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2.2. Carl Menger

Wenn man eine Biographie über Carl Menger sucht, wo findet man die? Sehr richtig. Bei Wikipedia. Und da google einen ohnehin zu Wikipedia schickt, kann man natürlich auch gleich Carl Menger bei google eingeben, der schickt einen dann zu Wikipedia. Über Biographisches müssen wir also nicht berichten, das steht alles bei Wikipedia.

Carl Menger ist der Begründer der österreichischen Grenznutzenschule, das ist der Grund, warum wir ihn hier anführen, allerdings ist das auch wirklich der einzige Grund. Sein Hauptwerk ist 'Grundsätze der Volkswirtschaftslehre'. Dieses Werk ist vollkommen in Vergessenheit geraten, woraus wir entnehmen können, das trifft zumindest manchmal zu, was tröstlich ist, dass die Zeit ein feiner Filter ist, der die Spreu vom Weizen trennt. Wir zitieren jeweils so, wie es im Orginal steht. Die Schreibe ist grammatikalisch, orthographisch und stilistisch etwas befremdlich.

Er beklagt, in diese Klage können wir sogar einstimmen, dass die Volkswirtschaftslehre nur auf wenig Interesse der Öffentlichkeit stößt, was ja, das lässt sich nicht bestreiten, zutreffend ist.

Nicht die Folge des Leichtsinnes oder der Unfähigkeit der Practiker kann es demnach sein, wenn dieselben, unbekümmert um die bisherigen Entwicklungen unserer Wissenschaft, bei ihrer wirthschaftlichen Thätigkeit lediglich die eigenen Lebenserfahrungen zu Rathe ziehen, nicht die Folge eines hochmüthigen Zurückweisens der tieferen Einsicht, welche die wahre Wissenschaft dem Practiker über die den Erfolg seiner Thätigkeit bestimmenden Thatsachen und Verhältnisse bietet. Der Grund einer so auffälligen Gleichgültigkeit kann vielmehr nirgends anders gesucht werden, als in dem gegenwärtigen Zustande unserer Wissenschaft selbst, in der Unfruchtbarkeit der bisherigen Bemühungen, die empirischen Grundlagen derselben zu gewinnen.

aus: Carl Menger, Grundstätze der Volkswirtschaftlehre, Vorrede

Aha! Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Bislang hat sich der Praktiker also für die tiefen Erkenntnisse der 'wahren' Wissenschaft schlicht gar nicht interessiert, wobei Menger davon ausgeht, dass sich das nun, wo er ein sein Werk vollendet hat, ändern wird.

Wir vermuten eher, dass sich an diesem Zustand nur wenig geändert hat. Er geht aber davon aus, dass er dem Praktiker nun tiefe Einsichten vermitteln wird, die die Erkenntnisse, die jener aufgrund seiner praktischen Tätigkeit bereits gewonnen hat, bedeutend erweitern.

Der Autor würde ja in so einem Fall anders vorgehen. Wüsste er mehr, als die Praktiker, dann würde er dieses Wissen mal schön für sich behalten, da ist er ein eiskalter Kapitalist, und es gewinnbringend verwerten. Menger wusste aber offensichtlich auch nicht, wie er seine Erkenntnisse zu Geld macht, außer eben dadurch, dass er durch sein Geschriebsel seine Chancen vergrößert hat, irgendein poppeliger Uni Prof zu werden und sich von der Allgemeinheit alimentieren zu lassen. Eine Konstellation, die wir auch bei der heutigen Ökokaste häufig finden, sie ist sozusagen der Normalfall.

Was er dann schreibt, ist aber wirklich spannend.

Es ist dies jene Methode der Forschung, welche, in den Naturwissenschaften zur Geltung gelangt, zu so grossen Resultaten führte und desshalb in missverständlicher Weise auch die naturwissenschaftliche genannt wird, während sie doch allen Erfahrungswissenschaften gemeinsam ist und richtiger die empirische genannt werden sollte. Es ist diese Unterscheidung aber desshalb von Wichtigkeit, weil jede Methode durch die Natur des Wissensgebietes, auf welchem sie zur Anwendung kommt, ihren besonderen Charakter erhält und demnach von einer naturwissenschaftlichen Richtung in unserer Wissenschaft füglich nicht die Rede sein kann.

ebenda

Mit der Aussage, dass die Naturwissenschaften "empirisch" seien, liegt er erstmal vollkommen falsch. Empirisch lässt sich schlicht alles beweisen, auch dass alle Lebewesen, die im Meer schwimmen, durch die Lungen atmen. Für eine detailliertere Diskussion siehe Sinnhaftigkeit der mathematischen Modellierung.

Die mathematische Modellierung beruht eben gerade nicht auf der Empirie, sondern auf einer Theorie, die empirisch überprüfbar ist. Empirisch ist vollkommen klar, dass eine Feder langsamer fällt, als eine Eisenkugel. Um zu erkennen, das dem nicht so ist, braucht man eine Theorie, siehe freier Fall. Ohne Theorie kann man das nicht erkennen, man kann es im übrigen auch nur im All nachweisen (siehe video im oben angegebenen Link.)

Immerhin ist er aber mal weiter, als die dozierende Ökokaste. Er erkennt nämlich messerscharf, dass die Methoden der Physik nicht auf die VWL übertragbar sind.

Die bisherigen Versuche, die Eigenthümlichkeiten der naturwissenschaftlichen Methode der Forschung kritiklos auf die Volkswirthschaftslehre zu übertragen, haben denn auch zu den schwersten methodischen Missgriffen und zu einem leeren Spiele mit äusserlichen Analogien zwischen den Erscheinungen der Volkswirthschaft und jenen der Natur geführt.

ebenda

Nun gilt ja Menger, genau wie Marshall, zu den Begründern der Neoklassik und eine Charakteristik der Neoklassik soll es ja sein, die Volkswirtschaftslehre durch die mathematische Modellierung zu einer exakten Wissenschaft gemacht zu haben. Im Orginal tönt das dann aber anders. Carl Menger spricht, ähnlich äußert sich auch Alfred Marshall, von einem leeren Spiele mit äusserlichen Analogien zwischen den Erscheinungen der Volkswirtschaft und jenen der Natur. Im Folgenden wird es dann allerdings Dunkel. Denn obwohl er die 'naturwissenschaftlichen Methoden', genau genommen meint er wohl die mathematische Modellierung, ablehnt, will er 'Gesetze' gefunden haben.

Zu welchen Resultaten uns die obige Methode der Forschung geführt hat und ob es uns gelungen ist, durch den Erfolg darzuthun, dass die Erscheinungen des wirthschaftlichen Lebens sich strenge nach Gesetzen regeln, gleich jenen der Natur, dies zu beurtheilen ist nun Sache unserer Leser. Verwahren möchten wir uns nur gegen die Meinung Jener, welche die Gesetzmässigkeit der volkswirthschaftlichen Erscheinungen mit dem Hinweise auf die Willensfreiheit des Menschen läugnen, weil hiedurch die Volkswirthschaftslehre als exacte Wissenschaft überhaupt negirt wird.

ebenda

Was er mit der 'obigen Methode' meint, ist etwas unklar. Vermutlich sein Bestreben, das erwähnt er oben, sich mit allen Thesen, die bislang vorgestellt wurden, kritisch auseinanderzusetzen, was er allerdings nicht tut. Auf jeden Fall will er nachgewiesen haben, dass die Wirtschaft durch strenge Gesetze geregelt ist, die ähnlich stabil sind wie Naturgesetze. Wir behaupten hierbei keineswegs, dass die Willensfreiheit des Menschen ein schlagendes Argument gegen die These ist, dass sich die Wirtschaft gesetzesmäßig entwickelt, obwohl der Gedanke gar nicht so abwegig ist, denn Menschen halten sich oft an ethische Normen, die man als Kalkül in eine rein ökonomische Betrachtung mit einbeziehen kann, die sich aber einer kausalen Begründung entziehen.

Wer will, kann im Pareto-Optimum, ein 'Gesetz' erkennen, nur leider bringen uns 'Gesetze' über irrelevante Tatbestände nicht wirklich weiter.

Es ist auch ein 'Gesetz', dass ein Kaffelöffel in einer leeren Tasse mehr scheppert, als in einer vollen, doch leider interessiert dieses Gesetz keine Sau.

Was uns interessiert, sind relevante Aussagen zu relevanten Problemen. Ob diese Aussagen nur für eine spezifische Situation zutreffen, eine Tendenz beschreiben oder tatsächlich so stabil sind wie ein Naturgesetz, ist relativ egal, solange eine konkrete Aussage zur Lösung eines konkreten Problems gemacht wird.

Der Tragweite seiner Aussagen ist er sich offensichtlich auch nicht bewusst. Können wir zentrale Probleme von Volkswirtschaften über Gesetze beschreiben, die ähnlich stabil sind wie Naturgesetze, dann besteht keine Unsicherheit mehr. Der Zustand einer Volkswirtschaft zu einem gegebenen Zeitpunkt ließe sich dann mit derselben Präzision vorhersagen, wie die nächste Sonnenfinsternis.

Lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung mit der gleichen Präzision vorhersagen, wie die nächste Sonnenfinsternis, brauchen wir keine Marktwirtschaft. Wir brauchen dann eine Planwirtschaft, denn wenn sich etwas tatsächlich planen lässt, dann ist es besser man plant es.

Er macht also genau den Fehler, den auch die Ostblockstaaten mit der sich nach den Gesetzen des Sozialisimus entwickelnden Wirtschaft gemacht hat, siehe Karl Marx. Überspitzt formuliert: Wenn sich die Wirtschaft nach Gesetzen entwickeln würde, bräuchten wir keine Marktwirtschaft. Wenn sich ein Gleichgewicht auf den Güter-, Arbeits- und Kapitalmärkte so präzise prognostizieren lässt, wie die Entfernung der Venus von der Erde am Tag X, dann brauchen wir keine spontane Informationsverarbeitung durch den Markt. Der Autor ist ganz ernsthaft der Meinung, dass der große Gegenspieler des Marxismus, die Neoklassik, ersterem eigentlich ziemlich ähnlich ist. Wir betonen nochmal. Wenn wir von Neoklassik sprechen, meinen wir nicht Alfred Marshall.

Wenn er die Wirtschaft also nicht nur in irrelevanten Bereichen über 'Gesetze' beschreiben will, sondern zentrale Zusammenhänge, dann müsste er auch erklären, welche Rolle der Mensch in dieser Wirtschaft spielt. Da der Mensch der Veranstalter der Wirtschaft ist, wir vermuten mal, dass er davon ebenfalls ausgeht, muss sich auch dessen Verhalten 'sich strenge nach Gesetzen regeln'.

Damit wäre dann aber der Mensch als Akteur der Wirtschaft abgeschafft, der Unternehmer wäre nur noch ein Rädchen im Getriebe. Carl Menger hat das gleiche Problem, wie die Ökokaste heute. Das sind Beamte und sie verwechseln eine Bürokratie, wo eigenständiges Denken tatsächlich nicht angesagt ist, mit Wirtschaft, wo das Fehlen eigenständigen Denkens in den Bankrott führt.

Geht er davon nicht aus, ist also die Wirtschaft ein reines Naturschauspiel, dass auch ohne den Menschen stattfindet, dann kann man nur noch beten, dass es gut geht. Wir werden, später, siehe Karl Marx, noch sehen, dass genau diese Meinung in der DDR vertreten wurde und diese Meinung VERFASSUNGSRANG hatte. Möglich war nur, die Wirkung der geltenden Gesetze des Sozialismus auszunützen. Gegen diese Gesetze zu arbeiten, wie es im "Kapitalimus" geschieht, war nicht möglich. Die Wirtschaft der DDR war ein Naturschauspiel.

Andes formuliert: Genau wie die eine Sonde zur Venus auf ihrem Flug sich die Gravitationskraft zunutze macht, kann man sich in der Wirtschaft die objektiven Gesetze zunutze machen, also mit dem Trend arbeiten und die wirtschaftliche Entwicklung beschleunigen. Gegen die objektiven ökonomischen Gesetze kann man aber nicht arbeiten. Im Marxismus besteht also sozusagen sogar noch ein gewisser Spielraum. In der Neoklassik, zumindest in der vereinfachten Version, die wir in den Lehrbüchern finden, besteht dieser Spielraum nicht mehr. Die Gleichgewichte auf dem Arbeits-, Güter- und Kapitalmarkt ergeben sich völlig alleine und ohne jedes menschliche Zutun.

Der Autor definiert jetzt auch mal ein 'Gesetz' bzw. eine Tendenz. Tendenziell sind Menschen in der Lage, Irrelevantes von Relevantem zu trennen. Wenn das Haus einsturzgefährdet ist, dann kachelt ein normaler Mensch nicht das Bad.

Allerdings ist das weder ein Gesetz noch eine Tendenz. Volkswirte sind da eisern. Die kacheln noch das Bad, wenn der Dachstuhl einstürzt. Die fokusieren sich auf das, was sich durch 'Gesetze' darstellen lässt und berechnen die Substitutionsrate von kaltem Wasser und warmem Wasser, die für die ideale Temperatur zum Hände waschen notwendig ist. Haben sie sie gefunden, fällt ihnen ein Ziegel auf den Kopf und sie liegen tot neben dem Waschbecken, aber das ist dann egal.

Dass die Volkswirtschaftlehre von manchen Leuten 'als exacte Wissenschaft überhaupt negirt wird' kann der Autor gut nachvollziehen. Dass er gegenteiliger Ansicht ist, liegt schlicht darin, dass er sich nur mit den Dingen beschäftigt, bei denen sich irgendwelche 'Gesetze' zusammenschrauben lassen. Bedauerlicherweise sind diese Bereiche reichlich irrelevant.

Die Frage, ob die Volkswirtschaftslehre eine exakte Wissenschaft ist oder nicht ist eingebettet in einen Methodenstreit zwischen der historischen Schule, die die Möglichkeit, wirtschaftliche Zusammenhänge durch 'Gesetze' zu beschreiben grundsätzlich verneint und der sich konstituierenden Neoklassik.

Die Diskussion ist aber reichlich akademisch und wird in anderen Disziplinen, wie zum Beispiel der Biologie und der Medizin, wo die Situation ähnlich ist, nicht geführt, wohingegen sie sich in Fächern wie Soziologie oder Wirtschaft alle paar Jahre wiederholt.

Es handelt sich hierbei um eine Scheindiskussion. Naheliegenderweise sind Aussagen über kausale Zusammenhänge aussagekräftiger, als Zusammenhänge, die lediglich statistisch wahrscheinlich sind.

Intuitiv geht die Biologie / Medizin dann auch so vor. Sie ermitteln in einem ersten Schritt meist statistische Zusammenhänge und versuchen dann anschließend diese statistischen Zusammenhänge kausal zu begründen.

Im Bereich Molekularbiologie gelingt dies zum Beispiel oft indem man eine Maus züchtet, bei der das Gen, von dem man vermutet, dass es eine entscheidende Rolle spielt, nicht vorhanden ist.

Vergleicht man dann den Wildtyp mit der Knock Out Maus und kann man die unterschiedliche Entwicklung immer wieder reproduzieren, dann ist die Hypothese bezüglich der Wirkung dieses Gens höchstwahrscheinlich erstmal richtig.

Was man schlussendlich will ist offensichtlich. Man sucht nach kausalen Zusammenhängen, denn nur die Kenntnis der kausalen Zusammenhänge erlaubt die Entwicklung von Medikamenten. Nur wenn man in die Kausalkette eingreifen kann, kann man Medikamente entwickeln, statistische Zusammenhänge nützen da nichts.

Andererseits kann es aber auch sein, dass rein statistische Zusammenhänge stabil sein können. Zwischen der Geldschöpfung durch die Zentralbank und Inflation gibt es einen statistischen Zusammenhang. Dieser ist nicht bis ins Detail kausal erklärbar schließlich könnte es ja auch passieren, dass niemand das zusätzliche Geld bei den Banken abholt, aber tendenziell besteht ein Zusammenhang. (Auch wenn in den letzten dreißig Jahren dieser Zusammenhang nicht mehr feststellbar ist, da andere Faktoren überwiegen.)

Die Diskussion um die Methoden ist eine reine Phantomdebatte. In allen anderen Wissenschaften wird sie pragmatisch gelöst. Man wendet die Methode an, die möglich ist und die zu relevanten Ergebnissen führt.

Carl Menger geht anders vor. Er beschäftigt sich schlicht nur noch mit den Bereichen, wo "exakte" Aussagen gemacht werden können, wobei er offen lässt, was er unter "exakt" überhaupt versteht. Ihm erscheint es also besser, "exakte" irrelevante Aussagen zu machen anstatt Aussagen über Tendenzen in relevanten Bereichen. Exakt ist hierbei bei ihm irgendwie positiv besetzt, obwohl exakt nur im Hinblick auf einen Zweck definiert werden kann.

Unter 'exacte Wissenschaft' versteht er wohl eine Wissenschaft, deren Hypothesen empirisch überprüfbar sind. Die Frage ist nun, was das konkret bedeutet. Reicht es ihm schon, wenn die Tendenz bestätigt wird, also eine statistische Beziehung hergestellt werden kann oder verlangt er, dass die prognostizierte Situation mit der empirisch sich einstellenden Situation exakt übereinstimmt.

Abgesehen davon sagt natürlich auch 100 prozentige Einstimmung nichts darüber aus, ob eine Theorie richtig ist. Mit dem Ptolemäisches Weltbild, alles kreist um die Erde, ließ sich die Bahn der Gestirne ziemlich genau berechnen, trotzdem war sie völlig falsch.

Noch kritischer sind aber statistische Zusammenhänge. Statistische Zusammenhänge, wie sie sehr oft in der Molekularbiologie hergestellt werden, lassen einen kausalen Zusammenhang lediglich vermuten und sind dann Ausgangspunkt weiterer Forschungen. In der Physik wird man überwiegend finden, dass eine prognostizierte Situation mit der empirisch eintretenden Situation exakt übereinstimmen muss. Das liegt aber schlicht daran, dass die Ursachen, die die Effekte hervorbringen, in der Physik äußerst stabil sind.

Ab dem Moment, wo die Wirtschaftwissenschaften als 'exacte Wissenschaft', also wie die Physik, betrieben werden könnte, sich also in relevanten Bereichen Situationen mit der gleichen Präzision beschreiben lassen wie physikalische Phänomene, haben wir ein vollkommen anderes Wirtschaftssystem, die marktwirtschaftliche Ordnung hat sich dann überlebt.

So ein Zustand ist sogar vorstellbar. Haben wir kein Wachstum mehr und die Wirtschaft reproduziert sich lediglich jahrein jahraus ohne jede Änderung in der Produktions- und Präferenzstruktur, dann haben wir keinen Bedarf mehr an einem System, das über trial and error die Resourcen optimal alloziert. Möglicherweise tritt ein solcher Zustand irgendwann in 300 Jahren ein, momentan sind wir hiervon aber weit entfernt.

Die Grundidee der marktwirtschaftlichen Ordnung besteht darin, dass sich die gesamte Komplexität der Wirtschaft, Änderungen in den Präferenzen, Änderungen der Produktionsstrukturen, der Bevölkerung, des Altersaufbaus der Bevölkerung, politische Großwetterlagen, Versorgung mit Rostoffen, Änderungen in der Logistik, im Ausbildungsstand, Bildungsniveau, Modeerscheinungen, technische Innovationen, Zölle / Steuern etc. in einer einzigen Größe niederschlagen, dem Preis.

Die Kausalzusammenhänge, die zu bestimmten Preisen führen, interessieren die Marktteilnehmer in der Regel nicht und sind auch weitgehend undurchschaubar, auch wenn dies oft, zum Beispiel, wenn der Konsument aufgrund ethischer Positionen bestimmte Produkte bevorzugt, wünschenswert wäre.

Die marktwirtschaftliche Ordnung ist also sozusagen die einzige Ordnung, die mit der totalen Gesetzeslosigkeit und völliger Unwissenheit fertig wird. Das ist der Witz. Hinter jedem Preis und jeder Veränderung von Preisen verstecken sich Tausende und Abertausende von kausalen Zusammenhängen, von denen wir keinen einzigen kennen und auch nicht kennen müssen.

Die marktwirtschaftliche Ordnung ist nicht deshalb das überlegene System, weil es sich "strenge nach Gesetzen regelt". Sie ist das überlegene System, weil es mit dem totalen Chaos am besten fertig wird.

Sieht man also von den Volkswirten ab, so kapiert eigentlich jeder, dass man in den Wirtschaftswissenschaften bestenfalls Tendenzen beschreiben kann, die Volkswirtschaft aber keine 'exacte Wissenschaft' ist, die 'Gesetze' formuliert, die ähnlich stabil sind, wie physikalische Gesetze.

Carl Menger ist mit Sicherheit und mit weitem Abstand das schwächste Glied in der Gruppe der Neoklassiker. Im Grunde haben wir ihn hier nur aufgeführt, weil aus der österreichischen Gruppe der Neoklassik einige bekannte Volkswirtschaftler wie Hayek oder von Mises hervorgingen. Alfred Marshall hat ihn schlicht ignoriert.

Ob und unter welchen Bedingungen ein Ding mir nützlich, ob und unter welchen Bedingungen es ein Gut, ob und unter welchen Bedingungen es ein wirthschaftliches Gut ist, ob und unter welchen Bedingungen dasselbe Werth für mich hat, und wie gross das Mass dieses Werthes für mich ist, ob und unter welchen Bedingungen ein ökonomischer Austausch von Gütern zwischen zwei wirthschaftenden Subjecten statthaben, und die Grenzen, innerhalb welcher die Preisbildung hiebei erfolgen kann u. s. f., all’ dies ist von meinem Willen ebenso unabhängig, wie ein Gesetz der Chemie von dem Willen des practischen Chemikers. Die obige Ansicht beruht demnach auf einem leicht ersichtlichen Irrthume über das eigentliche Gebiet unserer Wissenschaft. Die theoretische Volkswirthschaftslehre beschäftigt sich nicht mit praktischen Vorschlägen für das wirthschaftliche Handeln, sondern mit den Bedingungen, unter welchen die Menschen die auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse gerichtete vorsorgliche Thätigkeit entfalten.

ebenda


Dass Adam Smith mal zwischendurch vergisst, was er am Anfang gesagt hat, kann man nachvollziehen, immerhin hat Wealth of Nations 800 Seiten. Wer aber auf der sechsten Seite schon vergessen hat, was er auf der dritten Seite geschrieben hat, der hat offensichtlich ein Bierchen zuviel getrunken.

Am Anfang will er die Praktiker noch belehren, jetzt teilt er der Menschheit mit, dass die 'theoretische Volkswirthschaftslehre sich nicht mit praktischen Vorschlägen beschäftigt'.

Der grundlegende Irrtum von Carl Menger ist die Tatsache, dass er von einem reinen Tauschmarkt ausgeht, bei dem Güter nicht produziert werden. In einem reinen Tauschmarkt, wo nichts produziert wird, bestimmt sich der Wert eines Gutes ausschließlich durch die subjektive Wertschätzung dieses Gutes durch die Teilnehmer. Zahlen die Leute für eine limitierte Auflage eines Druckes die Summe X, dann ist es allein die Nachfrage, die über den Preis bestimmt.

Wird das Gut aber produziert, sieht es völlig anders aus. Die Nachfrage haben dann zwar auch bestimmte Vorstellungen über den Preis, ob sie es aber zu diesem Preis erhalten oder nicht, hängt vom Produzenten ab. Viele Leute kommen zum Zug, wenn es billig produziert werden kann und wenige, wenn dies nicht der Fall ist. Was ein Gut Carl Menger persönlich Wert ist, ist reichlich schnuppe. Die Frag ist, ob es jemand zu diesem Preis auch tatsächlich produzieren kann.

Die Aussage, dass die Einschätzung eines Gutes als nützlich oder unnütz bzw. der Wert eines Gutes vom Willen des Subjektes völlig unabhängig ist, ist des weiteren eine kuriose Aussage.

Selbst wenn man das Verhalten des Menschen im Sinne des Behaviorismus als stimulus -> response Modell ausreichend erklärt findet, der Mensch also auf Reize in einer immer gleichen Weise reagiert, so wird man zumindest konzedieren müssen, dass das stimulus -> response Schema sich im Zeitablauf ändert.

Ein Kind reagiert wohl anders auf eine Tafel Schokolade als ein Erwachsener. Der Wille wird aber insofern sehr wohl den Wert eines Gutes beinflussen, als sich im Willen die gesamte Persönlichkeit ausdrückt und der Wille damit auch steuert, wie sich jemand entwickelt und von dieser Entwicklung hängt wiederum der Wert ab, der den Gütern zugemessen wird.

Wir können aber den wenigen Zeilen entnehmen, dass Menger wenig Sympathie für den deutschen Idealismus hatte. Wobei wir auch bei Menger finden, was wir oft finden. Patriotisch sind meistens die Leute, die nur wenig wissen über das jeweilige Vaterland und auch sonst etwas schwach belichtet sind.

Eine besondere Freude war es uns, dass das hier von uns bearbeitete, die allgemeinsten Lehren unserer Wissenschaft umfassende Gebiet zum nicht geringen Theile so recht eigentlich das Besitzthum der neueren Entwickelungen der deutschen National-Oekonomie ist und die hier versuchte Reform der höchsten Principien unserer Wissenschaft demnach auf der Grundlage von Vorarbeiten erfolgt, welche fast ausnahmslos deutscher Forscherfleiss geschaffen hat.

Das stellt sich leider im Nachhinein betrachtet etwas anders dar. Der Intellektuelle unter den Neoklassikern war Alfred Marshall. Bezüglich des deutschen und österreichischen Forscherfleißes auf diesem Gebiet, wäre Vergessen eine Gnade.

Wäre Menger nicht der Begründer der österreichischen Richtung der Grenznutzenschule und hätte er nicht einige prominente Nachfolger, wäre es kaum sinnvoll, sich mit dem langatmigen Geschwafel zu beschäftigen. Irritierend ist schon der Titel seines Hauptwerkes: Grundsätze der Volkswirtschaftlehre. De facto beschäftigt er sich eigentlich nur mit einem Thema, dem Wert der Güter. Das Buch müsste also eigentlich 'Der Wert der Güter' heißen. Es beschäftigt sich also mit, irrelevanten, Teilaspekten der Mikroökonomie.

Alle Dinge stehen unter dem Gesetze von Ursache und Wirkung. Dieses grosse Princip hat keine Ausnahme und vergebens würden wir im Bereiche der Empirie nach einem Beispiele von seinem Gegentheile suchen. Die fortschreitende menschliche Entwicklung hat nicht die Tendenz, dies Princip zu erschüttern, sondern vielmehr den Erfolg, dasselbe zu befestigen, die Erkenntniss des Gebietes seiner Geltung immer mehr zu erweitern und die unerschütterte und wachsende Anerkennung desselben ist somit geknüpft an den menschlichen Fortschritt.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Erstes Capitel, Die allgemeine Lehre vom Gute

Wichtig ist diese These für ihn, weil er außer durch Arbeitsteilung, die kennen wir schon von Adam Smith, die wirtschaftliche Entwicklung auch durch die Kenntnis der kausalen Zusammenhänge determiniert sieht, was zweifelsohne, zumindest tendenziell, irgendwie richtig ist.

Um Kopfschmerztabletten zu entwickeln, weiß man im Idealfall, wie die Schmerzübertragung im Körper abläuft. Weiß man das, hat man eine Möglichkeit, oder mehrere, die Weiterleitung zu unterbinden.

Die Kenntnis der Kausalzusammenhänge ist also zweifelsohne das höchste Ziel. Das Problem dabei ist nur, dass die Einführung neuer Produktionsverfahren und neuer Produkte, darauf stellt er ab, historisch selten ursächlich durch die bessere Kenntnis kausaler Zusammenhänge zustande kamen.

Die berühmte Acetylsalicylsäure, das Mittel gegen Schmerzen aller Art, kannten schon die Griechen und Kelten (siehe Acetylsalicylsäure). Dass das wirkt, haben sie aber zufällig herausgefunden.

Für die Entdeckung des kausalen Zusammenhanges, also wie es genau wirkt, erhielt John Robert Vane 1982 den Nobelpreis für Medizin. Da bezweifeln wir also ganz ernsthaft, dass die Griechen auch nur die geringste Ahnung hatten, wie das Zeug konkret wirkt.

Dass der Ernteertag höher ist, wenn man den Boden pflügt, bestimmte Fruchtfolgen den Stickstoffgehalt und damit den Ertag erhöhen, waren reine Erfahrungswerte.

Der Satz 'Alle Dinge stehen unter dem Gesetze von Ursache und Wirkung' ist, solange er nicht genau definiert, was er eigentlich unter Ursache und Wirkung versteht, kompletter Schwachsinn. Unter Ursache und Wirkung kann man einen statistischen Zusammenhang verstehen, ein Phänomen korreliert positiv oder negativ mit einem anderen, eine Tendenz oder eine tatsächliche Erklärung, warum ein bestimmtes Ereignis eine bestimmte Konsequenz hat.

Aus rein praktischer Sicht interessiert man sich natürlich vor allem für die Frage, inwiefern ein Ereignis durch ein anderes Ereignis beeinflusst werden kann und mit welcher Präzision.

Ob es sich hierbei lediglich um einen statistischen Zusammenhang oder eine tatsächliche Erklärung handelt ist zweitrangig, solange der Zusammenhang stabil ist. Die Griechen hätten auf die Frage antworten können, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Acetylsalycilsäure den Kopfschmerz lindert, hätten also eine Aussage machen können, über einen statistischen Zusammenhang.

Auf die Frage, warum Acetylsalycilsäure den Kopfschmerz mildert, hätten sie nicht antworten können. Wahrscheinlich hätten sie irgendein Gott für verantwortlich erklärt, das haben sie in der Regel getan, wenn ihnen etwas unklar war.

Unstrittig ist, dass die Beantwortung von warum Fragen interessanter ist, als die Angabe von Wahrscheinlichkeiten.

Kann man die warum - Frage klären, ist ein präziserer Eingriff möglich. Kennt man lediglich einen statistischen Zusammenhang, aber nicht den Transmissionsmechanismus, dann ist der Eingriff unpräzise.

Wenn man zum Beispiel lediglich weiß, dass bestimmte Pflanzen, wie etwa die Winterwicke, den Ertrag steigern, dann kann man Winterwicke anpflanzen. Wenn man aber den genauen Wirkungsmechanismus kennt, also weiß, dass die Winterwicke den Boden mit Stickstoff anreichert, kann man auch direkt Stickstoff als Dünger hinzugeben.

Zu deutsch: Er operiert mit vagen Begriffen. 'Exakte Wissenschaft', 'Gesetze von Ursache und Wirkung' bedeuten einfach nichts.

Im Übrigen ist auch der Begriff 'Gesetz' dubios, weil viele 'Gesetze', vor allem in der Physik, letztlich auch nicht kausal erklärt werden können. Die Gravitation ist ganz unstrittig ein äußerst stabiler Zusammenhang, aber letztlich fehlt die Erklärung, warum sich zwei Körper anziehen.

Die Stärke, mit der sie sich anziehen, lässt sich berechnen. Die Frage warum sie sich anziehen allerdings lässt sich nicht beantworten. Exaktheit ist nichts, was a priori definiert ist. Exakt bestimmt sich nach dem Zweck.

Wer Kopfschmerzen hat, interessiert sich für die Wahrscheinlichkeit mit der Acetylsalycilsäure den Schmerz lindert. Die Pharmaindustrie interessiert sich für den genauen Kausalzusammenhang, weil die Wahrscheinlichkeit, alternative Wirkstoffe zu finden steigt, wenn man diesen Zusammenhang kennt.

Er führt also, siehe Präliminarien, die gleiche Gespensterdiskussion, die auch heute ständig geführt wird, wobei es eigentlich weniger um exakt oder nicht exakt geht, sondern um relevant oder irrelevant. Das eingangs von ihm erwähnte Problem, dass sich die Praktiker für das Geschriebsel der Vwl nicht interessieren, hängt weniger mit der Frage zusammen, ob die Erkenntnisse der VWL exakt oder nicht exakt sind. Das Problem besteht schlicht darin, dass diese Erkenntnisse über weite Strecken schlicht irrelevant sind.

Es geht dann weitgehend freidrehend weiter.

Es scheint mir nun vor Allem von der höchsten Wichtigkeit zu sein, dass man in unserer Wissenschaft sich klar werde über den ursächlichen Zusammenhang der Güter; denn wie in allen anderen Wissenschaften, so wird auch in der unseren der wahre und dauernde Fortschritt erst dann beginnen, wenn wir die Objecte unserer wissenschaftlichen Beobachtung nicht mehr lediglich als vereinzelte Erscheinungen betrachten, sondern uns bemühen werden, den Causal-Zusammenhang derselben zu erforschen und die Gesetze, unter welchen sie stehen. Das Brot, das wir geniessen, das Mehl, aus welchen wir das Brot bereiten das Getreide, das wir zu Mehl vermahlen, der Acker, auf welchem das Getreide wächst, alle diese Dinge sind Güter. Es ist diese Erkenntniss jedoch für unsere Wissenschaft nicht ausreichend, vielmehr ist es nothwendig, dass wir, wie dies in allen übrigen Erfahrungswissenschaften geschehen ist, uns bemühen, die Güter nach inneren Gründen zu ordnen, die Stelle kennen zu lernen, welche jedes derselben in dem Causal-nexus der Güter einnimmt und schliesslich die Gesetze zu erforschen, unter welchen sie in dieser Rücksicht stehen.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Erstes Capitel, Ueber den Causal-Zusammenhang der Güter

Carl Menger war eine zeitlang Erzieher des österreichischen Kronprinzen Rudolf (Rudolf ist nicht der, der in Sarajewo hingemeuchelt wurde, das war ein Ersatzmann), der sich umbrachte. Müsste sich der Autor so ein Geschwurbel länger anhören, würde er wahrscheinlich auch aus dem Fenster springen.

Er will schlussendlich darauf hinaus, dass es zur Produktion von Konsumgütern bestimmter Vorprodukte bedarf und man diese Vorprodukte sinnvoll kombinieren muss. Wer Brot backen will, muss wissen, wie man Hefe einsetzt und was sie bewirkt. Allerdings liegt er völlig falsch mit seiner Annahme, dass es Aufgabe der VWL ist, diese 'Causal-Zusammenhänge' zu ergründen, die VWL sozusagen zur Superwissenschaft umzugestalten, die Chemie, Ingenieurswissenschaften, Biologie, Medizin, Ernährungswissenschaften etc. in sich vereint.

Wir sind ja schwer dafür, die Volkswirtschaftslehre als Querschnittswissenschaft zu betrachten. Wir würden auch sagen, dass man das, was man heute in 8 Semestern macht kurz und knackig auf drei Semester zusammenstreicht. In der so gewonnenen Zeit könnten die Studis sich spezialisieren, siehe Änderung des Etiketts für den gleichen Inhalt: Bachelor / Master. Allerdings ist der Ausbau der Volkswirtschaftslehre zur Superwissenschaft, die alle kausalen Zusammenhänge dieser Welt studiert, wohl ziemlicher Schwachsinn. Der Volkswirt könnte die Anwendungsmöglichkeiten von Bioplastics ermitteln, das hat dann z.B. was zu tun mit Kosten. Werden Alternativen verglichen, z.B. Geschirr aus Bioplastics mit herkömmlichem Wegwerfgeschirr, hat der Fachmann für Bioplastics auch keine Vorteile, der Volkswirt ist aber unter Umständen in der Lage, ein Thema aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.

Biologie, Chemie, Physik, Ingenieurswissenschaften etc. beschäftigen sich mit 'Causal-Zusammenhängen', von denen manche für Produktionsprozesse relevant sind. Was ihn offensichtlich umtreibt, das treibt auch Alfred Marshall um, ist die Frage, wodurch sich die Volkswirtschaftlehre von anderen Wissenschaften abgrenzt. Für Alfred Marshall ist Gegenstand der Volkswirtschaftlehre menschliches Handeln, soweit es sich monetär messen lässt. Manche moderne Lehrbücher definieren die Volkswirtschaftlehre als die Lehre von den Märkten, was problematisch ist, denn die Hälfte des Sozialproduktes geht durch die Hände des Staates. Die Definition von Alfred Marshall dürfte die Sinnvollste sein. Für den 'Causal-nexus' der Güter interessieren wir uns auf jeden Fall nicht die Bohne. Da halten wir es ganz konservativ mit Adam Smith und mit der Arbeitsteilung.

Will man ihn großzügig interpretieren, dann hat er erkannt, dass ein ganz entscheidender Faktor für Wohlstand eben Wissen ist. Wissen oder, da wir nun mal von Wirtschaft sprechen Know-How, also instrumentell einsetzbares Wissen, ist tatsächlich bis auf den heutigen Tag kein Produktionsfaktor in der akademischen VWL, obwohl es eigentlich der einzig relevante Produktionsfaktor überhaupt ist. Allerdings hatte Alfred Marshall mehr dazu zu sagen, siehe Bildung.

Wenn nun aber die Menschen diese roheste Form der Wirthschaft verlassen, die Dinge erforschen, durch deren Verbindung im Causalprocesse die Genussmittel entstehen und dieselben in ihre Gewalt nehmen, das ist zu Gütern höherer Ordnung gestalten, so erfolgt die Entstehung der Genussmittel zwar vor wie nach auf Grundlage des Causal-Gesetzes, aber ihr Entstehen ist den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen gegenüber nicht mehr etwas Zufälliges, sondern ein Process, der in der Gewalt der Menschen ist und sich innerhalb der durch die Naturgesetze gezogenen Schranken nach menschlichen Zwecken regelt. Die Genussmittel, welche früher das Product eines zufälligen Zusammentreffens der Bedingungen ihrer Entstehung waren, sind, sobald die Menschen diese letztern erkannt und in ihre Gewalt genommen haben, innerhalb der durch die Naturgesetze gezogenen Grenzen ein Product ihres Willens, und die den Menschen verfügbaren Quantitäten derselben finden ihre Grenze nur in den Grenzen ihrer Einsicht in den ursächlichen Zusammenhang der Dinge und in dem Umfang ihrer Macht über diese letztern.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Ueber die Ursachen der fortschreitenden Wohlfahrt der Menschen

Er will uns also mitteilen, dass die Wikinger den Met zuerst zufällig erfunden haben. Wussten sie aber aufgrund der Erfahrung unter welchen Umständen er entsteht, konnten sie sich besaufen, wann immer es ihnen nach eine großen Besäufnis zumute war.

Das Problem ist, dass die Wikinger lediglich Erfahrungswerte hatten, kausal bekannt war ihnen nix und der olle Menger wusste auch nicht, warum man Hefe zum Brot dazugeben muss. Er wusste lediglich, dass man es dazu geben muss.

Die Güter 'höherer Ordnung' sind dann Wasser und Honig, je weiter entfernt vom Konsumgut desto höher, der Met ist dann ein Produkt aus der Gruppe 'niederer Ordnung'. Wieso Roh-, Hilfs- und Betriebstoffe 'höherer Ordnung' sind und Konsumgüter 'niederer Ordnung', logischer wäre ja, dass Güter umso höherwertiger sind, je mehr sie bereits weiterverarbeitet wurden, muss man nicht verstehen.

Wer will, kann anerkennen, dass er technischen Fortschritt nicht einfach in einer Variablen versteckt bzw. in der Kurve die das Grenzprodukt der Arbeit abbildet einfach gleich mitverbackt. Dass ein Volkswirtschaftler mal bemerkt, dass Wissen ein ganz entscheidender Faktor ist, ist schon mal anerkennenswert, denn unsere Ansprüche sind ja inzwischen nicht mehr besonders hoch.

Die Neoklassik hat, auch wenn alle Liberale und Marktwirtschaftler sich auf die Klassik und Neoklassik berufen, fundamentale Probleme die marktwirtschaftliche Ordnung zu verstehen.

Es haben demnach die menschliche Wirthschaft und das Eigenthum einen gemeinsamen wirthschaftlichen Ursprung, denn beide haben ihren letzten Grund darin, dass es Güter gibt, deren verfügbare Quantität geringer ist, als der Bedarf der Menschen, und ist das Eigenthum somit, gleich wie die Wirthschaft der Menschen, keine willkürliche Erfindung, sondern vielmehr die einzig mögliche practische Lösung jenes Problems, das uns die Natur der Dinge, das obige Missverhältniss zwischen Bedarf und verfügbarer Gütermenge, bei allen wirthschaftlichen Gütern aufdrängt.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Ueber den Ursprung der menschlichen Wirthschaft und die wirthschaftlichen (ökonomischen) Güter

Die Überlegung ist die. Ist ein Dorf an einem rauschenden Dorfbach gelegen, der mehr Wasser führt, als alle Einwohner des Dorfes gebrauchen können, dann muss nicht rationiert werden und da nicht rationiert werden muss, besteht auch keine Notwendigkeit, irgendjemand zum Besitzer des Baches zu erklären.

Einfacher: Etwas was im Überfluss vorhanden ist, wie etwa, noch, Luft, hat keinen Preis. Folglich hat niemand ein Interesse daran, es zu besitzen, noch besteht die Notwendigkeit, das Gut zu rationieren.

In der Formulierung allerdings, wie er es vorträgt, offenbart er ein totales Unverständnis der marktwirtschaftlichen Ordnung. Sollte die Bemerkung als Argument gegen den Sozialismus gedacht sein, so ist das Argument eher kontraproduktiv, denn er klärt die entscheidenden Frage nicht: Wenn rationiert werden muss, dann stellt sich die Frage WIE rationiert wird und diese, sehr entscheidende Frage, lässt er offen.

Nach seiner Logik macht es überhaupt keinen Unterschied, ob Eigentumsverhältnisse das Ergebnis einer am Markt erzielten Leistung sind, also verdient wurden, oder das Ergebnis eines Raubes.

Weiter vergisst er die Generalklausel der Volkswirtschaftslehre. Wurde der heroische Entschluss gefasst, ein Staatswesen demokratisch zu ordnen, ein wohl sinnvoller Entschluss, dann wird und kann sich nur eine Wirtschaftsauffassung durchsetzen, die das Allgemeinwohl vertritt, denn andernfalls würde die Mehrheit die Verhältnisse über Wahlen ändern.

Es ist von daher der Nachweis zu erbringen, andernfalls würde es politisch geändert, dass der Besitz von Eigentum letztlich dem Allgemeinwohl dient. Das ist die Grundthese von Adam Smith und so steht das dann auch in Artikel 14, Abs. 2 des Grundgesetzes der BRD. Für diese These spricht so manches.

Beamte zum Beispiel, die ja immer Kommunisten sind, verwalten Gelder, die sie nicht selber erwirtschaftet haben und werden auch nicht belohnt, wenn sie effizient wirtschaften. Entlassen werden sie auch nie und die Pension ist sicherer als das Jüngste Gericht. Das heißt, dass es ihnen völlig egal ist, ob Geld zum Fenster rausgeworfen wird oder nicht, mit der allseits bekannten Konsequenz.

Mit Knappheit lässt sich Eigentum überhaupt nicht rechtfertigen, zumal auch andere Rationierungsmechanismen denkbar sind. Es trifft für zahlreiche Vertreter der Neoklassik, und auch für die dozierende Ökokaste, zu, dass sie die marktwirtschaftliche Ordnung im Grunde überhaupt nicht verstehen. So wie er es darstellt, wäre das Eigentum tatsächlich eine vollkommen 'willkürliche Erfindung'.

Selbst wenn wir konzedieren, dass er den Zusammenhang zwischen Demokratie und Wirtschaftsordnung nicht sehen konnte, die österreichisch-ungarische Donaumonarchie war nicht gerade das, was man als Demokratie bezeichnen würde, so hätte ihm doch klar sein müssen, dass Knappheit allein den Schutz von Eigentum durch den Staat nicht rechtfertigen kann. Nach dieser Logik müsste der Staat auch Bankräuber schützen oder Raubritter. Dass es bei dieser Frage irgendwie auch um Verteilung geht, erwähnt er in einem Satz, ohne allerdings genau zu erklären, WIE die Verteilung zu erfolgen hat und welche Ziele mit der Verteilung verfolgt werden.

Es ist demnach auch unmöglich, die Institution des Eigenthums zu beseitigen, ohne die Ursachen aufzuheben, die mit Nothwendigkeit dazu führten, das ist, ohne zugleich die verfügbare Quantität sämmtlicher ökonomischen Güter so weit zu vermehren, dass der Bedarf aller Mitglieder der Gesellschaft vollständig gedeckt sei, oder aber die Bedürfnisse der Menschen so weit zu veringern, dass die ihnen verfügbaren Güter zur vollständigen Befriedigung ihrer Bedürfnisse ausreichen würden. Ohne dass solcherart das Gleichgewicht zwischen Bedarf und verfügbarer Menge hergestellt werden würde, könnte eine neue sociale Ordnung wohl bewirken, dass andere Personen die verfügbaren Quantitäten ökonomischer Güter zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse verwenden würden, als dies gegenwärtig der Fall ist, niemals könnte aber hierdurch verhindert werden, dass es Personen gäbe, deren Bedarf an den ökonomischen Gütern nicht, oder nur unvollständig gedeckt wäre, und denen gegenüber die Besitzer ökonomischer Güter gegen allfällige Gewaltthätigkeiten geschützt werden müssten. Das Eigenthum in dem obigen Sinne ist demnach unzertrennbar von der menschlichen Wirthschaft in ihrer socialen Gestalt und alle socialen Reformpläne können vernünftigerweise nur auf eine zweckmässige Vertheilung der ökonomischen Güter, nicht aber auf die Aufhebung der Institution des Eigenthums selbst, gerichtet sein.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Ueber den Ursprung der menschlichen Wirthschaft und die wirthschaftlichen (ökonomischen) Güter

Es ist hinlänglich deutlich geworden, dass der Autor kein Anhänger des Sozialismus ist (siehe Karl Marx), aber diese Begründung ist so schwachsinnig, dagegen ist Marx ja geradezu eine Koriphäe.

Typisch an dieser Argumentation ist, das trifft dann auch auf die dozierende Ökokaste zu, dass er die wirklich spannenden Themen weiträumig umfährt. Er beschäftigt sich lieber mit der gesetzesmäßigen Entwicklung irrelevanter Sachverhalte. Das Adjektiv zweckmäßig, 'zweckmäßige Verteilung', suggeriert, dass er im Hinblick auf die Verteilung konkretere Vorstellung hat. Wir vermuten, er hatte Null Plan.

Zu seiner Generalthese, nämlich dass der Wert eines Gutes ausschließlich durch dessen Fähigkeit determiniert ist, subjektive Bedürfnisse zu befriedigen (die aber wiederum objektiv sind, siehe oben Behaviorismus) kommt er erst recht spät.

Steht dies nun aber fest, so ist auch klar, dass der ökonomische, beziehungsweise der nicht ökonomische Charakter der Güter nichts ihnen Anhaftendes, keine Eigenschaft derselben ist, und dass deshalb jedes Gut, ohne Rücksicht auf innere Eigenschaften, oder äusserliche Momente den ökonomischen Charakter erlangt, falls es in das oben dargelegte Quantitätenverhältniss tritt und denselben einbüsst, wofern dies Verhältniss in sein Gegentheil verwandelt wird.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Ueber den Ursprung der menschlichen Wirthschaft und die wirthschaftlichen (ökonomischen) Güter

Soll heißen: Der Wert eines Gutes bestimmt sich nicht durch die Herstellungskosten oder gar durch die für seine Produktion aufgewendete Arbeit (siehe Marx), sondern allein durch seine Fähigkeit, ein menschliches Bedürfnis zu befriedigen und seine Knappheit. 'Der Eintritt in das Quantitätenverhältnis' erfolgt, wenn ein Gut knapp wird. Brennholz kann zum Beispiel in den tiefen der kanadischen Wälder so üppig vorhanden sein, dass es keinen Wert hat. Kommt aber jetzt jemand auf die Idee und baut an einem See 200 Ferienbungalows mit Grill und Barbecue, dann wird Holz knapp und bekommt einen Wert. Wenn die Touris dann wieder abziehen, wird Brennholz wieder zu einem freien Gut. Genau genommen ist es nicht mal die Eigenschaft eines Gutes selbst, so seine These, das einem Gut einen Wert verleiht, sondern seine Fähigkeit, ein Bedürfnis zu befriedigen.

Der Werth ist demnach nichts den Gütern Anhaftendes, keine Eigenschaft derselben, eben so wenig aber auch ein selbstständiges, für sich bestehendes Ding. Derselbe ist ein Urtheil, welches die wirthschaftenden Menschen über die Bedeutung der in ihrer Verfügung befindlichen Güter für die Aufrechthaltung ihres Lebens und ihrer Wohlfahrt fällen, und demnach ausserhalb des Bewusstseins derselben nicht vorhanden. Es ist demnach auch durchaus irrig, wenn ein Gut, welches für die wirthschaftenden Subjecte Werth hat, ein „Werth“ genannt wird, oder aber die Volkswirthe gar von „Werthen“, gleichwie von selbstständigen realen Dingen sprechen, und der Werth solcherart objectivirt wird. Denn das, was objectiv besteht, sind doch immer nur die Dinge, beziehungsweise die Quantitäten derselben, und ihr Werth ist etwas von denselben wesentlich verschiedenes, ein Urtheil nämlich, welches sich die wirthschaftenden Individuen über die Bedeutung bilden, welche die Verfügung über dieselben für die Aufrechterhaltung ihres Lebens, beziehungsweise ihrer Wohlfahrt hat. Es hat aber die Objectivirung des seiner Natur nach durchaus subjectiven Güterwerthes gleichfalls sehr viel zur Verwirrung der Grundlagen unserer Wissenschaft beigetragen.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Die Lehre vom Werthe

Das Problem bei dieser Überlegung ist, dass es auf den Werth eines Gutes wirtschaftlich überhaupt gar nicht ankommt. Es kommt darauf an, ob ein Gut zu einem bestimmten Preis gekauft und verkauft wird. Es ist mit Sicherheit eine interessante Erkenntnis, dass für irgendjemanden ein Smartphone einen Wert von 50 Euro hat (neu).

Das Problem ist, dass er es zu diesem Preis nirgends kaufen kann. Alle Überlegungen, die er von nun anstellt, berücksichtigen mit keinem Wort die Herstellungskosten.

Seine Erläuterungen beziehen sich auf reine Tauschhandlungen und abstrahieren von der Tatsache, dass die Güter, die getauscht werden, auch mal hergestellt wurden. Liegt die Menge fest, handelt es sich also um einen reinen Tauschmarkt, dann bekommt derjenige das Gut, dem es am meisten "wert" ist und der das Geld auch hat. Wird ein Gut aber produziert, so etwa 99 Prozent aller Güter, dann kommt es darauf an, was es in der Produktion kostet. Dann gibt es eine Menge Leute, für die das Gut keinen besonderen "Wert" hat, die es aber trotzdem kaufen, weil es billig ist. Die Frag, welchen "Wert" ein Gut für irgendjemanden hat, ist völlig irrelevant. Die Frage ist, ob er es tatsächlich kaufen kann und kaufen kann er es, wenn irgendjemand es zu einem Preis anbieten kann, den irgendjemand bezahlen will und kann.

Er kann nun subjektiv der Meinung sein, dass ein Auto, das 8000 Euro kostet in der Herstellung eigentlich nur 2000 Euro wert ist und folglich auch dem Autohändler nur 2000 Euro auf den Tisch liegen und davon fahren, aber er bekommt dann heftig Ärger. Das Strafrecht teilt seine Ansicht, aus nachvollziehbaren Gründen, nicht.

Ein Großteil der Diskussion um den Wert eines Gutes kommt dadurch zustande, dass zwischen reinen Tauschmärkten und Märkten, wo Güter produziert werden, nicht unterschieden wird. Bei reinen Tauschmärkten, wo also die Menge begrenzt ist, ist es in der Tat derjenige, der am meisten zahlen will und kann, der das Gut bekommt. In Märkten allerdings, wo ein gut auch produziert wird, der Normalfall, bekommt jeder das Gut, der soviel bezahlen kann und will, wie die Herstellung kostet und wenn ein Gut billiger produziert werden kann, gibt es eben auch mehr Leute, die den entsprechenden Preis bezahlen können und wollen.

Getauscht wird solange, wie der Nutzenverlust durch die Abgabe eines Gutes durch den Nutzengewinn des erlangten Gutes kompensiert wird. Dies impliziert einen abnehmenden Grenznutzen. Wir finden oft erwähnt, dass die Idee vom abnehmenden Grenznutzen gleichzeitig von Léon Walras und Carl Menger 'entdeckt' wurde.

Wir vermuten, die Idee ist so trivial, dass sie schlicht common sense war und lediglich von verschiedenen Leuten aufgeschrieben wurde. Nach seiner Logik dürfte es Knappheit gar nicht geben, da die Herstellungskosten überhaupt keine Rolle spielen.

Unter diesen Auspizien könnte jede x-beliebige Menge produziert werden und zu den entsprechenden 'Werten' eben abgesetzt werden. Wir ahnen schon, warum Alfred Marshall ihn schlicht ignoriert hat.

Wie aber schon bei Karl Marx interessiert uns weniger die Tatsache, dass wir es mit komplettem Schwachsinn zu tun haben. Uns interessiert, warum niemandem auffällt, dass das kompletter Schwachsinn ist. Es dürfte jedem klar sein, dass ein Einkauf auf Basis subjektiver Werteinschätzungen unter Umständen ein strafrechtlich relevanter Vorgang ist. Wir lesen im Internet und an tausend anderen Stellen sowas.

In diesen Grundsätzen, die 1871 erschienen, weist er nach, daß der Wert eines Gutes durch die subjektive Wertschätzung seiner jeweils letzten Einheit („Grenzeinheit“) bestimmt wird (Grenznutzenbetrachtung). Damit war es ihm gelungen, erstmals ein abschliessendes Gesetz der Preisbildung zu finden. Schon als junger Beamter, als er noch für die “Wiener Zeitung” Marktberichte schreiben musste, hatte er sich mit dieser Problematik beschäftigt. Er entdeckte dabei, “dass die letzte Quelle der Preisbildung die Wertschätzung sei, welche die schliesslichen Abnehmer der Güter, die Konsumenten, hätten.”

www.mises.de

Dieses Gesetz kollidiert ganz heftig mit dem Strafgesetz und jemand, der ein Auto im einem Autohaus klaut und auf den Tresen die Summe Geld hinlegt, die nach seiner subjektiven Wertschätzung korrekt ist, bekommt ein Problem und er wird vermutlich den Richter nicht von der Richtigkeit dieses Gesetzes zur Preisbildung überzeugen können.

Im Vergleich dazu ist die Arbeitswertlehre von Karl Marx aus strafrechtlicher Sicht unproblematischer. Das Phänomen ist irgendwie kurios. Hat sich mal ein 'Wissen' als Kanon etabliert, dann verleiht die institutionelle Verankerung diesem 'Wissen' ein solche Prestige, dass es irgendwie gegen die Wirklichkeit vollkommen immunisiert ist.

Hinzukommt, dass der Weitertransport dieses Unsinns für die dozierende Ökokaste rentabel ist. Ob sie Sinnvolles oder Sinnloses erzählen, auf das Gehalt hat das keinen Einfluss. Den Studis wiederum geht es nicht um Inhalte, sondern um den Schein bzw. neuerdings um die Credit Points. Dass mit diesem abschliessenden Gesetz zur Preisbildung irgendwas nicht stimmen kann, kapiert schon ein Sechsjähriger. Wer also meint, dass das Irrenhaus DDR ein einzigartiges historisches Phänomen war, der irrt gewaltig.

Schlussendlich werden die Überlegungen Carl Mengers auf das Pareto Optimum hinauslaufen. Erstmal erklärt er den abnehmenden Grenznutzen.

Auch bei der Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses der Menschen ist demnach unschwer zu erkennen, dass die Bedeutung, welche die einzelnen concreten Acte dieser Befriedigung für die Menschen haben, sehr ungleich ist. Von der Befriedigung unseres Wohnungsbedürfnisses bis zu einem gewissen Puncte hängt unser Leben, von einer darüber hinausgehenden vollständigeren Befriedigung desselben unsere Gesundheit, von einer auch darüber hinausgehenden Befriedigung noch immer ein bald grösserer bald geringerer Genuss ab, bis sich endlich mit Rücksicht auf jede Person ein Punct denken lässt, wo derselben die weitere Benützung von ihr verfügbaren Wohnräumen völlig gleichgiltig, schliesslich sogar lästig werden müsste.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Ueber das ursprünglichste Mass des Güterwerthes

Er erklärt also zu Deutsch, dass mit zunehmenden Konsum eines Gutes der Nutzen abnimmt, das ist aber genau das, was schon Fünfjährige wissen. Diese werden zwar immer Oma und Opa die größte Eistüte aus dem Kreuz leiern, die überhaupt verfügbar ist, aber einen Teil davon an den Hund verfüttern.

Die Frage also, ob Heinrich Gossen, Léon Walras, Carl Menger, Alfred Marschall, Vilfredo Pareto diese ungemein subtile Erkenntnis gleichzeitig, nacheinander, vorzeitig hatten oder ob der eine vom anderen abgeschrieben hat, braucht kaum näher erläutert zu werden. Dem Gedanken fehlt, um es mal aus der Sicht des Urheberrechts zu betrachten, die nötige Schöpfungshöhe. Er kann immer und überall zitiert werden.

Präziser hat das Gesetz allerdings Jean Baptiste Say formuliert, weil seine Beschreibung beide Fälle umfasst. Zum einen den Fall, dass der Grenznutzen mit zunehmendem Konsum abnimmt und zweitens den weit relevanteren Fall, dass die Nutzen der jeweiligen Güter zueinander in Konkurrenz stehen. Dieser Fall ist deswegen relevanter, weil von einem Gut in der Regel nur ein EINZIGES Exemplar konsumiert wird, siehe Saysches Gesetz.

Die Charakterisierung dieser Einsicht als subtile Erleuchtung scheitert im Übrigen schon daran, dass etwas beschrieben wird, was alle tun. Wenn es aber alle tun, dann ist es allen bekannt. Was aber allen bekannt ist, ist keine subtile Einsicht.

Wer jetzt auf die Idee kommt, dass man nach der gleichen Logik auch die Erkenntnisse der Linguisten mit demselben Argument als trivial abtun könnte, schließlich beschreiben sie nur, was alle machen, der liegt nicht ganz richtig. Kauft jemand beim Bäcker eine halbe Torte und keine ganze kann er auf die Frage, WARUM er keine ganze Torte kauft, eine Antwort geben: "Weil ich nach der halben Torte pappsatt bin."

Er hat eine bewusste Entscheidung getroffen. Wenn wir ein linguistisches Problem haben, dann haben wir es zwar sehr oft mit einer effizienten Lösungsstrategie zu tun, aber diese ist nicht bewusst. Lesen wir in einer Speisekarte, dass Salat je nach Saison angeboten wird, dann wird das Gehirn das Wort Salat auflösen, also Tomatensalat, Gurkensalat, Endiviensalat whatever. Hören wir aber einen Satz wie "Da haben wir den Salat", wird das Gehirn das Wort Salat nicht weiter auflösen, weil es nichts aufzulösen gibt.

Bei der sprachlichen Verarbeitung der Welt finden also innerhalb von Millisekunden höchst komplexe Prozesse statt. Es wird nicht nur eine Verbindung hergestellt zu einem weiten Assoziationsfeld, sondern es wird auch darüber entschieden, was überhaupt aufglöst wird. Dass solche Prozesse jeder jeden Tag ein paar 100 wenn nicht ein paar 1000 Mal durchführt, ist unstrittig. In diesem Fall wäre es aber sogar schwierig, den Leuten klar zu machen, dass es hier überhaupt ein gewaltiges Problem gibt. Allerdings ist beim derzeitigen Stand der Wissenschaft kein Mensch in der Lage zu klären, was eigentlich im Gehirn vorgeht.

Einfacheres Beispiel: Wir alle wissen, dass der Satz "Ich gebe dem Buch den Mann" falsch ist, Akkusativ und Dativ verdreht ist. Alles wissen, dass dieser Satz falsch ist. Aber ein sechjähriges Kind weiß nicht, warum er falsch ist. (Und was Erwachsene angeht, sind die Verhältnisse, denkt man länger darüber nach, eigentlich auch nicht klar.)

Wir sagen also nicht, dass menschliches Verhalten prinzipiell trivial ist. In dem Moment aber, in dem menschliches Verhalten auf einer bewussten Entscheidung beruht, weiß der Beobachtende kaum mehr als derjenige, der die Entscheidung trifft. Warum man nicht beim Wochenendeinkauf 40 kg Nudeln kauft, weiß schlicht jeder. Die Information, dass das mit dem abnehmenden Grenznutzen der Nudeln zu tun hat, ist durchaus entbehrlich. In dem Stil geht es dann weiter.

Wir haben gesehen, dass das Bestreben der Menschen dahin geht, ihre Bedürfnisse vollständig, wo dies aber unthunlich erscheint, doch so vollständig als möglich zu befriedigen. Steht nun eine Quantität von Gütern Bedürfnissen gegenüber, deren Befriedigung für die Menschen eine verschiedene Bedeutung hat, so werden sie zunächst jenen Bedürfnissen genügen, oder aber dafür vorsorgen, deren Befriedigung für sie die höchste Bedeutung hat.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Ueber das ursprünglichste Mass des Güterwerthes

Im Grunde kennen wir das schon von Mick Jagger.

And you can't always get what you want
but you can try sometimes
to get what you need

www.youtube.com

So rein literarisch fällt uns dazu ein, dass das ja irgendwie eine konstruktive Einstellung ist, also von den Rolling Stones. Manche Leute werden ja von ihren Sehnsüchten aus dem Leben hinausgetrieben. Aber das ist dann wohl eher die Liga Lyrik, definitiv nicht die Baustelle von Carl Menger. Aber anstrengend sind so Typen wie der Menger, Gott sei' s getrommelt und gepfiffen.

Nach unendlich langem Geschwurbel schafft er es dann schlussendlich das gleiche zu erzählen, was uns auch Pareto schon erzählt. Für diese bahnbrechende Erkenntnisse hat er jetzt 161 Seiten gebraucht.

Liegen nun aber unserer Beobachtung Fälle vor, wo ein „zu wenig“ des Tausches nicht den vollen ökonomischen Nutzen gewährt, der sich aus der Ausbeutung eines vorliegenden Verhältnisses erzielen lässt, ein „zu viel“ desselben aber die gleiche Wirkung, ja nicht selten sogar eine Verschlechterung der ökonomischen Lage der beiden Tauschenden zur Folge hat, so muss es eine Grenze geben, wo der volle ökonomische Nutzen, der sich aus der Ausbeutung eines gegebenen Verhältnisses erzielen lässt, bereits erreicht ist und jeder weitere Austausch von Theilquantitäten unökonomisch zu werden beginnt.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Die Grenzen des ökonomischen Tausches

Soll heißen: Wenn der eine zehn Packungen Miracoli hat und der andere 10 Liter Apfelsaft und der Vorrat 3 Tage reichen soll, dann hat die zehnte Packung Miracoli keinen allzu großen Nutzwert und der zehnte Liter Apfelsaft auch nicht.

Für denjenigen aber, der nur Miracoli hat, hat 1 Liter Apfelsaft einen hohen Wert und umgekehrt für denjenigen, der 10 Liter Apfelsaft hat, die Packung Miracoli. Also eine 1 Einheit Miracoli wird auf jeden Fall gegen eine Einheit Apfelsaft getauscht. Die zweite auch noch und wahrscheinlich auch noch die dritte. Irgendwann aber wird es kritisch, spätestens dann, wenn sie alle zehn Einheiten austauschen, dann hätten sie ja die gleiche Situation wie vorher nur mit umgekehrten Vorzeichen. Irgendwo gibt es also ein optimales Tauschverhaltnis. Das ist das bekannte Miracoli-Apfelsaft Gesetz. Das optimale Tauschverhältnis nennt man das Miracoli-Apfelsaft Optimum oder auch Pareto - Optimum oder Carl Menger Optimum oder Bananen Optimum.

Von da kommt er dann zu seiner Preistheorie.

Die Preise, oder mit andern Worten, die im Tausche zur Erscheinung gelangenden Güterquantitäten, so sehr sie sich auch unseren Sinnen aufdrängen und desshalb den gewöhnlichsten Gegenstand der wissenschaftlichen Beobachtung bilden, sind doch nichts weniger als das Wesentliche der ökonomischen Erscheinung des Tausches. Dieses liegt vielmehr in der durch den Tausch herbeigeführten besseren Vorsorge für die Befriedigung der Bedürfnisse der beiden Tauschenden. Die wirthschaftenden Menschen haben das Bestreben, ihre ökonomische Lage nach Möglichkeit zu verbessern. Zu diesem Zwecke setzen sie ihre wirthschaftliche Thätigkeit überhaupt in Bewegung und zu diesem Zwecke tauschen sie auch die Güter aus, wo immer hiedurch derselbe erreicht werden kann. Die Preise sind hierbei aber lediglich accidentielle Erscheinungen, Symptome des ökonomischen Ausgleiches zwischen den menschlichen Wirthschaften.

aus: Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Die Lehre vom Preise

Puh. Also der gute Mann war zu dem Zeitpunkt, als er das geschrieben hat 31. Wie kann man in so jungen Jahren so verquast dichten. Sagen will er, dass sich in den Preisen letztlich das Potential zur Bedürfnisbefriedigung spiegelt. Tauscht also jemand 2 Liter Apfelsaft gegen 1 Packung Miracoli, dann ist 1 Liter Apfelsaft 50 Cent wert und die Miracoli Packung 1 Euro. Der Nutzen in Geld muss immer der gleiche sein. So kommt er also von der Nutzentheorie zu einer Preistheorie.

Seine Argumentation den Wert eines Gutes allein durch dessen Fähigkeit Bedürfnisse zu befrieden zu bestimmen klingt bei ihm plausibel. Der Haken dabei ist, dass alle seine Beispiele auf Tausch beruhen, er die Herstellungskosten also gar nicht im Blick hat. Was zum Tausch zur Verfügung steht, muss erstmal produziert worden sein.

Mit der Frage, ob der Preis von der Anbieter- oder der Nachfrageseite determiniert wird, werden wir uns nochmal bei Alfred Marshall beschäftigen. Kurzfristig ist der Preis durch die Nachfrage bestimmt, weil kurzfristig keine Mengenanpassung erfolgen kann. Langfristig ist er durch die Angebotsseite bestimmt, siehe Langfristiges und kurzfristiges Gleichgewicht. Das Angebot wird sich an eine erhöhte Nachfrage anpassen, was wiederum durch die Fixkostendegression und Skalenerträgen bei Einkauf, Vertrieb, Marketing in sinkenden Grenzkosten niederschlägt.

Wer will kann es so sehen.

Karl Marx und David Ricardo haben eine langfristige Betrachtung, für sie ist also der Preis einer Ware durch die Herstellungskosten, also von der Angebotsseite her determiniert.

Für Léon Walras, Carl Menger und Vilfredo Pareto, sie orientieren sich an reinen Tauschmärkten, determiniert die Nachfrage den Preis, denn im reinen Tauschmarkt haben wir es mit einer kurzen Frist zu tun, bei der die Menge festgelegt ist. Kurzfristig kann die Menge gar nicht reagieren, denn sie sitzt fest. Etwas langfristiger kann sie sich anpassen, allerdings bei gegebenen Produktionsstrukturen (was wiederum zu Produzentenrenten führt). Sehr langfristig sind natürlich auch die Produktionsstrukturen keine feste Größe. Kurzfristig schlägt also eine Veränderung der Nachfrage voll auf den Preis durch. Etwas längerfristiger, kommt es zu einer Preis- und Mengenanpassung. Allerdings kann sich auch dann die Menge nur im Rahmen der gegebenen Produktionsstrukturen anpassen. Langfristig, und das ist das, was wir erleben, führt die Ausdehnung der Nachfrage allerdings zu einer Kostenreduktion, da sich, in modernen Volkswirtschaften, das Angebot dauerhaft anpassen wird. Allerdings können auch schon kurzfristig die Kosten sinken, wenn es durch die erhöhte Nachfrage zu einer Fixkostendegression kommt.

Der entscheidende Fehler der Instrumente, die wir in Lehrbüchern zur Mikroökonomie finden, ist, dass diese mit Grenzkosten argumentieren, also von Fixkosten abstrahieren. Bei der industriellen Fertigung sind allerdings die Fixkosten entscheidend, die variablen Kosten sind ein Posten unter ferner liefen. Bei einem durchschnittlichen Auslastungsgrad der Industrie von etwa 80 Prozent, werden die Kosten bei einer Ausdehnung der Nachfrage und der Produktion sinken, nicht steigen.

Beispiel: Die infos24 GmbH verkauft Bücher. Würde die Nachfrage steigen, würden wir sie im A3 Offset Verfahren drucken lassen, was wir momentan nicht tun, weil wir dann zu lange Bücher auf Vorrat hätten. Dies wäre ungünstig, weil wir die Inhalte, bei den Sprachportalen, z.B. www.spanisch-lehrbuch.de, immer wieder ändern.

Richtig liegt dann Alfred Marshall, er unterscheidet zwischen einer langfristigen und einer kurzfristigen Betrachtung. Ob man allerdings für die Lösung dieses Rätsels 150 Jahre brauchen darf, sei dahingestellt. Der Autor würde 15 Minuten für angemessen halten.

Da wir also das Menger-Optimum erreicht haben und eine weitere Steigerung nicht mehr möglich verlassen wir ihn jetzt.

Er ruhe in Frieden

Amen

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE

Originalwerk:
GRUNDSÄTZE DER VOLKSWIRTHSCHAFTS-LEHRE.

Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

Subjektive Wertbestimmung

Die "Grundsätze der Volkswirtschaftslehre" ist eigentlich eine Lehre vom Wert eines Gutes, denn dies ist das einzige Thema.

Menger sieht den Wert eines Gutes allein bestimmt durch die Wertschätzung, die dem Gut zugemessen wird.

Verantwortlich für den Denkfehler ist, dass er, wie Léon Walras auch, von Tauschmärkten ausgeht, oder Märkten, wo eine Mengenanpassung aus natürlichen Gründen nicht möglich ist.

Er verwechselt des weiteren "Wert" mit effektiver Nachfrag. Nur letztere ist entscheidend.

Welchen "Wert" irgend-jemand einem Gut beimisst, ist völlig irrelevant. Es kommt darauf an, was irgendjemand füre ein Gut bezahlen kann und will. Sinken die Produktions-kosten, gibt es mehr Leute, die das Gut kaufen wollen und können.

Die effektive Nachfrage, das einzige was tatsächlich interessiert, ist also von der Angebotsseite UND von der Nachfrageseite determiniert.

Zu unterscheiden ist zwischen einer kurzen und einer langen Frist.

In einer sehr kurzen Frist oder einem reinen Tauschmarkt, kann sich die Menge nicht anpassen, denn sie liegt fest.

Mittelfristig kann sich die Produktionsstruktur nicht anpassen, eine vermehrte Nachfrage wird einen Mengen UND Preiseffekt haben. Die Preise werden steigen.

Langfristig kann sich die Produktionsstruktur ändern und die Fixkosten-degression wird zu niedrigeren Preisen führen.

Das gilt allerdings dann nicht, wenn die Kapazitäten bereits unterbeschäftigt sind. In diesem Fall kann es auch kurzfristig zu einer Preissenkung kommen, wenn die Nachfrage anzieht.

 

infos24 GmbH