refinanzieren. Nach dem alten System hätte er dann Schwerpunkte setzen können im Online Marketing, hätte bei den Informatikern was lernen können über die Administration des Apache Servers, mysql Datenbanken, XML, Content Management Systeme etc.etc. Der Weg ist nun verbaut.

Ziel des Bachelorstudiengangen ist die Kompatibilität und Komparabilität. Zu Deutsch: Man steuert mit Vollgas gegen die Mauer. Weder das eine noch das andere ist sinnvoll, denn beide unterstellen, dass Studiengänge überall auf der Welt ähnlich aufgebaut sein sollten. Das Gegenteil ist der Fall. Es sollten möglichst viele individuelle Konstellationen zugelassen werden.

Im Bachelor Studiengang muss die Sackgasse durchlaufen werden.

Einem anderen mag es dämmern, dass wir in der westlichen Welt nur wenige Sprachen auf dem Radar haben, eigentlich nur Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch. Manch einem mag aufgefallen sein, dass jenseits der Oder-Neiße Linie noch Leute wohnen und manche von diesen in der Zukunft eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung haben können.

Wer ein Händchen und Köpfchen für sowas hat, kann dann Absatzwirtschaft lassen und dafür Russisch oder Chinesisch lernen. Hätte er zumindest gekonnt.

Der Bachelor Studiengang sollte zu einer Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit führen und so die Berufschancen verbessern. Es ist genau umgekehrt. Die Chancen ergeben sich aus der Vielfalt, nicht aus der Einfalt oder der Einfältigkeit.

Es nützt nicht wirklich was, wenn sich alle im Stall der begrenzten Offerten auf die Füße treten. Man wird den Eindruck nicht los, dass Volkswirtschaftler den Trick mit der Marktwirtschaft nicht so richtig verstehen, wahrscheinlich braucht man dazu Berufserfahrung. Marktwirtschaft ist geprägt durch Ausdifferenzierung, nicht duch Vereinheitlichung.

Marktwirtschaft heißt ständige Veränderung, bietet ständig neue Chancen und fordert eine Anpassung. Ein Bildungssystem muss die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität fördern.

Der Bachelor und Master kann nur dem Hirn eines Beamten entsprungen sein. Diese Trümmertruppe geht davon aus, dass die Besoldung seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte sich aus der Besoldungstabelle ergibt und dies so bleibt, bis unser Herrgott sich wieder herab begibt und die Beamten dann hoffentlich in die danteske neunte Hölle verfrachtet.

Ein Thema der marktwirtschaftlichen Ordnung ist die individuelle Verantwortung und die Hoffnung, dass Menschen in ihrem eigenen Umfeld am Besten wissen, was ihnen frommt und nützt. Der Staat hat eine Ordnung vorzugeben, wo sich die Individuen nach vorgegebenen Spielregeln austoben können.

Nur dann, wenn der Staat genau weiß, was nutzt und frommt, wie etwa bei Studiengängen wie Medizin, wo eine individuelle Gestaltung des Studienganges wenig zielführend wäre, macht es Sinn, einen festen Rahmen vorzugeben. Es herrscht auf diesem Gebiet auch kaum, was die Beschäftigungsmöglichkeiten und die erforderlichen Qualifikationen angeht, Ungewissheit.

Bei Studiengängen jedoch, die schon von vornerein unklar definierte Schnittstellen haben, bzw. auf noch gar nicht existierende Berufe vorbereiten, sollte der Staat in die Marktwirtschaft vertrauen, denn diese wird mit Unsicherheit am effizientesten fertig. Das lehrt ex catedra jeder Volkswirt an jeder Uni. Theoretisch zumindest, also wenn die Marktwirtschaft Objekt der Betrachtung ist.

Der Widerstand der Ökokaste gegen e-learning wird verbissen sein, hier geht es dann ans Eingemachte. Denselben Schmerz, denn die Journaille schon durchlitten hat, Verlust der Deutungshoheit, direkte Kommunikation der Politik mit dem Bürger, effizientere Informationsverarbeitung der digitalen Medien und damit einhergehend finanzielle Einbussen, Rückgang der Auflage, Rückgang der Werbeeinahmen etc., wird er auch die Ökokaste durchleiden. Aber hier liegen ebenfalls Chancen.

Die Vorteile des Einsatzes von e-learning in der universitären und nicht universitären Ausbildung kann ernsthaft kaum bestritten werden. Anstatt x-Mal dieselbe Vorlesung schlecht zu halten, macht es mehr Sinn, sie einmal perfekt für das Internet aufzubereiten: Video, erläuternder Text daneben, Hyperlinks zu Hintergrundinformationen, Forum. Feedback kann man nutzen, um Schwachstellen zu eliminieren.

Die Vorlesungen können asynchron und beliebig oft angehört werden. Hierzu würde es reichen, wenn der gesamte Studiengang von fünf verschiedenen Gruppen von Universtitäten aufbereitet und ohne Zugangsbeschränkung online gestellt wird. Studienbewerber könnten sich dann ein höchst detailliertes Bild der Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit der Universitäten bilden.

Das will doch sicher auch die Uni Mainz. Die Uni Mainz haben wir zufällig rausgefischt, wir lesen Ähnliches auch bei anderen Universitäten. Dort heißt es:

"Schließlich ist es erklärtes Ziel des Studienganges, durch ein attraktives Studienangebot einen Bewerberüberhang zu generieren, der es erlaubt, durch eine stärkere Bewerberselektion die Qualität der aufgenommenen Studierenden zu erhöhen und die begabtesten und motiviertesten Studierenden anzuziehen."


Das Problem ist, wie soll der begabteste und motivierteste Student denn die beste Uni anhand von ein paar Schlagworten erkennen? Ein Rückgaberecht nach Kauf gibt es ja nicht. Am Bewerberüberhang zweifeln wir im übrigen auch. Vielleicht gibt es auch einen Uni Überhang, was man natürlich nicht so mag, wie den Bewerberüberhang.

Ersterer wirkt sich tendenziell eher negativ auf das Selbstbewußtsein aus, zweiteres hebt dieses tendenziell. Aber wenn sie wirklich durch ein Top Angebot überzeugen wollen, werden sie sicher den Wunsch haben, dieses Top Angebot zu zeigen. Also: Hic Rhodos, hic salta.

Aus den erwähnten Gründen, wird eine effizientere Lehre, also der Einsatz von e-learning Portalen, nicht von den Unis initiiert werden. Da hat das BMBF schon ausreichend Steuergelder versenkt, um letztlich am passiven Widerstand der Unis zu scheitern. Da die Universitäten erstens an Inzucht leiden, zweitens der Kanal Internet mit ihrer Würde nicht vereinbar ist, das Internet drittens den Charakter von Wettbewerb hat, viertens auch noch tendenziell Einnahmequellen versiegen lässt und fünftens Vorlesungen an und für sich überflüssig macht ist e-learning für die Ökokaste voll bäh. Marktwirtschaft gehört in die Bücher, aber nicht in die Realität.

Genau so klar wie die Tatsache, dass e-learning von den Universitäten nicht initialisiert wird, ist klar, dass es kommen wird. Irgendjemand auf dieser Welt wird solche Systeme aufsetzen, zumal damit Geld zu verdienen ist. Den Anfang werden Fernunis machen, deren Angebot richtet sich ja jetzt schon an Leute, die gar keine Universität besuchen können. Aus beruflichen, familiären und anderen Gründen. Ist das Angebot da, wird es ausgeweitet.

Der Aufbau von e-learning Plattformen ist kein trivialer Vorgang. Das Abfilmen einer Vorlesung bezeichnen wir nicht als e-learning. Der Aufbau solcher Plattformen erfordert einiges an Expertise. Da die Unis und die Ökokaste sich diese Expertise nicht aneignen werden, da sie über für die Berufswelt typische Fähigkeiten, der Fähigkeit zur fächerübergreifende Kooperation, Innovationskraft, Marktorientiertheit nicht verfügen, werden sie letztlich überrannt. Marktwirtschaft kann eben auch verdammt konkret werden.

Wer es nicht glaubt, kann sich diese Seite anschauen: www.coursera.org. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dort auch offiziell anerkannte Abschlüsse erworben werden können, wobei nicht mal klar ist, ob man diese in Zukunft noch brauchen wird.

Bildung ist ein Gut, das mühelos und ohne Transaktionskosten weltweit gehandelt werden kann. Der Autor redet hier nicht aus einer theoretischen Perspektive heraus, sondern aus der Sicht eines Geschäftsführers eines Unternehmens, das für ein weltweites Publikum Bildungsinhalte zur Verfügung stellt, die täglich mehrere zig Tausend Mal abgerufen und weltweit verkauft werden.

Mit der Umettiketierung von Uniabschlüssen hat man nichts gewonnen. Auch wenn man auf eine Flasche Apfelsaft das Etikett Birnensaft klebt, bleibt Apfelsaft nun mal Apfelsaft. Eine dramatische Verbesserung der Lehre lässt sich nur durch e-learning erreichen. Das wäre das Thema der Unis gewesen. Nicht der Name des Abschlusses ist das spannende Thema, sondern die Inhalte und die Organisation. Die Diskussion von Bachelor und Materstudiengängen geht völlig an den tatsächlichen Problemen vorbei.

E-learning Portale können die Effizienz der Lehre dramatisch steigern. Sie können, wie bereits oben beschrieben, unterschiedliche Lernertypen berücksichtigen, z.B. dadurch, dass man Wirtschaftsprozesse über Spiele nachbildet, sie können sogar Sprachbarrieren überwinden, man kann nämlich den perfekt aufbereiteten Stoff auch in mehreren Sprachen anbieten. An zahlreichen Unis werden Teile der Prüfung heute schon als Multiple Choice durchgeführt. Die Korrektur dieser Teile kann man dann von einem Rechner erledigen lassen.

Das spart Zeit, was es dem korrigierenden Mittelbau wiederum erlaubt, in einer Klausur nicht nur nach Stichworten zu fahnden, sondern auch den Text mal durchzulesen, denn dann hat er mehr Zeit.

Denkbar wäre die Vernetzung mehrerer Universitäten, so dass das Angebot drastisch ausgedehnt werden kann. (Was übrigens noch ein besonderer Witz ist: Gerade die Mobilität und die Anrechnung von Studienleistungen sollte ja durch den Bologna Prozess erleichtert werden. Dann wäre es naheliegend, dass auch Prüfungen anderer Unis, über die man sich via e-learning vorbereitet hat, anerkannt werden.) Der Bologna Prozess ist vergleichbar mit der Optimierung einer Dampfmaschine zu einem Zeitpunkt, wo flächendeckend die gesamte Energie aus Sonne und Wind gewonnen wird.

Tempora mutantur
et nos mutamor in illis

Die Zeiten ändern sich
und wir ändern uns mit den Zeiten

Oder eben auch nicht. Dann wird der, der zu spät kommt, vom Leben bestraft. Es geht übrigens auch umgekehrt. Wir ändern uns, und damit ändern wir die Zeiten. Bei der verbeamteten Ökokaste trifft aber weder das eine, noch das andere zu. Dass sich die Zeiten ändern, fällt den Jungs nicht auf und das Wachstum und Beschäftigung sich quantitativ ausdehnen, weil manche Leute sich qualitativ verändern, kriegt man den Jungs und Mädels auf keinen Fall in den Schädel.

Die Bachelor und Masterstudiengänge müssen also reformiert werden. Die Studenten brauchen mehr Handlungsmöglichkeiten, das Angebot muss effizienter sein, die Studiengebühren müssen weg. Der Bachelor Studiengang wird geändert. Entweder durch Einsicht, unwahrscheinlich, oder durch die ehernen Gesetze der Ökonomie.

Infos und Anmerkungen:

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