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1.2 Das Elend der Volkswirtschaftslehre

Der Autor hat sich zugegebenermaßen in den letzten Jahren mit allen möglichen Dingen beschäftigt, mit Informatik (damit sogar eigentlich das meiste Geld verdient), zu e-learning im Bereich Sprachen (www.spanisch-lehrbuch.de et alter) das weltweit umfassendste Portal aufgebaut, mit 1 Million Besucher pro Monat, wie auch mit der Vermarktung von Musik und einigen anderen Dingen mehr. Es gibt wohl nur wenig Dinge, wo ein Studium der VWL irgendwie hilfreich ist. Was man brauchen könnte, lässt sich mit ein bisschen common sense ohne weiteres erschließen. Da die interessierten Ädepten des Status Quo zwar vollmundig von der Praxisrelevanz und Bedeutung ihres Faches schwadronieren, den konkreten Beweis für solche Aussagen allerdings schuldig bleiben, darf man mit der gleichen Münze heimzahlen. Wobei man im Zweifelsfalle demjenigen, der nicht interessiert ist, der also an Verklärung kein Interesse hat, mehr Ehrlichkeit unterstellen darf.

Der Autor hat sich also 15 Jahre lang nicht mehr mit dem Thema beschäftigt, stellt aber nach einer kurzen Analyse gängiger Lehrbücher der VWL fest, dass es nichts Neues gibt unter der Sonne.

Es ist noch derselbe Quark, wie vor 20 Jahren, allein das Design hat sich, wohl unter dem Einfluß amerikanischer Lehrbücher, drastisch verbessert, wobei über amerikanische Lehrbücher noch zu reden sein wird.

Die gnadenlose Überlegenheit derselben, hinsichtlich didaktischer Aufbereitung, Problemorientiertheit, Aktualität ist nicht nur im Bereich VWL zu konstatieren. Man kann dasselbe Phänomen auch im Bereich Informatik feststellen.

Das Internet hat man irgendwie zur Kenntnis genommen, praktisch alle Fakultäten haben nun eine Website nach dem Schema "my first homepage". Die Potentiale will man nicht sehen und / oder sieht sie tatsächlich nicht. Komplette Aufbereitung des VWL Stoffs online, Interaktion mit Studenten, Diskussionforen zu aktuellen Fragen etc. Fehlanzeige. Wozu auch? Das dozierende Mitglied der Ökokaste ist ein homo oeconomicus, soviel steht unstrittig fest, und der Nutzwert der sich aus dem Internet ergebenden Möglichkeiten ist für das dozierende Mitglied der Ökokaste Null. Der homo oeconomicus mutiert fern seiner Heimat, der marktwirtschaftlichen Ordnung, zum homo buerocraticus.

Wir haben hier also ein echtes Marktversagen. Der Markt sorgt hier keineswegs für den optimalen Einsatz der Produktionsfaktoren bei der Produktion des Gutes Bildung. Genau genommen haben wir gar keinen Markt.

Wie dieses Problem lösen? Man könnte ja viele Kurven malen, das tun ja VWLer mit Wonne. Man kann es aber auch einfach mit einem Tritt in den Hintern versuchen.

Die Erfahrungen des Autors aus seiner Unterrichtstätigkeit in der öffentlichen Verwaltung lassen ihn vermuten, dass dies effizienter wäre, als eine Veränderung des Zinssatzes, der ja im Zentrum aller makroökonomischen Modelle steht. Über ihn wird noch zu reden sein.

Würde die Politik die dozierende Ökokaste zwingen, den kompletten Stoff des Studienganges im Internet aufzubereiten und für jeden einsehbar zu veröffentlichen, hätte man an einem Vormittag einen Überblick über die Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit der Ökokaste an den verschiedenen Universitäten der Republik.

Tja, das Leben ist hart. Wettbewerb ist schon schön, wenn man abstrakt über das Polypol philosophiert und die anderen im Wettbewerb stehen. Richtig ekelhaft ist aber Wettbewerb, wenn man selber Subjekt desselben ist und ihn nicht mehr nur als Objekt betrachtet.

Bildung ist nun ganz zweifelsohne eines der zentralen Themen der Republik und der Welt. An der Bildung hängt nun alles, inklusive der Qualität einer demokratischen Entscheidung, denn Leute, die nicht durchblicken, sind anfällig für unsinnige Wahlentscheidungen.

An der Bildung hängt die Innovationskraft, an der Bildung hängt die Fähigkeit, Konflikte rational zu lösen, an der Bildung hängt ein Großteil an Fun, den man haben kann.

An der Bildung hängt die Fähigkeit, sich auf verändernde Rahmenbedingungen einzustellen.

Und es wird immer wirrer. In einzelnen Bereichen, wie etwa der Informatik, haben wir keine schleichenden Veränderungen mehr, sondern schlicht ein Explosion des Wissens. Dass das überhaupt noch beherrscht wird, hängt mit der Tatsache zusammen, dass der gesamte Bereich Informatik eben auch der Bereich ist, der Wissen via Internet am effizientesten zur Verfügung stellt: Zum richtigen Zeitpunkt, in der nötigen Präzision, didaktisch für unterschiedliche Zielgruppen aufbereitet.

Eine Bewegung, an der sich auch der Autor in der Frühphase beteiligt hat und Handbücher erstellt hat zu damals relevanten Programmiersprachen (www.infos24.de, Handbücher zu Perl, Php, mysql, javascript etc.).

Wie man aber beobachten kann, dass das Internet auf gesellschaftliche Entwicklungen höchst effizient, reagiert, genau so kann man einen Totalausfall des institutionalisierten Bildungswesens beobachten.

Der Autor hat sich mit der Thematik schon auf unterschiedlichen Niveaustufen befasst, die manchem abartig vorkommen können, obwohl sie das Beharrungsvermögen institutionalisierter Bildung belegen. Die Divina Commedia zum Beispiel ist seit Hunderten von Jahren fester Bestandteil des schulischen Lehrplans in Italien, obwohl man sich fragen kann, inwieweit dies didaktisch sinnvoll oder / und inhaltlich gerechtfertigt ist (siehe www.divina-commedia.de). Der Leser wird Beispiele finden, die das Beharrungsvermögen, man könnte es auch Trägheit nennen, des institutionalisierten Bildungssystems belegen. Wenn nicht, dann sollte er sein Leben ändern, denn das tobende Leben passiert dann irgendwo, wo er nicht ist.

Was die VWL noch vor sich hat, sie ist auf dem besten Weg dahin, das Abtauchen in die völlige Irrelevanz, haben die Geisteswissenschaften schon hinter sich. Das war abzusehen. Das wusste der Autor schon, er hat ja, wie oben bereits erwähnt, auch Romanistik studiert. Ein Fach, das viel Fun verspricht, allerdings tatsächlich so erotisch ist wie ein Leichenschauhaus. Man muss jetzt kein Marxist sein, man kann sogar genervt darüber sein, dass der Kampfbegriff Kapitalismus durch alle Kanäle rattert, obwohl der richtige Begriff Marktwirtschaft wäre, aber manchmal hat Karl Marx auch Recht.

Die Tradition aller toten Geschlechter
lastet wie ein Alb auf den Gehirnen der Lebenden

Die Politik konnte die Fehlentwicklung der Geisteswissenschaften nicht korrigieren. Einsicht war nicht möglich. Es gab nur noch die Möglichkeit, Professuren zu streichen, einzelne Fakultäten zu schließen. Die damit verbundenen Demonstrationen schlängelten sich die Schönhauser Allee entlang, wo der Autor damals wohnte, hat er amüsiert zur Kenntnis genommen. Die Fehlentwicklungen sind keine subjektive Einbildung. Sie führen zu höchst realen, sehr konkreten und schmerzvollen Maßnahmen. Unsinnige Professuren im Bereich Geisteswissenschaften wurden ganz konkret gestrichen. Kein Politiker konnte die Alimentierung dieses pseudowissenschaftlichen Gelabers qua Steuergelder vor dem Steuerzahler mehr rechtfertigen. Das Szenario ist sehr konkret und kann auch für Ökokaste sehr konkret werden.

Dass ein zukünftiger Französisch Lehrer mit profunden Kenntnissen über das Altfranzösische vor einer Klasse nicht punkten wird, und man sich hätte über Didaktik Gedanken machen können, etwa wie der Autor das auf der www.franzoesisch-lehrbuch.de getan hat, war abzusehen. Ach ja, das Beharrungsvermögen lesen wir schon in Goethes Faust.

Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!

Goethe, Faust

Geisteswissenschaften müssen nun mal rocken, und das Leichenschauhaus mit verbeamteten Geistlichen rockt nun eben gar nicht, interessiert also keine Sau. Bei einem Grenznutzen von Null, egal wie man selbigen definiert und bestimmt, sind die Grenkosten immer zu hoch.

Die VWL suggeriert noch, dass sie einen Nutzen stiftet, allerdings fehlen hierzu die Belege. Die hohen Anzahl der Studienanfänger, Wirtschaftswissenschaften gehören ja zu den größten, an der Anzahl der Studierenden, Fakultäten dürfte der intuitiven Annahme geschuldet sein, dass Wirtschaftswissenschaften irgendwas mit Wirtschaft zu tun haben. Dies jedoch kann sich als widerlegbare Behauptung herausstellen. (siehe auch Die Journaille und die Volkswirtschaftslehre, Die Politik und die Volskwirtschaftslehre, Das faszinierte und faszinierende Publikum der Volkswirtschaftlehre).

Das Beispiel Romanistik zeigt aber, dass die institutionalisierten Bildungssysteme, also z.B. Universitäten, von Innen heraus nicht reformierbar sind. Wahrscheinlicher als Reformen ist die Schließung, und noch im Todeskampf werden sie sich mit den Argumenten wehren, die zum Absturz geführt haben. Was den Romanisten ihr großes Latinum, ist den Wirtschaftswissenschaftlern ihre Mathematik. Man könnte beides als Fetisch bezeichnen, wenn nicht die Absicht, die Irrelevanz bzw. Trivialität der Aussagen zu überdecken, offenkundig wäre. Systemstabilisierend ist die Tatsache, dass in institutionalisierten Bildungssystemen nur Menschen Karriere machen, die die Werte und Normen eben dieses Systems verinnerlicht haben. Der homo oeconomicus wird, vielleicht sogar unbewusst und reflexartig, verhindern, dass seine Lebensgrundlagen in Frage gestellt werden.

Die Geisteswissenschaften sind im übrigen an der unzureichenden Qualifikation des eingesetzten Personals gescheitert. Dass die komplette Internet Entwicklung an ihnen vorbei gelaufen ist, trotz erheblicher staatlicher Förderung, sei geschenkt. Sie haben es aber auch nicht geschafft, Bildungsinhalte so aufzubereiten, dass sie aktuell und spannend sind, wie wir das getan haben. Zum Beispiel steht Don Quijote zwar auf dem Lehrplan, aber offensichtlich hat sich noch nie jemand darüber Gedanken gemacht, wie man ihn vermittelt.

Miguel de Cervantes, Don Quijote

Das gleiche Schicksal kann den Wirtschaftswissenschaften drohen. Die Marschrichtung im Hinblick auf präzise und griffige Darstellung, Relevanz, Aktualität, Verfügbarkeit wird im Zweifelsfalle und langfristig das Internet vorgeben. Wikipedia zum Beispiel kann auch mit den allerneuesten Entwicklungen der Wirtschaftspolitik Schritt halten und diese präzise dokumentieren, kritisch hinterfragen und diskutieren. Genauso wie im Bereich Geisteswissenschaften, die sich ja bereits in die Irrelevanz bugsiert haben, wird man sich auch bei den Wirtschaftswissen die Frage stellen müssen, wozu man sie braucht, wenn ihre Kernfunktion, Dokumentation - Diskussion - Impulsgeber wirtschaftspolitischer Entwicklungen und Diskussionen, anders sehr viel effizienter erfüllt werden kann.

Das heißt jede Uni steht im globalen Wettbewerb. Es reicht eine Uni, im Zweifelsfalle wie üblich eine amerikanische, um Defizite transparent zu machen. Das Monopol der Unis, Diplome auszustellen, wird langfristig nicht reichen, um ihre Existenz zu rechtfertigen.


Infos und Anmerkungen:

ES        DE

 

Was die Geistes-wissenschaften schon hinter sich haben, hat die Volkswirtschaftlehre unter Umständen noch vor sich.

Ist sie in der öffentlichen Debatte nicht mehr präsent, ist sie entbehrlich.

 

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