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1.3.3 Unternehmer

Einen Unternehmer im eigentlichen Sinn gibt es weder bei David Ricardo, noch bei Karl Marx noch in der akademischen Volkswirtschaftslehre. Das heißt, die Hauptrolle der marktwirtschaftlichen Ordnung ist in der gesamten Volkswirtschaftslehre nicht besetzt. Bildung, unternehmerische Persönlichkeiten, technischer Fortschritt ist irgendwo in einer abstrakten Variablen, wenn überhaupt, versteckt. Was es in der Geschichtswissenschaft zu viel gibt, gibt es in der VWL eindeutig zu wenig.

Die Geschichtswissenschaft konzentriert sich auf das Agieren von Personen und beschäftigt sich ganz überwiegend damit, deren Motive zu erforschen, obwohl das eine für den Gang der Geschichte so bedeutungslos ist wie das andere.

Die Analyse der handelnden Personen ist belletristisch interessant, der Wallenstein von Golo Mann ein spannendes Buch, auf die Geschichte haben die handelnden Personen aber kaum einen Einfluss.

Diese ist fast vollständig determiniert durch die wirtschaftliche Entwicklung und den technischen Fortschritt. Hätten die Azteken über Maschinengewehre verfügt, wäre die Amtssprache in Mexiko heute nicht Spanisch sondern Nahuatl. Hätte die Amerikaner früher über die Atombombe verfügt, wären nicht 25 Millionen Menschen ermordet worden. Man hätte Berlin platt gemacht, aber dann wäre wieder Ruhe eingekehrt.

Der Erkenntnisgewinn der Geschichte ist gering. Aus einer spzifischen Situation als Resultat kontingenter Ereignisse lassen sich keine allgemeinen Schlüsse ziehen.

Am anderen Ende haben wir die VWL. Diese beschreibt Wirtschaft, und teilweise eben auch den Gang der Weltgeschichte, als gesetzesmäßig sich vollziehende Prozesse und meint den Gipfel der Wissenschaftlichkeit erreicht zu haben, wenn sie diese Gesetze mathematisch formuliert. Sie will also mit dem gleichen Instrumentarium arbeiten, wie die Physik, die tatsächlich keine Individuen kennt.

Der Zins bringt Sparen und Investieren in der Neoklassik mit derselben Sicherheit in Übereinstimmung, wie die Gravitationskraft die Erde um die Sonne kreisen lässt. Das Problem ist, dass der Zins, den die Investoren bereit sind zu zahlen, ein Effekt ist, aber keine Ursache. Dass Investoren bereit und in der Lage sind, bei rentablen Investitionen einen hohen Zins zu bezahlen ist richtig, aber irrelevant. Uns interessiert, wie man die Innovationskraft steigert, damit solche rentablen Investitionen realisiert werden.

Vereinfacht. Die Leute sparen nicht mehr, wenn der Zins hoch ist, sondern sie sparen mehr, weil es rentable, innovative Projekte gibt. Der Zins ist ein Effekt, aber nicht die Ursache. Mit Effekten brauchen wir uns nicht beschäftigen.

Wenn man weiß, dass Kapital immer dann zur Verfügung gestellt wird, wenn irgendjemand eine Idee hat, die es ermöglicht, den Kredit auch zurückzuzahlen, siehe Jean Baptiste Say bzw. Joseph Schumpeter, bzw. in a more sophisticated version Keynes, dann ist nicht die Frage nach der Zinshöhe interessant, sondern die Frage, wie man Ideen generiert.

Für den außerhalb des universitären Bereichs Stehenden, mögen die Ausführungen von Jean Baptiste Say trivial klingen, denn der Witz der marktwirtschaftlichen Ordnung besteht eben gerade darin, dass jeder die Idee spontan versteht, aber für die akademische Ökokaste ist die Erkenntnis, dass es Individuen gibt und diese die Wirtschaft prägen, schlicht revolutionär.

Quel entrepreneur, en effet, pourrait, d'une manière suivie, consentir à payer un intérêt, s'il ne trouvait pas dans le prix auquel il vend ses produits, un profit qui l'indemnise tout au moins du loyer que son capital lui coûte ? Et lorsqu'il est propriétaire de son capital, si, en faisant valoir par lui-même ce capital, il rien tirait rien au-delà du salaire de ses peines, n'est-il pas évident qu'il préférerait le prêter pour en tirer un intérêt, et qu'il louerait séparément ses talents et sa capacité pour en recevoir un salaire?

Welcher Unternehmer könnte tatsächlich, andauernd, einen Zins bezahlen, wenn er nicht durch den Preis, zu dem er seine Produkte verkauft, für das Ausleihen seines Kapitals entschädigt würde? Und wenn er Besitzer dieses Kapitals ist, wenn er es also selber nutzt, er außer dem Lohn für seine Bemühungen nichts bekommen würde, ist es dann nicht offensichtlich, dass er es vorziehen würde, es gegen Zins zu verleihen und seine Talente und seine Fähigkeiten gesondert für einen Lohn nutzen würde?

Für Say gibt es also außer Bodenrente, Lohn und Zins noch eine Einkunftsart mehr: Den Unternehmerlohn. Diese Ansicht ist heute Standard, denn auch das Einkommensgesetz trennt zwischen gewerblichen Einkünften und Kapitalerträgen. Steigt man jetzt hinab in die Niederungen der schnöden Praxis, wird es natürlich kompliziert. Die Abgeltungssteuer, die auf Kapitalerträge, Erträge aus Wertpapieren, Aktien, Gewinnen aus sonstigen Unternehmensanteilen erhoben werden, beträgt 25 Prozent. Einkommen aus gewerblicher / selbstständiger Tätigkeit werden im Rahmen des Einkommenssteuergesetz nach dem persönlichen Steuertarif versteuert.

Das heißt zu Deutsch, arbeitet der Unternehmer mit seinem eigenen Vermögen, wird es anders versteuert, wie wenn er es schlicht zur Bank bringt. Geht man davon aus, dass Einkommen aus Arbeit geringer zu besteuern ist, als Kapitalerträge und das tendenziell höhere Risiko des Gewerbetriebes zur berücksichtigen ist, dann ist die Abgeltungssteuer problematisch.

Man kann sich fragen, ob ein Steuersystem, dass die Risikobereitschaft sanktioniert, mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung vereinbar ist. Marktwirtschaft ohne Risiko ist so ähnlich wie Bergsteigen mit einem Aufzug. Der Unternehmer, der mit einer hochinnovativen Idee scheitert, hat mehr für die Gesellschaft geleistet, als der Beamtenfuzzi, der von der Risikobereitschaft anderer Leute lebt.

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Infos und Anmerkungen:

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Die Unternehmer

Die quantité n'est pas négligeable der Volkswirtschaftlehre

Es gibt in der akademischen Volkswirtschaftlehre keine Unternehmer. Die Hauptrolle der Marktwirtschaft ist nicht besetzt. Einen Unternehmer gibt es nur bei Jean Baptiste Say und Joseph Schumpeter.

Der Unternehmer, wie auch Kreativität, sperrt sich gegen die mathematische Modellierung, deshalb wird er schlicht eliminiert.

In dem Versuch, Wirtschaftsprozesse gesetzesmäßig und möglichst mathematisch modelliert darzustellen, ähnelt die Neoklassik ihrem Gegenspieler, dem Marxismus.

Zentrale Momente marktwirtschaftlicher Ordnungen verneinen beide.

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