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1.2.4 Last not least: Das Internet und die Volkswirtschaftslehre

Wir wissen nicht, ob Gott alles weiß. Wir wissen aber, dass google alles weiß, google sich alles merkt und google allgegenwärtig ist. Bekanntlich war auf Gott ja nie Verlass. Auf google ist Verlass.

Die Art, wie er, Gott, den dürstenden Erdenwurm an seiner unendlichen Weisheit hat teilhaben lassen, war immer eher indirekt, wäre Joseph nicht gewesen, dann wäre die Message, die Gott via Traum an den Pharao sendete, glatt im Spam Filter gelandet.

Bei google ist das anders, der liefert wirklich Informationen präzise und exakt. Das Internet ist also unglaublich effizient im Speichern von Informationen, Auffinden von Informationen und Verknüpfen von Informationen.

Das ist aber noch nicht alles. Geht es um die Erklärung komplexer Sachverhalte, dann bietet das Internet auch die Möglichkeit, denselben Sachverhalt unterschiedlich zu erklären, was in einem endlichen Buch, mehr als 5000 Seiten kann ein solches eben nun mal nicht haben, nicht möglich ist.

Das ist durchaus relevant, denn bekanntlich zerfällt die Menschheit nicht in die Gruppe der Gewitzten und weniger Gewitzten, aber sehr wohl in unendliche viele Gruppen mit unterschiedlichen Lernstrategien, wobei, und das macht die Sache besonders schrecklich, jeder Mensch für verschiedene Wissensgebiete im Verlaufe seines Lebens auch noch unterschiedliche Lernstrategien entwickelt, wenn er denn Gelegenheit hatte, unterschiedliche Strategien auszuprobieren.

Geht es also um die reine Lehre, wo auch immer, an Schulen, Berufsschulen oder Unis, dann kann man mit dem Internet breitere und komplexere didaktische Ansätze umsetzen als mit herkömmlichen Mitteln.

Hinzu kommt die Verfügbarkeit der Informationen 24 Stunden am Tag und 365 Tagen im Jahr zu Preisen, für die man im Paradies nicht mal vom Baum der Erkenntnis essen kann, was einen ja ohnehin nur lehrt, was gut und böse ist, eine Erkenntnis, die bei der Lösung wirtschaftspolitischer Fragestellungen eh nicht weiterhilft.

In der Regel fallen im Internet nämlich nur Opportunitätskosten an, das heißt die Kosten, die sich aus der Möglichkeit einer alternativen Verwendung der Zeit ergeben würden.

Obwohl also relativ klar ist, dass das Internet dem Buch, wir reden jetzt nicht von Belletristik, in didaktischer Hinsicht, unterschiedliche didaktische Ansätze, einfaches Reinziehen von Hintergrundinformationen, Multimedialität, Interaktivität gnadenlos überlegen ist, veröffentlicht die Ökokaste ihre Erkenntnisse nach wie vor auf totem Holz.

Die schöpferische Zerstörung nach Schumpeter ist zwar Objekt der Betrachtung der Ökokaste, aber die Ökokaste ist hier kaum ausführendes Subjekt. Ein Zusammenhang, der uns immer wieder begegnen wird. Allgemeiner kann man sagen, dass es wesentlich angenehmer ist, die Wirtschaft zu betrachten, als tätig an selbiger mitzuwirken.

Eine Aussage, die jeder nachvollziehen kann, denn es ist auch angenehmer, jemandem bei der Arbeit zuzuschauen, als selber zu arbeiten. Die Ökokaste veranschaulicht uns also sehr schön, was eigentlich Marktversagen ist. Marktversagen liegt vor, wenn Mittel, zum Beispiel Steuergelder, für VWL Lehrstühle in einer Art und Weise verwendet werden, bei der der gesamtwirtschaftliche Grenznutzen nicht optimal ist und es keine Kräfte gibt, die die optimale Verwendung der Mittel erzwingen.

Baut ein Bauer Kartoffeln an, obwohl der Ertrag bei Rüben größer wäre, wird er langfristig ein Problem bekommen, zum Beispiel Gefahr laufen, von konkurrierenden landwirtschaftlichen Unternehmen übernommen zu werden. Der Professor für Volkswirtschaft kann Bücher schreiben, anstatt umfassende Webportale aufzubauen, bis der Arzt kommt. Es gibt keinen marktwirtschaftlichen Mechanismus, der ihn in die Spur zwingt.

In diesem Fall, ein klarer Fall von Marktversagen, muss der Staat durch geeignete Maßnahmen marktwirtschaftliche Bedingungen simulieren, bzw. das Angebot eines Lehrstuhls löschen, wenn es aufgrund der Marktentwicklung keinen gesamtwirtschaftlichen Nutzen mehr bringt. Marktversagen gibt es im Übrigen öfter als man denkt, viele davon lassen sich durch Transparenz beseitigen.

Das zweite didaktisch ungemein wichtige Element des Internets ist die Interaktivität. Interaktivität kann zum einen bedeuten, dass sich während der Beschäftigung mit einem Thema Fragen stellen. Sei es, dass Fakten benötigt werden, sei es, dass Erklärungsmuster unklar sind und nach alternativen Erklärungsmustern gesucht wird, sei es, dass man den Wahrheitsgehalt einer These durch alternative Darstellungen überprüfen will.

All das kann das Internet leisten, je besser, je mehr Leute Informationen einspeisen. Wir wollen gar nicht verhehlen, dass wir es als Fortschritt ansehen würden, wenn Unibibliotheken schlicht obsolet werden. Vor diesem Hintergrund erscheint auch das Jammern der Verlage kurios. Soll das gesamte Wissen der Menschheit neu und unter Nutzung der Möglichkeiten des Internets aufbereitet werden, dann sind alle Verlage der Republik voll beschäftigt, da brauchen die kein einziges Buch mehr zu drucken. Machen sie dann noch einen Medien-Mix lässt sich das Angebot auch refinanzieren. Davon lebt nämlich die infos24 GmbH.

Das ändert aber wenig an der Tatsache, dass wir zwar eine Flut von Lehrbüchern zur Makroökonomie haben, wobei zweifelhaft ist, dass diese, im Grunde Zusammenfassungen, besser sind als die Orginale, siehe IS-LM Modell. Wir würden glatt behaupten, dass Principles of Economics von Alfred Marshall als Einführung in die Mikroökonomie jedem modernen Lehrbuch haushoch überlegen ist.

Das zweite Moment der Interaktivität ist der Dialog mit anderen Usern, bzw. die Rückkopplung mit dem Verfasser. Beide Arten von Interaktivität erfreuen sich nur geringer Beliebtheit bei dem unseligen Dreiklang aus Journaille, Politik und Ökokaste. Selbst ein Forum auf den Seiten der Parteien wäre noch zuviel Interaktivität mit der Plebs. Wissensvermittlung ist für dieses Trio eine Einbahnstraße, aus den schon des öfteren erwähnten Gründen und ganz im Geist der Old Economy und der beratenden Marketing Berater liegt der Schwerpunkt auf der Produktion eines Multimedia Overkills anstatt auf Inhalt.

Der Multimedia Overkill ist die Braut der Werbung. Werbung zielt nicht auf eine rationale Auseinandersetzung, sondern auf Suggestion. Der Multimedia Overkill will nicht informieren, sondern unterhalten. Ziel ist die Produktion billig zu produzierender Nachrichten und die Akzeptanz der Belanglosigkeiten bei einem Massenpublikum. Wir kommen darauf zurück, siehe Kulturindustrie oder Aufklärung als Massenbetrug. Wer, wie dies auch die öffentlich rechtlichen Sender in ihren Internetpräsenzen tun, mehr Hirnschmalz in den Multimedia Overkill investiert als in Inhalte, der hat wohl keine rechte Lust zu recherchieren.

Objektiv ist das Internet der beste Kanal, um volkswirtschaftliche Fragestellungen zu erötern. Es kann beliebig viele Lernertypen berücksichtigen, beliebig viele Zielgruppen (Studenten, Auszubildene, die breite Bevölkerung), es kann jedes Maß an Interaktivität bieten und jede beliebige Menge an Hintergrundinformationen.

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