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1.3.2 Wert

Für die Klassik stellt sich die Frage nach dem objektiven Wert eines Gutes, wobei man gar nicht so recht einsehen kann, wieso sich diese Frage überhaupt stellt.

Kostet ein Yoghurt 79 Cent, dann kostet er eben 79 Cent. Es mag für manche Zeitgenossen interessant sein zu wissen, wieviel davon beim Milchproduzenten, wieviel beim Produzenten der Früchte und wieviel bei der Molkerei hängen bleibt.

Aber weitere tiefschürfende Überlegungen würde niemand anstellen.

Die Bewertung von Waren spielt dann noch eine höchst bedeutsame Rolle im Handelsgesetzbuch. Hierbei geht es um die Frage, wie Halbfertigprodukte, Fertigprodukte, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und selbsterstellte Anlagen und Maschinen, die sich zum Zeitpunkt des Jahresabschlusses im Lager befinden, zu bewerten sind.

Die Frage ist deshalb bedeutsam, weil sich hierdurch Gestaltungsspielräume im Hinblick auf den handelsrechtlich ausgewiesenen Gewinn, und damit auch den steuerrechtlichen Gewinn, ergeben.

Je mehr Aufwand man in die Produkte verlagert, desto höher ist der handelsrechtlich und steuerrechtlich ausgewiesene Gewinn. Baut ein Bauunternehmen zum Beispiel eine Lagerhalle, dann sind deren Erstellungskosten Teil des Gewinns. Je mehr Gemeinkosten dieser zugewiesen werden, desto höher ist der Gewinn, was sich dann langfristig aber über höhere Abschreibungen wieder weghebt.

Das ganze Thema führt zu Gesetzestexten, die einem schon mal die Haare zu Berge stehen lassen, § 255 HGB. Also im betrieblichen Rechnungswesen spielt die Frage nach dem Wert eines Wirtschaftgutes durchaus eine Rolle.

Privat ist man mit dieser Frage höchstens noch im Ausland konfrontiert, also wenn eine andere Währung verwendet wird, als im Heimatland. Da wiederum ist es eher ein psychologisches als ein ökonomisches Problem.

Als von der DM auf den Euro umgestellt wurde, rechneten viele Leute noch eine zeitlang in DM um, weil das höchst komplexe und diffuse Beziehungsgefüge, welches es uns erlaubt, zu ermitteln, ob etwas teuer oder billig ist, in DM vorlag.

Wir gehen hier aber unbewusst sehr unterschiedlich vor. Stehen wir in einem Laden in Toronto und eine Schokoladentafel ist mit zwei kanadischen Dollar ausgepreist, dann rechnen wir das um in Euro und vergleichen es mit einer Schokoladentafel in Deutschland.

Die Schokoladentafel in Deutschland ist hierbei ein Anker, wie diese sich innerhalb des Preisgefüges verhält, 'wissen' wir, bzw. wir haben davon eine intuitive Vorstellung.

Der Vergleich einer kanadischen Schokoladentafel mit einem kanadischen Liter Milch, würde uns nicht viel weiterbringen. Zwar dürften die Relationen zwischen einer kanadischen Schokoladentafel und einem kanadischen Liter Milch ähnlich sein wie in Deutschland, doch das nützt uns nichts, weil uns der Anker fehlt.

Der Anker wiederum ist diffus, er ist ein komplexes Gebilde, das höchst wahrscheinlich um das monatliche Einkommen herum zentriert ist, obwohl wir bei Vergleichen selten einen Bezug zum monatlichen Einkommen herstellen. Haben wir es mit einem Gut zu tun, dessen Preis in unserem Heimatland wir nicht kennen, dann rechnen wir erstmal um in unsere Heimatwährung.

Der erste, der erfasst hat, dass das Preisgefüge ein auf Erfahrung beruhendes, diffuses Geflecht ist und eben nicht das Resultat einer bewussten Optimierung des Nutzenniveaus ist Schumpeter, siehe statische Wirtschaft.

Kostet ein Haus in Kanada 3 Millionen kanadische Doller dann rechnen wir um in Euro, das sind dann 2,5 Millionen Euro. Das sehen wir dann absolut, wir wissen, dass das erstmal eine Menge Schotter ist.

Unterhalten wir uns mit jemandem aus Kolumbien, könnten wir ab und an sogar auf die Idee kommen, ihn zu fragen, wie lange er für ein bestimmtes Gut arbeiten muss, also zum Beispiel für die Miete.

In bestimmten Situationen interessieren wir uns auch für die Arbeit als Maßstab, auch wenn wir dem unglücklichen Marx nicht auf seinem trübseligen Weg folgen können. Interessant ist die Arbeit als Maßstab, wenn wir verschiedene Zeiträume miteinander vergleichen. Wenn wir wissen, dass jemand 1930 noch zwei Wochen im Monat für die monatlichen Lebensmittel gearbeitet hat und heute noch drei Tage, dann wissen wir auf jeden Fall, dass es drastische Änderungen gab.

Sieht man mal von diesen Fällen ab, ein paar andere mag es noch geben, stellt sich die Frage nach dem objektiven 'Wert' einer Ware eigentlich nie.

Die praktische Frage lautet schlicht, ob wir einen bestimmten Preis für irgendwas bezahlen wollen und bezahlen können. Ob wir einen bestimmten Preis bezahlen wollen, hängt natürlich davon ab, ob uns die Ware das 'wert' ist.

Der 'Wert' ist also ziemlich subjektiv. Die Sache ist simpel: Eine Ware wird am Markt angeboten, wenn sie irgendjemand zu dem Preis herstellen kann, den sie potentiellen Käufern wert ist. Umrechnen in unser Beziehungsgefüge, also in unsere Heimatwährung, müssen wir, weil wir ohne diese Umrechnung gar nicht wissen, ob wir uns eine Schokoladentafel in Kanada überhaupt leisten können, das wissen wir nur im Beziehungsgefüge unserer Heimatwährung. Manche Leute, das wäre jetzt der psychologisch interessante Teil, werden vielleicht anders vorgehen. Sie werden wissen, wieviel sie für den zweiwöchigen Urlaub in Kanada zur Verfügung haben und sich dann ausrechnen, ob die Schokoladentafel noch 'drin' ist.

Das Geschwurbel der Klassik, also von Adam Smith, David Richardo und John Stuart Mill, NICHT aber von Say, also den Wert eines Gutes aus der Arbeit abzuleiten, ist nun nicht gerade das, was man intuitiv tun würde. Das Verfahren hat auch nicht, zumindest nicht in den Ländern mit marktwirtschaftlicher Ordnung, den Sprung in die akademischen Lehrbücher geschafft, woraus wir aber nicht schließen sollten, dass dies darin begründet liegt, dass das Konzept Müll ist. Müll ist auch das Pareto Optimum, trotzdem steht es in jedem Lehrbuch.

In Ländern, wo der Sozialismus planmäßig verwirklicht werden sollte, nahm dieser Aspekt natürlich breitesten Raum ein, denn am Nachweis, dass der Wert einer Ware sich aus der in ihr verkörperten Arbeit ergibt, hängt nun mal das Herz von Karl Marx, obwohl sich weder an seinen Vorstellungen noch an den Vorstellungen Ricardos, aus rein praktischer Sicht, allzu viel ändern würden, wenn man diese Annahme aufgibt. Kriegen die Proletarier nur das, was so knapp zum überleben reicht, geht die restliche Kohle eben an den Unternehmer.

Im Grunde würde die Feststellung reichen, dass Arbeit immer so reichlich zur Verfügung steht, dass sich der Lohn immer auf dem Existenzminimum bewegt, siehe David Ricardo.

Die Arbeitswertheorie braucht Karl Marx, um eine sich "gesetzesmäßig" vollziehende Entwicklung der Geschichte abzuleiten. Für rein praktische Fragen, also wie man eine Planwirtschaft dann konkret organisiert, ist die Arbeitswertheorie vollkommen irrelevant.

Bei beiden, David Ricardo und Karl Marx, ist es schlicht so, dass die Arbeitnehmer, vulgo Proletarier, nie einen mehr als gerade noch existenzsichernden Lohn erhalten, aber länger arbeiten müssen, als man braucht, um diesen zu erhalten. Das ist der Mehrwert.

Den Mehrwert sacken sich die Kapitalisten ein. Man kann im Grunde drei Bände Karl Marx in einem Satz zusammenfassen. Der Unterschied zwischen Ricardo und Marx besteht dann darin, dass bei dem einen die Proletarier ewig so weiterleben, also ein Leben am Rande des Existenzminimums leben, und bei Marx die Expropriateure irgendwann expropriiert werden. Praktisch gesehen ist das aber relativ egal, weil keine der Stasi Ratten, noch Pieck, Ulbricht, Honecker das marxsche Geschwurbel jemals gelesen haben.

Hinsichtlich der ganzen Diskussion um den 'Wert' in der Klassik, scheinen zwei Problembereiche ineinander verwoben zu sein. Zum einen geht es um die Frage, welche gesellschaftliche Gruppe, Arbeiter, Landbesitzer, Kapitalisten überhaupt Werte schafft. Die Diskussion haben wir ja bis zum heutigen Tag. Jede Berufsgruppe, Ärzte, Ingenieure, Chemiker etc. hält sich jeweils für absolut unentbehrlich. Zweitens geht es um die Frage, wie man den Wert von etwas misst.

Was Jean Baptiste Say angeht, ist die Sache nun ulkig. Den Hokuspokus mit dem Wert, der sich aus der Arbeit ergibt, hat er aufgegeben, allerdings ohne sich, zumindest am Anfang, mit den Theorien seiner Vorgänger auch nur explizit auseinanderzusetzen. Er spricht schlicht von Wert. Die Diskussion um den Wert einer Ware scheint in der damaligen Zeit weit verbreitet zu sein, denn Say setzt sich noch mit einem anderen Argumentationsschema auseinander.

A cet argument, les Économistes répliquaient que la valeur additionnelle répandue sur un produit par un manufacturier ou ses ouvriers, est balancée par la valeur que ce manufacturier a consommée pendant sa fabrication. Ils disaient que la concurrence des manufacturiers entre eux ne leur permet pas d'élever leur prix au-delà de ce qui est nécessaire pour les indemniser de leurs propres consommations ; et qu'ainsi leurs besoins détruisant d'un côté ce que leur travail produit de l'autre, il ne résulte de ce travail aucun accroissement de richesses pour la société.

Auf dieses Argument antworten die Physiokraten, dass der einem Produkt durch das Gewerbe oder dessen Arbeiter hinzugefügte Mehrwert durch den Wert, der während der Verarbeitung verbraucht wird, ausgeglichen wird. Sie sagen, dass bedingt durch die Konkurrenz der Gewerbebetriebe es ihnen nicht möglich sei, den Preis über ein Niveau, welches der Existenzsicherung dient, anzuheben, so dass ihr Bedarf auf der einen Seite das vernichtet, was er auf der anderen Seite geschaffen hat, so dass durch ihre Arbeit der Reichtum der Gesellschaft nicht vermehrt wird.

aus: Jean-Baptiste SAY, Traité d’économie politique I, Des différentes sortes d'industries, et comment elles concourent à la production

Soll heißen, die Arbeiter schaffen gar keinen Wert, weil sie zwar Brötchen backen, dafür aber auch Brötchen verbrauchen, so dass der geschaffene Wert Null ist. Werte schafft, nach den Vorstellungen der Physiokraten, nur der Boden.

Économiste bedeutet heute schlicht Ökonom. Zur damaligen Zeit bezeichneten sich aber die Physiokraten, also die Leute, die nur den landwirtschaftlichen Produkten einen Wert zuerkannten, als économistes.

Die Argumentation ist im Grunde von der Argumentation Ricardos gar nicht so weit entfernt. Bei Ricardo entstehen nur solange Profite, wie der existenzsichernde Lohn aufgrund der billigen Nahrungspreise niedrig ist, also Land reichlich zur Verfügung steht.

Steht Land reichlich zur Verfügung, erzielen die Grundbesitzer gerade noch den Erlös, der die landwirtschaftliche Produktion erlaubt. Erst wenn schlechtere Böden bewirtschaftet werden müssen, erzielen sie eine Rente, siehe David Ricardo.

Bei David Ricardo ergibt sich aber noch ein Problem. Er geht davon aus, dass nur die "Kapitalisten" sparen, also nur die Kapitalisten Kapital akkumulieren. Man kann sich natürlich fragen, wieso die Empfänger einer Bodenrente nicht sparen.

Mit zunehmender Ausdehnung der Produktion, steigen die existenzsichernden Löhne und die Profite sinken, bis sie eben Null sind. Das Niveau erreichen die Physiokraten auf Anhieb. Bei den Physiokraten schafft Arbeit keinen Mehrwert, damit schafft auch das Kapital keinen Mehrwert und es verbleibt nur der Boden, der einen Mehrwert schaffen kann.

Die Physiokraten wiederum sind eine Reaktion auf den Merkantilismus, der aus dem Goldvermögen einer Gesellschaft auf deren Wohlstand schloss.

In diesem Zusammenhang kann man die Diskussion um den 'Wert' einer Ware sogar noch nachvollziehen. Der Wohlstand einer Nation bemisst sich bei den Physiokraten in Weizen, bei den Merkantilisten in Gold. Bei Say, darauf kommen wir später zurück, ergibt sich der Wert aus der Bedeutung einer Ware für andere und das dürfte der Wahrheit schon näher kommen.

Wenn man, wie Ricardo und Marx, davon ausgeht, dass die Nachfrage unendlich ist, also jede Produktion auch, langfristig, aufgekauft wird, mag man auf die Idee kommen, dass sich der Wert einer Ware allein aus den Produktionskosten ergibt.

Das ist aber eine Sinnestäuschung. Die Nachfrage in ihrer Gesamtheit ist unendlich, die einzelnen Segmente der Nachfrage sind aber sehr endlich. Es ist die Nachfrage, die die Produktion hinter sich herzieht. Die Produktion treibt nicht die Nachfrage, sondern die Nachfrage zieht die Produktion. Es mag schon sein, dass am Tag des jüngsten Gerichts alles, was produziert wird, auch gekauft wird, aber die Nachfrage hat darüber entschieden, was überhaupt in welcher Menge produziert wird, siehe David Ricardo, Bedeutung der Nachfrage.

Wir haben nicht wirklich Spaß daran, irgendwelche Wortklaubereien auseinanderzufieseln, aber wir erkennen, dass Theorien, die schon grundsätzlich grundfalsch sind, zu umfangreicheren Diskussionen führen, also schlicht richtige Aussagen.

Das Ptolemäische Weltbild, bei dem sich die Sonne um die Erde dreht, war weit komplizierter, als die Vorstellungen von Kopernikus. Falsche Grundannahmen, die mit immer komplexeren Theorien an die Wirklichkeit angepasst werden müssen, produzieren weit mehr Theorie, als Theorien, die von vorneherein auf richtigen Grundannahmen beruhen.

Karl Marx hat es allein im Kapital geschafft, über 3000 Seiten vollzupinseln. Keynes braucht nur 350 Seiten.

Say lässt die Frage, was er unter "Wert" versteht ziemlich lange offen. Mit den Theorien seiner Zeitgenossen setzt er sich nur negativ auseinander, erklärt also, was daran falsch ist.

Il aurait fallu que les Économistes prouvassent, en premier lieu, que la production des artisans et manufacturiers est nécessairement balancée par leurs consommations. Or, ce n'est point un fait. Dans un pays anciennement civilisé et très industrieux, le nombre et l'importance des entreprises de commerce et de manufactures procurent une somme de revenus plus considérables que l'agriculture ; et les épargnes qu'on y fait annuellement excèdent probablement, au contraire, celles qui se font parmi les propriétaires des terres. En second lieu, les profits résultant de la production manufacturière, pour avoir été consommés et avoir servi à l'entretien des manufacturiers et de leurs familles, n'en ont pas moins été réels et acquis. Ils n'ont même servi à leur entretien que parce que c'étaient des richesses réelles, et tout aussi réelles que celles des propriétaires fonciers et des agriculteurs, qui se consomment de même en servant à l'entretien de ces classes. L'industrie commerciale concourt à la production de même que l'industrie manufacturière, en élevant la valeur d'un produit par son transport d'un lieu dans un autre.

Die Physiokraten hätten erstmal beweisen müssen, dass die Produktion der Gewerbebetriebe und Handwerker immer durch deren Konsum weggehoben wird, das ist nämlich nicht der Fall. In einem schon früh zivilisierten und hochindustrialisierten Land, erwirtschaften die Zahl und die Bedeutung der Handelsunternehmen mehr Einkommen als die Landwirtschaft und die jährlichen Ersparnisse dieses Sektors übersteigen wahrscheinlich, ganz im Gegensatz, die, die von den Grundbesitzern gemacht werden. Zweitens sind die Profite aus dem Gewerbe, auch wenn sie durch den Konsum der Gewerbetreibenden und ihrer Familien verbraucht wurden, nicht weniger real und erwirtschaftet und zwar genau so real, wie die der Grundbesitzer und Landwirte, die, dienen sie zum Unterhalt ihrer Klasse, ja ebenfalls konsumiert werden. Der Handel wiederum trägt gleichermaßen wie die Industrie zur Produktion bei, indem er den Wert eines Produktes durch den Transport von einem Ort zum anderen erhöht.

aus: Jean-Baptiste SAY, Traité d’économie politique I, Des différentes sortes d'industries, et comment elles concourent à la production

Die Logik hat was für sich. Wenn die Einkommen aus Gewerbebetrieb höher sind, als die Einkommen aus Land- und Fortswirtschaft, dann können die in der Landwirtschaft erwirtschafteten Gewinne nicht von den Gewerbetreibenden wegkonsumiert worden sein.

Zweitens ist die Logik der Physiokraten ja ohnehin ein bisschen skurril. Wenn die Industrie keinen Wert erzeugt, wäre es für die Landbesitzer am besten, an diese Gruppe einfach nichts zu verkaufen und alles selbst zu verknuspern. Das gleiche ließe sich aber auch über Ricardo sagen. Wenn die Profite Null sind, wäre es am besten, die Produktion schlicht einzustellen. Die Diskussion um den Wert der Waren ist insofern hübsch, und es gibt ähnlich hübsche Beispiele in der akademischen VWL, wie etwa die Wohlfahrtsökonomik, als sie zeigt, dass die (nicht) Lösung eines nicht vorhandenen Problems weit komplizierter sein kann, also die Lösung eines tatsächlich vorhandenen Problems.

Mit dem Begriff Wert arbeitet er ziemlich lange, ohne ihn genauer zu definieren. Fast mit der gleichen Bedeutung verwendet er auch die Begriffe Kosten und Nutzen, die sich tatsächlich eingebürgert haben. Eine genauere Definition, was den 'Wert' eines Produktes ausmacht, gibt er erst im zweiten Buch.

La valeur relative de deux produits se connaît par la quantité de chacun d'eux, que l'on peut obtenir pour le même prix. Si, pour une somme de 4 francs, je peux acheter 15 kilogrammes de froment et 1 kilogramme de café, je dirai que le café est 15 fois plus cher que le froment, ou que la valeur de l'un et de l'autre est en raison inverse de la quantité de chacun d'eux que l'on consent à donner et à recevoir. Mais ces deux quantités sont un effet de la valeur qu'ont les choses, et n'en sont pas la cause. Le motif qui détermine les hommes à faire un sacrifice quelconque pour se rendre possesseurs d'un produit est le besoin que ce produit peut satisfaire, la jouissance qui peut naître de son usage.

Der relative Wert zweier Produkte ergibt sich aus der Menge der jeweiligen Produkte, die man für den gleichen Preis erhalten kann. Wenn ich für 4 Francs 15 Kilogramm Weizenbrot und 1 Kilogramm Kaffee kaufen kann, dann würde ich sagen, dass Kaffee 15 Mal so teuer ist wie Weizenbrot, oder dass der Wert des einen und des anderen sich invers zu der Menge verhält, die man zu geben oder zu empfangen bereit ist. Doch diese beiden Mengen sind das Resultat des Wertes der Dinge und nicht die Ursache. Das Motiv, das Menschen dazu veranlasst, irgendein Opfer zu erbringen, um sich in den Besitz von etwas zu bringen ist das Bedürfnis, welches dieses Produkt stillen kann, der Genuss, den seine Verwendung hervorruft.

aus: Jean-Baptiste SAY, Traité d’économie politique II, Des fondements de la valeur des choses

Wir sehen also an diesem Beispiel, man könnte beliebig viele anführen, dass es überhaupt keinen Sinn macht, verschiedene Autoren unter einem Begriff zu subsumieren. Die Ansicht, die Jean Baptiste Say hier vertritt, ist diametral entgegengesetzt zu der Ansicht von David Ricardo und Adam Smith. (Mit der zusätzlichen Problematik eben, dass Adam Smith sich widerspricht, siehe natürlicher Preis / Marktpreis.)

Behauptet Adam Smith, dass der Wert eines Dinges durch die Arbeit definiert ist, die man damit erwerben kann, so sagt Say, wohl näher an der Wahrheit, dass der Wert eines Dinges sich aus den Bedürfnissen ergibt, die man damit befriedigen kann.

Er definiert also den Wert nicht mehr im Verhältnis zu einer festen Größe, Arbeit, Gold, Weizen etc. sondern relativ zu einem anderen Gut. Diese Methode kann im Alltag sogar mal nützlich sein. Die Aussage, dass in Mexiko der Durchschnittslohn 600 Euro beträgt, sagt nicht viel, man müsste dann noch wissen, was Miete, Nahrungsmittel, Kleidung, Kinokarten, Benzin etc. kosten. Wenn wir davon ausgehen, dass die relativen Preise eines Warenkorbes überall so halbwegs gleich sind, wäre die Aussage, dass man in Mexiko 1200 Schokoladentafeln im Monat verdient, aussagekräftiger. Für Güter des täglichen Bedarfs, Nahrung, Kleidung, Wohnung, sind die Relationen wahrscheinlich in allen Ländern halbwegs ähnlich.

Bekanntlich ergibt sich in der Neoklassik die Nachfrage aus den aggregierten Nutzenfunktionen. Wenn zwei Kilo Kartoffeln denselben Nutzen stiften, wie ein Kilo Spaghetti, wird niemand bereit sein, für zwei Kilo Kartoffeln 1,50 Euro zu bezahlen, wenn er 1 Kilo Spaghetti für 1 Euro bekommt, denn er bekommt denselben Nutzen dann auch für 1 Euro. Für die 0,50 Cent die übrig bleiben, kann er sich dann noch eine Tomatensauce fatta da mamma kaufen.

De là naît pour chaque produit une certaine quantité recherchée et demandée en chaque lieu, quantité qui est modifiée par le prix auquel il peut être fourni ; car plus il revient cher au producteur en raison des frais de production dont il est le résultat, et plus, dans la classification qu'en font les consommateurs, il est reculé et se voit préférer tous les produits capables de procurer une satisfaction plus grande pour le même prix.

Hieraus ergibt sich dann für jede Ware eine bestimmte erwünschte und nachgefragte Menge, wobei die Menge abhängt vom Preis, zu dem sie angeboten werden kann. Denn je teuerer für den Produzenten, bedingt durch die Kosten der Produktion, dessen Resultat sie ist, wird, desto eher wird sie, je nach Bewertung durch den Konsumenten, verdrängt und muss hinnehmen, dass die Produkte vorgezogen werden, die eine größere Befriedung zum selben Preis versprechen.

aus: Jean-Baptiste SAY, Traité d’économie politique II, Des fondements de la valeur des choses

Soll heißen: Je billiger ein Produkt ist, desto eher wird es gekauft, weil die Ansprüche an dessen Nutzen dann sinken. Und da hat er recht. Der Leser, der nicht geschummelt hat und alle Kapitel bisher gelesen hat, sieht also sofort, dass die Wahrheit viel einfacher zu verstehen ist als Geschwurbel.

Wenn also behauptet wird, dass die Idee des Grenznutzens eine Idee der Neoklassik ist, also Heinrich Hermann Gossen der erste war, der diese Erleuchtung hatte, dann muss man so schon ziemlich bockig sein, um dem zuzustimmen. Eigentlich steht das schon bei Say.

Es besteht bei Say sogar schon präziser als bei Gossen, denn eigentlich ist es ein bisschen komplizierter. Bei Gossen nimmt der Nutzen mit zunehmendem Konsum ab, so dass auch der Preis, den jemand für eine Ware zu zahlen bereit ist, abnimmt. Darauf beruht auch der Mengenrabatt. Will man jemanden dazu bringen, eine größere Menge abzunehmen, dann muss der Preis mit der Menge sinken. Das ist aber nur ein Fall und viel relevanter ist ein anderer Fall.

Meistens, bei fast allen langlebigen Konsumgütern, wird nämlich nur ein Exemplar konsumiert. Ein Smartphone, ein Fahrrad, ein Stereoanlage etc.. Jedes dieser Güter hat einen Nutzwert und steht damit in Konkurrenz zu anderen Gütern. Stiftet ein Smartphone 500 Einheiten Nutzen, Nutzen ist rein fiktiv, bei einem Preis von 250 Euro und ein Fahrrad ebenfalls 500 Einheiten zu einem Preis von 260 Euro dann wird das Smartphone gekauft. Sinkt aber der Preis des Fahrrades auf 240 Euro, dann wird das Fahrad gekauft und die 10 Euro die übrig bleiben in ein Küchenmesser investiert,das 20 Einheiten Nutzen stiftet.

Say beschreibt, wir kommen darauf zurück, siehe Saysches Gesetz, beide Fälle. Was wir in den Lehrbüchern zur Mikroökonomie finden, der abnehmende Grenznutzen, ist ein irrelevanter Spezialfall. Die Konkurrenz zwischen den Gütern bestimmt den subjektiven Wert, nicht die konsumierte Menge.

Aber unabhängig davon ist der ganze Grenznutzen Quark eine Binse. Im Grunde kapiert jeder, dass der Nutzen der Hundertsten Schwarzwälderkirschtorte ein anderer ist, als der Nutzen, den die erste stiftet. Die Volkswirtschaft beschäftigt sich zu einem großen Teil mit Binsen und damit die ein bisschen nach was aussehen, werden sie mathematisch aufgehübscht.

Das Problem dabei ist, dass wir mit Binsen keine realen Probleme lösen.

Wesentlich realistischer als Ricardo schätzt er auch die Profitrate ein. David Ricardo geht davon aus, dass diese in allen Branchen der Wirtschaft gleich ist, weil Kapital immer da hinfließt, wo die Rentabilität höher ist, was dann wiederum dazu führt, dass in der betreffenen Branche die Profite sinken. Das Problem ist immer das gleiche. Am Tag des jüngsten Gerichts, mag das so sein, dann gibt es keine Veränderungen der Nachfrage mehr, keinen technischen Fortschritt, alles Kapital konnte deinvestiert und neu investiert werden, alle Unternehmer sind gleich gewitzt. Solange das aber nicht so ist, also in dem überschaubaren Zeitraum der nächsten 2000 Jahre, werden die Profite höchst unterschiedlich sein.

[Wir betonen nochmal. Wie man deutlich sieht, macht die Subsummierung unterschiedlicher Autoren unter einen Begriff, z.B. klassische Nationalökonomie, Null Sinn. Die Autoren sind höchst unterschiedlich.]

On s'écarte donc des notions de l'expérience la plus commune, quand on prétend qu'au moyen des compensations les profits industriels sont les mêmes dans tous les cas. Rejeter dans les exceptions les exemples qui contrarient ce système, c'est déduite la loi qu'on veut établir ; car ces exemples démentent plus souvent la loi qu'ils ne la confirment; la règle alors devient une exception. Mais ce qui ne peut en aucune manière s'accommoder au système des compensations, ce sont les immenses disparités qu'établit dans les profits industriels et dans des carrières semblables, la différence des talents acquis. La rareté de certains talents en proportion des besoins qu'éprouve la société fait qu'on paie les services productifs qui en émanent incomparablement plus cher que d'autres. Chez un peuple nombreux, à peine y a-t-il deux ou trois personnes capables de faire un très beau tableau ou une très belle statue : aussi se font elles payer à peu près ce qu'elles veulent, si la demande est un peu forte ; et quoiqu'il y ait sans contredit une portion de leurs profits qui représente l'intérêt des avances employées à l'acquisition de leur art, cette portion de profits est petite relativement à celle qu'obtient leur talent.

Man entfernt sich also von der alltäglichen Erfahrung, wenn man behauptet, dass die Profite in der Industrie bedingt durch den Ausgleich überall die gleichen sind. Indem man durch die Ausnahmen die Beispiele unterdrückt, die konträr zu dieser Auffassung stehen, hat man das Gesetz, welches man beweisen will, widerlegt. Denn die Beispiele verneinen die Regel öfter, als sie diese bestätigen. Die Regel wird also zur Ausnahme. Was aber überhaupt nicht mit der Vorstellung einheitlicher Profitraten vereinbar ist, sind die enormen Unterschiede, die die Unterschiedlichkeit des Talents in industriellen und ähnlichen Wirtschaftszweigen hervorruft. Die Knappheit gewisser Begabungen im Verhältnis zum gesellschaftlichen Bedarf bewirkt, dass die produktiven Tätigkeiten, die sich hiervon ableiten, unvergleichlich besser bezahlt werden als andere. Auch in einem großen Volk gibt es kaum mehr als zwei oder drei Personnen, die in der Lage sind ein schönes Bild oder eine schöne Plastik zu erschaffen: Sie erhalten als für ihre Leistung, was sie wollen, wenn die Nachfrage nur ein bisschen anzieht und auch wenn ein Teil ihres Profits ein Zins auf die vorgestreckte Summe ist, die sie ausgeben mussten um zu dieser Meisterschaft zu gelangen, ist doch dieser Teil gering im Vergleich zu dem, was sie durch ihr Talent erhalten.

Diese Arten von Begabungen spezifiziert er dann. Es hat eine innere Logik, dass Adam Smith, David Ricardo und Karl Marx die gewaltigen Unterschiede in der Qualität der Arbeit vernachlässigen müssen. Wenn die Arbeit der Wertmaßstab sein soll, muss sie selber homogen sein.

Karl Marx und David Ricardo bemühen sich ja dann auch redlich, Gründe zu finden, warum die Arbeit ein homogener Produktionsfaktor ist.

Da Say aber von vorneherein schon die These verneint, dass sich der Wert einer Ware durch die in ihr verkörperten Arbeit ausdrückt, hat er auch nur wenig Probleme damit, die höchst unterschiedlichen Qualitäten der Arbeit anzuerkennen. Realistisch sieht er auch, dass es für die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend ist, wie schnell Erkenntnisse verbreitet werden können, wobei wir, siehe Präliminarien, ja davon ausgehen, dass man an dieser Baustelle noch arbeiten kann.

On doit souvent les connaissances qui servent de fondement à une foule de procédés dans les arts, aux études laborieuses, aux réflexions profondes, aux expériences ingénieuses et délicates, des chimistes, des physiciens, des mathématiciens les plus éminents. Or, ces connaissances sont contenues dans un petit nombre de pages qui, prononcées dans des leçons publiques ou répandues par la voie de l'impression, se trouvent jetées dans la circulation en quantité fort supérieure à la consommation qui peut s'en faire; ou plutôt elles s'étendent à volonté sans se consommer, sans qu'on soit obligé, pour se les procurer, d'avoir de nouveau recours à ceux de qui elles sont originairement émanées.

Die Kenntnisse, die die Basis zahlreicher Prozesse im Handwerk bilden, sind oft mühsamen Studien, tiefem Nachsinnen, brillianten und schwierigen Versuchen der bedeutendsten Chemiker, Physiker und Mathematiker geschuldet. Diese Kenntnisse finden sich nun auf wenigen Seiten, die, in einer öffentlichen Vorlesung vorgestellt oder durch den Druck verbreitet, in einer Anzahl zirkulieren, die den Konsum weit übersteigt. Besser gesagt, sie verbreiten sich ungehindert ohne verbraucht zu werden, ohne dass man verpflichtet wäre, erneut auf jene zurückzugreifen, die sie ursprünglich erschaffen haben.

Das ist in der Tat richtig. Wissen, der entscheidende Produktionsfaktor, kann relativ preiswert repliziert werden. An den Details kann man noch arbeiten, siehe auch Präliminarien. Unter Umständen kann man auch noch daran arbeiten, wie wissenschaftliche Erkenntnisse schneller zu marktfähigen Produkten werden, denn Arbeitslosigkeit und ein zu geringer Lebensstandard sind nicht das Resultat eines Kapitalmangels, so wie die Klassik sich das vorgestellt hat, sondern schlicht der Tatsache geschuldet, dass nicht ausreichend Ideen für neue Produkte vorhanden sind. Diesen Fehler macht selbst Keynes. Zwar hat er den Kapitalmarkt beerdigt und durch den Geldmarkt ersetzt, aber relevanter als die Liquiditätsfalle ist der Mangel an Ideen.

Des weiteren bemerkt Say richtig, ganz im Gegensatz zu David Ricardo und Karl Marx, dass der abstrakt definierte 'Kapitalist' der quasi mechanistisch Gewinne einfährt, eine wilde Theorie ist. Der Fehler ist systemisch und auch Bestandteil der akademischen VWL, insofern ist diese gar nicht so weit weg von ihrem Gegenspieler, dem Marxismus. Das eigentlich Entscheidende, die Kreativität, ist mathematisch nun mal nicht fassbar. Mit der "Entdeckung" gesetzesmäßig verlaufender Prozesse, die sich mathematisch darstellen lassen, hat auch die heutige akademische VWL den Markt beerdigt. Die Überlegenheit des Marktes ergibt sich aus der besseren Informationsverarbeitung. Diese Überlegenheit wird natürlich zu einer quantité négligeable, wenn die Wirtschaft nach ehernen Gesetzen verläuft.

En second lieu, ce genre de travail exige des qualités morales dont la réunion n'est pas commune. Il veut du jugement, de la constance, la connaissance des hommes et des choses. Il s'agit d'apprécier convenablement l'importance de tel produit, le besoin qu'on en aura, les moyens de production ; il s'agit de mettre en jeu quelquefois un grand nombre d'individus ; il faut acheter ou faire acheter des matières premières, réunir des ouvriers, chercher des consommateurs, avoir un esprit d'ordre et d'économie, en un mot, le talent d'administrer. Il faut avoir une tête habituée au calcul, qui puisse comparer les frais de production avec la valeur que le produit aura lorsqu'il sera mis en vente. Dans le cours de tant d'opérations, il y a des obstacles à surmonter, des inquiétudes à vaincre, des malheurs à réparer, des expédients à inventer. Les personnes chez qui les qualités nécessaires ne se trouvent pas réunies, font des entreprises avec peu de succès ; ces entreprises ne se soutiennent pas, et leur travail ne tarde pas à être retiré de la circulation. Il n'y reste par conséquent que celui qui peut être continué avec succès, c'est-à-dire avec capacité. C'est de cette façon que la condition de la capacité borne le nombre de gens qui offrent le travail d'un entrepreneur.

Zweitens verlangt diese Art von Arbeit [die Arbeit des Unternehmers] moralische Qualitäten, die sich selten vereint finden. Es bedarf eines klaren Urteils, Hartnäckigkeit, Kenntnisse über Menschen und Dinge. Man muss die Bedeutung eines Produktes korrekt einschätzen können, der Bedarf, der an diesem Produkt besteht, die Möglichkeiten, es zu produzieren. Man muss eine große Anzahl an Personen zusammenbringen. Man muss Rohstoffe kaufen oder kaufen lassen, Arbeiter sammeln, Konsumenten suchen, einen Sinn für Verwaltung und Wirtschaft haben. In einem Wort, ein Talent zur Verwaltung. Man muss rechnen können, so dass man die Produktionskosten mit dem Wert des fertigen Produkte, wenn es angeboten wird, vergleichen kann. Im Verlaufe des ganzen Prozesses werden Hindernisse zu überwinden sein, Unsicherheiten, mit denen man fertig werden muss, Missgeschicke, die korrigiert werden müssen, Alternativen, die man finden muss. Personen, die alle diese Qualitäten nicht auf sich vereinen, werden ein Unternehmen nicht erfolgreich führen. Diese Unternehmen sind nicht lebensfähig und binnen kurzer Zeit wird ihre Arbeit aus dem Verkehr gezogen. Es bleibt folglich nur der übrig, der erfolgreich arbeiten kann, also der mit Talent. So ergibt es sich, dass die Voraussetzung über das entsprechende Talent zu verfügen, die Anzahl der Leute, die die Arbeit eines Unternehmers anbieten, beschränkt ist.

aus: Jean-Baptiste SAY, Traité d’économie politique, Chapitre VII, Des revenus industriels

Der Leser kann das jetzt mal nachprüfen. Es gibt tatsächlich eine Unmenge an Lehrbüchern zur Mikro- und Markroökonomie, in denen das Wort Unternehmer nicht ein einziges Mal auftaucht. Es gibt sogar ein Lehrbuch zur VWL mit dem Untertitel "Eine Einführung in die Wissenschaft von Märkten" wo das Wort Unternehmer nicht ein einziges Mal auftaucht. Ohne Unternehmer hätte er das Buch besser "Eine Einführung in die Wissenschaft ökonomischer Apparate" getauft. Es ist schwierig, einem Anhänger der Ökokaste zu erklären, warum Märkte ohne Unternehmer nicht funktionieren, weil die Ökokaste in der Regel mit Märkten keine konkrete Erfahrung hat.


Das im obigen Abschnitt von Say Beschriebene mag jetzt banal klingen; im Grunde weiß es jeder. Es sind aber genau diese Zusammenhänge, die die akademische Ökokaste mit ihren ewig geltenden Gesetzen ausblendet. Wir werden im Kapitel Neoklassik, die Grundlage der akademischen Mikroökonomie, immer wieder auf diesen Punkt zurückkommen. Im Grunde gibt es nur einen Ökonom, Joseph Schumpeter, der die Dynamik der Wirtschaft in den Vordergrund gerückt hat.

Das Problem der Volkswirtschaftslehre besteht darin, dass sie sich weitgehend mit irrelevanten Dingen befasst. Interessanter als Zins, Sparen, Grenzrate der Substitution, Grenznutzen, Isoquanten, Isonutzenkurven, Konsumenten- Produzentenrenten etc. etc. sind Innovationsfreudigkeit, Bildungsstand, die Fähigkeit Forschung und Entwicklung zur marktfähigen Produkten zu machen, Effizienz des Geldmarktes, Transparenz, Transfer von know how etc..

Im Grunde lässt sich Volkswirtschaft isoliert, also reduziert auf "rein ökonomische Zusammenhänge", wir werden da noch unterschiedliche Definitionen sehen, gar nicht studieren.

Schafft es zum Beispiel jemand, einen biologisch abbaubaren Kunsstoff zu entwickeln, der ähnliche Eigenschaften hat wie Stahl, aber billiger ist, dann hat das einen weit größeren Einfluss auf die Wirtschaft als jedes Schrauben am Zinsniveau. Schafft es jemand aus Algen Energie zu gewinnen (Algen als Treibstofflieferanten), solarbetriebene Wasserentsalzungsanlagen zu machbaren Preisen zu bauen etc. etc. dann wird es kaum daran Scheitern, dass irgendjemand zu wenig "spart".

Nachzudenken ist über den effizienten Einsatz von Geldern für Forschung und Entwicklung, siehe Forschung und Entwicklung durch den Staat, Messung der Effizienz staatlicher Subventionen innovativer Unternehmen, Analyse der Kreditvergabe durch Kapitalsammelstellen, Reflexion über das Bildungswesen etc. etc.. Die eigentlichen Probleme liegen dort.

Das Elend der Volkswirtschaftlehre wird sich in seiner ganzen Pracht noch bei Carl Menger, Vilfredo Pareto und Léon Walras entfalten. Wird dieser Menger / Pareto / Walras Hokuspokus nicht aus den Lehrplänen eliminiert, wird die Volkswirtschaft den Geisteswissenschaften auf ihrem Weg in die Irrelevanz folgen.

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE

Wodurch bestimmt sich der Wert einer Ware?

Eine zweihundertjährige Gespensterdebatte

Unter den Klassikern ist Say der einzige, bei dem der Wert einer Ware sich schlicht aus dem Bedürfnis ergibt, welches sie befriedigt. Entspricht dieser Wert den Kosten, zu denen die Ware auch angeboten werden kann, wird sie auch gekauft.

Say, ein Tuchfabrikant, ist wohl unter den Klassikern und Neoklassikern der einzige mit Berufs-erfahrung, was deutlich spürbar ist.

Ganz im Gegensatz zur Neoklassik und Klassik hält er auch den Ausgleich der Grenzleistungsfähigkeiten der Produktionsfaktoren für ein theoretisches Konstrukt.

Renten gibt es folglich nicht nur beim Boden, wie Ricardo annimmt, sondern auch in der gewerblichen Wirtschaft. Alfred Marshall wird das Produzentenrente nennen.

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