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2.3.1.Tauschmarkt versus dynamischer Markt

Léon Walras geht, im Gegensatz zu Alfred Marshall, der dynamische Märkte beschreibt, siehe Langfristiges und kurzfristiges Gleichgewicht, von reinen Tauschmärkten aus. Der Unterschied ist brachial.

Tauschmärkte sind eher Märkte, die vollkommen geräumt werden müssen. Ein Markt für z.B. verderbliche Nahrungsmittel muss geräumt werden.

Können die Waren am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden, erzielen sie nicht nur keinen Erlös, sondern die Beseitigung kostet auch noch Geld. In diesem Fall spielt der Grenzerlös keine Rolle mehr, es kommt nicht mal mehr darauf an, ob durch den Verkauf ein Deckungsbeitrag erwirtschaftet wird. Dieser, vereinfacht gesagt ein Gewinn ohne Berücksichtigung der Kosten, auf die kurzfristig kein Einfluss genommen werden kann, wird natürlich angestrebt, ist dies aber unmöglich, lautet die Strategie Verlustminimierung.

Auch auf einem reinen Tauschmarkt wird der Verkäufer versuchen, seine Erlöse zu maximieren, allerdings bestimmt allein die Präferenzstruktur der Käufer über den Erfolg und Erlösmaximierung kann ohne weiteres Verlustminimierung bedeuten.

Man kann also, wenn man es ganz genau nimmt, nicht mal behaupten, dass bei Tauschmärkten allein die Nachfrage den Wert eines Gutes bestimmt. Es ist schlicht so, dass der Verkäufer ganz schlechte Karten hat, wenn die Nachfrage schwach ist. Er muss dann jeden Preis hinnehmen, der sich aufgrund der Nachfrage ergibt.

Da Léon Walras von Tauschmärkten ausgeht, wird das Gleichgewicht über eine Anpassung des Preises und nicht, wie bei dynamischen Märkten im, für die Marktwirtschaft typischen Polypol, über eine Anpassung der Menge UND der Preise hergestellt, denn die Menge kann sich bei einem Tauschmarkt nicht anpassen, sie liegt, für den kurzen Zeitraum der Betrachtung, fest.

Die Analyse unterscheidet sich also fundamental von der Herangehensweise Alfred Marshalls. Das Gleichgewicht dynamischer Märkte, wo sich also Hersteller von Gütern und Käufer treffen, beschreibt das Ergebnis eines dynamischen Prozesses. War die Nachfrage z.B. größer als das Angebot, wird das Angebot solange ausgedehnt, bis die Grenzkosten das Niveau des Marktpreises erreichen. Es findet also eine Mengenanpassung und eine Preisanpassung im Zeitablauf statt.

Möglich, dass Léon Walras das Problem gar nicht gesehen hat. Möglich ist aber auch, dass er sich bewussst von dynamischen Märkten, wo sich Preise UND Mengen ändern, abstrahiert hat, denn sein allgemeines Marktgleichgewicht, was im Grunde nichts anderes besagt, als dass der Grenznutzen in allen Verwendungen derselbe ist, lässt sich dann nur noch mit einem gigantischen mathematischen Aufwand darstellen, wenn überhaupt. Er hat also, um seinen mathematischen Modellierungs Hokuspokus vorzuführen, drastisch vereinfacht; ein Verfahren, das wir oft in den heutigen Lehrbüchern der Volkswirtschaftslehre sehen. Die Realität wird so hingebastelt, dass sie mathematisch modellierbar ist.

Die Kernaussage von Léon Walras ist unglaublich simpel. Ein allgemeines Marktgleichgewicht liegt vor, wenn die Konsumenten ihr Geld so anlegen, dass der Grenznutzen des Geldes in jeder Verwendung gleich ist, soll heißen: Die Leute kaufen Spaghetti, bis die letzte Einheit Spaghetti den gleichen Nutzen stiftet wie Kartoffeln, dann kaufen sie solange Kartoffeln, bis die letzte Einheit Kartoffeln soviel Nutzen stiftet, wie Butter, dann... Mehr oder weniger machen das die Leute auch so, präziser allerdings ist Schumpeter, siehe statische Märkte. Genau genommen müsste für ein allgemeines Gleichgewicht dann natürlich auch die Produktion im Gleichgewicht sein. Das heißt, dass der (monetär bewertete) Grenzertrag eines jeden Faktors in jeder Verwendung gleich sein müsste. Soll heißen: Stellen die Getreidebauern, die das Mehr für die Spaghettis liefern sollen fest, dass sie mehr verdienen würden, wenn sie Kartoffeln produzieren, produzieren sie irgendwann Kartoffeln, stellen sie fest, dass mit Milch für die Butter mehr verdient wird, produzieren sie Tierfutter.

Die Aussage ist also relativ simpel und wir haben sie eigentlich im Prinzip schon bei Adam Smith mit seiner Unterscheidung Marktpreis / natürlicher Preis. Berechnen lässt sich dieses Marktgleichgewicht allerdings nicht, auch wenn es in Planwirtschaften, siehe Leontief Inverse, Versuche in dieser Richtung gab. Eine Bedingung hierfür wäre, unter vielen, dass die Produktionsstrukturen konstant bleiben. Wenn sie aber konstant sind, wird sich ein solches Gleichgewicht mit der Zeit von alleine einstellen. Stellen die Getreidebauern fest, dass die Leute auf Kartoffeln umsteigen, werden sie den Anbau von Weizen einschränken, denn von Kartoffeln erhöhen etc. etc.., es gibt dann nichts zu rechnen. Problem ist, dass sich tag-täglich Tausende von Input Faktoren ändern und die Überlegenheit der marktwirtschaftlichen Ordnung besteht nun mal darin, auf diese Veränderungen spontan reagieren zu können, weil jeder nur Entscheidungen in dem engen Umfeld treffen muss, wo er sich auskennt und folglich optimale Entscheidungen treffen kann.

Unstrittig findet immer langfristig eine Mengenanpassung statt. Wird auf einem Fischmarkt festgestellt, dass eine bestimmte Art von Fisch nicht oder weniger nachgefragt wird, wird sie in der nächsten Periode nicht oder weniger angeboten.

Der Anpassungsprozess selbst gerät aber bei der kurzen Frist nicht in den Fokus der Betrachtung. Im Fokus steht die kurzfristige Preisanpassung, nicht die langfristige Mengenanpassung. Wer also das walrasianische Gleichgewicht als das Ergebnis marktwirtschaftlicher Prozesse interpretiert, und das tun viele, der hat entweder nicht kapiert, was die marktwirtschaftliche Ordnung ausmacht, oder er hat Walras nicht kapiert. Meist aber beides.

Unabhängig davon gilt aber Folgendes: In dem Moment, indem sich gleichgewichtige Preis / Mengen Verhältnisse berechnen lassen, ist zentrale Planung besser. Wir brauchen dann keine Marktwirtschaft mehr. Die marktwirtschaftliche Ordnung ist überlegen, weil sie besser mit UNSICHERHEIT umgehen kann, das ist der Kern der Idee. In dem Moment, in dem sich Marktgleichgewichte berechnen lassen, brauchen wir sie nicht. Wir brauchen sie, weil wir Marktlgeichgewichte eben NICHT berechnen können.

Anders formuliert: Privateigentum ist dann nicht mehr nötig. Privateigentum und die Möglichkeit Gewinn zu erzielen ist nur solange nötig, wie der Suchprozess von Millionen von Individuen durchgeführt werden muss. Ohne einen Anreiz, siehe Beamte, würden sie sich die Arbeit nicht machen. In dem Moment aber in dem eine zentrale Stelle das Optimum berechnen kann, wird der Suchprozess und damit der Anreiz obsolet.

Die Stärke der marktwirtschaftlichen Ordnung beruht darauf, dass sie sich auf neue Situationen am schnellsten einstellen kann. Die Neoklassik ignoriert das zentrale Momente noch gründlicher, als ihr Gegenspieler, der Sozialismus. Es ist ein echtes Trauerspiel, dass der dozierenden Ökokaste das nicht auffällt. Wenn sie die Bedeutung der mathematischen Modellierung wenigstens relativieren würde, ginge es gerade noch. Da sie aber die Grundlagen marktwirtschaftlicher Ordnungen vollkommen ignoriert, beschreibt sie nicht diese unsere Welt. Der Treppenwitz besteht darin, dass der große Antipode der Marktradikalen, nämlich Keynes, den Kern marktwirtschaftlicher Ordnung ins Zentrum seiner Überlegungen rückt: Unsicherheit.

Damit aber verliert die Analyse eines Tauschmarktes, die von den Produktionskosten abstrahiert, für die Analyse marktwirtschaftlicher Zusammenhänge jede Bedeutung, denn reine Tauschmärkte sind irrelevant. Die Produktionsstrukturen sind der eigentlich dynamische Teil der marktwirtschaftlichen Ordnung. Änderungen in den Präferenzen der Nachfrage geschehen so mühelos wie wirkungslos, wenn sich das Angebot an die veränderte Nachfrage nicht anpasst.

Allerdings ist der Fall Léon Walras noch extremer. Er geht letzlich nicht nur von einem Tauschmarkt aus, wo auch langfristig keine Mengenanpassung erfolgten kann, weil die Menge definitiv nicht erhöht werden kann. Der Idealmarkt, der seinen Vorstellungen zugrunde liegt, ist die Börse mit einem Auktionator. Er geht also von einem Spezialfall eines an sich schon irrelevanten Tauschmarktes aus.

La valeur d'échange laissée à elle-même se produit naturelle- ment sur le marché sous l'empire de la concurrence. Comme acheteurs, les échangeurs demandent à l'enchère, comme vendeurs, ils offrent au rabais, et leur concours amène ainsi une certaine valeur d'échange des marchandises tantôt ascendante, tantôt d'escendante et tantôt stationnaire. Selon que cette concurrence fonctionne plus ou moins bien , la valeur d'échange se produit d'une manière plus ou moins rigoureuse. Les marchés les mieux organisés sous le rapport de la concurrence sont ceux où les ventes et achats se font à la criée, par l'intermédiaire d'agents tels qu'agents de change, courtiers de commerce, crieurs, qui les centralisent , de telle sorte qu'aucun échange n'ait lieu sans que les conditions en soient annoncées et connues, et sans que les vendeurs puissent mettre au rabais et les acheteurs à l'en- chère. Ainsi fonctionnent les Bourses de fonds publics , les Bourses de commerce, les marchés aux grains, au poisson, etc. A côté de ces marchés , il y en a d'autres où la concurrence, quoique moins bien réglée, fonctionne encore d'une manière assez convenable et satisfaisante : tels sont les marchés aux fruits et légumes, à la volaille. Les rues d'une ville où se trouvent des magasins et des boutiques de boulangers, de bouchers , d'épi- ciers, de tailleurs, de bottiers, sont des marchés d'une organi- sation un peu plus défectueuse sous le rapport de la concurrence. Der Tauschwert stellt sich auf ganz natürliche Weise ein, wenn man dem Markt nur den Kräften der Konkurrenz überlässt. In seiner Eigenschaft als Käufer, wird jemand die anderen überbieten und in seiner Eigenschaft als Verkäufer, wird er einen Rabatt anbieten, so dass der Wettbewerb zu einem bestimmten Tauschwert der Waren führt, der manchmal steigt, manchmal sinkt oder gleich bleibt. Je nachdem ob der Wettbwerb besser oder schlechter funktioniert, ergibt sich ein mehr oder weniger eindeutiger Tauschwert. Die im Hinblick auf die Konkurrenz best funktionierendsten Märkte sind jene wo der Verkauf und Kauf durch Zuruf von Agenten wie etwa Börsenhändlern, Maklern oder Zurufern realisiert wird, die sie so in Übereinstimmung bringen, dass kein Tausch stattfindet, bevor nicht die Bedingungen angekündigt und bekannt gegeben wurden und bevor nicht die Verkäufer einen Rabatt und die Käufer ihr Angebot erhöhen konnten. So funktioniert die Börse mit Staatsanleihen, die Handelbörse, die Getreidemärkte, die Fischmärkte etc.. Außer diesen Märkten gibt es noch andere, wo der Wettbewerb, wenn auch weniger reglementiert, noch auf eine zweckerfüllende und zufriedenstellende Art funktioniert, wie zum Beispiel die Obstmärkte, die Gemüsemärkte, die Geflügelmärkte. Die Straßen einer Stadt, wo sich die Läden und die die Bäckerläden befinden, die Metzgereien, die Lebensmittelläden, die Schneidereien, die Schuster, sind weniger gut organisiert, was den Wettbewerb angeht.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, Section II, 9° Leçon


Bei ihm werden also RABATTE vergeben, das heißt, die Anpassung erfolgt über den Preis. Hersteller würden langfristig keine Rabatte vergeben, sie würden schlicht mehr oder weniger produzieren, die Anpassung würde also auch über die Menge erfolgen. Rabatte würden sie höchsten dann geben, wenn die Herstellungskosten bei hohem Absatz niedriger sind.

Was nun die Wertpapier Märkte angeht, funktionieren sie zumindest heute nicht mehr so, siehe Langfristiges und kurzfristiges Gleichgewicht.

Die Warenbörsen haben sich überwiegend zu Warenterminbörsen weiterentwickelt. Den tatsächlichen Ablauf an einer Börse beschreibt Alfred Marshall, siehe obigen Link, genauer.

Wie er sich den Auktionator vorstellt, ist etwas unklar, auf jeden Fall ist es ein längeres Aufrufen. Vorstellen kann man sich sowas.

Der Auktionator ruft zuerst einen Preis auf, den Preis, zu dem die einen bereit sind zu kaufen, die anderen bereit sind zu verkaufen. Nehmen wir an, dass diese erste Preisangabe oberhalb des markträumenden Preises liegt. Daraufhin erhält er Angaben der zu diesem Preis angebotenen und nachgefragten Mengen. Zu diesem Preis übersteigt das Angebot die nachgefragte Menge.

Wenn nun alle über die tatsächlichen Mengen informiert sind und alle wissen, dass der Markt geräumt werden muss, werden die Anbieter wissen, dass sie den Preis herabsetzen müssen. Wenn sie sich verschätzen, erhalten sie einen Preis der unterhalb des markträumenden Preises liegt.

Da die Anbieter ebenfalls wissen, dass die Nachfrager alles kaufen wollen, was da ist, wird der Preis wieder steigen, was die Überschussnachfrage wieder verringert. Das Spiel wird jetzt solange gemacht, bis der markträumende Preis gefunden ist.

Vermutlich denkt Léon Walras beim Auktionator an etwas ähnliches wie den Skontroführer. Dieser macht den Abgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Allerdings erst nach Börsenschluss. Was er ja auch erwähnt: "...de telle sorte qu'aucun échange n'ait lieu sans que les conditions en soient annoncées et connues...".

In dem Modell von Walras steckt die skurrile Annahme, dass kein Kauf und Verkauf zustande kommt, bevor der markträumende Preis nicht gefunden ist.

Ausgeschlossen wird also, dass zu einem Preis unterhalb des markträumenden Preises die Anbieter die komplette Menge an Waren verkaufen. Man könnte bei diesem Verfahren kurz an eine Auktion denken, allerdings ist eine Auktion etwas völlig anderes.

Bei der Auktion findet ein Verkauf eines einzelnen Gutes oder, beim Fischmarkt, einer bestimmten Charge, an EINE Person statt.

Bei Léon Walras haben wir es aber sozusagen mit einer dualen Auktion zu tun und einer variablen Gütermenge pro Person. (Bei fester Gesamtmenge.)

Solche Märkte gibt es nicht, gab es nicht und wird es nie geben. Dass er keine besonders klare Vorstellung davon hat, auf welchen Typ von Markt er überhaupt abzielt, ergibt sich schon aus der Tatsache, dass er völlig unterschiedliche Dinge durcheinanderwürfelt.

Börsen für Wertpapiere sind völlig anders organisiert, als Märkte für Güter des täglichen Bedarfs.

Bei Wertpapierbörsen liegt die Menge fest, die Volkswagen AG wird nicht mehr Aktien drucken, wenn der Kurs der Volkswagen Aktie steigt. Der Preis einer Aktie bestimmt sich tatsächlich, so wie er sich das vorstellt und ständig betont, an der rareté, der Knappheit.

Waren des täglichen Bedarfs sind aber nicht per se knapp, zu einem bestimmten Preis können sie in beliebiger Menge produziert werden. Der Preis an der Börse hängt ab von der Knappheit des Gutes. Der Preis in einem dynamischen Markt hängt ab von den Herstellungskosten (und der Nachfrage). Der Unterschied zwischen Alfred Marshall und Léon Walras besteht darin, dass Alfred Marshall die marktwirtschaftliche Ordnung beschreibt. Was Léon Walras eigentlich beschreibt, ist etwas unklar.

Er nennt zwar viele Märkte, Obstmarkt, Fischmarkt, Gemüsemarkt etc. aber er abstrahiert völlig von der Tatsache, dass Obst, Fisch und Gemüse erstmal produziert werden müssen.

Die Aussage, dass Léon Walras bis auf den heutigen Tag eine enorme Bedeutung hat, liest mal allerorten. Ein Beweis für diese These allerdings liest man nie.

Léon Walras unterliegt dem gleichen Irrtum wie Vilfredo Pareto und Carl Menger. Sein Paradigma ist der Tauschmarkt. Mit den von Alfred Marshall eingeführten Instrumenten zur Analyse der marktwirtschaftlichen Ordnung, Konsumenten- / Produzentenrente, Elastizitäten, Grenzkostenanalyse etc. werden wir uns noch befassen, auch diese Instrumente kann man kritisch bewerten.

Unstrittig ist aber, dass man mit ihrer Hilfe manchmal bestimmte Dinge einfacher analysieren kann. Der praktische Nutzwert von Theorien, die auf der Analyse von Tauschmärkten beruhen, also die Theorien von Vilfredo Pareto, Carl Menger etc. ist Null. Man begegnet diesen Theorien auch nie in einer praktischen Anwendung.

Sein Werk trägt den Titel Elements d' économie politique pure. Es hätte auch heißen können élements pures, reine Elemente, denn rein, also befreit von irgendwie allem, sind die Elemente auf jeden Fall. Die Reinheit erkennen wir ohne weiteres, die économie weniger und die économie politique, die sehen wir schon gar nicht, denn politique hat was mit Entscheidungen zu tun, aber entschieden wird bei ihm nix, auch wenn er in der Einleitung, davon gleich, das Gegenteil behauptet. Die Ökonomie funktioniert so ähnlich wie das Universum.

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

Goethe, Faust, Prolog im Himmel

Er beweist mit unendlich vielen Gleichungen in unendlich vielen Szenarien, unendlich viele triviale Dinge, die aber völlig irrelevant sind, weil schon der grundlegende Ansatz irrelevant ist.

Dass man im zwei Güter Fall die Nachfrage nach dem einen Gut, durch das Angebot des anderen Gutes darstellen kann, ist unstrittig richtig, bringt aber leider, so wenig wie die Isonutzenkurve, alle Kombinationen von zwei Gütern, die den gleichen Nutzen stiften, irgendetwas bringt.

Kann ein Haushalt Karotten und Kartoffeln kaufen, dann gibt es irgendwo ein optimales Mischungsverhältnis. Nur Kartoffeln ist doof und nur Karotten ist auch doof, irgendwo dazwischen ist das Optimum. Man kann dann viel rauf und runter rechnen, feststellen, dass das Hauhaltsoptimum da erreicht ist, wo die Kartoffel / Karotten Substitutionsrate die Substitutionsrate die Budgetgerade des Haushalts tangiert, sprich, wo jeder Cent für Kartoffeln genau so viel Nutzen stiftet wie ein Cent für Karotten, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Mayo fehlt. Mit einer ähnlichen Logik kann man dann den theoretischen Fall diskutieren, der praktisch völlig irrelevant ist, dass zwei Personen A und B Güter 1 und 2 austauschen. Nachdem er dann 40 Seiten lang gerechnet hat, kommt er zu einer wahrhaft bahnbrechenden Erkenntnis.

Nota bene, die Anpassung erfolgt allein über den Preis: "Lorsque cette égalité n'existe pas il faut, pour arriver au prix d'équilibre, une hausse du prix de la marchandise dont la demande effective est supérieure à l'offre effective, et une baisse du prix de celle dont l'offre effective est su- périeure à la demande effective."

Deux marchandises étant données, pour qu'il y ait équilibre du marché à leur égard, ou prix stationnaire de l'une en l'autre , il faut et il suffit que la demande effective de chacune de ces deux mar- chandises soit égale à son offre effective. Lorsque cette égalité n'existe pas il faut, pour arriver au prix d'équilibre, une hausse du prix de la marchandise dont la demande effective est supérieure à l'offre effective, et une baisse du prix de celle dont l'offre effective est su- périeure à la demande effective. Sind zwei Waren gegeben, dann ist die einzige nötige und ausreichende Bedingung für ein Marktgleichgewicht oder gleichbleibende Preise bezüglich dieser Güter, dass die angebotene Menge der beiden Güter der nachgefragten Menge dieser Güter entspricht. Existiert diese Entsprechung nicht, muss, damit das Gleichgewicht erreicht wird, der Preis der Ware, deren Nachfrage höher ist als die angebotenen Menge steigen und der Preis der Ware, bei der das Angebot die effektiv nachgefragte Menge übersteigt, sinken.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 12° LEÇON, Courbes d'offre effective.

Genau das ist eben falsch und stimmt nur für den irrelevanten TAUSCHMARKT. Sind die Mengen konstant und soll der Markt geräumt werden, dann muss natürlich der Preis so festgelegt werden, dass alles "was da ist" auch verkauft wird (unter der Nebenbedingung, dass die Anbieter das "Maximum für sich rausholen"). Man sollte sich die Aussage oben jetzt mal genau durchlesen. Er geht von einem Tauschmarkt aus. Das ist deshalb relevant, weil kein Verfasser eines akademischen Lehrbuches das Orginal mal gelesen hat. Es ist noch nie jemandem aufgefallen, dass er von einem TAUSCHMARKT ausgeht. Die Anpassung folglich allein über den PREIS erfolgen kann, weil die Menge festliegt. .

Des weiteren geht er davon aus, dass der "Preis" eines Gutes durch die Menge bestimmt wird, gegen die es ausgetauscht wird. Tauschen zwei Leute Karotten gegen Kartoffeln und es bleiben am Schluss ein paar Kartoffeln oder Karotten übrig, dann war offensichtlich das Karotten / Kartoffel Austauschverhältnis falsch. Bleiben z.B. Karotten übrig, hätte er für die Kartoffeln mehr Karotten bieten müssen, umgekehrt umgekehrt.

Diese Erkenntnis ist nun bahnbrechend. Stellt A 15 Karotten zum Tausch zur Verfügung und B 3 Kartoffeln dann ist das markträumende Gleichgewicht 5:1. Das ist dermaßen hochkomplex, dafür braucht man mindestens, aber mindestens, 40 Seiten und ohne ein lineares Gleichungssystem läuft da gar nix.

Das Problem ist, dass sein lineares Gleichungssystem gar nicht lösbar wäre, wenn sich sowohl der Preis wie auch die Menge ändern kann.

Er geht also nicht nur von einem Tauschmarkt aus, was erstmal ohnehin ein irrelevanter Markt ist, sondern obendrein von einer Situation, wo Individuen direkt, vermittels Geld, genau zwei Waren tauschen, wobei er mit der Einführung von Geld sich hier der Realtität nähern will, was aber in diesem Fall schon egal ist, denn bei zwei Gütern könnte er den "Preis" des einen Gutes auch durch die entsprechende Menge des anderen Gutes ausdrücken (z.B. 5 Karotten für 1 Kartoffel).

In der Realität und vor allem langfristig, ist eine Veränderung des Preises aber weder eine ausreichende noch eine hinreichende Bedingung.

Übersteigt die Nachfrage das Angebot, liegt also der Preis über dem Gleichgewichtspreis, wird zweierlei passieren. Die Anbieter werden eine größere Menge produzieren, denn in der realen Welt ist die Menge eben NICHT gegeben, und die Nachfrage wird zurückgehen.

Nehmen wir es aber ganz genau, dann ist nicht mal das richtig. Übersteigt die Fixkostendegression den Anstieg der variablen Kosten, bzw. sinken auch die variablen Stückkosten durch Rabatte, bessere Logistik etc.. dann sinkt der Preis sogar bei steigender Nachfrage, wobei letzteres langfristig sogar der typischere Fall ist, wie wir ohne weiteres in der Realität beobachten können. Handys sind zum Beispiel mit steigender Nachfrage nicht teurer geworden, sondern billiger.

Seine Erkenntnis allerdings ist bahnbrechend. Stellt ein Landwirt fest, dass er seine Karotten nicht verkaufen kann, dann kann er sie entweder an seine Schweine verfüttern oder eben billiger verkaufen.

Zu dieser Erkenntnis können wir nur nach 40 Seiten mathematischer Formeln gelangen. Sein Problem besteht darin, dass er den Unterschied zwischen einem reinen Tauschmarkt und einem dynamischen Markt nicht kapiert. Er kapiert ganz grundlegend die marktwirtschaftliche Ordnung nicht.

Wir verstehen damit ohne weiteres, dass er als Dichter, seine Ambition bestand ja eine zeitlang darin, Romane zu schreiben, scheitern musste, denn Dichter verdichten nun mal, erfassen Probleme in ihrer Gesamtheit. Walras ist eher ein Autist. Seine ganze Aufmerksamkeit wird von völlig irrelevanten Dingen vollkommen in Anspruch genommen. Wie der Autist nach einer Regel bei der Anordnung der Fliesen im Badezimmer sucht, sucht er Regeln, wo man keine suchen muss. Aufgrund der Tatsache, dass diese psychische Krankheit, auch heute noch, weit verbreitet ist, stellt sie ein ernstes ökonomisches Problem dar. Merkwürdig geht es dann weiter.

On voit clairement à présent ce qu'est le mécanisme de la concurrence sur le marché : c'est la solution pratique , et par hausse et baisse des prix, du problème de l'échange dont nous avons fourni la solution théorique et mathématique. On doit comprendre d'ailleurs que notre intention n'est aucunement de substituer une solution à l'autre. La solution pratique est d'une rapidité et d'une sûreté qui ne laissent rien à désirer. On peut voir, sur de grands marchés fonctionnant même sans courtiers ni crieurs, le prix courant d'équilibre se déterminer en quelques minutes, et des quantités considérables de marchandise s'échan- ger à ce prix en deux ou trois quarts d'heure. Au contraire, la solution théorique serait, dans presque tous les cas, absolument impraticable. Aussi serait-ce nous faire une objection bien sin- gulière que de nous parler de la difficulté d'établir les courbes d'échange ou leurs équations. L'avantage qu'il pourrait y avoir, dans certains cas, à dresser, en totalité ou en partie , la courbe de demande ou d'offre d'une marchandise déterminée, et la pos- sibilité ou l'impossibilité de le faire, est une question que nous réservons tout entière. Pour le moment, nous étudions le pro- blème de l'échange en général , et la conception pure et simple des courbes d'échange nous est à la fois suffisante et indispen- sable. Wir sehen jetzt ganz klar, worin der Mechanismus des Wettwerbs über den Markt besteht: Das Steigen und Fallen der Preise ist die praktische Lösung des Tauschproblems, wofür wir die theoretische und mathematische Lösung gefunden haben. Man muss auch verstehen, dass wir nicht eine Lösung durch eine andere ersetzen wollten. Die praktische Lösung ist von einer Geschwindigkeit und einer Sicherheit, die nichts zu wünschen übrig lässt. Auf allen Märkten, auch ohne Makler und Autkionäre, bewegen sich die Preise in wenigen Minuten hin zum Gleichgewicht und beträchtliche Mengen an Waren werden zu diesem Preis in zwei oder drei Viertelstunden getauscht. Die theoretische Lösung ist ganz im Gegenteil, fast immer, praktisch kaum durchführbar. Uns vorzuwerfen, dass es schwierig ist, die Austauschkurven oder ihre Gleichungen zu ermitteln, wäre also ein eigenartiger Vorwurf. Den Vorteil, den es machmal haben könnte, die Nachfragekurve in ihrer Gesamtheit oder in Teilbereichen zu ermitteln und die Möglichkeit oder Unmöglichkeit dies zu tun, ist eine Frage, die wir erstmal zurückstellen. Im Moment analysieren wir das Problem des Tausches im Allgemeinen und das reine und einfache Konzept der Tauschkurven ist für unsere Zwecke ausreichend und notwendig.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 12° LEÇON, Courbes d'offre effective.

Der Ausgleich von Angebot und Nachfrage über den Preis bezeichnet er also als die praktische Lösung des Problems des Tausches.

Zu diesem, offensichtlich bereits überzeugend gelösten Problem, wie er selbst zugibt, hat er nun eine mathematische und theoretische Alternative gefunden, die aber, wie er selbst konzediert, keinen praktischen Wert hat.

Verblüffend ist dann der Satz dazwischen, daraus schließen wir, dass Walras auf dem Mars oder in einer anderen Parallelwelt gelebt hat.

Er will beobachtet haben, dass sich der Ausgleich von Angebot und Nachfrage über den Preis am Markt innnerhalb einer dreiviertel Stunde vollzieht und dann zu diesem Marktpreis riesige Volumina an Gütern umgeschlagen werden.

Nota bene: Der vollkomene Markt ist ja ein problematisches Konzept, weil damit von dem Problem, das marktwirtschaftliche Ordnungen am besten lösen, das ist der Grund, warum die eigentlich schlechtere Lösung, die Koordination durch den Markt der zentralen Planung vorgezogen wird, abstrahiert wird. Herrscht vollkommene Information gibt es keine Unsicherheit, gibt es keine Unsicherheit, brauchen wir keine Koordination durch den Markt. Die marktwirtschaftliche Ordnung würde dann ein Problem lösen, das eigentlich gar nicht existiert. Immerhin wird aber der vollkommene Markt als Modell vorgestellt, es wird also konzediert, dass dieses Modell nicht der Wirklichkeit entspricht.

Er geht aber einen Schritt weiter: Er will beobachtet haben, dass sich der Gleichgewichtspreis nach nur wenigen Minuten einpendelt und dann beträchtliche Mengen umgesetzt werden. Innherhalb weniger Minuten sind die Leute also vollständig informiert und tauschen zum Gleichgewichtspreis. Der Autor würde sagen, da halluziniert Léon Walras. Das hat er noch nie gesehen.

Man kann ja den Gleichgewichtspreis als theoretisches Konstrukt zu Zwecken der Analyse unter den Bedingungen des vollkommenen Marktes noch akzeptieren, vorausgesetzt, man behält im Hinterkopf, dass durch die Fiktion des vollkommenen Marktes das Kernproblem marktwirtschaftlicher Ordnungen schlicht ignoriert wird. Wenn jetzt aber jemand behauptet, dass er schon REAL (!!) beobachtet hat, wie sich ein solcher Gleichgewichtspreis einstellt, innerhalb von nicht mal einer Stunde, dann lebt er entweder auf einem anderen Planeten oder er nimmt prinzipiell immer alles für bare Münze, was in irgendwelchen Büchern steht.

Die Wahrheit finden wir dann bei Joseph Schumpeter. Der Gleichgewichtspreis stellt sich ein aufgrund jahrelanger Erfahrung, siehe Joseph Schumpeter. Bei Änderungen von Preisen setzen Prozesse ein, die langfristig die gleichgewichtigen Preisrelationen verändern. Was er eventuell beobachtet hat, ist eine Warenterminbörse oder etwas in der Art. Dieser Art von Markt ist aber absolut nicht typisch für die marktwirtschaftliche Ordnung.

Leider erklärt er uns auch nicht, welchen Vorteil es haben könnte, die Nachfrage nach einem Gut durch den abnehmenden Grenznutzen des andern Gutes zu erklären. Das ist ähnlich sinnfrei, dahinter verbirgt sich ja das gleiche Konzept, wie die Ableitung der Isonutzenkurven der Haushalte. Auch hier folgt er einem bekannten Schema. Der Leser wird darauf verwiesen, dass sich die ungeheure Bedeutung der Theorie in baldiger Zukunft noch erweisen wird. Leider warten wir darauf schon sein 150 Jahren. Mit einem Großteil der Theorie der Volkswirtschaftslehre verhält es sich wie mit Jesus Christus. Er starb am Kreuz um uns theoretisch von der Erbsünde zu erlösen. Seitdem warten wir darauf, dass sich die Theorie auch bewahrheitet, bzw. zu substantiellen Ergebnissen führt. Sowohl der Katholizismus wie die Volkswirtschaftslehre ziehen ihre Bedeutung aus einem Versprechen, das so flexibel definiert ist, dass es mit der Realität nicht kollidieren kann.

Um von der bahnbrechenden Idee, dass ein Landwirt irgendwann mal seine Karotten an die Schweine verfüttert, wenn der Preis ins Bodenlose absackt, anstatt sie gegen Kartoffeln einzutauschen, zum Fall mit unendlichen vielen Gütern und unendlich vielen Anbietern zu kommen, braucht er dann nochmal geschlagene 40 Seiten mit einer unglaublichen Fülle an mathematischen Gleichungen.

Plusieurs marchandises étant données , pour qu'il y ait équilibre du marché à leur égard , ou prix stationnaire de chacune d'elles en toutes les autres, il faut et il suffit qu'à ces prix, supposés d'équilibre général, la demande effective de chaque marchandise soit égale à son offre effective. Lorsque cette égalité n'existe pas, il faut, pour arriver aux prix d'équilibre, une hausse proportionnelle des prix des marchandises dont la demande effective est supérieure à l'offre effective, et une baisse proportionnelle des prix de celles dont l'offre effective est supérieure à la demande effective. Sind mehrere Güter gegeben, ist es notwendig und hinreichend, damit sich ein Marktgleichgewicht einstellt, oder die Preise gleich bleiben, dass die effektive Nachfrage jedes Gutes gleich dem effektiven Angebot dieses Gutes ist. Besteht diese Gleichheit nicht, ist es notwendig, damit sich der Gleichgewichtspreis wieder einstellt, dass die Preise der Güter, deren effektive Nachfrage höher ist, als das effektive Angebot proportional steigen, und dass der Preis der Güter, deren effektive Angebot die effektive Nachfrage übersteigt, sinkt.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 22° LEÇON, Loi d'établissment des prix d'équilibre

Soll heißen: Wird mehr nachgefragt als angeboten wird, dann muss der Preis steigen. Umgekehrt, umgekehrt.

Er ist also immer noch beim irrelevanten Tauschmarkt, wo die Anpassung allein über den Preis erfolgen kann, weil die Menge festliegt. Nimmt man es ganz genau, dann führt sein ganzes mathematisches Geschwurbel lediglich dazu, dass das, was jedem intuitiv sehr einleuchtend erscheint, nämlich dass ein Überschuss der Nachfrage über das Angebot zu einer Preissteigerung und ein Überschuss des Angebots über die Nachfrage zu einer Preissenkung führt, nochmals bestätigt wird. Wobei das eben nur bei TAUSCHMÄRKTEN gilt. Ansonsten haben wir eine Anpassung des Preises UND der Menge.

Er beweist also mit gewaltigem Aufwand, was jeder ohnehin glaubt und was auch intuitiv einleuchtend erscheint, was aber leider falsch ist. Erstens haben wir immer eine Mengen und eine Preisanpassung, denn in 99,9 Prozent der Fälle werden Güter nun mal hergestellt. Der zweite Fehler besteht darin, dass langfristig die Preise der Güter mit zunehmender Nachfrage fallen, nicht steigen. Es wird kaum ein Produkt geben, dessen Preis inflationsbereinigt in den letzten 50 Jahren nicht gefallen ist.

Das ist ein hübsches Beispiel, dafür, dass die mathematische Modellierung genau das Gegenteil dessen bewirkt, was man vorgibt sich von ihr zu versprechen. Behauptet wird, dass die mathematische Modellierung Verhältnisse exakter beschreibt, als eine verbale Darstellung, die mit Begriffen wie 'intuitiv', 'vage', 'vorurteilsbehaftet' etc. konnotiert wird.

Was hier passiert, ist das genaue Gegenteil. Die mathematische Modellierung bestätigt die 'intuitive' Vorstellung, die sich aus engen Vorerfahrungen ergibt, ist aber falsch. Der radikale Preisverfall bei Computern, Tablets, Handys und alles, was irgendwie Chips hat, ergibt sich aus der gestiegenen Nachfrage. Die gestiegene Nachfrage erlaubt es, economies of scale zu realisieren. Dass der Preisverfall nicht noch viel gravierender ist, liegt lediglich daran, dass die Teile alle paar Jahre ihre Leistungsfähigkeit verzigfachen, so dass der sonst stattfindende Preisverfall abgefangen werden kann.

Der langfristige Preisverfall, den wir auch bei Lebensmitteln haben, ist aber weniger intensiv wahrnehmbar, als das kurzfristige Anziehen der Preise auf reinen Tauschmärkten. Das kurzfristige Anziehen der Milchpreise in Folge der Auseinandersetzung zwischen den Milchproduzenten und den Molkereien / Handel wurde zum Beispiel intensiv wahrgenommen. Der sich über Jahrzente hinstreckende Verfall der Milchpreise wird nicht wahrgenommen.

Die Frage ist, ob Keynes in seiner Beschreibung von Alfred Marshall, der sich ja, im Gegesatz zu Walras, Pareto und Konsorten, tatsächlich mit wirtschaftlichen Themen befasste, nicht etwas sehr Richtiges gesagt hat.

The study of economics does not seem to require any specialised gifts of an unusually high order. Is it not, intellectually regarded, a very easy subject compared with the higher branches of philosophy and pure science? Yet good, or even competent, economists are the rarest of birds. An easy subject, at which very few excel ! The paradox finds its explanation, perhaps, in that the master-economist must possess a rare combination of gifts. He must reach a high standard in several different directions and must combine talents not often found together. He must be mathematician, historian, statesman, philosopher-in some degree. He must understand symbols and speak in words. He must contemplate the particular in terms of the general, and touch abstract and concrete in the same flight of thought. He must study the present in the light of the past for the purposes of the future. No part of man's nature or his institutions must lie entirely outside his regard. He must be purposeful and disinterested in a simultaneous mood; as aloof and incorruptible as an artist, yet sometimes as near the earth as a politician. Much, but not all, of this ideal many-sidedness Marshall possessed. But chiefly his mixed training and divided nature furnished him with the most essential and fundamental of the economist's necessary gifts-he was conspicuously historian and mathematician, a dealer in the particular and the general, the temporal and the eternal, at the same time. Es scheint so, als ob man für das Studium der Ökonomie keiner besonderen Gaben auf überdurchschnittlichem Niveau bedürfe. Ist es nicht, aus intellektueller Sicht, eine im Vergleich zu den komplexeren Bereichen der Philosophie und der reinen Wissenschaft ein ziemliches einfaches Fach? Doch gute, oder sogar nur kompetente Wirtschaftler gehören zu den seltensten Vögeln. Ein einfaches Fach, in dem jedoch nur wenige herausragen! Das Paradox lässt sich vielleicht damit erklären, dass herausragende Ökonomen eine seltene Mischung an Begabungen haben müssen. Er muss auf mehreren Gebieten einen hohes Maß an Vollendung erreichen und er muss Talente kombinieren, die sich nicht oft vereint finden. Er muss Mathematiker, Historiker, Staatsmann und in gewisser Hinsicht auch Philosoph sein. Er muss sich Symbolen bedienen können, aber auch der Wörter. Er muss das Einzelne aus der Sicht des Allgemeinen betrachten und in einem Gedankengang das Abstrakte und das Konkrete erfassen. Kein Bereich der menschlichen Natur oder dessen Einrichtungen darf er ganz aus dem Blick verlieren. Er muss so zielstrebig wie unparteiisch sein. So distanziert und unbestechlich wie ein Künstler und manchmal so nah an der Erde wie ein Politiker. Viele, wenn auch nicht alle dieser vielseitigen Vorzüge besaß Marshall. Vor allem aber erreichte er durch Training auf vielen Gebieten und ein komplexes Naturell die allerwichtigsten und fundamentalsten Begabungen eines Ökonomen. Er war offensichtlich gleichzeitig Historiker und Mathematiker, ein Beobachter des Besonderen und des Allgemeinen, des Ephemeren und des Ewigen.

aus: John Maynard Keynes, The economic journal, September 1924, Alfred Marshall, 1842 - 1924

Was Keynes also beschreibt, ist das Gegenteil des Autisten. Léon Walras kommt über 100 Seiten später, nach unendlich vielen Gleichungen, zu dem berühmten walrasianischen allgemeinen Gleichgewichtsmodell. Beim walrasianischen Gleichgewichtsmodell ist der Arbeitsmarkt kein separater Markt. Arbeit ist eine Ware wie jede andere, die gekauft und verkauft wird. Genaugenommen sind alle Produktionsfaktoren, also auch Kapital, Pacht, Roh- / Hilfs- und Betriebstoffe etc. nur noch Waren, die gekauft und verkauft werden. Diese werden zu einem Gleichungssystem verschmolzen.

Plusieurs services producteurs étant donnés, avec lesquels on peut fabriquer divers produits , et dont l'échange se fait contre ces produits avec intervention de numéraire , pour qu'il y ait équilibre du marché, ou prix stationnaire de tous ces services producteurs et de tous ces produits en numéraire, il faut et il suffit : 1° qu'à ces prix la demande effective de chaque service producteur et de chaque produit soit égale à son offre effective , et 2° que le prix de vente des produits soit égal à leur prix de revient en services producteurs. Lorsque cette double égalité n'existe pas , il faut , pour arriver à la première , une hausse du prix des services producteurs ou des produits dont la demande effective est supérieure à l'offre effective , et une baisse du prix de ceux dont l'offre effective est supérieure à la demande effective; et, pour arriver à la seconde , une augmentation dans la quan- tité des produits dont le prix de vente est supérieur au prix de revient, et une diminution dans la quantité de ceux dont le prix de revient est supérieur au prix de vente. Haben wir mehrere Produktionsfaktoren, die sich zur Herstellung verschiedener Produkte eignen und die gegen diese unter Verwendung eines Zahlungsmittels ausgetauscht werden können, dann ist es eine notwendige und hinreichende Bedingung für ein Marktgleichgewicht oder für gleichbleibende Preise aller dieser Produktionsfaktoren und aller dieser Produkte bewertet mit dem Zahlungsmittel, dass 1) zu diesem Preis die effektive Nachfrage eines jeden Produktionfaktors und eines jeden Produktes seinem effektiven Angebot entspricht und dass 2) der Verkaufspreis der Produkte dem Selbstkostenpreis des Produzenten entspricht. Existierte diese doppelte Gleichheit nicht, dann muss, damit die erste Gleichheit erreicht wird, entweder der Preis der Produktionsfaktoren oder der Produkte steigen, deren effektive Nachfrage das effektive Angebot übersteigt oder der Preis jener, deren effektives Angebot höher ist als die effektive Nachfrage sinken. Um die zweite zu erreichen, bedarf es einer Erhöhung in der MENGE der Produkte, deren Verkaufspreis höher ist als der Selbstkostenpreis und eine Verringerung der MENGE jener, deren Selbstkostenpreis höher ist als der Verkaufspreis.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 43° LEÇON, Résolution des équations de la production. Marché des services producteurs

Das muss man jetzt mal auseinandernehmen, denn auf einmal kommt es auch zu einer Mengenanpassung. Er geht also davon aus, dass es mehrere Produktionfaktoren gibt die ja irgendwie entlohnt werden, also Arbeiter mit Löhnen, Roh-, Hilf- und Betriebstoffe, Miete, Abschreibungen etc. mit Zinsen auf Kapital. Die Entlohnung erfolgt mit irgendeinem Produkt, das als Zahlungsmittel dient, im Zweifelsfalle mit Geld. Die Produktionfaktoren erhalten also ein Zahlungsmittel und kaufen mit diesem Zahlungsmittel die Waren, die eben mit diesen Produktionsmittel produziert wurden. Ein Gleichgewicht ist dann unter zwei Bedingungen erfüllt.

1) Wenn das Angebot der jeweiligen Produktionsfaktoren / Waren der Nachfrage nach den jeweiligen Produktionsfaktoren / Waren     entspricht.
2) Wenn der Verkaufspreis der Produkte den Herstellungskosten entspricht.

Ist die Bedingung 1) und 2) nicht erfüllt, so werden unterschiedliche Prozesse ausgelöst.

Bei 1) wird das Marktgleichgewicht über eine Preisanpassung herbeigeführt. Übersteigt die effektive Nachfrage nach einem Produkt das effektive Angebot, dann muss entweder der Preis der Produktionsfaktoren, die zur Herstellung dieses Gutes nötig sind steigen oder der Preis des Gutes selbst, wobei ein Anstieg der Produktionsfaktoren einen Anstieg des Preises, der mit diesen Produktionsfaktoren hergestellten Güter zur Folge hätte. Umgekehrt umgekehrt. Übersteigt das effektive Angebot die effektive Nachfrage nach einem Gut, dann müssen entweder die Preise der Produktionsfaktoren die zur Herstellung dieses Gutes verwendet werden sinken oder eben die Preise dieser Güter selbst.

bei 2) Liegt der Verkaufspreis unterhalb des Selbstkostenpreises, dann macht ein Unternehmen naheliegenderweise Verlust. In dieser Situation soll, damit 2) wieder erfüllt ist, die MENGE eingeschränkt werden. Liegt der Verkaufspreis über dem Selbstkostenpreis, muss die MENGE ausgedehnt werden. Liegt der Verkaufspreis unter dem Selbstkostenpreis, muss die MENGE verringert werden. Das wiederum bedeutet, dass die Preise der Produktionsfaktoren bei Léon Walras schlicht fix sind, eine Anpassung also über die Menge erfolgt, nicht über den Preis. Und genau so sieht er das.

Et qui est-ce qui détermine le taux des salaires, comme celui des fermages et des intérêts? C'est, en dernière analyse, quoi qu'en dise Mill , le prix des objets dans la confection desquels entrent le travail , la rente et le profit, c'est-à-dire le concours des consommateurs sur le marché des produits et non celui des entrepreneurs sur le marché des services producteurs. Il est bien vrai que les ser- vices producteurs s'achètent sur le marché de ces services; mais il ne l'est pas moins que leur prix se détermine sur le marché des produits. Mais nous n'avons pas à refaire ici notre théorie de la détermination du prix des services producteurs, et il suffit que nous ayons montré ce que vaut la théorie anglaise du sa- laire. Und wer legt die Höhe der Löhne, der Pachten und der Zinsen fest? Egal was Mill sagt, es ist in letzter Konsequenz der Preis der Güter, zu deren Herstellung die Arbeit, die Rente und der Profit eingesetzt wird, anders gesagt, es ist der Wettbewerb der Konsumenten auf den Märkten und nicht der Unternehmer auf dem Markt für Produktionsfaktoren. Es stimmt, dass die Produktionsfaktoren auf dem Markt für diese Faktoren eingekauft werden. Doch genau so richtig ist, dass ihr Preis auf dem Markt für Produkte determiniert wird. Doch wir müssen hier nicht noch Mal unsere Theorie über die Bestimmung der Preise für Produktionsfaktoren herleiten. Es reicht, dass wir gezeigt haben, was die englische Theorie wert ist.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 57° LEÇON, Exposition et réfutation de la théorie anglaise du salaire.

Mit "englischer Theorie" meint er John Stuart Mill. William Stanley Jevons nennt er zwar auch ab und an, aber hier gerade nicht. Alfred Marshall straft er mit Nichbeachtung, eine Einstellung, die auf Gegenseitigkeit beruht. (Walras taucht zwar in den Principles of Economics viermal auf, aber auf seine Theorien wird nicht näher eingegangen.)

Er geht also davon aus, dass die Preise für die Produktionsfaktoren bei einer bestimmten Menge so hoch sind, etwa weil die Präferenzen für Nichtarbeit der Arbeiter so hoch ist, dass die Herstellungskosten den Verkaufspreis übersteigen. Genau genommen geht er also von zwei Situationen aus. Es gibt eine Situation, wo der Verkaufspreis die Herstellungskosten übersteigt. Dann wird eben zu diesem Preis auch tatsächlich alles verkauft werden, was angeboten wird (und die Produktion langfristig ausgedehnt). Allerdings kann die Situation, dass alles, was angeboten wird, auch verkauft wird, auch dann eintreten, wenn die Unternehmer Verlust machen, deshalb braucht er noch die Bedingung zwei. Wobei sich in natura das Problem von alleine lösen würde. Manche Unternehmen würde pleite machen, die Menge würde verringert werden. Bedingung 2) wäre erfüllt und Bedingung 1) kann sich durch Anpassung des Preises erfüllen. Er geht aber davon aus, dass die Unternehmen freiwillig ihre Produktion zurückfahren, bzw. ausdehnen.

Il est à remarquer que les entrepreneurs de (A) sont libres d'éviter cette situation en ne produisant pas lorsque le prix de revient de la marchandise numéraire est supérieur à son prix de vente, c'est- à-dire à l'unité, et les met en perte certaine, et en ne produisant que lorsque le prix de revient est inférieur ou égal à l'unité. Quoi qu'il en soit, et en fin de compte, les entrepreneurs de (A), comme ceux de (B), (C), (D) ... n'ont qu'à développer, comme ils le font, leur production en cas d'excédant du prix de vente sur le prix de revient et à la restreindre en cas d'excédant du prix de revient sur le prix de vente. Dans le premier cas, ils font la hausse du prix des services producteurs, dans le second cas ils en font la baisse , sur le marché de ces services. Dans les deux cas ils tendent à produire l'équilibre. Man muss betonen, dass die Unternehmer aus (A) diese Situation ohne weiteres vermeiden können, indem sie, wenn der Selbskostenpreis höher ist als der Verkaufspreis, also pro Stück, und sie mit Sicherheit Verlust machen, nicht mehr produzieren und die Produktion erst dann wieder aufnehmen, wenn der Selbstkostenpreis niedriger oder gleich ist. Wie dem auch immer sei und abschließend, die Unternehmer aus (A) wie auch die Unternehmer aus (B), (C), (D) ...müssen nur die Produktion ausdehnen, was sie tatsächlich auch tun, wenn der Verkaufspreis den Selbstkostenpreis übersteigt und sie einschränken, wenn der Selbstkostenpreis den Einkaufspreis übersteigt. Im ersten Fall heben sie den Preis für die Produktionsfaktoren an, im zweiten Fall senken sie, auf dem Markt für diese Faktoren, diesen Preis. In beiden fällen bewegen sie sich in Richtung des Gleichgewichts.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 43° LEÇON, Résolution des équations de la production. Marché des services producteurs

Der Autor vermutet eher, dass manche unfreiwillig ausscheiden. Wer genau soll entscheiden, welches Unternehmen um wieviel die Produktion zurückfahren muss, um das Gleichgewicht wieder herzustellen?

Mit der Einbeziehung der Produktionsfaktoren hat er sich auf jeden Fall mal vom reinen Tauschmarkt gelöst. Der Anpassungsprozess vollzieht sich über mehrere Perioden, so dass er eigentlich, da er ja ein Fan der mathematischen Modellierung ist, zu Differenzengleichungen übergehen müsste. Das würde zwar nichts bringen, wäre aber konsequent.

Genau genommen, ist seine Analyse aber auch falsch, weil sie eben dynamische Prozesse nicht berücksichtigen kann. De facto ist seine Trennung in zwei Bereiche, einen Bereich, wo der Verkaufspreis über dem Selbstkostenpreis liegt und die Anpassung alleine über den Preis erfolgt und einen anderen Bereich, wo der Selbstkostenpreis unter dem Verkaufspreis liegt und es zu einer Mengenanpassung kommt Unsinn.

In der Realität wird es in beiden Situationen sowohl eine Mengenanpassung geben wie eine Preisanpassung. Liegt der Preis über dem Gleichgewichtspreis, werden die Unternehmen weniger anbieten, der Preis wird sinken und der sinkende Preis wird die Nachfrage erhöhen, so dass es zu einer Mengen- wie auch Preisanpassung hin zum Gleichgewicht kommt. Liegt der Preis unter dem Gleichgewichtspreis, dann werden die Unternehmen ihr Angebot erhöhen, der Preis wird steigen, was wiederum die Nachfrage verringert. Auch in diesem Fall haben wir eine Bewegung in Richtung des Gleichgewichtspreis durch eine Mengen und eine Preisreaktion. Die Analyse von Walras widerspricht jeder empirischen Erfahrung und ist schlicht falsch.

Es gibt keinen einzigen Grund, mit dem man erklären kann, warum die Reaktionen bei einem Selbstkostenpreis unter Verkaufspreis anders sein sollen, als bei einem Verkaufspreis über Selbstkostenpreis. In beiden Fällen werden die Unternehmen das Gewinnmaximum anstreben. In beiden Fällen erfolgt über eine Mengen- UND eine Preisänderung eine Bewegung in Richtung des Gleichgewichtspreises.

Wir haben hier also ein relativ plastisches Beispiel, dass der ganze Hokuspokus mit mathematischen Modellierung zu einem kompletten Schwachsinn führen kann. Diesen Abschnitt ihres Idols sollte sich die dozierende Ökokaste mal übers Bett hängen und lange und gründlich darüber nachdenken. Denn es ist derselbe Blödsinn, den sie selber Tag täglich erzählen.

Quelques personnes se demanderont peut-être s'il était bien nécessaire, si même il n'était pas plus nuisible qu'utile, de pré- senter sous la forme mathématique une doctrine qui peut sem- bler par elle-même assez simple et assez claire. Ma réponse à cette question sera la suivante. Affirmer une théorie est une chose ; la démontrer en est une autre. Je sais qu'en économie politique on donne et reçoit tous les jours de prétendues démonstrations qui ne sont rien autre chose que des affirmations gratuites. Mais, précisément, je pense que l'économie politique ne sera une science que le jour où elle s'astreindra à démontrer ce qu'elle s'est à peu près bornée jus- qu'ici à affirmer gratuitement. Or, pour démontrer que des prix de marchandises , qui sont des quantités , à savoir les quantités de numéraire susceptibles de s'échanger contre ces marchandi- ses, résultent effectivement de telles ou telles données ou condi- tions, il est absolument indispensable à mon sens de formuler d'abord, d'après ces données ou conditions, un système d'équa- tions, en nombre rigoureusement égal à celui des inconnues, dont les quantités en question soient les racines, et d'établir ensuite que l'enchaînement des phénomènes de la réalité consti- tue bien la résolution empirique de ce système d'équations. C'est ce que j'ai fait en ce qui concernait successivement l'échange, la production et la capitalisation. Et non-seulement l'emploi du langage et de la méthode mathématiques m'a permis de démon- trer ainsi les lois d'établissement des prix courants d'équilibre, mais elle m' a permis de démontrer, en outre, les lois de varia- tion de ces prix, d'analyser le fait et, par cela même, d'asseoir le principe de la libre concurrence. Einige fragen sich vielleicht, ob es nötig war, oder sogar ob es nicht eher schädlich als nützlich war, eine so einfach erscheinende Theorie in mathematischer Form zu repräsentieren. Ich werde hierauf im Folgenden antworten. Eine Theorie zu behaupten ist eine Sache, diese zu beweisen eine andere. Ich weiß, dass man in der Ökonomie jeden Tag irgendwelche sogenannten Beweise gibt und empfängt, die nichts anderes sind, als unfundierte Behauptungen. Ich denke jedoch, dass die Ökonomie erst dann eine Wissenschaft sein wird, wenn sie sich verpflichtet zuzugeben, dass sie sich bis heute darauf beschränkt hat, irgendwas zu behaupten. Um zum Beispiel zu zeigen, dass die Preise der Waren, die eigentlich Mengen sind, also Mengen an Zahlungsmittel, die gegen Waren eingetauscht werden können, tatsächlich ursächlich mit diesem und jenem zusammenhängen, ist es meiner Meinung nach unumgänglich, aufgrund dieser Tatsachen oder Bedingungen ein System von Gleichungen zu formulieren, das genau so viele Gleichungen hat, wie es Unbekannte hat, wo also die gesuchten Mengen die Wurzeln sind und dann zu zeigen, dass die Phänomene der Wirklichkeit, sich aus der Auflösung dieses Gleichungssystems ergeben. Das ist das, was ich in Bezug auf den Tausch, dann in Bezug auf die Produktion und dann in Bezug auf die Finanzierung gemacht habe. Und die Verwendung und der Sprache der Mathematik hat es mir nicht nur erlaubt, die Gesetze zu zeigen, nach denen sich die Preise bei freiem Wettbwerb bilden, sondern auch die Variationen dieser Preise zu zeigen und dadurch auch das Prinzip des Wettbwerbs.

Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 58° LEÇON, exposition et réfutation de la théorie anglaise de l'intérêt

Nun haben wir aber gerade erlebt, dass der ganze mathematische Hokuspokus zu ganz offensichtlich falschen Ergebnissen führt, während Alfred Marshall schnörkellos die Dinge richtig auf den Punkt bringt und nebenbei noch Instrumente schafft, die tatsächlich für die Analyse eingesetzt werden können und eingesetzt werden, während das ganze Walras Geschwurbel nichts bringt.

Léon Walras ist lediglich seit 150 Jahren Gegenstand akademischer Lehre, im Übrigen ist das Geschwurbel aber irrelevant.

Wir haben bei Walras dasselbe unreflektierte Geschwurbel wie bei seinen Adepten. Formalisierte Sprachen wie die Mathematik sind nicht a priori weniger fehleranfällig als natürliche Sprachen. Das sehen wir hier deutlichst. Der Anpassungsprozess erfolgt immer über eine Anpassung des Preises UND der Menge. Zumindest solange das Angebot und die Nachfrage nicht vollkommen elastisch bzw. vollkommen unelastisch sind.


Wofür er also ein paar 100 Seiten pseudowissenschaftliches Geschwurbel mit mathematischer Modellierung braucht, braucht man eigentlich nur zwei Sätze. Wobei in den zwei Sätzen der Vorgang richtig beschrieben wird und er auf paar Hundert Seiten völligen Murks produziert.

Auch Programmiersprachen, die formal noch viel strenger sind als die Mathematik, garantieren keine korrekte Abbildung von Prozessen, was jeder weiß, der länger programmiert hat. Programme führen zwar tatsächlich immer das aus, was sie sollen, aber das ist nicht unbedingt das, was man will.

Der entscheidende Punkt ist nicht die Art der Darstellung an sich. Entscheidend ist, ob und wie sich die Übereinstimmung einer Vorstellung von der Realität tatsächlich überprüfen lässt und der Fortschritt der Informatik beruht eben genau darauf. Ob ein Programm das tut, was der Schöpfer desselben sich vorgestellt hat, lässt sich sehr leicht überprüfen, man tippt es in den Rechner und startet es. Tut es nicht das, was es eigentlich soll, dann lässt es sich leicht verändern und wieder testen. Will man komplexe Prozesse simulieren, wäre eine Modellierung in einer Computersprache, insbesondere wenn es sich um Prozesse handelt, der sinnvollere Ansatz. Die mathematische Modellierung allein, ohne dass die Aussagekräftigkeit des Modells an der Realität getestet werden kann, ist genau so präzise oder unpräzise wie eine rein verbale Darstellung. Er beweißt auch an keiner Stelle, auch hier ähnelt er der dozierenden Ökokaste, dass die mathematische Modellierung effizienter ist. Die wissenschaftheoretischen Grundlagen dieser Behauptung wären offen zu legen, siehe Präliminarien. Er zeigt allerdings, dass die mathematische Modellierung auch dazu führt, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Denn im Ergebnis, ist das, was er schreibt, schlicht Schwachsinn.

Er polemisiert, und das reichlich dümmlich.

Tels sont les dangers de la méthode littéraire substituée à la méthode scientifique. Dies sind die Gefahren der literarischen Methode, wenn diese anstatt der wissenschaftlichen Methode verwendet wird.

aus: Léon Walras, Elements d' economie politique pure ou theorie de la richesse, 44° LEÇON, Du principe de la libre concurrence

Er verwechselt hier wissenschaftlich mit mathematisch, genau genommen mit Algebra. Nach seiner Logik spielt es also überhaupt keine Rolle, ob eine Theorie falsifizierbar formuliert ist oder nicht und in seiner Welt spielt es wohl offensichtlich gar keine Rolle, dass seine Theorie der Realität ganz offensichtlich widerspricht. Der gleichgewichtige Preis ergibt sich bei dynamischen Märkte immer durch eine Anpassung des Preises UND der Menge. Bei reinen Tauschmärkten, wo die Menge also gegeben ist, erfolgt die Anpassung naheliegenderweise durch den Preis, da eine Mengenanpassung nicht erfolgen kann. Sein Modell beschreibt lediglich einen Spezialfall und diesen auch noch falsch.

Die Tatsache, dass sein Modell offensichtlich falsch ist, wäre im Übrigen harmlos, wenn es Elemente enthielte, die tatsächlich neu sind. Hierzu bemerkt er aber selbst, siehe oben.

Einige fragen sich vielleicht, ob es nötig war, oder sogar ob es nicht eher schädlich als nützlich war, eine so einfach erscheinende Theorie in mathematischer Form zu repräsentieren.

Schädlich, nuisible, ist der falsche Ausdruck. Richtiger wäre dämlich, wobei dämlich sich auf sein ganzes, auch für die heutige Ökokaste typisches, Vorgehen bezieht. Er bemerkt vollkommen richtig, dass er im Grunde, lediglich ein paar Binsen erzählt, die aber auch nur unter seinen speziellen Annahmen zutreffen. Kann eine Mengenanpassung nicht erfolgen, weil bei einem reinen Tauschmarkt die Menge sich nun mal nicht verändern kann, dann kann die Markträumung nur über den Preis erfolgen, wobei das Tauschverhältnis durch den Nutzen determiniert wird.

Werden Karotten gegen Kartoffeln getauscht, dann ist das Tauschverhältnis 1 zu 1, wenn eine Karotte soviel Nutzen stiftet wie eine Kartoffel, 3 zu 1 wenn eine Kartoffel 3 Mal soviel Nutzen stiftet, wie eine Karotte. Im einen Fall gibt es für eine Karotte eine Kartoffel und im anderen Fall gibt es für 3 Karotten eine Kartoffel. Für so einen Schwachsinn braucht man kein mathematisches Gleichungssystem.

Die mathematische Modellierung bringt hier schlicht nichts und ist nicht schädlich, sondern einfach nur dämlich. Wie bereits beschrieben, siehe Präliminarien, kann die VWL nur dann relevant sein, wenn ihre Erkenntnisse vermittelbar sind. Von daher gilt für die VWL, was Larry Wall, der Erfinder von Perl, über Programmiersprachen sagt: Make easy things easy and difficult things possible. Wenn es etwas Relevantes und Wichtiges zu berichten gibt, dann ist das so klar und einfach wie möglich darzustellen und immer an Wittgenstein denken: "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen."

Kann die dozierende Ökokaste einen Studiengang nur dann ausfüllen, wenn sie sich üppig mit Geschwurbel beschäftigt, dann soll sie mal über Inhalte nachdenken und sich das Geschwurbel an den Arsch nageln.

Die Anwendung der ceteris paribus Klausel, also die Betrachtung eines kleinen Ausschnitts der Realität und die Fixierung aller anderen relevanten Parameter auf einen festen Wert ist eine Sache. Zwar kann man auch so Theorien gegen die Realität immunisieren, aber im Einzelfall mag das, hat man das Problem, wie Alfred Marshall, noch im Blick, sinnvoll sein.

Etwas ganz anderes ist es aber, eine Parallelwelt zu schaffen, die mit der Realität gar nichts mehr zu tun. Es ist nicht nur so, dass er von einem sehr speziellen Markt, nämlich der Börse, ausgeht und diesen speziellen Markt für typisch erklärt. Er geht noch weiter. Denn sein Tauschmarkt ist so speziell, direkter Tausch von GÜTERN, wobei er ein Gut als Zahlungsmittel definiert, dass dieser Tauschmarkt, ohnehin ein exotischer Fall, endgültig eine Konstruktion aus einer Parallelwelt ist. Theorien, die sich auf eine Parallelwelt beziehen, können prinzipiell nicht falsifiziert werden.

Die literarische Methode, méthode littéraire, ist reine Polemik, so was gibt es nicht. im Übrigen, das sei den VWL Fuzzis mal ins Stammbuch geschrieben, ein literischer Text wirkt eben gerade nicht durch die Sprache, er wirkt durch die Zertrümmerung der Sprache, die er neu erschafft. Man braucht die "literarischen" Ergüsse von Léon Walras, er wollte ja mal Schriftsteller werden, nicht mal gelesen zu haben, um zu wissen, warum sich der Krempel nicht verkauft hat.

Was er meint, ist eine rein verbale Darstellung. Er unterstellt, dass eine rein verbale Darstellung in puncto Präzision einer mathematischen Darstellung immer unterlegen ist, leider liefert er für diese These keine Argumente und die These erscheint auch nicht besonders plausibel, denn de facto können Menschen, wenn auch nicht alle, sich verbal äußert präzise ausdrücken und zwar so präzise, dass auch falsifizierbare Thesen aufgestellt werden können.

Praktisch alle wissenschaftlichen Beiträge im Bereich Molekularbiologie, auch die in den renommiertesten Zeitschriften wie Nature, Cells etc. sind rein verbal. Mag sein, dass die VWL Fuzzis das nicht wissenschaftlich finden, das wird aber die weltweite Spitzenforschung nicht interessieren.

Wenn man sich allerdings mit den Möglichkeiten verbaler Kommunikation auseinandersetzt, dann müsste man sich ganz grundlegend mit der Beziehung zwischen Denken und Sprache beschäftigen. Die Sprache ist so fehleranfällig, wie das Denken, das unsprachlich und in weiten Assoziationsräumen durchgeführt wird, selbst. Entscheidend für die Kontrolle ist die Möglichkeit, die Resultate des Denkens einem Test zu unterziehen.

Diesbezüglich gibt es zwischen der mathematischen Modellierung und einer verbalen Darstellung überhaupt keinen Unterschied, allerdings ist die verbale Darstellung, das heißt das mühelose Herstellen von Querverbindungen, der Abgleich mit realen Situationen, die Fähigkeit zur Abstraktion, die Fähigkeit des Denkens das Denken kritisch zu beobachten etc. wesentlich dichter am Denken und kann diesem in seiner heuristischen, assoziativen Vorgehensweise leichter folgen, als formalisierte Sprachen. Wäre dem nicht so, dann wäre die Sprache in den letzten 20 000 Jahren mit Sicherheit durch irgend etwas Leistungsfähigeres ersetzt worden.

Den Wahrheitsbeweiß tritt eine Theorie im Übrigen auch dadurch an, dass Euro oder Dollars, also irgendeine harte Währung und nicht ein beliebiges Gut, das als Zahlungsmittel fungiert, auf dem Bankkonto landen, zu Deutsch, dadurch, dass beruflich verwertbares Wissen produziert wird.

Die Jungs und Mädels von der dozierenden Ökokaste scheinen sich in pseudowissenschaftlicher Geblubbere zu flüchten, weil sie in dieser harten Währung nicht liefern können. Der oft zu findende Hinweis, dass in dieser harten Währung auch nicht gerechnet werden darf, weil man ja Wissenschaft betreibt, wäre stichhaltiger, wenn man auch in harter Währung liefern kann. Andernfalls ist es eine Ausrede.

Nur wer auch in harter Währung liefern kann, hat einen Freiheitsgrad. Bei der Ökokaste ist es schlicht Flucht. Sie kann nicht liefern.

Léon Walras dient hier kaum als Vorbild. Beruflich gescheitert, hat er sich an die Uni nach Lausanne verkrochen, weil das mit seinen Romanen auch nichts wurde. So Typen muss der Steuerzahler nicht durchfüttern. Haben die Jungs und Mädels keine klare Vorstellung davon, wie man Wirtschaft so betreibt, dass auch mit harter Währung bezahlt werden kann, dann ist es besser, man sucht sich qualifiziertes Personal. Die Jungs und Mädels bekommen ein ordentliches Gehalt, in harter Währung, und dafür müssen sie in harter Währung liefern.

Dann stellt sich noch eine ganz grundlegende Frage. Léon Walras taucht irgendwo in jedem akademischen Lehrbuch auf und jedes Lehrbuch gibt vor, in korrekt wiederzugeben. Man müsste also vermuten, da er millionenfach zitiert wird, dass die Elements d'Economie pure tatsächlich im Buchhandel erhältlich sind, bzw. in jeder Fachbibliothek stehen. Genau das ist aber nicht der Fall. Die einzige Ausgabe, die der Autor gefunden hat, ist ein Scan eines Exemplars, das sich irgendwo in der University of Michigan findet, wobei dieses Exemplar auch die Zeichnungen, auf die sich der Text bezieht, nicht enthält. Wer sich berufen fühlt, kann es widerlegen, aber der Autor vermutet, dass niemand, der Walras zitiert, diesen auch tatsächlich gelesen hat.

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE

Léon Walras und die Analyse irrelevanter Märkte

León Walras untersucht ausschließlich, wie auch Pareto, Tauschmärkte und die von ihm beschriebenen Anpassungsmechanismen, allein über den Preis, gelten nur für Tauschmärkte.

Die Analyse von Tauschmärkten vernachlässigt die langfristigen Mengenanpassungen.

 

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