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1.3.6 Sparen

Jean Baptiste Say schließt mit dem Sayschen Gesetz eine Lücke im klassischen und neoklassischen System, die man allerdings so gar nicht hätte schließen müssen, weil schon der Theorieansatz falsch ist.

In der klassischen Theorie kann es zu einer Unterkonsumtion aus mehreren Gründen nicht kommen. Erstens weil wir es sowieso mit einem reinen Anbietermarkt zu tun haben und folglich jede Nachfrage abgesaugt wird. Die Arbeitslosen sterben weg und sind folglich nicht mehr arbeitslos. Das ist die Version David Ricardo.

Zweitens Sparen und Investieren wird über den Zins ausgeglichen. Bei Null Zinsen würde z.B. gar nicht mehr gespart und alles konsumiert. Die Variante Geld horten, etwa in Goldform, um so für Kalamitäten der Zukunft gesichert zu sein, ist in der Klassik nicht vorgesehen. Eine Unterkonsumtion, ein Angebot, das die Nachfrage übersteigt, ist von daher ausgeschlossen. Das Angebot wird immer durch eine Nachfrage nach Konsum- oder Investitionsgütern abgesaugt.

(Wobei aber weitgehend ungeklärt bleibt, ob das Angebot zur Vollbeschäftigung führt. Diese Frage ist aber irrelevant, weil die Arbeitslosen eh wegsterben.)

Bei Adam Smith kann Arbeitslosigkeit eigentlich nur dadurch entstehen, dass zuwenig "gespart" wurde, um mit dem Geld mehr Leute einzustellen. Vom Ergebnis her ist das aber das gleiche wie bei Ricardo. Aus Mangel an Kapital sterben die Arbeitslosen, so dass das Problem mit der Arbeitslosigkeit auch hier gelöst wird.


Say argumentiert, siehe unten, ein bisschen anders. Die Argumentation ist nicht völlig falsch, aber löst das Problem mit der möglichen Unterkonsumtion nicht. Das Saysche Gesetz besagt, dass jeder nur soviel arbeiten wird, wie er anschließend vorhat entweder zu konsumieren oder zu sparen. Da also jeder nur den Warenkorb produziert, den er auch, monetär betrachtet, vorhat einzukaufen bzw. jemandem zu leihen, kann es keine Unterkonsumtion geben. Allerdings garantiert das Gesetz lediglich, dass alles, was produziert wird auch abgesetzt wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass alle die arbeiten wollen, bzw. müssen, auch Arbeit finden. Wir landen also wieder bei der oben genannten Version.

Wie so oft ist auch das berühmte Saysche Gesetz, das in jedem Lehrbuch der Volkswirtschaftlehre steht, im Orginal lediglich eine Nebenbemerkung.

Es ist ein merkwürdiger Zusammenhang, dass öfter mal gar keine Diskussion stattfindet, sondern Meinungen schlicht beharrlich ignoriert werden. David Ricardo zum Beispiel kannte Jean Baptiste Say, ihn persönlich und auch seine Schriften, allerdings diskutiert er dessen unterschiedliche Auffassung bezüglich des Sparens schlicht gar nicht. Die Unterschiede zwischen David Ricardo und Jean Baptiste Say bezüglich Sparen beziehen sich auf vier Zusammenhänge.

  1. Jean Baptiste Say spricht, meistens, schlicht von Sparen, David Ricardo von Akkumulation. Das ist nicht 100 prozentig das Gleiche. Die Akkumulation beinhaltet, stärker als der Begriff Sparen, dass etwas vermehrt wird.
  2. Jean Baptiste Say lässt offen, woraus sich das Sparen ergibt. Bei David Ricardo und bei Karl Marx ist es der den Arbeitern abgepresste Mehrwert.
  3. Bei Jean Baptiste Say finden wir bereits die, grundfalsche, Logik I = S, also die Idee, dass sich die Sparsumme über den Zins den Investitionen anpasst. (Das ist die klassische Variante. Es kommt zu einer ex ante, also einer geplanten Übereinstimmung. Tatsächlich gilt die Gleichung nur ex post.)
  4. Bei Jean Baptiste Say sinken die Renditen auf Kapital, wenn davon reichlich vorhanden ist. Bei Ricardo sinken sie, weil ein immer größerer Teil in die Grundrente wandert. Das hängt letztlich damit zusammen, dass die Nachfrage bei Say eine Rolle spielt, bei Ricardo nicht. Spielt die Nachfrage eine Rolle, dann verliert ein Gut mit zunehmender Ausbringung seinen Wert, weil eine größere Menge aufgrund des abnehmenden Grenznutzens, bzw. durch die Konkurrenz alternativer Konsumtionsmöglichkeiten, nur noch zu einem niedrigeren Preis abgesetzt werden kann.

Si les profits des capitaux baissent à mesure qu'ils deviennent plus abondants, on peut se demander si, dans un pays éminemment industrieux et économe, les capitaux pourraient se multiplier au point que leurs profits se réduisissent à rien. Il est difficile de croire ce cas possible ; car plus les profits capitaux diminuent, et plus diminuent aussi les motifs qui portent les hommes à l'épargne. Il est évident que l'homme qui pourrait épargner une somme sur ses revenus la dépensera, si cette somme devient incapable d'être employée avec profit ; car après tout elle renferme en elle une source de jouissances, et il y a des jouissances inépuisables, comme celles qui prennent leur source dans des actes de bienfaisance et de munificence publiques. C'est aussi dans les pays industrieux et économes que de tels actes sont les plus fréquents. Wenn die Profite auf das Kapital in dem Maße sinken, wie dieses zunimmt, kann man sich fragen, ob sich in einem hoch industrialisierten und entwickelten Land das Kapital derart vermehren kann, dass die Profite gegen null tendieren. Es ist schwer zu glauben, dass dies möglich ist, denn je mehr sich die Profite auf das Kapital verringern, desto mehr sinkt auch die Neigung der Menschen, zu sparen. Es ist offensichtlich, dass ein Mensch, der eine bestimmte Summe sparen könnte, diese ausgeben wird, wenn diese Summe nicht mehr mit Profit angelegt werden könnte. Denn schließlich beinhaltet diese ja eine Quelle des Genusses und es gibt Genüsse, die sich nie erschöpfen, wie die, die auf wohltätigen Werken und Spenden für das Allgemeinwohl beruhen. Deshalb ist es gerade in den hoch industrialisierten und wirtschaftlich weit entwickeltsten Ländern, wo wir solche am häufigsten finden.

Seine Logik: Er sieht das Problem, dass die monetär bewerteten Grenzerträge sinken.

(Ein Problem, das auch Keynes sieht, auch wenn dieser den umgekehrten Schluss zieht. Liegt der Zinssatz, der sich am GELDMARKT bildet über dem monetär bewerteten Grenzertrag und herrscht Arbeistslosigkeit, dann muss der Zinssatz solange abgesenkt werden, bis Vollbeschäftigung herrscht. Anders formuliert: Die Ansprüche an die Investition müssen gesenkt werden. Es müssen also auch weniger rentable Investitionen, im Zweifelsfalle eben Investitionen, wo auch geringer Qualifizierte eine Beschäftigung finden, umgesetzt werden können. Nochmal anders formuliert: Der Preis, der für Geld bezahlt wird, ein Gut, das nicht knapp ist, weil es ohne Opfer zur Verfügung steht, muss für die Arbeit bezahlt werden.)

Würden sie aber ewig sinken, so Say, dann wären die Proftite eben irgendwann mal Null. Er geht aber davon aus, dass bei einem sehr geringen Profit die Leute irgendwann mal nicht mehr sparen, sondern ihr Geld schlicht verjuxen. Verjuxen sie es aber, dann vermehrt es sich auch nicht mehr und die Profite bleiben konstant. Es kommt dann aber zu keiner Unterkonsumtion, weil auch dann alles was produziert wird, konsumiert wird.


Die Logik ist nicht mal falsch und in der Tat könnte man sich fragen, warum die marxschen Kapitalisten immer weiter expropriieren. Sie könnten sich ja irgendwann mal einfach des Lebens freuen. Erklären könnte man das damit, dass expropriieren bei Marx ein müheloser Prozess ist, der auch vollkommen ohne Unternehmer funktioniert. Kapital ist bei Marx eine physikalische Größe. Die Realität sieht ein bisschen anders aus. Expropriieren ist eine Scheiß Arbeit und wenn sich das nicht mehr lohnt, dann macht das auch keiner mehr.

Allerdings liegt der Argumentation eine Logik zugrunde, die prinzipiell falsch ist. Man kann Say zugute halten, dass er eine falsche Logik korrekt zu Ende gedacht hat, aber leider ist die ganze Logik falsch.


Es gibt wohl kaum eine These in der Volkswirtschaftslehre, die derartige Schneisen der Verwüstung geschlagen hat, wie die Vorstellung von der ex ante Identität von Sparen und Investieren. Er betrachtet das Problem aus einer Perspektive, aus der man es schlicht nicht betrachten kann. Es ist hoffnungslos, alle Fehler aufzulisten, die in dem kurzen Abschnitt unten stecken. Wir machen das alles gründlich im Kapitel über Keynes. Sparen ergibt sich aus dem Einkommen und hat mit dem Zins nichts zu tun.

Genau genommen ergibt sich sparen innerhalb des Keynesianismus aus dem Einkommen der ZUKUNFT und auf Einkommen der Zukunft, gibt es keine Zinsen. Es ist von daher auch völlig unverständlich, wie die permanente Einkommenshypothese von Milton Friedman die keynesche Theorie modifizieren soll. Ob von einem investitionsabhängigen Einkommen in der Zukunft ein gewisser Teil gespart wird (Keynes) oder von einem investitionsabhängigen permanenten Einkommen in der Zukunft, ist völlig egal. Beide Mal ist die Ersparnis das Ergebnis der Investition. Wenn die permanente Einkommenshypothese zu einer geringeren Ersparnis führt, ist der Multiplikatoreffekt eben entsprechend größer. Auf den Multiplikatoreffekt kommen wir noch zurück, siehe Keynes.

Der Zinssatz bildet sich auf dem Geldmarkt und ist die Schranke der Investitionen. Sparen können die Leute aber auch lassen, dann werden Investitionen qua Kreditschöpfung finanziert.

Er wirft hier ein Problem auf, dass sich irgendwie vielen Leuten intuitiv stellt, welches aber de facto gar nicht vorhanden ist. Erstens ist es völlig egal, ob sich Kapital, er meint hier liquide Mittel, die investiv verwendet werden können, sich vermehrt oder nicht und zweitens hängt Wachstum vom Innovationsgrad ab.

Schafft es jemand, eine App zu programmieren, die den User lokalisiert und zu dem Ort, etwa dem Straßennamen, die sich dort befindlichen Monumente, Hintergrundinformationen zu liefern, über Geschichte, soziale Struktur, bedeutende Ereignisse etc. etc., dann wird er damit auch Geld verdienen, vorausgesetzt er schafft es, die Daten in die App zu marktfähigen Kosten einzubinden. Hat er ein präzise Vorstellung davon, wie er das umsetzt, technisch, vom Marketing her und vom Vertrieb, dann wird er, so lange der Businessplan halbwegs plausibel erscheint, auch Geld bekommen, via Geldschöpfung, via Kredit, das anschließend, bei Tilgung des Kredits auch wieder vernichtet wird.

Die abstrakte "Nachfrage" ist also nie das Problem, allerhöchstens die Innovationskraft. Die Nachfrage nach einem konkreten Produkt ist endlich, im weltweiten Maßstab allerdings meistens ziemlich unendlich. Die Nachfrage allgemein allerdings ist unendlich.

Und die Vermehrung von Kapital, also die Idee, dass Investitionen nur durch Erparnisse finanziert werden können, ist ebenfalls ein Scheinproblem. Richtig an der These ist lediglich, dass die Leute ihr Geld verjuxen werden, wenn es nicht rentabel angelegt werden kann. Genau das ist es ja, was wir gegenwärtig erleben. Da niemand mehr den Finanzmärkten traut, geht das private Sparen, verstanden als nicht-konsumieren von Einnahmen aus der Vergangenheit, zurück.

(Auch wenn es bedauerlicherweise nicht auf Null zurückgeht.)

Das Problem ist, dass es falsch ist, egal ob man es Akkumulation oder Sparen nennt, siehe Zins. Falsch wäre es übrigens auch unter seinen Prämissen. Jedes Kapital kann rentabel investiert werden, wenn sich irgendjemand findet, der eine rentable Idee hat. Aktuell, wir schreiben immer noch das Jahr 2012, besteht mit Sicherheit kein Mangel an Kapital, das können sich die Banken in Amerika für 0,1 Prozent Zinsen bei der FED, in Europa für 0,75 Prozent bei der EZB besorgen. Es besteht aber ein Mangel an Ideen, bzw. die Kaptalsammelstellen sind mit der Identifikation rentabler Investitionen überfordert. Im Übrigen können auch die unendlichen Genüsse über Kredite finanziert werden, was ja ganz konkret passiert ist, was auch kein Problem gewesen wäre, wenn die Konsumentenkredite auch wieder getilgt worden wären. Dann wäre exakt in dem Umfang, wie vorher Geld geschöpft wurde, am anderen Ende wieder Geld vernichtet worden.

Die Begriffe Akkumulation und Sparen verwendet er völlig synomym. Im folgenden Abschnitt spricht er von "accumulation".

Les capitaux de cette sorte se forment, comme tous les autres sans exception, par l'accumulation d'une partie des produits annuels. Il n'y a pas d'autre manière d'avoir des capitaux que de les accumuler soi-même, ou de les tenir de quelqu'un qui les a accumulés. Diese Art von Kapital, wie ohne Ausnahme jede andere auch, wird also durch Akkumulation eines Teils des jährlichen Produktes gebildet. Es gibt keine andere Möglichkeit, Kapital zu bilden, als dieses selbst zu akkumulieren oder es von jemandem zu erhalten, der es akkumuliert hat.

aus: Jean Baptiste Say, Traité d’économie politique II, Chapitre XIII, Des produits immatériels, ou des valeurs qui sont consommées au moment de leur production

Er wirft jetzt zwei Dinge durcheinander. Dass man nur reicher wird, wenn man einen Teil dessen, was man verdient, spart, bzw. wieder produktiv einsetzt und nicht verknuspert, ist eine Sache. Das stimmt sogar noch, wenn das kollektive Sparen aufgrund mangelnder Nachfrage in den wirtschaftlichen Zusammenbruch führt. Alle sind dann zwar ärmer, aber immerhin sind die, die zuerst gespart haben, weniger arm.

In dem Moment aber, wo er davon spricht, dass man Kapital nur von jemandem erhalten kann, der eben selbiges akkumuliert hat, meint er Kredit und das ist was total anderes. Den Kredit braucht überhaupt niemand vorher zu akkumulieren, der Kredit steht volkswirtschaftlich in unbeschränkter Menge zur Verfügung, wenn die Zentralbank bereit ist, Geld zu drucken. Ist die Wirtschaft in der Unterberschäftigung, das ist sie meistens, und kann der Kredit zurückbezahlt werden, wird sie dies auch tun. Es gibt schlicht keinen Mangel an Kredit. Es gibt nur einen Mangel an rentablen Ideen.

Zwischen Akkumulation und Sparen schwankt er hin und her, wobei das eine so falsch ist wie das andere. In nächsten Abschnitt verwendet er dann wieder "épargne" und "épargner". Er hat damit zwar noch nicht auf Adam Smith Niveau, der schafft es im selben Absatz von Kapital, Geld und Gold zu sprechen, was alles die gleiche Funktion hat, aber ziemlich durcheinander geht es schon.

Tout entrepreneur d'industrie, faisant lui-même travailler son capital, trouve avec facilité les moyens d'occuper productivement ses épargnes. S'il est cultivateur, il achète des portions de terre, ou augmente par des bonifications le pouvoir productif de celles qu'il a. S'il est négociant, il achète et revend une plus grande masse de marchandises. Les capitalistes ont à peu près les mêmes moyens ; ils augmentent de tout le montant de leurs épargnes leur capital déjà placé, ou bien ils cherchent de nouveaux placements, pour eux d'autant plus faciles à trouver que, connus pour avoir des fonds à placer, ils reçoivent plus que d'autres des propositions pour l'emploi de leurs épargnes. Mais les propriétaires de terres affermées, et les personnes qui vivent de leurs rentes ou du salaire de leur main-d'oeuvre, n'ont pas la même facilité, et ne peuvent placer utilement un capital qu'autant qu'il se monte à une certaine somme. Beaucoup d'épargnes sont, par cette raison, consommées improductivement, qui auraient pu être consommées reproductivement, et grossir les capitaux particuliers, et par conséquent la somme du capital national. Les caisses et les associations qui se chargent de recevoir, de réunir et de faire valoir les petites épargnes des particuliers sont en conséquence (toutes les fois qu'elles offrent une sûreté parfaite) très favorables à la multiplication des capitaux. Jeder Unternehmer in der Industrie, der sein Kapital für sich selbst arbeiten lässt, findet mit Leichtigkeit Möglichkeiten, seine Ersparnisse produktiv zu verwenden. Ist er Landwirt, dann kauft er zusätzliches Land oder steigert durch Verbesserungen den Ertrag des Landes, welches er hat. Ist er ein Händler, verkauft er eine größere Menge an Waren. Die Kapitalisten haben mehr oder weniger dieselben Möglichkeiten. Im vollem Umfang ihrer Ersparnisse vergrößern sie den bereits vorhandenen Kapitalstock oder suchen neue Investitionen, was ihnen umso leichter fällt, weil jeder weiß, dass sie Mittel investieren wollen, so dass sie mehr als andere Vorschläge zu Investition ihrer Ersparnisse erhalten. Die Landbesitzer verpachten Land jedoch und die Leute, die von ihren Renten oder von ihrer Hände Arbeit leben, haben diese Möglichkeiten nicht und können ihr Kapital nicht, es sei denn, es handelt sich um eine große Summe, mit der gleichen Leichtigkeit anlegen. So werden viele Ersparnisse, die man hätte produktiv, was das Kapital des Einzelnen vermehrt und damit das gesamte Kapital der Wirtschaft erhöht hätte, verwenden können, unproduktiv konsumiert. Die Sparkassen und die Vereinigungen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die kleinen Ersparnisse des Einzelnen einzusammeln, zu bündeln und zu verwerten sind folglich (vorausgesetzt sie bieten vollkommene Sicherheit) für die Vermehrung des Kapitals sehr günstig.

aus: Jean Baptiste Say, Traité d’économie politique II, Chapitre XIII, Des produits immatériels, ou des valeurs qui sont consommées au moment de leur production

Da irrt er sich gewaltig. Die allermeisten Privatanleger so wie die Kapitalsammelstellen haben enorme Probleme Geld rentabel anzulegen, weil das Geld nicht das Problem ist. Das Problem sind innovative Ideen. Man kann, ohne dass jemand vorher Kapital akkumuliert hätte eine Innovation durchsetzen, siehe Joseph Schumpeter, aber alles akkumulierte Kapital der Welt nützt nichts, wenn keine innovativen Ideen da sind.

Leute leihen eben gerade nicht ihr Geld direkt an innovative Unternehmer aus. Sie geben es an Kapitalsammelstellen. Cum grano salis könnte man sagen, dass Kapitalsammelstellen, also Versicherungen, Banken, Fonds etc. ihre Existenz zum großen Teil der Tatsache verdanken, dass private Anleger mit der Anlage von Vermögen gnadenlos überfordert sind, bzw. davon ausgehen, dass Kapitalsammelstellen, denen sie ihr Geld überweisen, das besser können, was aber in den seltensten Fällen zutrifft.

Kapitalsammelstellen könnten auch parallel zum Panama Kanal einen Kanal durch Nicaragua finanzieren, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Nicaragua-Kanal, allerdings wäre das Kapital dann illiquide angelegt und damit riskant. Die Klassik und Neoklassik irrt also gleich zweimal.

Erstens bezüglich der Quelle des Sparvermögens, es ist vollkommen unnötig, dass "etwas beiseite gelegt wird" und zweitens hinsichtlich der Möglichkeiten, es auf eine im Hinblick auf die Allokation sinnvolle Art und Weise anzulegen.

Bei Keynes werden Investitionen nicht durch Sparen finanziert, sondern durch Geld, das man im Zweifelsfalle eben druckt. Allerdings sieht Keynes das Problem, dass es schwierig ist, dieses Geld dann sinnvoll zu allozieren. Im Zweifelsfalle wird es nämlich sicher, das heißt liquide angelegt und die Verhältnisse auf den Gütermärkten spielen überhaupt keine Rolle.

Positiv ist, dass er die Bedeutung von Kapitalsammelstellen erkannt hat. Die Existenz von Kapitalsammelstellen wäre schon geeignet gewesen, den Akkumulationstohuwabohu von Marx und Ricardo zu relativieren. 99 Prozent Proleten müssen nicht viel sparen, damit sie trotzdem mehr sparen, als die 1-Prozent-Kapitalisten, wobei aber das grundsätzliche Problem darin besteht, dass die Proleten nicht von den Kapitalisten um ihren Mehrwert gebracht werden, sondern von der EZB qua Gelddruckmaschine, was aber unproblematisch ist, solange ausreichend innovative Ideen im Checkpott sind. Die Proleten haben ihren Mehrwert, den sie sich abgepresst haben, brav zu den Kapitalsammelstellen gebracht und schauen jetzt zu, wie die Verzinsung aus den Kapitallebensversicherungen dahin schmelzen wie die Butter in der Sonne, siehe http://www.sueddeutsche.de.

Zum anderen überrascht, dass jetzt, ganz im Gegensatz zu dem, was er vorher schreibt, die Nachfrage nach einem Produkt auf einmal keine Rolle mehr spielt. Hat ein Händler doppelt so viel Geld, kann er das Warenvolumen verdoppeln und dieses doppelte Volumen auch absetzen.

Dieser These widerspricht Keynes. Sparen ist erstmal ein Ausfall an Nachfrage und wieso ein Ausfall an Nachfrage zu einer erhöhten Nachfrage führen soll, müsste geklärt werden. Das ist an sich schon komisch. Wenn es aber so ist, dass ein Händler die doppelte Menge an Waren absetzen kann, dann wird er von jeder Bank einen Kredit bekommen und die Bank holt sich das Geld von der Zentralbank. Alternativ kann er einen Wechsel ausstellen und bezahlen, wenn er die Waren verkauft hat. Auch mit einem Wechsel wird Geld geschaffen.

Ob Kapitalsammelstellen wie Versicherungen und Banken so segensreiche Einrichtungen sind, werden wir noch sehen, wir werden das in den nächsten fünf Jahren erfahren, wobei reine Kapitalsammelstellen, wie Versicherungen, vielleicht noch mehr Ärger machen werden als Banken.

Was man hier und da liest, vor allem von Werner Sinn, dem Leiter des ifo Institutes, ist einfach grauenhafter Schwachsinn.

Wachsen kann eine Volkswirtschaft nur, indem sie spart. Sparen ist das Gegenteil von Konsumieren und stellt die Finanzmittel für Investitionen bereit, aus denen Wachstum entsteht. Investitionen vergrößern den Kapitalstock einer Volkswirtschaft und insofern deren Produktionskapazität. Das, und nicht der kurzfristige Aufputscheffekt, der aus einer schuldenfinanzierten Konsumerhöhung resultiert, ist die wirkliche Quelle des Wachstums. Das gilt im Prinzip genauso für die staatliche wie für die private Ersparnis.

aus: Zur Debatte Sparen oder Wachstum

Das sind so die Momente, wo man sich fragt, was mit der Volkswirtschaftslehre eigentlich los ist. Wie es sein kann, dass selbst bei prominenten Vertretern des Faches selbst die rudimentärsten Begrifflichkeiten nicht bekannt sind. Wie kann so was sein?

Wir gehen jetzt den Satz "Sparen ist das Gegenteil von Konsumieren und stellt die Finanzmittel für Investitionen bereit, aus denen Wachstum entsteht" nochmal durch. Das ist nicht lustig, das ist dem Autor klar. Aber man muss immer wieder versuchen, mit ganz einfachen Beispielen, der Ökokaste irgendwie die Grundlagen ins Hirn zu bimsen. Dann besteht irgendwann vielleicht auch mal die Hoffnung, dass sie den Käse aus den Lehrbüchern nimmt. Das würde wiederum viel Zeit im Studium sparen, die man dann wiederum für die Vermittlung relevanter und für das Berufsleben wichtigen Qualifikationen verwenden kann. Der Satz hat zwei Aussagen:

1) Sparen ist das Gegenteil von Konsumieren
2) Sparen stellt die Finanzmittel für Investitionen bereit

Das sind in einem sehr kurzen Satz zwei völlig hirnverbrannte Aussagen. Das muss man erstmal schaffen. Also nochmal.

zu 1: Sparen ist tatsächlich das Gegenteil von konsumieren, daraus folgt aber weder, dass sparen automatisch zu einer Investition führt, noch dass sparen eine Bedingung ist für eine Investition. Die korrekte Definition sieht so aus: Sparen bedeutet die Produktion von Konsumgütern anstatt Investitionsgütern. Dieser trade of besteht aber nur bei Vollbeschäftigung. Arbeitet jemand 16 Stunden am Tag, also am physischen Limit, dann muss er sich überlegen, welche Jobs er animmt, ob er in der Konsumgüterindustrie arbeitet oder in der Investitionsgüterindustrie und in dem Maße indem er sich für die eine Tätigkeit entscheidet, muss er seine Tätigkeit in dem anderen Bereich einschränken. Ist er aber arbeitslos und bekommt einen Job für 4 Stunden in der Konsumgüterindustrie und nochmal 3 Stunden in der Investitionsgüterindustrie, dann besteht dieser trade off nicht. ER KANN BEIDES MACHEN. Der trade off zwischen der Produktion von Konsumgütern und der Produktion von Investitionsgütern besteht nur in der Vollbeschäftigung. Lehrt Herr Sinn Makroökonomie an einer Uni, dann sollte ihm schon mal aufgefallen sein, dass die LM Kurve eine Bereich hat, der mit klassischer Bereich definiert ist. In diesem klassischen Bereich kommt man unter Zugrundelegung keynesianischer monetärer Transfermechanismen zum selben Ergebnis, wie die klassische Nationalökonomie. Zu Deutsch: In der VOLLBESCHÄFTIGUNG gibt es, vom Ergebnis her, keine Unterschied zwischen der klassischen Nationalökonomie und dem Keynesianismus. Das trifft aber nicht zu, für eine Situation der UNTERBESCHÄFTIGUNG.

zu 2: Wie immer man das Kind nennt, Sparen, Kapital, Akkumulation etc. es ist, wenn es als liquide, also als Voraussetzung für eine Investition vorgestellt wird, schlicht GELD und Geld ist heutzutage bedrucktes Papier, das in jeder beliebigen Menge hergestellt werden kann. Ganz konkret: Der Bäckermeister, der einen neuen Ofen braucht oder eine zusätzliche Teigrührmaschine geht zur Bank. Der Bank erklärt er mit plausiblen Gründen, dass er sein Geschäft erweitern kann und den Kredit tilgen kann. Die Bank hat jetzt einen Tresor, wir stellen uns jetzt das ganz sinnlich vor, und da liegen 100 000 Euro in Tausend Euro Scheinen. Die sind allerdings, oh Schreck, vermischt. Ein paar hat sich die Bank gerade von der EZB geholt, die sind frisch gedruckt, ein paar andere stammen von Einzahlungen von Bankkunden, die auf irgendwas verzichtet haben, um die Scheine bei der Bank gegen Zinsen abzuliefern. Dem Bäckermeister ist es aber völlig schnurz, ob die Scheine jemand angespart hat und auf Konsum verzichtet hat oder ob die EZB die Teile frisch gedruckt hat und dem Unternehmen, wo der Bäcker letztlich seinen Ofen und seine Teigrührmaschine kauft, ist das auch völlig wurscht.

Erschwerend kommt aber hinzu, dass selbst dann, wenn die Tausender Scheine im Schweiße des Angesichts hart erarbeitet wurden, sie trotzdem nicht nach Schweiß riechen, das heißt, man kann sie gar nicht unterscheiden. Vorstellen könnte man sich höchstens, dass das Ifo Institut speziell ausgebildete Spürhunde hat, die am Geruch erkennen, ob es ein mit Schweiß ersparter Tausend Euro Schein ist oder ein frisch gedruckter. Für den Bäckermeister macht es aber Null Unterschied. In beiden Fällen muss er den Kredit tilgen.

Mal ernsthaft. Ist das alles wirklich so schwer? Vielleicht ein bisschen weniger mathematisch modellieren und mal ein bisschen die Phantasie schweifen lassen, was so ein Modell eigentlich real aussagt und dann wird das schon.


Dass das Schwachsinn ist, kann man schon sehen ganz ohne Keynes und Joseph Schumpeter. Das Problem bei solchen Aussagen ist, dass alle möglichen Dinge durcheinandergewürfelt werden.

1) Werden, wie in Spanien, Irland, USA durch die zusätzliche Kreditvergabe oder durch Fiskalpolitik, wobei man hier nochmal zwischen investiven und konsumtiven Staatsausgaben unterscheiden müsste, lediglich Strohfeuer abgebrannt, funktioniert das Spiel natürlich nicht. Baut man mit dem Geld z.B. Häuser schafft man natürlich Einkommen. Wenn der hieraus resultierende Konsum (oder die zusätzlichen Investitiongüter) aus dem Ausland kommen, dann ist der Effekt natürlich nicht langfristig. Ist der Primäreffekt, also der Effekt, der unmittelbar durch die höhene Ausgaben induziert wurde, verpufft, bleiben nur Schulden und ein Leistungsbilanzdefizit. Genau das ist in Spanien passiert. Länder mit hoher Staatsverschuldung haben fast immer auch ein hohes Leistungsbilanzdefizit. Strukturelle Probleme, also wenn ein Teil der Investition und des Konsums über Importe befriedigt wird, kann man natürlich nicht über eine keynessche Wirtschaftspolitik lösen. Das hat Keynes auch nie behauptet.

2) Keine, absolut keine, nie und nimmermehr, ist eine Wirtschaft durch Sparen gewachsen und insbesondere ist die Wirtschaft der BRD nach dem zweiten Weltkrieg nicht durch Sparen gewachsen und auch nicht durch die ERP Hilfen, deren Summe war nämlich viel zu niedrig. Eine Wirtschaft erlangt rasch das Niveau, das ihrem AUSBILDUNGSSTAND entspricht. Dass andere Volkswirtschaften China, Taiwan, Korea, Singapur stärkere Wachstumsraten haben als z.B. die BRD, liegt daran, dass sich der Ausbildungsstand rasch an das Niveau der hochindustrialisierten Länder angleicht, man braucht nämlich nur kopieren. Kann man den höheren Ausbildungsstand noch mit niedrigeren Lohnkosten verknüpfen, dann hat man natürlich erstmal Vorteile. Allerdings hat das nichts mit Sparen zu tun.

3) Man muss sich jetzt mal angewöhnen, egal wie schwer das fällt, dass man Fallunterscheidungen treffen muss. Die Definition "Sparen ist eine Einschränkung des Konsums" ist nicht präzise. Richtig muss es heißen, dass Sparen die Produktion von Investitionsgütern anstatt Konsumgütern bedeutet. In dieser Variante ist offensichtlich, dass der trade off zwischen konsumieren und investieren nur besteht, wenn das Produktionspotential ausgeschöpft ist.

In einer vollbeschäftigten Wirtschaft muss natürlich der Konsum eingeschränkt werden, wenn die Produktionsanlagen erweitert werden sollen. Das hat aber nichts mit Sparen im Sinne von "Geld beiseite legen" zu tun. Auch in einer vollbeschäftigten Wirtschaft können die Investitionen durch Kreditschöpfung qua Geldschöpfung finanziert werden. Die Investition muss sich nur "rechnen", das heißt der Kredit muss anschließend wieder zurückgezahlt werden. In diesem Falle besteht aber tatsächlich die Gefahr, dass die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft überfordert wird und es zu inflationären Prozessen kommt, was allerdings selten passiert.

Selbst eine Steigerung der Nachfrage, Konsum und Investition zusammen, gigantischen Ausmaßes, einer Situation wie wir sie 1989 nach dem Fall der Mauer hatten, wo innerhalb kürzester Zeit 16 Millionen Ostdeutsche von 62 Millionen Westdeutschen versorgt wurden, führte lediglich kurzfristig zu einer negativen Leistungsbilanz ohne jede inflationäre Tendenz. Drastisch angestiegen ist nur die Staatsverschuldung.

Herr Sinn hätte da mal besser Schumpeter gelesen, siehe dynamische Wirtschaft. Bei einer vollbeschäftigten Wirtschaft muss allerdings tatsächlich der Konsum eingeschränkt werden, wenn man Investitionsgüter produzieren will. Man kann nicht gleichzeitig die Brötchen backen und den Ofen bauen, mit dem man die Brötchen backen will, wenn man schon mit dem Bauen des Offens vollbeschäftigt ist.

Allerdings, und das ist der entscheidende Punkt bei Schumpeter, bedarf für die Umlenkung der Ressourcen keiner Esparnisse sondern Kredite und die Möglichkeiten der Vergabe von Krediten durch das Bankensystem hängt nur teilweise davon ab, wieviel gespart wird. Entscheidend ist die Möglichkeit des Bankensystems Kredite zu schöpfen. Über Giralgeldschöpfung, Kreditaufnahme bei der Zentralbank, Diskontierung von Wechseln etc..

Nochmal vereinfacht: Wenn man mit irgendwas vollbeschäftigt ist, 16 Stunden am Tag, kann man nix anderes mehr machen. Man muss dann das machen, was am wichtigsten ist und das andere liegen lassen. Hat man aber nix zu tun, dann macht man alles, was irgendwie Sinn macht, auch wenn es nicht das ist, was Herr Sinn für sinnvoll hält.

4) Man muss, auch wenn das noch schwerer fällt, jetzt mal kapieren, dass nicht ökonomische Faktoren, darunter verstehen wir die wenigen Parameter, die die VWL typischerweise in ihren Modellen verbaut, Zins, Kapital, Lohn, Grenzertrag etc.., entscheidenden Einfluss haben. Man kann Wachstum nicht unter Abstraktion von außerökonomischen Faktoren wie Innovationskraft, Ausbildungsstand, Wissen über die Funktionsweise von Organisationen etc. diskutieren. Es ist vollkommen klar, dass Kredite, die NICHTS, NICHTS, NICHTS mit Sparen zu tun haben, nur zurückgezahlt werden können, wenn irgend jemand ein pfiffiges Projekt hat. Damit er das aber verwirklichen kann, muss NIEMAND, NIEMAND, NIEMAND vorher Geld beiseite gelegt haben. Und Sparen nützt nix, nix, nix wenn niemand mit dem Geld, dass da zusammengespart wird was anfangen kann. Allein dadurch, dass gespart wird, steigt das Volkseinkommen nicht. Nicht einen einzigen Cent.

5) Nach der Sparlogik könnte im übrigen die Wirtschaft auch gar nicht wachsen. Eine Wirtschaft braucht eine bestimmte Geldmenge, um das Volkseinkommen auch umzusetzen, die Transaktionskasse. Nach der Sparen Logik müsste zuerst die Transaktionskasse erhöht werden und dann kann die Wirtschaft wachsen, bzw. zuerst müsste man also das notwendige Geld dem Wirtschaftskreislauf entziehen, also die Wirtschaft schrumpfen lassen, damit man anschließend wachsen kann. Braucht man mehr Transaktionskasse, kann man bei konstanter Geldmenge diese nur erreichen, wenn die Preise sinken. Es ist genau umgekehrt. Zuerst wird das Geld zur Verfügung gestellt und dann wächst die Wirtschaft, bzw. über die Giralgeldschöpfung kann sich die Wirtschaft flexibel anpassen.

6) Keynes hat NIE, NIE, NIE behauptet, dass es reicht Geld zum Fenster rauszuwerfen. Das mit den Pharaonen war ein WITZ. Wenn einem nichts besseres einfällt, kann man auch Pyramiden bauen oder Löcher buddeln. Wer behauptet, dass der Staat nie investiv, also rentabel investieren kann, der ist auch gegen Autobahnen, Forschung und und Entwicklung, Bildung etc. etc.. JEDE INVESTITION, egal ob staatlich oder privat, führt nicht zu einer höheren Beschäftigung, wenn der Primäreffekt über Leistungsbilanzdefizite verpufft. Haben wir also strukturelle Probleme, etwa ungleiche Löhne in den verschiedenen Ländern, unterschiedliche Produktivitäten, Güter die in dem jeweiligen Land nicht hergestellt werden etc. führt die Steigerung des Konsums oder der zusätzlichen Investitionsnachfrage zu einem Leistungsbilanzdefizit. KEYNES SAGT ABER GAR NICHTS ÜBER OFFENE VOLKSWIRTSCHAFTEN. SEINE THEORIE BASIERT AUF EINER GESCHLOSSENEN VOLKSWIRTSCHAFT. Offensichtlich in der irrigen Annahme, dass Professoren der Volkswirtschaftslehre sich die very basics auch denken können. Da hat er sie wohl überschätzt.

7) NEIN, NEIN, NEIN. Sparen ist nicht das Gegenteil von Konsumieren. Das Gegenteil von Konsumieren ist INVESTIEREN, aber zum investieren braucht es kein Sparen. Das Gegenteil von Konsumieren ist schlicht nicht Konsumieren und nicht Konsumieren macht dann Sinn, wenn man die freiwerdenden Ressourcen investiv verwendet und investiv verwenden kann, das heißt die Produktionsmöglichkeiten ausdehnt. Allein die Tatsache, dass jemand Geld beiseite legt, heißt nicht, nicht, nicht, dass dieses Geld investiert wird. Das Geld kann dann genausogut in einer Spekulationskasse versacken, bzw. als Spielgeld an der Börse verwendet werden. Sparen = Investieren, als ex ante geplante Größen, ist falsch, ist falsch, ist falsch. Wenn er lediglich meint, dass das Gegenteil von Konsumieren darin besteht, sich das Geld unters Kopfkissen zu legen, dann hat er sehr unklare Vorstellungen von Wirtschaft. Verzichten die Leute auf Konsum und legen das Geld unters Kopfkissen, sparen sie zwar, aber dass wäre genau das kritische Verhalten, das sogar schon die Klassik gesehen hat. Werner Sinn, Leiter des ifo Institutes, fällt also nicht nur hinter Keynes zurück, er fällt hinter die Klassik zurück, seine Vorstellungen sind irgendwie merkantilistisch, 16. / 17. Jahrhundert. Im Merkantilismus hat man sinnfrei Geld bzw. Gold angehäuft. Wem das jetzt zu kompliziert ist, der soll einfach auf Konsum verzichten und sich das Geld dann unters Kopfkissen liegen. Er wird feststellen, dass absolut nichts passiert.

8) Wir haben weltweit keinen Mangel an Geld, das irgendjemand zur Seite gelegt hat. Wir haben sogar viel zu viel davon. Allein die Chinesen haben 3 BILLIONEN Dollar Devisenreservern. Geld, das irgendjemand beiseite gelegt hat, ist im Überfluss vorhanden, soviel haben wir davon, dass keiner es mehr haben will. Wir haben ein Informationsproblem, das heißt die Sparer finden für ihre Spargroschen keine Anlagen mehr. Wir haben, wie Keynes völlig zutreffend bemerkt, eine Präferenz für LIQUIDITÄT. Das heißt, es wird an der Börse gespielt, weil das liquider ist.

9) NEIN, NEIN, NEIN. Sparen stellt nicht die Finanzmittel für Investitionen zur Verfügung. Die Finanzmittel für Investitionen werden durch Sicherheiten zur Verfügung gestellt, die der Investor bieten kann. Kann er Sicherheiten bieten, Haus, Gold, Diamanten whatever, bekommt er jede, absolut jede Menge Geld. Das wird dann einfach gedruckt, bzw. über Geldschöpfung zur Verfügung gestellt. Und ja, man sollte Schumpeter in die Curricula der akademischen Lehre wieder aufnehmen, siehe dynamische Wirtschaft. Das ist zwar noch nicht der Weisheit letzter Schluss, der kommt erst bei Keynes, aber es geht in die richtige Rechnung. Schumpeter ist gut, um die Gehirne mal aufzuknacken und sie für Keynes vorzubereiten. Wir sehen, dass es hier massive Probleme gibt, der Sparen = Investieren Hokuspokus steht in jedem Lehrbuch. Mit Keynes kann man den Unsinn nicht aus der Welt schaffen, der ist zu kompliziert für die Prof. Dr.. Schumpeter ist einfacher. Damit kann man das Brett mal durchlöchern und ist es mal durchlöchert, kriegt man es vielleicht auch mal zersägt.

10) NEIN, NEIN, NEIN. Investitionen vergrößern vielleicht die Investitionsmöglichkeiten, aber man braucht auch jemanden, der den Kram dann auch kauft. Eine Ausdehnung der Produktionsmöglichkeiten ist zwar sinnvoll, weil die Güter dann billiger werden, aber dafür muss man dann eben auch den Zins in den Keller schicken. Werden die Produktionskapazitäten ausgedehnt, dann fallen die Preise und damit auch die Rentabilität und damit auch die Fähigkeit, Zinsen zu bedienen. Folgerichtig müssen bei lediglich quantitativer Ausdehnung die Zinsen fallen.

11) NEIN, NEIN, NEIN. Keynes hat nie von einer schuldenfinanzierten Konsumerhöhung gesprochen. So schlau wie irgendein verbeamteter Ökonomenfuzzi war er dann auch schon. Wird der Konsum über Schulden finanziert, dann muss der Kredit aus einer anderen Quelle getilgt werden. Ist eine solche nicht vorhanden, steigt natürlich mit dem schuldenfinanzierten Konsum die Verschuldung: Der Haushalte, der Banken, der Unternehmer, je nachdem. Das ist aber ein höchst triviale Binse.

Das war der Fehler in Spanien. Die Kredite wurden dafür verwendet, langfristige Konsumgüter zu erwerben, also Inmobilien. Konsumgüter tilgen aber nun mal keine Kredite, weil sie keine Einnahmen generieren. Die Kredittilgung hätte also aus einer anderen Quelle kommen müssen, aber eine solche war nicht vorhanden. Hätten die Spanier wenigstens, z.B., SEAT Autos gekauft und keine Daimler, wäre es nicht so tragisch gewesen. Allerdings haben sie den durch den Primärimpuls generierten Konsum im Ausland befriedigt. Damit haben sie dann ihre Leistungsbilanz in den Keller geschickt und das ist die Kombination, die gar nicht geht. Hohe Verschuldung und Leistungsbilanzdefizit.

Das alles ist jetzt nicht besonders schwierig. Das kann jeder Trottel kapieren. Bis auf die akademische Ökokaste kapiert das schlicht jeder.

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE

Was ist der kritische Faktor für das Wachstum der Wirtschaft? Sparen oder Innovation?

Das Kreditschöpfungs-potential einer Volks-
wirtschaft hängt nicht von der Sparquote ab, weder bei Unterbeschäftigung noch bei Vollbeschäftigung.

Allerdings kann bei Vollbeschäftigung eine Ausdehnung der Investitionstätigkeit die wirtschaftliche Fähigkeit eines Landes überfordern. Es kommt dann zu Inflation.

Allerdings kann eine nachfrageinduzierte Inflation nur der Staat auslösen und selbst das ist schwierig. Die letzte Inflation, in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, war kostengetrieben. (Ölpreisschock.)


Entscheidend für Wachstum ist nicht, wie viel eine Volks- wirtschaft spart, sondern wie viel sie in ihre Qualifikation investiert. Diese Größe wird aber nicht allein durch monetäre Größen bestimmt.

Die Gleichung Sparen = Investieren hat gleich zwei Fehler. Sie suggeriert erstens, dass sich Investionen aus Ersparnissen speisen und zweitens, dass Ersparnisse immer investiv verwendet werden können. Beide ist falsch.

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