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2.3.2. wissenschafttheoretische Grundlagen

Es fällt auf, dass viele Werke der klassischen Autoren fast den gleichen Titel haben.

Adam Smith, Wealth of Nation
David Ricardo, On the Principles of Political Economy and Taxation
Jean Baptiste Say, Traité d’économie politique
Alfred Marshall, Principles of Economics
Carl Menger, GRUNDSÄTZE DER VOLKSWIRTHSCHAFTSLEHRE
Léon Walras, Elements d'Economie Politique Pure
Vilfredo Pareto, Manuale di Economia Politica

Einen ganz eindeutig anderen Titel hat nur das Werk von Adam Smith, wobei man sich hier fragen kann, ob er in seinem Werk nicht eher grundlegende Mechanismen marktwirtschaftlicher Ordnungen beschreibt und weniger den Wohlstand der Nationen, siehe auch Eine ökonomische Sicht der Dinge. Léon Walras weist, das ist einer der wenigen vernünftigen Gedanken in seinem opus maximus, zu Recht darauf hin, dass es auch viel spannender ist zu erfahren, wie der Wohlstand der Nationen erreicht werden kann, anstatt diesen lediglich zu beschreiben.

Der Begriff political economy, économie politique, economia politica ist wohl nur noch historisch zu verstehen. Wikipedia definiert political economy so.

Political economy originally was the term for studying production, buying, and selling, and their relations with law, custom, and government, as well as with the distribution of national income and wealth. Political economy originated in moral philosophy. It developed in the 18th century as the study of the economies of states, polities, hence the term political economy. Politische Ökonomie war ursprünglich ein Begriff, der das Studium der Produktion, des Vertriebs und Konsums sowie deren Beziehung zu Gesetzen, Bräuchen und Regierungshandeln umfasste. Ihren Ursprung hat die Politische Ökonomie in der Moralphilosophie. Hervorgegangen ist sie aus der Auseinandersetzung mit den verschiedenen nationalen Wirtschaftssystemen, von daher der Begriff Politische Ökonomie.

aus: http://en.wikipedia.org/wiki/Political_economy

Ursprünglich beschäftige sich das Fach also mit der Wirkung von Gesetzen auf das Wirtschaftsleben, die Auswirkungen staatlichen Handelns auf die Wirtschaft und der Bedeutung von Gewohnheiten für die wirtschaftliche Entwicklung.

Das trifft aber nur bedingt auf alle Autoren zu. Es trifft gar nicht zu auf Léon Walras, bei ihm ist sogar fraglich, ob er sich überhaupt mit Wirtschaft beschäftigt.

Unter sehr hypothetischen Annahmen beschäftigt er sich mit Marktgleichgewichten, ohne diese aber näher zu analysieren. Die Kernaussage von Léon Walras besagt nur, dass sie zustande kommen, wobei er bezüglich der Produktionsfaktoren von "natürlichen" Preisen ausgeht, ohne diese näher zu definieren.

Das ist ein entscheidender Unterschied zu Alfred Marshall. Alfred Marshall analysiert Eigenschaften von Marktgleichgewichten. Mit seinen Konzepten kann man zum Beispiel Mindestpreise, Höchstpreise, Subventionen, Zölle etc. analysieren und man kann die Strategie von Monopolisten erklären. Mit dem Konzept des allgemeinen Gleichgewichts von Léon Walras, im Gegensatz zum partiellen Gleichgewicht von Alfred Marshall, kann man eigentlich gar nichts anfangen. Die einzig gehaltvolle Aussage, die man daraus ableiten kann ist, dass sich Grenznutzen einer Ware, zum Beispiel Geld, in allen Verwendungen der gleiche sein muss. Das wussten wir aber schon von Adam Smith, siehe natürlicher Preis / Marktpreis. Rein theoretisch hätte uns dies einen Eindruck über die Dynamik marktwirtschaftlicher Ordnungen vermitteln können, allerdings erinnert das allgemeine Gleichgewicht von Léon Walras eher an astronomische Gesetze. Es würde sich auch einstellen, wenn es gar keine Menschen auf dem Planeten mehr gäbe, den ein Unternehmer ist in seinem Modell nicht vorgesehen.

Bei ihm passen sich Produktionsfaktoren über die Mengen an. Bei den Märkten für Waren erfolgt die Anpassung über den Preis. Und zwar vollautomatisch.

Die Analyse der Wirtschaft reduziert sich bei ihm auf die Beschreibung eines Gleichgewichts auf sehr speziellen Märkten.

David Ricardo analysiert ausführlich die Wirkung von Steuern, die Verteilung sieht er durch eherne Gesetze unumstößlich vorgegeben. Die Arbeiter erreichen keinen Lohn, der über die Existenzsicherung hinausgeht, die Bodenrente ergibt sich aus dem Bedarf an Nahrungsmitteln, der Profit ist der Rest.

Das Spektrum an Themen ist aber auch bei ihm überschaubar.

Eine größere Bedeutung hat staatliches Handeln bei Alfred Marshall. Er sieht als einziger auch die Bedeutung von Bildung als Produktionsfaktor. Ausgerechnet Alfred Marshall aber setzt sich mit dem Begriff political economy kritisch auseinander und ersetzt ihn durch den Begriff economics.

Bei Jean Baptiste Say nimmt staatliches Handeln ein ähnlichen Platz ein, wie bei Adam Smith. Allerdings erwähnt er, dass der Staat Forschung und Entwicklung fördern kann.

Bei Vilfredo Pareto gerät weniger der Staat, als die Gesellschaft an sich in den Fokus, zumindest in seiner Soziologie, die eigentlich sein Hauptwerk ist.

In Deutschland ist der Begriff political economy nie übernommen worden. Carl Menger ignoriert aber sowohl den Staat wie auch soziale Normen vollkommen.

Er hat in seiner "Volkswirtschaftslehre" im Grunde nur ein Thema: Den Wert eines Gutes und auf was selbiger beruht. Man sollte nun meinen, dass er zumindest zu diesem einen und einzigen Thema irgendwas Richtiges sagt, dies trifft aber nicht zu, siehe Carl Menger.

In der theoretischen Volkswirtschaftslehre taucht der Staat sporadisch auf, etwa wenn Zölle oder Verbrauchssteuern diskutiert werden. Was mit dem Begriff Politische Ökonomie ursprünglich gemeint war, wird heute in den Fächern Wirtschaftspolitik und Finanzwissenschaft abgehandelt.

Allerdings fehlt eine konkrete Vorstellung darüber, über welchen Transmissionsmechanismus wirtschaftspolitische Vorstellungen auf politische Entscheidungen einwirken sollen, siehe Die Politik und die Volkswirtschaftslehre.

Die Faszination, die Léon Walras auf die Ökokaste ausübt, lässt vermuten, dass davon ausgegangen wird, dass eine verschwurbelte Analyse von Parallelwelten irgendwo, irgendwie, irgendwas bewirkt. Unklar bleibt allerdings, wo, wie, was konkret geschehen soll, siehe Präliminarien.

Mit so höchst trivialen Fragen wie die nach dem Transmissionsmechanismus beschäftigt sich Léon Walras aber gar nicht, das ist schlicht unter seiner Würde, obwohl es seine Chancen, irgendwo eine richtige Arbeit zu finden und nicht irgendwo als Professor in einer universtitären Wärmestube sein Leben zu fristen, drastisch verbessert hätte.

Wir lesen allerorten, dass Léon Walras streckenweise das Leben eines Bohémiens geführt habe und sich mit Literatur, Philosophie und Kunst beschäftigt hat. Wenn wir uns aber durchlesen, was er zu diesen Themen so schreibt, dann fragen wir uns, ob er in die von ihm so geschmähte méthode littéraire, die ja bei ihm der Gegensatz zur méthode scientifique ist, allzu weit vorgedrungen ist.

C'est une vérité depuis longtemps mise en lumière par la philosophie platonicienne que la science étudie non les corps, mais les faits dont les corps sont le théâtre. Les corps passent, les faits demeurent. Des faits, leurs rapports et leurs lois, tel est l'objet de toute étude scientifique. D'ailleurs, les sciences ne peuvent différer qu'en raison de la différence de leurs objets, ou des faits qu'elles étudient. Ainsi, pour différencier les scien- ces, il faut différencier les faits. Die Philosphie Platons hat schon vor langer Zeit gezeigt, dass die Wissenschaft nicht die Körper studiert, sondern die Fakten, für die die Körper nur die Bühne sind. Die Körper vergehen, die Fakten bleiben. Die Fakten, ihre Beziehungen zueinander und die Gesetze sind das Objekt aller wissenschaftlichen Studien. Des weiteren können sich die Wissenschaften auch nur insoweit unterscheiden, wie sich ihre Objekte unterscheiden, oder die Tatsachen, denen sie sich widmen. Um also die Unterschiede zwischen den einzelnen Wissenschaften zu erkennen, muss man die Unterschiede in den Fakten erkennen.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 4° LEÇON Distinction entre la science, l'art et la morale.

Die Aussagen über Platon sind nun so vage gehalten, dass man darüber gar nicht diskutieren kann.

Das hat aber nichts mit der méthode littéraire zu tun, sondern mit der Tatsache, dass er sich verbal nicht klar ausdrücken kann. Wissenschaftlicher Usus ist es, auch die konkrete Quelle zu nennen, auf die man sich bezieht.

Unstrittig ist nur, dass Ideen bei Platon etwas Überindividuelles, Objektives sind, sinnlich nicht wahrgenommen werden können.

Sie könne nur durch Reflexion erschlossen werden. Gelebt allerdings hat Platon im 4. vorchristlichen Jahrhundert, das war also auch im 19. Jahrhundert schon verdammt lange her.

Dass Physiker sich nun nicht mit konkreten Steinen, sondern mit den Gesetzen befassen, die deren Verhalten in verschiedenen Situationen allgemein beschreiben, ist unstrittig. Was aber hat Platon damit zu tun?

Wenn Psychologen sich damit beschäftigen, wie gut oder schlecht Menschen Konflikte verarbeiten, die Konfliktverarbeitung also aus der Dynamik der Gesamtpersönlichkeit erklären wollen, dann suchen sie durchaus nach Konstanten im Wandel der Erscheinungen, das Paradigma dieser Forschung ist aber nicht die Ideenlehre Platons.

Ist das Studienobjekt der Mensch werden wir jenseits der Biologie und der biologisch orientierten Verhaltensforschung, wie dem Behaviourismus, wenig konstante Verhaltensweisen finden und kaum mehr, als die wenigen, die Grundlage der Wirtschaftswissenschaften sind. Dass die Nutzenoptimierung der Neoklassik an den Bevahiourismus erinnert, also an die simple Reaktion auf einen Reiz, ähnlich wie der Speichelfluss des Pawloschen Hundes, liegt eben daran, dass jenseits der durch den Behaviourismus beschriebenen Verhaltensweisen wir nur wenig Verhaltensweisen finden werden, die im Zeitablauf stabil sind.

Für Popper ist Platon ein Feind der offenen Gesellschaft, weil er einen Idealzustand hypostasiert, was die Wahrheitsfindung über demokratische Entscheidungsprozesse über trial and error obsolet werden lässt. Das ist aber lediglich ein Spezialfall, eines allgemeinen Problems. Die Hypostasierung stabiler Verhaltensweisen ist meist ideologisch und die meisten Hypostasierungen diese Art werden von der Geschichte revidiert. Der Fehler Poppers besteht darin, mal abgesehen von der Art der Darstellung, dass er nicht erkennt, dass der Historizismus lediglich ein Teilproblem eines allgemeineren Problems ist. Ob sich, wie in der Vorstellung des Marxismus, die Weltgeschichte auf einen prognostizierbaren Endzustand zubewegt oder ob sie, wie bei Léon Walras, im Gleichgewicht verharrt, ist ziemlich egal. Falsch ist beides und ideologisch obendrein.

Ein besonders illustratives Beispiel hierfür ist David Ricardo und Thomas Malthus. Si hypostasieren ein bestimmtes Bevölkerungswachstum, das abhängt vom Verhalten der Menschen. Daraus leiten sie dann alle möglichen Schlussfolgerungen ab. Was sie allerdings als stabil hypostasierten, war ausgesprochen instabil.

Popper überträgt nun die Methoden der Naturwissenschaften auf die Sozialwissenschaften, was erstmal nicht besonders plausibel ist, denn Naturgesetze sind in der Tat stabil in der Zeit. Diese Übertragung ist bei Popper möglich, weil er die Naturgesetze ebenfalls als prinzipiell instabil ansieht, bzw. davon ausgeht, dass sie nur solange Gültigkeit haben, wie sie noch nicht falsifiziert worden sind. In diesem Sinne kann dann menschliches Verhalten mit Naturgesetzen vergleichen. Beide haben Gültigkeit nur solange, wie sie noch nicht falsifiziert worden sind. In dieser Variante könnte man dem zustimmen. Léon Walras allerdings geht implizit von der Stabilität menschlichen Verhaltens aus.

'Stabil' ist wohl nur, dass Menschen versuchen, den Nutzen zu maximieren, was aber im Bereich Wirtschaftswissenschaften nicht viel bedeutet. Tendenziell ist es zum Beispiel zwar richtig, dass Menschen versuchen, mit einem gegebenen Budget ihren Nutzen zu maximieren, aber im Grunde weiß kein Mensch, was diese Maximierungsregel in der Zukunft bedeutet.

Menschen kaufen zum Beispiel auch Kaffee, Schokolade, Säfte, Marmelade etc. die fair gehandelt wurden (www.fairtrade-deutschland.de) und kein Mensch weiß, wieviel Nutzen die Leute in der Zukunft daraus ziehen werden, Produkte zu kaufen, die eher mit ihren Vorstellungen von Gerechtigkeit übereinstimmen, auch wenn diese teurer sind.

Wer das für Peanuts hält, dem ist noch nicht aufgefallen, was die Stunde geschlagen hat. Das gesamte Internet ist voll von Software, Musik, Lehrbüchern, Diensten aller Art etc. die schlicht gratis sind. Hierbei handelt es sich, würde man die zig Millionen mit freier Software ausgestatten Rechner, die Milliarden Seiten mit hochwertigem Inhalt, die Milliarden emails, die täglich kostenfrei mit kostenfreier Software um den Globus geschickt werden monetär bewerten, ganz offensichtlich nicht um einen Posten unter ferner liefen.

Allein schon aufgrund der Tatsache, dass Unternehmen wie google, yahoo, facebook, apple weder ohne diese freie Software noch ohne die freien Inhalte leben könnten, kann man absehen, dass der monetäre Wert im Bereich mehrerer Billionen Euro liegt.

Da maximieren Millionen von Leuten ihren Nutzen dadurch, dass sie einfach etwas tun, was sie für sinnvoll halten. Also so ein allgemeines Gesülze aus dem 4. Jahrhundert vor Christus bringt da jetzt nicht wirklich viel.

Wie man im Übrigen bei einem Bild wie Tierschicksale von Franz Marc von der körperlichen Daseinsform absehen kann, ist dem Autor auch nicht ganz klar. Zum einen ist es, wie jedes Kunstwerk, das Resultat einer höchst individuellen Entwicklung, also eines bewusst / unbewussten Gegenentwurf zu allem, was gesetzesmäßig beschrieben werden kann, zum anderen ist es als Idee nur vermittelbar, wenn es körperlich vorliegt.

Auf jeden Fall wollte uns Léon Walras mitteilen, dass er sich irgendwann, irgendwie mit Philosophie beschäftigt hat. Das haben wir jetzt zur Kenntnis genommen.

Hinsichtlich der 'Gesetze', die menschliches Verhalten beschreiben, beschränkt er sich auf eine sehr enge Auslegung Nutzen maximierenden Verhaltens. Es gibt faktisch kein relevantes Problem, wo dieser Hokuspokus irgendetwas Erhellendes zur Lösung beiträgt. Brabbelt er also im folgenden von faits naturels, Tatsachen, die für die Natur gelten, und faits humanitaires, Tatsachen, die für den Mensch an sich gelten, dann verkürzt sich das bei ihm auf ein einziges 'Gesetz'.

Or, tout d'abord, les faits qui se produisent dans le monde peuvent être considérés comme de deux sortes : les uns ont leur origine dans le jeu des forces de la nature qui sont des forces aveugles et fatales ; les autres prennent leur source dans l'exer- cice de la volonté de l'homme qui est une force clairvoyante et libre. Les faits de la première espèce ont pour théâtre la nature, et c'est pourquoi nous les appellerons faits naturels; les faits de la seconde espèce ont pour théâtre l'humanité, et c'est pourquoi nous les appellerons faits humanitaires. A côté de tant de forces aveugles et fatales, il y a dans l'univers une force qui se connaît et qui se possède : c'est la volonté de l'homme. Peut-être cette force ne se connaît-elle et ne se possède-t-elle pas autant qu'elle le croit. C'est ce que l'étude de cette force peut seule apprendre. Pour le moment, peu importe: l'essentiel est qu'elle se connaît et se possède au moins dans certaines limites , et cela fait une différence profonde entre les effets de cette force et les effets des autres forces. Il est clair que, pour ce qui est des effets des forces naturelles, il n'y a rien autre chose à faire qu'à les re- connaître, les constater, les expliquer, et que, quant aux effets de la volonté humaine, au contraire, il y a lieu de les gouverner. Cela est clair puisque les forces naturelles n'ont pas même conscience d'agir, et, bien moins encore, ne peuvent agir autre- ment qu'elles ne font , et puisque la volonté humaine , au con- traire, a conscience d'agir et peut agir de plusieurs manières. Les effets des forces naturelles seront donc l'objet d'une étude qui s'appellera la science pure ou la science proprement dite. Les effets de la volonté humaine seront l'objet d'une étude qui s'appellera d'un autre nom, soit l'art, soit la morale, comme nous le verrons tout à l'heure. Ainsi se justifie déjà la distinc- tion de Ch. Coquelin entre la science et l'art. L'art « con- seille , prescrit , dirige » parce qu'il a pour objet des faits qui prennent leur source dans l'exercice de la volonté de l'homme, et que la volonté de l'homme étant, au moins jusqu'à un certain point, une force clairvoyante et libre, il y a lieu de la conseiller, de lui prescrire telle ou telle conduite, de la diriger. La science « observe, expose, explique » parce qu'elle a pour objet les faits qui ont leur origine dans le jeu des forces de la nature, et que les forces de la nature étant aveugles et fatales, il n'y a pas autre chose à faire à leur égard qu'à les observer et à en exposer et en expliquer les effets. Die Verhältnisse der Welt können in zwei verschiedene Gruppen eingeordnet werden: Die einen entspringen den Kräften der Natur, die blind und unumstößlich wirken. Die anderen entspringen menschlichem Handeln als Ausdruck seines Willens, der bewusst und frei ist. Die Verhältnisse der ersten Gruppe haben als Bühne die Natur, deshalb nennen wir sie Naturkräfte. Die Kräfte der zweiten Gruppe haben als Bühne die Menschheit, deshalb nennen wir sie menschliche Verhältnisse. Unter so vielen blinden und zwangsläufigen Kräften, gibt es im Universum eine, die ein Bewußtsein ihrer selbst hat und gesteuert werden kann: Der menschliche Wille. Vielleicht ist sie sich nicht in dem Maße bewusst und kann nicht in dem Maße gesteuert werden, wie sie glaubt. Nur ein vertieftes Studium dieser Kraft kann hier Klarheit bringen, was aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt egal ist. Entscheidend ist, dass sie sich ihrer selbst zumindest zu einem gewissen Teil bewusst ist und in gewissem Maße gesteuert werden kann, was diese Kraft entscheidend von den anderen Kräften unterscheidet. Es ist klar, dass, was die Kräfte der Natur angeht, man nichts weiter tun kann, als sie anzuerkennen, sie zur Kenntnis zu nehmen, und dass, ganz im Gegenatz hierzu, die Effekte des menschlichen Willens gesteuert werden können. Das ist klar, denn die Naturkräfte haben kein Bewußtsein ihres Wirkens und noch viel weniger können sie anders handeln, als sie es tun. Der menschliche Wille jedoch, ist sich im Gegensatz hierzu seines Willens bewusst und kann unterschiedlich handeln. Die Effekte der Naturkräfte sind also das Objekt einer Wissenschaft, die reine Wissenschaft genannt wird oder eigentliche Wissenschaft. Die Effekte des menschlichen Willens sind das Objekt einer Wissenschaft, die anders heißen wird, entweder Handwerk oder Moral, wie wir gleich sehen werden. So ist also die von Ch. Coquelin getroffene Unterscheidung zwischen der Wissenschaft und dem Handwerk gerechtfertigt. Das Handwerk "berät, schreibt vor, leitet", weil ihr Gegenstand die Verhältnisse sind, die im menschlichen Willen ihren Ursprung haben und da der menschliche Wille, zumindest in einem gewissen Grade, eine bewusste und freie Kraft ist, kann man ihn beraten, ihm etwas vorschreiben und ihn leiten. Die Wissenschaft "beobachtet, stellt dar, erklärt", denn ihr Objekt sind die Tatsachen die dem Spiel der Kräfte der Natur entspringen und da die Kräfte der Natur blind und unumstößlich wirken, kann man im Hinblick auf diese nichts anderes tun, als sie zu betrachten, sie darstellen und ihre Effekte erklären.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 4° LEÇON Distinction entre la science, l'art et la morale

Aus heutiger Sicht ist das schlicht Müll. Aus der Unterscheidung zwischen Naturgesetzen einerseits und menschlichen Verhaltensweisen andererseits ergibt sich mitnichten eine bestimmte Art der Modellierung für die eine Gruppe und eine andere für die andere Gruppe.

Biologische, chemische und physikalische Prozesse sind durch Naturgesetze determiniert, die Art der Modellierung ist aber jeweils völlig anders.

Typisch für biologische Prozesse sind prozessurale Zusammenhänge.

Die Effekte von Östrogen zum Beispiel werden über Östrogenrezeptoren vermittelt, diese Rezeptoren fungieren unter anderem als Transkriptionsfaktoren in der Zelle, die die Expression der Östrogenzielgene regulieren. Somit wird schlussendlich die Produktion der Proteine beeinflusst, die durch Östrogen in der Zelle reguliert werden.

Solche Prozesse sind nicht mathematisch modellierbar. Typisch für die Physik sind die Wirkung von Kräften und Übergänge von einer Energieform in eine andere. Diese können mathematisch modelliert werden.

Des weiteren gibt es Dinge, die durch und durch von Menschen gemacht sind, aber fast so stabil und berechenbar sind wie Naturgesetze: zum Beispiel Grammatik.

In die Tiefen der generativen Transformationsgrammatik wollen wir jetzt gar nicht einsteigen, aber wir sehen unmittelbar ein, dass Grammatik ein fait humanitaire ist, welches durch sehr stabile Gesetze determiniert ist und welches im Übrigen von Noam Chomsky mit mathematischen Methoden modelliert wird.

Programmiersprachen sind ein von Menschen erschaffenes System und diese Systeme sind durch äußerst stabile Regeln determiniert.

Die Naturkräfte sind blind, unumstößlich und haben kein Bewußtsein. Das ist richtig. Vom Menschen geschaffene Systeme sollen aber von dessen Willen abhängen und steuerbar sein. Da spricht er ein großes Wort gelassen aus. Es wäre nett von Léon Walras gewesen, wenn er uns an seiner Erkenntnis, wie das menschliche Gehirn die Sachverhalte der Welt sprachlich erfasst, wie sich also das unsprachliche Denken sprachlich ausdrückt, hätte teilhaben lassen.

(Wir haben hier im übrigen sehr urige Phänomene. Die Unterscheidung z.B. zwischen realen Gegebenheiten und lediglich subjektiv vorgestellten Tatbeständen, die in vielen Sprachen, z.B. im Persischen und den romanischen Sprachen zu einem eigenen Modi führt, wobei die Unterscheidung auch das deutsche Gehirn macht, auch wenn die Unterscheidung im Deuschen aus morphologischen Gründen nicht umsetzbar ist, ist sachlogisch nicht notwendig. Das Gehirn hat teilweise eigenwillige Vorstellungen, über die sprachliche Darstellung der Welt. Das ist ein 'fait humanitaire' das völlig losgelöst vom menschlichen Willen existiert.)

Das würde den Autor jetzt mehr interessieren, wie sein Gleichgewichts Tralala. Das Problem bei seiner Einteilung besteht darin, dass sie für die wissenschaftliche Praxis schlicht unbrauchbar ist. Selbst wenn wir ihm zugestehen, dass der wissenschaftliche Fortschritt im 19. Jahrhundert bescheiden war, hätte ihm doch auffallen müssen, dass Naturgesetze ganz unterschiedlich beschrieben werden. Was ihm vorschwebt, die Formulierung in Gleichungssystemen, ist nur für die Physik typisch. In der Biologie / Medizin haben wir es öfter mit Zusammenhängen zu tun, die mit Hilfe der Statistik beschrieben werden. Die Statistik ist hierbei der Anlass, einen kausalen Zusammenhang zu vermuten.

Er sagt gleich in der Einleitung, woran sein Herz wirklich hängt, nämlich an der mathematischen Modellierung.

Si l'économie politique pure, ou la théorie de la valeur d'échange, c'est-à-dire la théorie de la richesse sociale considérée en elle-même, est, comme la mécanique, comme l'hydraulique, une science physico-mathématique , elle ne doit pas craindre d'employer la méthode et le langage des mathématiques. Wenn die reine Politische Ökonomie, oder die Theorie vom wechselseitigen Tausch, oder anders formuliert die Theorie vom sozialen Reichtum an und für sich, wie die Mechanik oder die Hydraulik, eine physikalisch-mathematische Wissenschaft ist, dann soll sie auch nicht dafür zurückschrecken die Methoden und die Sprache der Mathematik zu verwenden.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 6° LEÇON, Du fait de la valeur d'échange et delà théorie de la richesse

Damit spricht er dann aus, was er meint. Gibt sozusagen selbst das Résumé aller Fehler, die auch die heutige Volkswirtschaftlehre kennzeichnen. Ökonomie ist für ihn die Lehre vom Tausch, er beschäftigt sich also in Wort und Tat nur noch mit dem Zustandekommen von Marktgleichgewichten anhand von Preisänderungen. Der Tausch steht bei ihm im Vordergrund, nicht die Produktion. Der dynamische Teil einer Volkswirtschaft ist aber die Produktion. Weiter vermutet er, dass der Tauschvorgang sich mit denselben Methoden beschreiben lasse, wie die Mechanik oder die Hydraulik. Die Annahme stimmt nur, wenn man entsprechen modelliert und die Realität ignoriert.

Eine mechanische Beziehung, die zum markträumenden Preis, de facto ist der Gleichgewichtspreis bei ihm der markträumende Preis, führt, gibt es nur in Tauschmärkten und genau genommen nur, in den sehr speziellen Tauschmärkten, die die Basis seiner Analyse sind, siehe Tauschmarkt versus dynamischer Markt. Da in diesen Märkten und in seinen insbesondere, von allen dynamischen, kontigenten und spontanen Prozessen abstrahiert werden kann, kann Markträumung nur über eine Veränderung des Preises erreicht werden. Unter diesen Bedingungen, die aber mit der Realität nichts zu tun haben, reduziert sich dann in der Tat die Volkswirtschaftlehre auf simple Beziehungen vom Typ "kann die Ware zu einem gegebenen Preis nicht vollständig verkauft werden, dann muss halt der Preis gesenkt werden." Für derartig simple Schlussfolgerungen, brauchen wir aber keine algebraischen Gleichungssysteme.

Realistische Beschreibungen von Märkten sind nun leider weit komplexer, als er sich das vorstellt, denn in dieser unserer Welt werden Produkte nämlich vor allem mal hergestellt. Die Dynamik marktwirtschaftlicher Ordnungen liegt in der Herstellung von Produkten und nicht im Tausch derselben. Tausch ist ein denkbar trivialer Vorgang. Wenn wir von Produktion reden, reden wir von Ausbildung und Organisation des formellen und informellen Bildungssystems, von Wissenstransfer, Innovationskraft, Dynamik etc.. Wir reden dann eben nicht mehr von rein mechanischen Abläufen und damit besteht auch wenig Hoffnung, dass sich wirtschaftliche Prozesse mit denselben Methoden beschreiben und prognostizieren lassen wie Vorgänge aus der Mechanik.

Ökonomische Theorie ist für ihn also eine andere Bezeichnung für die Theorie des Tausches und die Tauschtheorie wiederum ist eine Theorie des sozialen Reichtums und da sich das so präzise beschreiben lässt wie die Hydraulik, sollte man auch die gleichen Methoden anwenden.

Das ist nun so mehr oder weniger der maximale Schwachsinn auf minimalem Raum. Die Politische Ökonomie definiert er nun als die Lehre vom wechselseitigen Austausch (er geht davon aus, dass bei einem Tausch jeder Käufer und Verkäufer einer Ware ist). Die ganze Ökonomie wird also reduziert auf den Tausch von Gütern, wobei das gleich aus vier Gründen Schwachsinn ist. a) Der reine Tauschmarkt, den er zugrunde liegt, ist prinzipiell atypisch. b) Unter seinen Restriktionen gehört auch dieser Tauschmarkt einer Parallelwelt an. c) Diesen Tauschmarkt analysiert er im Grunde nur im Hinblick auf den markträumenden Preis. d) Bei der Analyse dieses Tauschmarktes kommt er dann auch noch zu höchst skurrilen Ergebnissen, siehe Tauschmarkt versus dynamischer Markt.

Die Gleichsetzung der Volkswirtschaftslehre mit der Analyse von Tauschmärkten, die er im Übrigen nicht mal begründet, ist nun endgültig total gaga. Es ist ihm offensichtlich noch nicht aufgefallen, bei Beamten, der er war, kann sowas schon vorkommen, dass man die Dinge, die man tauschen will, vorher mal herstellen muss.

Aber er geht noch einen Schritt weiter. Die Analyse von Tauschmärkten soll nun mit denselben Methoden analysiert werden, wie die Mechanik oder die Hydraulik, wobei er auch hier nicht näher erläutert, wieso dies so sein soll, wobei wir ihm sogar noch zugestehen, dass der reine Tauschmarkt, vor allem sein spezieller aus der Parallwelt, vielleicht sogar noch als rein mechanisch sich vollziehender Prozess vorgestellt werden kann.

Wenn aber die Medizin immer nur die Dinge analysieren würde, bzw. nur künstliche Organismen analysieren würde, die sich ähnlich analysieren lassen wie mechanische Prozesse, dann wäre das Gesundheitsystem auf jeden Fall nicht defizitär, denn es käme zu gar keinen Behandlungen. Er sucht also nicht für den objektiv vorliegenden Gegenstand der wissenschaftlichen Analyse die geeigneten Methoden, sondern für bestimmte Methoden ein geeignetes Objekt.

Und weiter unten:

Quant au langage, pourquoi s'obstiner à exprimer très péni- blement et très incorrectement, comme l'a fait souvent Ricardo, comme le fait à chaque instant M. John Stuart Mill dans ses Principes d'Economie politique, en se servant de la langue usuelle, des choses qui, dans la langue des mathématiques, peuvent s'énoncer en bien moins de mots, d'une façon bien plus exacte et bien plus claire ? Was nun die Sprache angeht, warum soll man darauf beharren unscharf und sehr undeutlich, wie Ricardo dies oft tut und wie es M.John Stuart Mill ständig in seinen Prinzipien der Politischen Ökonomie tut, mit der gebräuchlichen Sprache über Dinge sprechen, die man in der Sprache der Mathematik viel präziser und klarer beschreiben kann.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 6° LEÇON, Du fait de la valeur d'échange et delà théorie de la richesse

Ob Léon Walras beurteilen konnte, wie präzise ein Text auf Englisch ist, wissen wir nicht. Ist man der Sprache nicht mächtig, erscheinen fremdsprachige Texte schnell unscharf und sehr undeutlich.

Aus der Sicht von Léon Walras können wir sein Problem nachvollziehen. Da er selbst praktisch keine einzigen sinntragenden Satz zustande bringt, geht er davon aus, dass das Problem etwas mit der Sprache an sich zu tun hat.

Auf die Idee, dass es was mit ihm zu tun hat, kommt er gar nicht. Er konstruiert völlig abstruse Zusammenänge. Die Ökonomie besteht in der Analyse von Tauschmärkten, Tauschmärkte lassen sich mit denselben Methoden beschreiben, die man auch in der Mechanik oder Hydraulik anwendet, woraus dann folgt, dass man auch die Ökonomie mathematisch modellieren kann und soll.

Kein einziger dieser Zusammenhänge ist richtig. Die Ökonomie kann man unter Umständen als die Lehre von den Märkten bezeichnen, wobei der Schwerpunkt aber nicht auf einer statischen Betrachtung liegen kann, weil dies die Dynamik der marktwirtschaftlichen Ordnung, für die man sich eigentlich interessiert, ausschließen würde.

Obwohl er oben noch lang und breit erklärt, dass die faits humanitaires eben gerade keine, im Gegensatz zu Naturgesetzen, blinden Kräfte sind und folglich was total anderes, was auch immer, wendet er jetzt dieselben Methode, mit denen Naturkräfte untersucht werden, auf faits humanitaires an.

Entweder sind die Marktteilnehmer so willenlos, wie die Kugel im freien Fall, dann gehört der Markt nicht zu den faits humanitaires, oder der Markt gehört zu den faits humanitaires, dann erschließt sich nicht zwingend, warum man ihn mit denselben Methoden wie die Mechanik untersuchen soll.

Und schließlich stellt er noch die Behauptung auf, dass man sich in der natürlichen Sprache nicht klar ausdrücken kann. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Léon Walras sich in einer natürlichen Sprache nicht ausdrücken kann. Bezweifeln kann man aber, dass allein die mathematischere Modellierung immer zu richtigeren Ergebnissen führt, und wenn mathematische Modellierung, wie dies bei Léon Walras geschieht, bedeutet, dass die Realität so modelliert wird, dass sie mathematisch modelliert werden kann, dann führt sie auf keinen Fall zu relevanteren Ergebnissen.

Wir haben hier also das Vorbild der dozierenden Ökokaste in seiner ganzen Pracht und Blüte. Mehr Schwachsinn geht nicht mehr.

Zeit ist ein ganz zentraler Faktor, im Studium und überhaupt. Was es zu Märkten und Marktgleichgewichten zu sagen gibt, hat Alfred Marshall bereits gesagt. Kurz, knapp präzise, vollständig. Das Studium erreicht sein Studiumoptimum, wenn bei gegebenen Zeitbudget, die Inhalte so vermittelt werden, dass die Grenznutzen der verschiedenen Inhalte sich ausgleichen, wobei von sinkendem Grenznutzen auszugehen ist.

Das Problem ist, dass wir hier einen ganz speziellen Markt haben. Auf der einen Seite die Studenten, mit einem äußerst knappen Zeitbudget, so dass die Optimierungsregel zu erheblichen Nutzensteigerungen führen würde. Auf der anderen Seite die dozierende Ökokaste ohne jedes Zeitbudget. Diese Art von Assymetrie wird von der Edgeworth Box gar nicht erfasst, wobei man bezweifeln kann, dass sich an der Situation viel ändern würde, wenn sich diese Assymetrie erfassen ließe.

Es gibt zahlreiche Probleme, vielleicht sind sogar die meisten Probleme von diesem Typ, wo die Erkenntnis nichts zur Lösung eines Problems beiträgt, weil das Problem letztlich nur unter Einsatz von Arbeit gelöst werden kann.

Auch die Aussage, dass das Handwerk, darunter versteht er angewandte Wissenschaften, "berät, vorschreibt und leitet", die Wissenschaft "beobachtet, darstellt und erklärt" ist völliger Quark, wobei er auch noch völlig unterschiedliche Zusammenhänge miteinander verquirlt.

"Reine Wissenschaft", die studiert die "forces naturelles", ist, bei ihm, Wissenschaft um der Erkenntnis willen. Dann gibt es bei ihm noch die angewandten Wissenschaften, da schwafelt er irgendwas von Mensch - Ding Beziehung, die nennt er science appliqué, angewandte Wissenschaft, und schließlich gibt es noch die Wissenschaft Person - Person, die nennt er science morale, also die Wissenschaft von den Sitten.

Mit so einem Geschwaffel kann kein Mensch was anfangen. Das hat aber nichts mit der "methode littéraire" zu tun. Nur weil er schwafelt, heißt das nicht, dass man keine sinntragenden Sätze bilden kann. Die science pure und die science appliqué gibt es nicht.

Was es gibt ist Grundlagenforschung und angewandte Forschung, wobei letzlich, anders ist der Wohlstand einer Industrienation langfristig nicht zu sichern, die Grundlagenforschung via angewandte Forschung auch mal zu konkreten, marktreifen Produkten führen muss.

Die Übergänge von der Grundlagenforschung zur angewandten Forschung sind fließend. Die Forschung mit embryonalen oder adulten Stammzellen war ursprünglich reine Grundlagenforschung. Inzwischen gibt es hier sehr konkrete Vorstellungen über therapeutische Einsatzmöglichkeiten.

Für die Beantwortung der Frage, wie der Staat seine Mittel für Forschung und Entwicklung ausgibt und wie man die Allokation der hierfür zur Verfügung stehenden Mittel optimiert, hilft so allgemeines Blabla wenig, siehe Forschung und Entwicklung.

Irgendwie scheint er von der fixen Idee besessen, dass die science pure sich mathematischer Methoden bedient, wobei er mit mathematischen Methoden Algebra meint. Zumindest müssen wir das seiner These entnehmen, dass die Ökonomie dieselben Methoden verwenden soll, wie die Mechanik. Damit wird dann aber wohl auch die Ökonomie eine science pure, obwohl sie nach seiner Definition oben wohl eine science morale ist.

Er verquickt irgendwie eine Diskussion über Methoden mit einer Einteilung der Wissenschaften. Die Einteilung in Naturwissenschaften und Geisteswisschenschaften ist intuitiv so halbwegs einsichtig, wobei die Grenzen fließend sind. Psychologie liegt so an der Grenze, mit der Psychiatrie wird es zu einer Naturwissenschaft. Sprachphilosophie ist eine Geisteswissenschaft, Computerlinguisten und Neurolinguisten sehen sich eher als Naturwissenschaftler. Was letztlich eine Naturwissenschaft und eine Geisteswissenschaft charakterisiert, ist ein Misch aus allen möglichen Kriterien, die den meisten Leuten 'intuitiv' präsent sind, wobei die Grenzen aber fließend sind und die Methoden sich im Verlaufe der Zeit ändern. Im Zeitverlauf können die Grenzen von einer Wissenschaft zu anderen auch verschwimmen, was zu völlig neuen Studiengängen führt: Biochemiker, Bioinformatiker, Neurologen, Geophysiker, Biophysiker, Wirtschaftshistoriker, Pharmazeuten, Neurolinguisten etc. etc..

Mit seinem Geschwurbel kann man schlicht nichts anfangen, weder praktisch, noch theoretisch. Geht es um praktische Fragen, also wie man Forschungsgelder verteilt, dann geht es meist um die Frage nach der Allokation der Mittel. Um diese zu beantworten, müsste man jeweils eine Vorstellung davon haben, welche Ziele, warum verfolgt werden, wie man diese Ziele misst und wie man diese Ziele erreicht.

Den Erfolg der reinen Grundlagenforschung könnte man anhand der Publikationen in Fachzeitschriften ermitteln. Den Erfolg der anwendungsorientierten Forschung anhand der Patente und, wesentlich überzeugender, anhand der marktfähigen Produkte mit einer ordentlichen Zahl in EURO dahinter, siehe auch Forschung und Entwicklung.

Schwieriger wird es dann bei den Geisteswissenschaften, die in Deutschland, im Vergleich zu allen anderen Ländern, eine relativ große Bedeutung in der schulischen Ausbildung haben. Praktisch relevant ist die Frage, was man eigentlich erreichen will und was einem das Ziel in Euro wert ist. Welcher methodische Zugang gewählt wird und ob wir es mit einer Ding-Ding und reinen Wissenschaft, mit einer Ding-Person und angewandten Wissenschaft zu tun haben, oder aber mit einer Person-Person Wissenschaft, die er science morale nennt und die man besser Geistes- / oder Kulturwissenschaft nennt, ist letztlich völlig Banane.

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE

die science pure

Léon Walras verquirlt die Einteilung der Wissen-schaften mit der Frage nach den Methoden der jewei-ligen Wissenschaften.

Die Wirtschafts- wissenschaften will er wohl eher als "Naturwissen- schaften" betrachten, woraus er dann schließt, dass sich die Wirtschafts-wissenschaften auch den Methoden der Natur-wissenschaften zu bedienen hat.

Hierbei ist allerdings nicht klar, welche Methoden er denn nun für die "Natur-wissenschaften" geeignet hält.

Der Mathematik schreibt er die Fähigkeit zu, präziser als natürliche Sprachen zu formulieren.

 

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