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2.1.2. kardinale Nutzenmessung

Bei der kardinalen Nutzenmessung wird der Nutzen, allgemein gesprochen, kardinal gemessen, bei Marshall monetär, wobei im Grunde kein anderer Maßtab denkbar ist, will man den Nutzen kardinal messen.

Die Grundidee ist schlicht die, dass jedes Bedürfnis irgendwann mal gestillt ist. Das ist auch die Idee bei der Kommasaufen Flatrate. Könnten die Kneipen nicht fest damit rechnen, dass auch dieses Bedürfnis irgendwann gestillt ist, könnten sie den Tarif nicht anbieten. (Nimmt man es ganz genau, liegt der Fall hier ein bisschen anders: Das Bedürfnis ist vielleicht nicht gestillt, aber es fehlt irgendwann die physische Möglichkeit, dem Bedürfnis weiter nachzugehen.)

Letztlich beruht auch der Rabatt auf dieser Idee. Kriegt man drei Flaschen Bier für 6 Euro und vier Flaschen für 7,50 dann ist der Grenznutzen der vierten Flasche 1,50 Euro. Da der Grenznutzen für die ersten drei Flaschen noch relativ hoch war, war jemand bereit 2 Euro pro Flasche zu bezahlen. Nach drei Flaschen ist er dann ziemlich abgefüllt, der Nutzen ist geringer, folglich zahlt er auch nur noch 1,50 pro Flasche.

Vorstellen kann man sich alle möglichen Szenarien. Beim Rabattsystem wird eine Menge en bloque gekauft, wobei der Stückpreis sinkt, je mehr gekauft wird. Allerdings ist das Konzept komplexer. Hat jemand bislang Müsli Joghurt von Ehrmann für 49 Cent gekauft und jetzt gibt es Kaffee Joghurt von Yogosan für ebenfalls 49 Cent (de facto gibt es denn nur im 1/2 Liter Becher, wir vereinfachen jetzt ein bisschen) und dieser stiftet einen höheren Nutzwert, dann gibt es mehr Nutzwert für's Geld und der Müsli Joghurt fliegt raus. Der Nutzen wird also optimiert durch die optimale Auswahl aus einer ganzen Produktpalette.

Geht man von einem fallenden Grenznutzen und der kardinalen Nutzenmessung aus, dann lässt sich so der typische fallende Verlauf der Nachfragekurve ableiten (je billiger ein Produkt, desto höher die Nachfrage) auch wenn man zwei Szenarien unterscheiden kann.

  • a) Unterstellt man, dass jedes Individium desto mehr nachfragt, desto geringer der Preis (siehe das Beispiel oben mit den Bierflaschen), dann ergibt sich durch die aggregierte Nachfragefunktion des Einzelnen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.
  • b) Unterstellt man, dass der relative Grenznutzen entscheidend ist, also das Produkt gewählt wird, das den höchsten Grenznutzen für' s Geld bringt, kann man die individuell nachgefragten Mengen ebenfalls aggregieren, am Verlauf ändert sich nichts. Es wird also in diesem Fall nur EIN Produkt gekauft. Beispiel: Computer kostet 800 Euro und stiftet 50 Nutzeneinheiten. Urlaub in Mallorca kostet auch 800 Euro und stifttet 40 Nutzeneinheiten. Uhr kostet 100 Euro und stiftet 15 Nutzeneinheiten. Es gewinnt der Computer. Sinkt aber der Mallorca Urlaub auf 700 Euro gibt es, Mallorca und Uhr, 55 Nutzeneinheiten. Es gewinnt Uhr und Mallorca. Gesamtwirtschaftlich stimmt die These aber trotzdem. Mit sinkendem Preis steigt die Nachfrage nach einem Produkt.

Nimmt man es ganz genau, sinkt nicht der Grenznutzen, sondern der erwartete Grenznutzen. Wir erleben ständig, so bei der Einführung neuer Lebensmittel, Mozzarella, Sahneyoghurt, italienische Salami etc. dass der erwartete Grenznutzen vom tatsächlichen Grenznutzen abweichen kann. Ist der Grenznutzen höher als erwartet, kann der Preis auch konstant bleiben oder sogar steigen, wobei dieser und ähnliche Fälle prinzipiell nicht berücksichtigt wird. Der berühmte Einführungspreis setzt auf diesen Effekt. Der fallende Verlauf ist nur gültig, bei konstanten Präferenzen, konstanten Warenkörben, konstanten Preisen für andere Waren etc.etc.. Allerdings brauchen wir hierfür nicht die ceteris paribus Klausel um diese Nebenbedingungen als konstant zu setzen. Es handelt sich um eine kurzfristige Betrachtung und kurzfristig ändert sich nichts. Die ceteris paribus Klausel verschleiert eher die Verhältnisse, erschwert die Einsicht, dass es sich hierbei um eine kurzfristige Betrachtung handelt und zwischen einer kurzfristigen und langfristigen Betrachtung zu trennen ist.

Der Unterschied zwischen der Bestimmung des Nutzens in der kardinalen Nutzenmessung im Vergleich zur ordinalen Nutzenmessung besteht darin, dass er in Geld gemessen wird. Wenn zwei Leute sich ein Smartphone kaufen für 500 Euro, muss der Nutzen der beiden nicht gleich sein. Verdient jemand 10 000 Euro im Monat, dann muss das Smartphone nicht allzuviel Nutzen stiften, damit er es kauft, denn Geld hat für ihn schon einen geringeren Nutzen, bzw. in jeder Verwendung ist der Nutzenzuwachs geringer als bei demjenigen, der nur 1000 Euro hat im Monat. Bei der kardinalen Nutzenmessung werden also Äpfel mit Birnen verglichen, bzw. Äpfel mit Birnen aggregiert.

Im Gegensatz zur ordinalen Nutzenmessung à la Pareto, Edgeworth etc., wo der Nutzen 'irgendwie' bestimmt wird, auf jeden Fall freihändig, und dies keinerlei praktische Relevanz hat, hat das kardinale Nutzenkonzept eine gewisse Relevanz, die Konsumentenrente ist nichts anderes als der durch den Markt entstehende Zusatznutzen, die Produzentenrente der Deckungsbeitrag.

Bei der ordinalen Nutzenmessung, dem Pareto Optimum liegt diese Art der Nutzenmessung zugrunde, werden individuelle Tauschraten verglichen. Haben beide Tauschpartner Kartoffeln und Äpfel, aber unterschiedliche Präferenzen, werden beide solange tauschen, wie sie noch einen Nutzenzuwachs haben. Dabei wird der, der ein große Präferenz für Äpfel hat, viele Kartoffeln abgeben und der, der eine Präferenz für Kartoffeln hat, viele Äpfel. Erst wenn der eine viele Äpfel und der andere viele Kartoffeln hat, werden sie nicht mehr tauschen, also ein paar Äpfel bzw. Kartoffeln wird jeder behalten, da sie bei einer geringen Menge noch einen großen Grenznutzen haben. Der individuelle Nutzen eines Gutes wird aber in diesem System berücksichtigt. Entscheidend für den Tausch ist das individuelle Präferenzsystem. Dieses kann unterschiedlich sein, getauscht wird trotzdem. Der Nachteil besteht darin, dass es hier nichts gibt, was gegen die Realität getestet werden könnte.

Nochmal: Die kardinale Nutzenmessung misst den Nutzen indirekt, über Geld. Da aber Geld einen unterschiedlichen Nutzen hat, je nachdem wie viel jemand davon hat, kann man eigentlich nicht aggregieren. Man kann nicht sagen, dass der Nutzen für A und B derselbe ist, wenn beide bereit sind für irgendwas 20 Euro zu bezahlen. Wenn A 10 000 Euro im Monat verdient und B 1000, dann ist der Nutzenverlust durch die Zahlung der 20 Euro für A und B völlig unterschiedlich. Das Problem umgeht die ordinale Nutzenmessung, indem sie direkt vergleicht. Tauschen A und B drei Einheiten der Ware A gegen zwei Einheiten der Ware B, dann stiftet für beide die Ware A den gleichen Nutzen gemessen in Ware B (A = 2/3 B). Der analytische Wert des ordinalen Nutzenkonzeptes ist allerdings Null.

Auch wenn wir davon absehen, dass es sich um Haarspaltereien ohne praktische Bedeutung handelt, haben wir noch ein zusätzliches Problem. Makroökonomisch gleichen sich die Unterschiede aus. In der Regel ist die Gruppe der Konsumenten hinsichtlich Einkommen und sonstiger Lebensumstände einigermaßen homogen.

Die Idee der Renten folgt dann einer ähnlichen Logik, wie die, die wir schon bei David Ricardo gesehen haben. Wenn wir die Annahmen des vollkommenen Marktes akzeptieren, dann bildet sich am Markt nur EIN Preis, wir sind jetzt wieder im Modell von Alfred Marshall, zum Beispiel 1 Euro für eine Tüte Haribo Konfekt. Unter der Annahmen eines einheitlichen Marktpreises und der kardinalen Nutzenmessung lässt sich dann die Konsumentenrente berechnen. Die Konsumentenrente ist der aggregierte "Gewinn" der Konsumenten, den sie erhalten, weil sie ihre Präferenzen nicht offenlegen müssen. Es ist also die Differenz zwischen dem, was sie eigentlich wären bereit gewesen zu bezahlen und dem, was sie tatsächlich bezahlen müssen.

Anna, Luisa und der kleine Thomas bekommen vier Euro Taschengeld pro Woche. Im Laufe ihres noch sehr jungen Lebens konnten sie in puncto Süßigkeiten schon eine klares Präferenzprofil entwickeln.

Die Befragung der Mütter durch die Firma Marketing Research im Auftrag der Firma Haribo ergab, dass Anna für eine Tüte Haribo schon 1,50 Euro ausgegeben hat, Luisa 1,30 Euro und Thomas noch nie mehr als 1 Euro, bei Thomas konkurriert die Tüte Haribo immer mit den Donuts, die kosten auch 1 Euro.

Erhalten jetzt Anna und Luisa die Tüte Haribo für 1 Euro, weil der Marktpreis nun mal 1 Euro ist, dann müssen sie weniger bezahlen, als ihnen die Tüte Haribo 'eigentlich' wert ist. Der Nutzwert beträgt 1,50 (Anna), 1,30 (Luisa) und 1 Euro (Thomas). Wäre dem nicht so, hätten sie in einer anderen Verwendung mehr Nutzwert erhalten, hätten sie etwas anderes gekauft. (Wobei das Spiel natürlich nur funktioniert, wenn sich der erwartete Nutzwert mit dem tatsächlichen Nutzwert deckt. Probieren sie was anderes aus, zum Beispiel Chamallows, dann kann die Sache auch voll schief gehen und bestenfalls geeignet sein, Oma und Opa zu bezirzen.)

Alle drei Zusammen bekommen also Nutzwert für 3,80 Euro, zahlen aber nur 3 Euro. 0,80 Euro sind also Rente, genauer gesagt Konsumentenrente. Anna erzielt 50 Cent Konsumentenrente, Luisa 30 Cent und Thomas gar keine, weil er lediglich genau das zahlt, was ihm die Tüte Haribo auch tatsächlich wert ist.

Bei 1,10 für die Haribo Tüte hätte er Gelee Pralinen gekauft. Den Zusammenhang werden Anna, Luisa und Thomas jetzt nicht erfassen, aber ökonomisch ist dies so was Ähnliches, wie die Bodenrente von Ricardo, siehe David Ricardo.

Bei Ricardo erzielen die Grundbesitzer, die landwirtschaftiche nutzbare Fläche in der Nähe der Stadt besitzen, also Getreide zu geringeren Transport und damit Gesamtkosten liefern können, eine Rente, weil der Preis, der sich in der Stadt bildet, ein Durchschnittspreis ist. (In diesem Fall ist es eine Produzentenrente.) Von Rente spricht man allgemein wenn Produzenten oder Konsumenten aufgrund eines Durchschnittspreises nicht gezwungen sind, ihre eigentlichen Präferenzen, oder den Preis, zu dem sie bereit wären zu kaufen oder zu verkaufen, offen zu legen.

Allgemeiner: Wenn ein Erlös erzielt wird, der nicht auf Leistung beruht. (Ähnlich die Windfall Profits: Wer zufällig vor 50 Jahren ein Grundstück an der Costa Brava geerbt hat oder selbiges einem Bauer für ein Moped abgekauft hat, hat durch die Entwicklung des Tourismus und der damit einhergehenden Umwidmung dieser Grundstücke in Bauland für Hotels enorme Gewinne eingefahren.)

Die Ähnlichkeit mit der Rente deutet Alfred Marshall nur schwach an, zumindest interpretiert der Autor das als Andeutung. Allerdings heißt es auf Englisch nicht consumer / producer rent, sondern consumer / producer plus. So heißt es bei Alfred Marshall und so heißt es in allen englischen Lehrbüchern bis auf den heutigen Tag.

Die Frage ist, wie man die Konsumentenrente jetzt genau definiert. Gehen wir davon aus, dass Anna, Luisa und Thomas 3,80 Euro hätten bezahlen müssen, wenn sie gezwungen gewesen wären, ihre Präferenzen offen zu legen und sie den gleichen Nutzen für tatsächlich nur 3 Euro erhalten haben, dann drücken die 80 Cent einen Nutzen aus. Genau so gut könnte man aber auch schlicht sagen, dass sie 80 Cent 'gespart' haben. Stellt man auf den Nutzen ab, ist es ein bisschen, siehe oben, problematisch, weil der in Geld gemessene Nutzen jeweils unterschiedlich ist, je nachdem wieviel Taschengeld sie bekommen.

Alfred Marshall auf jeden Fall definiert es als ein Mehr an Befriedigung, 'surplus of satisfaction'.

We have already seen that the price which a person pays for a thing can never exceed, and seldom comes up to that which he would be willing to pay rather than go without it: so that the satisfaction which he gets from its purchase generally exceeds that which he gives up in paying away its price; and he thus derives from the purchase a surplus of satisfaction. The excess of the price which he would be willing to pay rather than go without the thing, over that which he actually does pay, is the economic measure of this surplus satisfaction. It may be called consumer's surplus. Wir haben gesehen, dass der Preis, den jemand für ein Gut bezahlt, niemals den Wert übersteigen kann und nur selten an den Preis heranreicht, denn er zu zahlen bereit ist, anstatt auf den Erwerb zu verzichten, so dass die Befriedigung, die er durch den Erwerb erhält im allgemeinen die übersteigt, auf die er verzichtet, indem er den Preis bezahlt. Er erhält also durch den Erwerb ein Mehr an Befriedigung. In dem Maße, in dem der Preis, den er gewillt ist zu bezahlen, anstatt zu verzichten, den Preis, den er tatsächlich bezahlt, übersteigt, ist es aus ökonomischer Sicht ein Mehr an Befriedigung. Man könnte es auch Konsumentenrente nennen.

aus: Alfred Marshall, Principles of Economics, BOOK III, CHAPTER VI, VALUE AND UTILITY

Das Konzept der Konsumentenrente wird oft herangezogen zur Beurteilung der Wohlfahrtseffekte von Steuern. Nehmen wir an, die Bundesregierung beschließt, eine Karies-Präventionssteuer einzuführen und belegt alle Süßigkeiten mit einem Steuersatz von 20 Prozent.

In diesem Falle, wir vereinfachen jetzt mal ein bisschen, würde die Tüte Haribo nicht mehr 1 Euro kosten, sondern 1,20 Euro. Von der Karies-Präventionssteuer wären auch die Gelee-Pralinen betroffen, so dass der kleine Thomas jetzt entweder auf Chips ausweicht, oder eben mehr Geld hinblättert für die Tüte Haribo. Nehmen wir an, er nimmt die Tüte Haribo. 3,80 Euro hätten sie bezahlt, nach wie vor, 3,60 zahlen sie jetzt. Damit sinkt die Konsumentenrente auf 20 Cent. Wir werden weiter unten das Taxigewerbe mittel der Konsumenten- und Produzentenrente analysieren. Dann wird deutlicher werden, wofür diese Instrumente sich eignen. (Der entscheidende Punkt bei dem Beispiel mit dem Taxigewerbe wird sein, dass auch die Menge zurück geht und damit natürlich auch die Produzenten- und die Konsumentenrenten sinken. Wird ein Ware gar nicht verkauft, gibt es naheliegenderweise weder eine Produzenten noch eine Konsumentenrente.)

Hinsichtlich der Aussagekräftigkeit der Verringerung / Vermehrung der Konsumentenrente bezüglich staatlicher Eingriffe in das Marktgeschehen lassen sich nun mehrere Kritikpunkt anbringen.

  1. Der erste Kritikpunkt ist geschenkt, weil wir an soviel Praxistauglichkeit eh nicht glauben. Nachfragekurven sind grundsätzlich unbekannt und es besteht auch nur ein geringer direkter Bezug zwischen der Veränderung des Preises eines Gutes und einer Änderung der nachgefragten Menge. Ein Haushalt hat ein Gesamtbudget. Steigt der Preis für Nahrungsmittel, fährt er unter Umständen nicht mehr in den Urlaub, geht weniger ins Kino oder geht Joggen und kündigt seine Mitgliedschaft im Fitnesstudio.

    Im Einzelfall mag es einen Zusammenhang geben, so nahm zum Beispiel der Treibstoffverbrauch aufgrund der drastischen Preissteigerungen von 1999 bis 2008 um 29 Prozent ab. Drastisch zugenommen hat aufgrund des massiven Preisverfalls der Flugtickets der Städtetourismus.

    Eine Reduktion des MwSt. Satzes für Windeln auf 7% aber, zweifelsohne eine höchst sinnvolle Maßnahme, würde allerdings die nachgefragte Menge um keinen Deut ändern. Der Autor hat so das Gefühl, dass sich seit seiner Kindheit die Nahrungsmittelpreise drastisch verringert haben, deswegen isst er aber heute auch nicht mehr als früher. Steigen die Mieten, dann würde wahrscheinlich nicht weniger Wohnraum nachgefragt werden. Unter Umständen würden mehr Wohnungen gebaut bzw. an anderer Stelle gespart werden.

    Wie dem auch immer sei, und unabhängig von der Tatsache, dass der Verlauf der Nachfragekurve unbekannt ist, ist eine isolierte Analyse der Konsumentenrente, so sie denn irgendjemand tatsächlich praktisch durchführt, was ja nie passiert, ohne eine detaillierte Analyse des gesamten Konsums eines Haushaltes wenig aussagekräftig.

    Ein weitere Relativierung werden wir später bei Schumpeter sehen. Der Warenkorb eines Haushalts beruht weitgehend auf Erfahrung und die eingefahrenen Gleise werden nicht ohne weiteres verlassen. Die Reaktionen sind also nicht so, wie von dem Modell unsterstellt.

  2. Dass eine Belastung von Gütern mit der Umsatzsteuer, Verbrauchssteuern oder Zöllen den Bürger erstmal belasten ist unstrittig. Doch was konkret folgt daraus? Dass man nur die Güter belasten soll, deren Preiselastizität vollkommen elastisch ist, wo also gar keine Konsumentenrente entsteht und wo folglich durch die Steuer auch keine Konsumentenrente verringert wird?

    Will uns die Analyse der Konsumentenrente jetzt sagen, dass nur die Güter mit einer Steuer belegt werden sollen, wo die Konsumentenrente 0 Euro beträgt? Dass prinzipiell nur Steuern erhoben werden sollen, die keinerlei Einfluss auf die Konsumentenrente haben, wie etwa die Gewinnsteuern?

    Wenn im übrigen ein Teil der Produzentenrente / Konsumentenrente an den Staat geht, dann produziert auch der Staat damit einen Nutzen. Die isolierte Betrachtung führt in die Irre.

    Wenn die Veränderung der Allokation das Ziel der Steuer ist, wie etwa, zumindest politisch behauptet, bei der Karies-Präventionssteuer, der Tabaksteuer, der Alkopops-Steuer dann macht das Argument, dass die Steuer / Zoll die Allokation verändert wenig Sinn, denn die Veränderung der Allokation ist das Ziel.

  3. Die typischen Fälle, bei der die Konsumentenrente / Produzentenrente zur Analyse herangezogen wird, sind Steuern, Zölle, Mindestpreise und Höchstpreise, Subventionen. Die meisten dieser Steuern bzw. Subventionen, insbesondere die Umsatzsteuer, werden aber auf viele, wenn nicht sogar auf alle Produkte erhoben. Für eine Beurteilung müsste man fogliche alle betroffenen Waren analysieren.

    Eine Steuer, die nur auf Zigaretten erhoben wird aber nicht auf losen Tabak hat eine andere Wirkung, wie eine Steuer, die sowohl auf Zigaretten wie auch auf losen Tabak erhoben wird.

    Zölle wären dann tatsächlich mal ein interessantes Thema. Wer die Kaffesteuer zahlt, der inländische Konsument oder der ausländische Produzent, wäre tatsächlich eine spannende Frage. Bei Mindestpreisen kann die Analyse ergiebig sein. Weniger, weil sich die Werte quantitativ bestimmen lassen, denn als Instrument der Analyse.

  4. Die Diskussion anhand der Konsumentenrente bzw. Produzentenrente ist eine isolierte Analyse. Erhebt der Staat auf eine Ware eine Steuer, etwa auf Tabak, verringert sich die Konsumenten- und die Produzentenrente teilweise auch schlicht dadurch, dass von dem Produkt schlicht weniger gekauft und weniger angeboten wird. Wenn es weniger produziert wird, verringert sich natürlich auch die Produzentenrente, das ist naheliegend und wenn es weniger konsumiert wird, geht auch die Konsumentenrente zurück.

    Wenn man ein Produkt gar nicht mehr kauft, dann kann man natürlich auch keine Konsumentenrente haben, insofern stellt man sich schlechter. Allerdings kauft man dann etwas anderes, wodurch man ja auch, wenn auch eine geringere, Konsumentenrente hat. Die Höhe der Konsumentenrente wird also in der isolierten Betrachtung systematisch überschätzt. Mutatis mutandis für die Produzentrente.

    Hätte jemand 4 Euro für eine Packung Zigaretten zahlen müssen, die ihm 4,50 Wert war, hätte er 50 Cent Konsumentenrente bezogen. Verteuert sich die Packung durch die Steuer auf 4,60 Euro, kauft er keine Zigaretten mehr und verliert somit auch die Konsumentenrente. Allerdings investiert er dann das Geld in etwas anderes. Kauft er sich nun zum Beispiel für seine 4 Euro Schokolade, die ihm eigentlich 4,40 Wert gewesen wäre, ist der Verlust an Konsumentenrente nur 10 Cent. Die isolierte Betrachtung führt also zu einem zu großen Ausweis.

Wir können aber mal ein Problem mit Hilfe der Konsumenterente und Produzentenrente analysieren. Legt der Staat einen Preis fest bzw. lässt, wie beim Taxigewerbe, durch eine Innung einen solchen festlegen, der ÜBER dem Gleichgewichtspreis liegt, so reduziert er damit erstmal die Nachfrage, das heißt es finden weniger Taxifahrten statt. Das reduziert erstmal die Konsumentenrente. Erstens weil manche Leute gar nicht mehr Taxi fahren und zweitens weil ein Teil der Konsumentenrente zugunsten der Produzentenrente abgeschöpft wird.

Die Fahrten, die stattfinden, erhalten dafür einen höheren Deckungsbeitrag, oder eine höhere Produzentenrente. Die Konsumentenrente sinkt natürlich und zwar aus zwei Gründen.

Erstens weil manche Leute schlicht gar nicht mehr Taxi fahren und damit auch keine Konsumentenrente erhalten und weil zweitens die Leute, die immer noch fahren, einen höheren Preis bezahlen. Um jetzt genau zu wissen, ob der Mindestpreis im Taxigewerbe eine gute Idee ist, dem Taxigewerbe also tatsächlich hilft, muss man also addieren und subtrahieren.

Soweit die Theorie. Die Praxis kann man in den Diskussionsbeiträgen hier betrachten: Freigabe der Taxi Tarife findet noch keine Mehrheit.

Der Autor hält allerdings die Diskussionsbeiträge für fragwürdig, weil niemand weiß, wieviel Geld tatsächlich im Jackpot ist und die Taxi-Innung wohl keine belastbaren Zahlen ermitteln kann. Verdoppeln sich die Umsätze, sind die Argumente kaum stichhaltig und im Übrigen kennt der Unternehmer Durchschnittwerte, dass also die Fahrer den Unternehmer übers Ohren hauen, wie in manchen Beiträgen in diesem Forum behauptet, ist eher fragwürdig.

Und da der Autor selber als Studi Taxi gefahren ist, weiß er, dass Preise über weite Strecken durchaus, wenn auch illegal, frei ausgehandelt werden. Wir müssen davon ausgehen, dass, mal abgesehen von den in der Diskussion zum obigen Artikel genannten Kritikpunkte (Unternehmer keine Kontrolle mehr über Umsätze, Touris werden übers Ohr gehauen, wildes Gefeilsche an den Taxiständen, zu Tode konkurrieren), das Taxigewerbe mit einem Preis über dem Gleichgewichtspreis höhere Deckungsbeiträge, vereinfacht Gewinne, einfährt, sonst würden sie den Preis nicht so festlegen. Zumindest glauben sie das. Berechnen lässt sich der Unterschied zu einer Situation mit Gleichgewichtspreis dann so.

Wir müssen jetzt verstehen, dass wir mit den unten genannten Überlegungen auf die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt abstellen. Es geht also um die Summe aus Produzenten- und Konsumentenrente. Die Idee des Gleichgewichtspreises ist, dass er die GESAMTWIRTSCHAFTLICHE WOHLFAHRT maximiert, das heißt die SUMME aus Konsumentenrente und Produzentenrente beim Gleichgewichtspreis am höchsten ist. Das heißt aber mitnichten, dass beim Gleichgewichtspreis auch die PRODUZENTENRENTE am höchsten ist. Mit dieser Argumentation kann man auch gegen Monopole argumentieren. Monopole maximieren die Produzentenrente.

(Machen wir uns das zuerst an einem einfachen Beispiel klar. Zwei Leute machen für 10 Euro eine Taxifahrt, der eine wäre aber auch bereit 13 Euro zu bezahlen, der andere 11 Euro. Das Taxiunternehmen würde die Fahrt auch für jeweils 9 Euro machen. Die Konsumentenrente beträgt also 4 Euro (3+1) die Produzentenrente 2 Euro (1+1). Insgesamt also 6 Euro. Die Taxi-Innung legt nun den Preis auf 11,50 Euro fest, wodurch der eine gar nicht mehr Taxi fährt. Die Konsumentenrente beträgt dann 1,50 Euro und die Produzentenrente 2,50 Euro. Insgesamt also 4 Euro. Die Volkswirtschaftliche Einbuße an Rente beträgt also 2 Euro. 1 Euro beim Produzenten und 1 Euro beim Konsumenten. Das ist, in der isolierten Betrachtung, definitiv ein gesamtwirtschaftlicher Verlust. Desweiteren kommte es zu einer Verlagerung der Konsumentenrente zur Produzentenrente. Der Produzent gewinnt 1,50 und der Konsument verliert 2,50 Euro. Bei einem Preise über dem Gleichgewichstspreis, wir nehmen jetzt mal an, dass 10 Euro der Gleichgewichtspreis ist, haben wir also immer einen definitiven Verlust an Renten, die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt sinkt. Die Produzentenrente ist in diesem Beispiel gestiegen, von 2 Euro auf 2,5 Euro. Bei der einen Fahrt hat das Taxiunternehmen einen Zuwachs 1,50. Bei der Fahrt, die nicht mehr stattfindet einen Verlust von 1 Euro. In diesem Beispiel überkompensiert also der Preiseffekt den Mengeneffekt. Das muss allerdings nicht so sein, und ob die Taxi-Innung den Preis, bei dem sie Ihren Gewinn maximiert tatsächlich kennt, ist fraglich.)

Abstrakt ergibt sich folgendes Bild. Um die Tabelle zu verstehen, muss man sich klar machen, was ein Gleichgewichtspreis ist. Der Gleichgewichspreis ist der Preis, bei dem der Grenznachfrager keine Konsumentenrente erzielt und der Grenzanbieter keine Produzentenrente. Das heißt die Grenzanbieter und Grenznachfrager kaufen und verkaufen genau zu dem Preis, der ihnen gerade noch akzeptabel erscheint. Die anderen Käufer und Anbieter erzielen eine Rente. Liegt der Preis über dem Gleichgewichtspreis, haben wir folgende Situation.

a/ +( Zunahme an Produzentenrente gegenüber dem Gleichgewichtspreis. Geht zu Lasten der Konsumentenrente.)

b/ - (Verlust an Produzentenrente gegenüber dem Gleichgewichtspreis der Fahrten, die nicht stattfinden, weil Preis zu hoch)
c/ - (Verlust an Konsumentenrente gegenübe dem Gleichgewichtspreis. Geht zu Gunsten der Produzentenrente.)
d/ - (Verlust an Konsumentenrente gegenüber dem Gleichgewichtspreis, weil manche Kunden gar nicht fahren)
= Differenz zum maximalen "gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt" im Gleichgewicht

Machen wir uns klar, was das bedeutet. Ist der Preis ein Gleichgewichtspreis und wird dann angehoben, dann steigt die Produzentenrente um genau so viel, wie die Konsumentenrente sinkt. Auf Deutsch: Werden die Taxipreis pro km um 20 Cent angehoben, dann gewinnt das Taxigewerbe genau die 20 Cent, die die Fahrgäste verlieren.

Was bei a/ gewonnen wird, geht zu Lasten von c/. Das hebt sich also auf.

Entscheidend ist der zweite Aspekt. Wird der Preis angehoben, sinkt die Nachfrage und es werden weniger km gefahren. Damit verlieren beide. Die einen nutzen das Taxi seltener und die anderen haben weniger Kundschaft.

Die Anhebung des Preises verschlechtert also, betrachtet man die Mengenreaktion, sowohl die Situation des Anbieters wie des Nachfragers.

Der Gleichgewichtspreis ist also der Preis, bei dem die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt maximal ist, genau genommen pareto-optimal. Vereinfacht ausgedrückt. Bis zu diesem Preis stellen sich alle besser. Wäre dies nicht der Fall, käme ja auch keine Fahrt zustande. Das heißt, zu einem Preis unterhalb de Gleichgewichtspreis können die einen nicht mehr anbieten, es ist nicht kostendeckend und ein Preis oberhalb des Gleichgewichtspreises, verdrängt einige Nachfrager.

Eine Anhebung des Preises führt insgesamt zu einer größeren Produzentenrente, wenn der Effekt nicht durch die Mengenreaktion vollkommen kompensiert oder gar überkompensiert wird. Ob dies der Fall ist, hängt von der Elastizität der Nachfrage ab. Ist diese vollkommen unelastisch, erfolgt also überhaupt keine Mengenreaktion, vergrößert sich die Produzentenrente um die Preiserhöhung. Ist die Nachfrage vollkommen elastisch, geht also auf Null zurück, dann reduziert sich auch die Produzentenrente auf Null. Zwischen diesen beiden Extremen liegt der Monopolpreis, der allerdings nicht das gesamtwirtschaftlice Optimum darstellt, sondern lediglich die Produzentenrente maximiert.

Da wir davon ausgehen müssen, ob wir das können, also der Preis einen Sinn ergibt, wissen wir nicht, dass die Taxigewinnung die Preise so festlegt, dass zumindest tendenziell die Produzentenrente des Taxigewerbes maximiert wird, ist diese Differenz wohl positiv, auch wenn dies nicht notwendigerweise der Fall ist. Legt die Tax-Innung, um mal einen einfachen Fall zu konstruieren, die Preise so fest, dass absolut niemand mehr Taxi fährt, ergäbe sich diese Situation.

a/ Theoretisch wäre der Deckungsbeitrag sehr hoch, leider fährt aber niemand mehr Taxi, so dass die Differenz zum Gleichgewichtspreis negativ ist

b/ Ein Preis über dem Gleichgewichtspreis bedeutet immer, dass manche Fahrten nicht zustande kommen. Ist der Preis aber prohibitiv, fährt schlicht niemand.Die Produzentenrente ist dann Null.
c/ Eine Konsumentenrente wird naheliegenderweise auch nicht generiert, weil ja schlicht überhaupt niemand mehr Taxi fährt.
d/ Auch hier kommt es zu einem Totalausfall. Da die Konsumenten schlicht gar nicht mehr Taxi fahren, gibt es auch keine Rente.

Die Differenz zum Gleichgewichtspreis würde also den maximalen, negativen Wert annehmen. Zwischen diesen beiden Extremen, Prohibitivpreis, zu dem niemand mehr fährt, und Gleichgewichtspreis, wo sich, wie oben beschrieben, keiner mehr verbessern kann, ohne dass sich der andere schlechter stellt, liegt also der für das Taxigewerbe, NICHT für die Allgemeinheit, optimale Preis.

Der Gleichgewichtspreis ist also gleichzeitig ein Pareto Optimum. Ein Pareto Optimum ist ein Zustand, bei dem sich niemand mehr besser stellen kann, ohne dass ein anderer schlechter gestellt wird. Oberhalb des Gleichgewichtspreises erfolgt eine Zunahme der Produzentrente zu Lasten der Konsumentenrente.

Solange also die Zunahme der Produzentenrente über eine Anhebung des Preises, dieser Anteil geht zu Lasten der Konsumentenrente, über den Gleichgewichtspreis größer ist, als der Verlust an Produzentenrente durch die geringere Anzahl an Fahrten, stellt sich das Taxigwerbe durch einen Preis, der über dem Gleichgewichtspreis liegt, besser.

Dieser über dem Gleichgewichtspreis liegende Preis wäre ein Monopolpreis. Frei ausgehandelte Preise für das Taxigewerbe sind also dann, für das Taxigewerbe, sinnvoll, wenn der momentane Preis so weit über dem Gleichgewichtspreis liegt, dass durch ein Absenken desselben a/ stärker steigen würde als b/ sinkt, wobei ein Preis unter dem Gleichgewichtspreis nicht realisiert würde, denn dann würden die Taxis mit jeder Fahrt einen negativen Deckungsbeitrag erwirtschaften.

Solange aber bei einer Preiserhöhung, wenn der ursprüngliche Preis der Gleichgewichtspreis war, bzw. einer Preissenkung, wenn der ursprüngliche Preis zu weit über dem Gleichgewichtspreis liegt, die Produzentenrente noch zunimmt, verbessert sich die Position des Taxigewerbes aus zwei Gründen.

Erstens steigt der Gesamtumsatz und zweitens wird er mit weniger km und im Idealfall auch durch weniger Fahrer realisiert.

Das heißt zu Deutsch, es könnte mehr Umsatz und mehr Gewinn mit weniger Fahrern gemacht werden. Das heißt dann folgerichtig, dass das Taxigewerbe vollkommen schwachsinnig organisiert ist.

Wenn die Taxi-Innung letztlich einen Monopolpreis anstrebt, was sie aus verständlichen Gründen tut, dann macht es auch keinen Sinn, dass die Anbieter polypolistisch (viele Unternehmen) organisiert sind. Es wäre in diesem Fall besser, die Taxifahrer würden zivilisiert 8 Stunden und nicht 12 Stunden Schichten fahren und erhielten schlicht ein Festgehalt.

Es macht wenig Sinn, in Berlin 6000 Taxen auf die Straße zu schicken, wenn de facto nur 3000 gebraucht werden, um die zu diesem Preis bestehende Nachfrage zu befriedigen. Die 3000 überschüssigen Taxifahrer erhöhen das BSP um exakt 0 Euro.

Polypol bei Festpreisen macht Null Sinn. Da mehr oder weniger doppelt soviele Taxen stehen wie fahren, liegt der durch die Taxi-Innung festgelegte Preis offensichtlich deutlich über dem Gleichgewichtspreis, denn andernfalls wären die durch die Standzeiten produzierten Leerkosten nicht finanzierbar.

Damit das Polypol Sinn macht, müsste die Taxi-Innung den Preis auf der Höhe des Gleichgewichtspreises festlegen (wenn man Feilschen und Schachern verhindern will). Die Produzentenrente wäre dann zwar geringer, aber dies könnte umweltpolitisch sinnvoll sein, weil ein Taxi mehr Möglichkeiten hat, technisch optimal ausgestattet zu sein, als ein privater Pkw.

Legt man, politisch gewollt, einen Monopolpreis fest, also einen Preis über dem Gleichgewichtspreis, ist es für die Taxifahrer besser, man überführt die Taxiunternehmen in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, schafft also ein staatliches Monopol. Die Anzahl der Fahrer könnte konstant bleiben, die Anzahl der Arbeitsstunden aber auf ein zivilisiertes Maß zurückgeführt werden.

Die ständigen Querelen an allen Orten hängen damit zusammen, dass hier zusammengebracht wird, was nicht zusammenpasst: Monopolpreise im Polypol.

Staatliche Mindestpreise, auch wenn sie gerne und mit Inbrunst zur Illustrierung der Produzenten und Konsumenten und zur Veranschaulichung von deren Bedeutung zur Analyse wirtschaftlicher Zusammenhänge angeführt werden, sind ausgesprochen selten.

Im Grunde ist die Sache ziemlich einfach. Ziel des Polypols ist die Preisfindung durch den Markt, wobei in den Preis alles einfließt, was nur irgendwie bedeutsam ist. Wenn man aber den Preis jetzt festlegt, kann das Polypol seine Wirkung nicht entfalten. Man kann es dann auch gleich abschaffen. Auch die Probleme des Agrarsektors sind durch staatliche Preisfestsetzungen nicht zu lösen. Will man aus politischen, sozialen und strategischen Gründen, etwa zur langfristigen Sicherung der Ernährung, die potentielle agraische Produktion aufrecht erhalten, dann ist das nur möglich, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe Kartelle bilden.

Alles andere führt zu Megabürokratien. Beim Taxigewerbe besonders einsichtig haben wir im Grunde ein Nullsummenspiel zwischen den Taxiunternehmen. Da der Preis und damit die Menge festgelegt ist, geht der Umsatzzuwachs des einen Unternehmens immer zu Lasten des anderen. Für den einzelnen Unternehmer ist es immer sinnvoll, ein Taxi auf die Straße zu schicken, insbesondere wenn der Fahrer rein, wie meistens, auf Basis des Umsatzes entlohnt wird. Was aber für das Taxi-Unternehmen sinnvoll ist, ist für den Taxifahrer nicht sinnvoll. Denn Logik führt nämlich dazu, dass mehr Fahrer auf der Straße sind, als für dei Deckung des Bedarfs sinnvoll ist.

Volkswirtschaftlich bringt das aber keinen Euro mehr BSP. Eine Chance für das Taxigewerbe wäre, mehr feste Strecken anzubieten, zum Beispiel Fahrgemeinschaften zur Arbeit zu organisieren. Die Leute also direkt vor der Haustür aufsammeln, direkt bei der Arbeit abzuliefern und sie abends auch wieder direkt vor der Haustür abzusetzen. Wahrscheinlich würde das sogar funktionieren, denn viele Leute nutzen den privaten Pkw für die Fahrt zur Arbeit wohl deswegen, weil die öffentlichen Verkehrsmittel kein Tür zu Tür Service sind.

Würde man die Überlegungen an einem anderen Beispiel mit Zoll / Verbrauchsteuer / Umsatzsteuer durchführen, etwa einer Steuer auf Alkopops, wären die Überlegungen im Grunde ähnlich. Die Einbuße an "gesamtwirtschaftlicher Wohlfahrt" ergäbe sich aus dem Rückgang der nachgefragten Menge, also genau genommen aus der Tatsache, dass ein Teil der Anbieter, für die es ohne Steuer noch rentabel wäre anzubieten und die eine Produzentenrente erwirtschaften würden, diese nicht mehr erwirtschaften und ein Teil der Konsumentenrente würde entfallen, weil gar nicht mehr nachgefragt wird, also Leute nicht mehr kaufen. Zweitens würde ein Teil der Produzentenrente und ein Teil der Konsumentenrente an den Staat fließen.

Allerdings sind die Überlegungen bei diesem Typ von Steuern, wo also, zumindest offiziell, ein bestimmtes ökologisches, gesundheitliches, protektives Ziel verfolgt werden soll, sinnlos, weil die Veränderung der Allokation das Ziel ist, siehe oben.

Bei Zöllen / Steuern ergibt sich aber noch ein Unterschied. Der Unterschied zu dem Beispiel mit den Taxis besteht also darin, dass jetzt die Produzentenrente nicht mehr zu Lasten der Konsumentenrente geht, oder umgekehrt, sondern ein Teil der Produzenten- und Konsumentenrente schlicht vom Finanzamt abgeschöpft wird. Ein weiterer Teil der Konsumenten- und Produzentenrente geht aber, in der Einzelbetrachtung, auch schlicht verloren, weil die angebotene / nachgefragte Menge sinkt. So gesehen führen Zölle, Umsatzsteuer, Verbrauchssteuern immer zu Wohlfahrtsverlusten. Bezüglich der Konstumentenrente müsste aber berücksichtigt werden, dass die freiwerdenden Mittel dann anderweitig ausgegeben werden.

Eine Verbrauchssteuer hat die gleiche Wirkung, wie eine Erhöhung der Produktionskosten. Bei vollkommen unelastischer Nachfrage trägt sie der Nachfrager, zu Deutsch: Ist Brot sehr knapp, dann zahlt der Konsument sowohl Umsatzsteuer wie auch gestiegene Produktionskosten. Bei vollkommen elastischer Nachfrage, zahlt der Produzent sowohl die Umsatzsteuer wie auch die gestiegenen Produktionskosten, zu Deutsch: Steigen die Produktionskosten für Alkopops oder erhebt der Staat eine Verbrauchsteuer auf Alkopos, machen die Jugendlichen das, was sie vorher auch schon getan haben. Sie organisieren sich Rum und kippen die Cola selber dazu. Zwischen diesen beiden Extremen, Produzent trägt alles oder Konsument trägt alles, gibt es nun alle möglichen Zwischenstufen. Die Frage ist schlicht die, welchen entscheidenden Erkenntniswert bringt das Konzept der Konsumenten- bzw. Produzentenrente?

Es wird zwar nie gemacht, kann man aber machen. Das Konzept der Produzenten und Konsumentenrente kann auch auf den Arbeitsmarkt anwenden. Die Nachfrager der "Ware" Arbeit sind dann die, die sie nachfragen, also die Unternehmer und die Anbieter diejenigen, die die "Ware" Arbeit anbieten, also die arbeitende Bevölkerung.

Was passiert, wenn der Staat einen Mindestlohn festsetzt, also einen Lohn oberhalb des Gleichgewichtspreises? Das Schema ist dann das gleiche wie oben. (Die Begrifflichkeiten laufen jetzt etwas gegen das allgemeine Vorverständnis. Produzentenrente erhalten die ARBEITNEHMER, diese bieten eine "Ware", nämlich ARBEIT, an. Konsumentenrente erhalten die UNTERNEHMER, diese fragen eine "WARE", nämlich ARBEIT, nach.)

a/ +( Zunahme an Produzentenrente. Geht zu Lasten der Konsumentenrente, der Unternehmer)

b/ - (Verlust an Produzentenrente weil manche Arbeiter schlicht gar nicht mehr eingestellt werden)
c/ - (Verlust an Konsumentenrente. Geht zu Gunsten der Produzentenrente, der Arbeitnehmer)
d/ - (Verlust an Konsumentenrente gegenüber dem Gleichgewichtspreis, weil manche Unternehmer die Arbeit gar nicht mehr nachfragen.)
= Differenz zum maximalen "gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt" im Gleichgewicht

Hierbei wären dann (Staat legt Lohn über Marktgleichgewicht fest).

a/ Soweit die Arbeitnehmer in diesem kritischen Bereich liegen, würde der Lohn, und damit die Produzentenrente, steigen.

b/ Manche Arbeitnehmer, also die, die einen Lohn zwischen Mindestlohn und Gleichgewichtspreis erhielten, würden gar keinen Lohn und damit auch keine Produzentenrente mehr erhalten.
c/ Die Leute, die Arbeit nachfragen, also die Unternehmer, würden verlieren. Was also durch a/ (Gewinn für Arbeitnehmer, hier Produzentenrente) gewonnen wird, geht zu Lasten von c/.
d/ Manche Unternehmer, die bislang Arbeit zwischen Mindestlohn und Gleichgewichtspreis nachgefragt haben, fragen gar nicht mehr nach. Dies bedeutet also einen Verlust an Konsumentenrente.

(Wir verwenden jetzt immer den Begriff Arbeiter, weil der Begriff Arbeitnehmer hier irreführend ist. Der Arbeitnehmer 'nimmt' hier keine Arbeit, er bietet welche an. Plastischer ist hier also der Begriff Arbeiter, auch wenn er Vorstellungen suggeriert, die mit der sozialen Wirklichkeit nichts zu tun haben.)

Was das nun konkret bedeutet, hängt vom konkreten Verlauf der Angebotskurve für Arbeit und der Nachfragekurve für Arbeit ab. Sind die Arbeiter völlig 'machtlos', leben wir also in einer Welt à la David Ricardo, und bieten zu einem bestimmten Preis Arbeit in jeder x-beliebigen Menge an, dann nimmt die Produzentenrente (also die Lohnsumme) zu Lasten der Unternehmen zu. (Immer vorausgesetzt natürlich, der staatlich festgesetzte Lohn ist nicht so hoch, dass der Unternehmer Verlust macht.)

Einfacher formuliert. Die Unternehmer stellen solange Leute ein, wie sie durch die Einstellung Geld verdienen. Mit einem Mindestlohn verdienen sie immer noch was, wenn auch weniger, und werden folglich auch einstellen. Nur in den Bereichen, wo der Lohn dann über dem liegt, was die Arbeitnehmer erwirtschaften, kommt es zu Entlassungen.

Die angebotene Menge an Arbeit geht zwar zurück, aber die Lohnsumme insgesamt kann steigen. (Haben vorher z.B. 10 Arbeiter 6 Euro / St. bekommen, also 60 Euro, erhalten nach der Festsetzung eines Mindestlohnes 8 Arbeiter 8 Euro / St., also 64 Euro.).

Die Anzahl der Beschäftigten kann also zurückgehen, die Lohnsumme allerdings trotzdem steigen. Das Argument, dass ein Mindestlohn zu einer geringeren Beschäftigung führt, sagt also nicht viel. Entscheidender ist, ob die Lohnsumme sinkt oder steigt.

Wie sich jeder denken kann, hängt es von der Grenzproduktivität der Arbeit ab, was passiert. Liegt die Grenzproduktivität der Arbeit in diesem Sektor in etwa auf der Höhe des Gleichgewichtslohnes (zu Deutsch: Liegt z.B. der Stundenlohn im Gaststättengewerbe bei 8 Euro und ein zusätzlicher z.B. Kellner bringt auch nur ein mehr an Gewinn ohne Lohnkosten von 8 Euro, wird er bei 9 Euro, wenn also der Staat den Mindestlohn auf 9 Euro festlegt, entlassen) dann ist b/ sehr hoch und a/ sehr gering. Bei völlig elastischem Angebot an Arbeit gibt es also keinen Spielraum für Mindestlöhne.

Es geht also auch um die Frage, wie elastisch / unelastisch die Nachfrage nach dieser Arbeit ist. Ist diese Nachfrage vollkommen unelastisch, kann also keine Preiserhöhung durchgesetzt werden, muss irgendjemand die Lohnssteigerung "bezahlen". Beim Friseurgewerbe zum Beispiel bleiben nicht viele Kanditaten übrig, die hierfür bereit stehen, eigentlich nur der Vermieter oder der Besitzer des Friseurladens.

Die Werte für b/ und d/ sind da besonders hoch, wo die Wertschöpfung der Arbeit gering ist. Eine Reduktion des Angebots an Arbeit würde die Wertschöpfung erhöhen. Zu Deutsch: Die Anzahl der Friseure, um das Beispiel fortzuführen, in einem Kiez, so heißen in Berlin die Stadtviertel, würde bei einem Mindestlohn sinken, die Lohnsumme wäre aber unter Umständen höher oder zumindest gleich.

Anders formuliert: Ein Mindestlohn würde unter Umständen die Anzahl der Beschäftigen tatsächlich verringern, nicht aber die Lohnsumme aller Beschäftigten zusammen. Mengenmäßig ginge das Angebot zurück, ein Teil der Konsumenten ginge seltener, zum Beispiel, Friseur.

Das allgemeine Argument, dass ein Mindestlohn manche Firmen in den "Bankrott" treiben würde, sticht nicht wirklich, bzw. wäre auch auf alle anderen staatlich festgelegten Lohnbestandteile bzw. über Machtverhältnisse festgelegten Löhne, also auch auf die Tariflöhne, anwendbar und naheliegenderweise könnte es auch auf die Lohnsteuer angewendet werden.

Der von der Politik oft vorgebrachte Einwand, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten ist natürlich dann nicht besonders stichhaltig, wenn der Staat in das Existenminimum hineinbesteuert. Bei 6 Euro Stundenlohn kommt z.B. ein Monatslohn von überschlagen 1200 Euro raus. Das wäre gerade noch so existenzsichernd, allerdings nur, wenn nicht reinbesteuert wird, was der Fall ist. Auf der einen Seite einen Zuschuss zu bezahlen bei nicht existensichernden Löhnen auf der anderen Seite aber in dieses Existenzminimum reinzubesteuern ist ein bisschen gaga.

Schwieriger wird der Vergleich Mindestlohn zu anderen Maßnahmen. Beim Mindestlohn haben wir zwei Effekte. Die, die Arbeit haben, bekommen mehr Geld, a/, und andere eben gar nix mehr, b/.

a/ wird in irgendeinerweise von den Leuten getragen, die irgendwas mit dem Produkt, als Konsumenten oder Unternehmer, zu tun haben.

Die Folgen von b/, Arbeitslosigkeit, trägt die Gesamgesellschaft.

Bei der Variante Aufstockung können wir davon ausgehen, dass die Unternehmen damit rechnen, dass aufgestockt wird und sie die Löhne entsprechend reduzieren. Wir haben also einen urigen Art von Wettbewerb. Gewinner sind die Unternehmer, die die meisten Arbeiter mit der Bereitschaft finden, die Aufstockung zu beantragen.

Die Ware, welcher Art auch immer, wird dann zwar relativ günstig angeboten, bezahlt wird sie aber auch von den Leuten, die damit schlicht nichts, als Konsument, zu tun haben.

Die Variante bedingungsloses Grundeinkommen würde zu einer Erhöhung von a/ führen, da niemand mehr zu einem Lohn arbeiten würde, der unterhalb des bedingungslosen Grundeinkommens liegt. Das bedingungslose Grundeinkommen würde tendenziell die in diesem Sektor erzeugten Waren und Dienstleistungen verteuern.

Die Beschäftigung würde zurückgehen und die nun Arbeitslosen würden dann über das bedingungslose Grundeinkommen finanziert. Fazit: Es ist völlig egal, was der Staat konkret tut, es wird auf jeden Fall höllisch kompliziert und die grundlegenden Probleme werden auch nicht gelöst.

Die grundlegenden Probleme lassen sich nur über mehr innovative Produkte und damit über eine Optimierung der anwendungsorientierten Forschung und eines verbesserten Bildungsstandes lösen, beides Probleme, zu denen die VWL leider nichts zu sagen hat.

Eine Verbesserung des Bildungsstandes müsste ansetzen an einer verbesserten Didaktik, unterschiedlicher Darstellung von Inhalten, Fluten des Marktes mit didaktischem Material, Änderungen in der institutionalisierten Bildung, mehr frühkindliche Bildung etc. etc.. Es ist also ein Problem für Fachdidaktiker, Psychologen, Soziologen, Leuten, die sich mit e-learning befassen etc. etc.. Das andere Problem, das mit der Forschung und Entwicklung, ist eher was für Volkwirte. Was hier gebraucht wird sind härtere Kennzahlen. Wenn die USA mehr in Forschung und Entwicklung investiert als Deutschland, dann kann das schlicht auch daran liegen, dass sie erfolgreicher sind. Sie investieren dort mehr, weil sie mehr Kohle machen damit.

3) Nimmt man es ganz genau, dann drückt die Nachfragekurve den in Geld gemessenen Nutzen aus, allerdings nur in Bezug auf ein Individuum.

The price will measure the marginal utility of the commodity to each purchaser individually: we cannot speak of price as measuring marginal utility in general, because the wants and circumstances of different people are different. Der Preis misst den Grenznutzen eines Gutes bezogen auf den jeweiligen Käufer individuell. Wir können nicht sagen, dass der Preis den Grenznutzen allgemein misst, denn die Bedürfnisse und die Umstände der Menschen sind unterschiedlich.

aus: Alfred Marshall, Principles of Economics, BOOK III, CHAPTER III, GRADATIONS OF CONSUMERS' DEMAND

Um das zu verstehen, muss man sich klar machen, wie sie abgeleitet wird. Wenn jemand für eine Banane 1 Euro bezahlt, dann ist sie ihm offensichtlich 1 Euro Wert.

Das heißt die Investition von 1 Euro in eine Banane stiftet ihm mehr Nutzen, als die Investition in einen Apfel für 1 Euro. Wäre dem nicht so, würde er den Apfel kaufen.

Haben wir jetzt aber zwei Individuen dann heißt das keineswegs, dass beide den gleichen Nutzen haben, wenn sie eine Banane kaufen, weil der 1 Euro, den sie dafür ausgeben, für beide einen unterschiedlichen Wert haben kann. Der Multimillionär kauft eine Banane um sie an einen Affen zu verfüttern und der Tagelöhner braucht die Banane um überhaupt zu überleben. Folglich erhält man durch die Addition der zwei Bananen absolut keine Aussagen über den Nutzen, den die beiden haben. Stiftet sie einem Tagelöhner 10 Nutzeneinheiten, haben zwei Tagelöhner mit zwei Bananen 20 Nutzeneinheiten. Stiftet sie einem Millionär 1/2 Nutzeneinheit, haben zwei Millionäre 1 Nutzeneinheit, ein Tagelöhner und ein Millionär mit jeweils 1 Banane einen Nutzen von 10,5 etc. etc.. Damit ist auch klar, dass die Nachfragekurve sich durch einfache Aggregation der individuellen Nachfragekurven nicht bilden lässt.

Die Gegenseite, also die Produzentenrente, ist im Übrigen nicht so organisiert. Die Angebotskurve spiegelt reale Kosten wieder. Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist die Angebotskurve für Arbeit. Die bildet sozusagen die Schmerzen ab. Je mehr Geld es gibt, desto eher ist jemand bereit zu arbeiten. (Zumindest wenn wir der Logik der Neoklassik folgen, was wir ja, wie schon öfters angedeutet, nicht vorhaben zu tun.)

Aufgefasst als monetär bewerteter Nutzen ist die Konsumentenrente problematisch, wobei wir uns natürlich fragen, ob wir es hierbei nicht mit einem etwas scholastischen Problem zu tun haben. Wenn wir Maier, Müller, Schulze, Schmitt haben und Maier ein Einkommen von einer Million pro Jahr hat, Müller ein Einkommen von Hunderttausend, Schulze von Zwanzigtausend und Schmitt von Zehntausend dann sehen wir ganz unermittelbar ein, dass derselbe Betrag in ganz unterschiedliche Nutzen stiftet und die Ansprüche an den Nutzen eines Gutes höchst unterschiedlich sind.

Damit ist klar, dass für Maier 1000 Euro etwa soviel Nutzwert haben wie ein Stück Papier in dieser Größe, aber für Schmitt ein kleines Vermögen darstellen. Sehen wir also Geld als monetär bewerteten Nutzen, dann können wir das nur dann addieren, wenn die Einkommensverhältnisse und die sonstigen Umstände ähnlich sind. Marshall relativiert die Bedeutung dieses Sachverhaltes durch den Hinweis auf das Gesetz der großen Zahl und ähnlicher Zusammenhänge.

In large markets, then—where rich and poor, old and young, men and women, persons of all varieties of tastes, temperaments and occupations are mingled together,—the peculiarities in the wants of individuals will compensate one another in a comparatively regular gradation of total demand. Every fall, however slight in the price of a commodity in general use, will, other things being equal, increase the total sales of it; just as an unhealthy autumn increases the mortality of a large town, though many persons are uninjured by it. And therefore if we had the requisite knowledge, we could make a list of prices at which each amount of it could find purchasers in a given place during, say, a year. In großen Märkten, wo Reich und Arm, Jung und Alt, Männer und Frauen und Menschen unterschiedlichster Geschmäcker, Temperamente und Beschäftigungen durcheinandergewürfelt sind, werden sich die Eigenheiten der Bedürfnisse der Individuen ausgleichen und ein vergleichbare reguläre Abstufung zeigen. Jeder Fall, so gering er auch sein mag, des Preises einer Ware des täglichen Bedarf, wird, solange alles andere sich nicht ändert, zu einer Steigerung des Absatzes führen, ganz so wie ein ungesunder Monat die Sterblichkeitsrate in einer Stadt ansteigen lässt, obwohl nicht alle Menschen davon betroffen sind. So können wir denn, wenn wir über die dafür notwendigen Kenntnisse verfügen, eine Liste aus Preis / Mengen Kombinationen erstellen bei welchen jede Menge an einem bestimmten Ort, sagen wir innerhalb eines Jahres, verkauft werden kann.

aus: Alfred Marshall, Principles of Economics, BOOK III, CHAPTER III, GRADATIONS OF CONSUMERS' DEMAND

Zu Deutsch. Um die Nachfragekurve abzuleiten, reicht das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. Zwar ist es dem Einkommensmillionär schlicht egal, ob der Liter Benzin 1 Euro oder 1,70 kostet, sein Nutzenverlust durch die Benzinpreissteigerung ist also Null, wohingegen dies bei der freiberuflichen Altenpflegerin zu einem erheblichen Nutzenverlust führt. Wir können also die 0,70 Cent mehr, die der Einkommensmillionär mehr ausgibt für den Liter Benzin, nicht mit den 0,70 Cent der Altenpflegerin vergleichen, aber das Gesetz, dass der Absatz mit abnehmendem Preis zunimmt, wird trotzdem bestätigt, weil es sich um Durchschnittswerte handelt.

Nur wenn ein Gut so billig ist, zumindest in den Grenzen eines realistischen Verbrauchs, dass es schlicht nicht ins Gewicht fällt, wird der Absatz vom Preis weitgehend unabhängig sein. Das ist zum Beispiel bei Salz der Fall. Der Leser dieser Zeilen hat z.B. keinen Plan, was Salz eigentlich kostet, weil es ihn schlicht nicht die Bohne interessiert. (500 Gramm kosten übrigens bei Aldi 19 Cent, falls jemand neugierig geworden ist.)

Treibt man nun aber die Scholastik auf die Spitze, dann sind die meisten Analysen, die sich auf die Konsumentenrente und Produzentenrente beziehen, falsch. Belegt der Staat manche Güter mit einer Luxussteuer, dann geht dies, im Normalfall zu Lasten der Produzenten und Konsumentenrenten. Wenn wir aber die Situation haben, dass der Nutzenverlust Null ist, weil es dem typischen Käufer dieser Güter schlicht egal ist, ob z.B. die Rolex Uhr 15 000 Euro oder 20 000 Euro kostet, diese Steuern aber an Einkommensschichten umverteilt werden können, die einen erheblichen Nutzen daraus ziehen, dann sagen Veränderung der Konsumentenrenten, Produzentenrenten nichts mehr aus über die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt.

Im Gegensatz zu Konzepten rein ordinaler Nutzenmessung à la Pareto und Edgeworth, die für die Analyse realer Zusammenhänge völlig irrelevant sind, lässt sich mit der kardinalen Nutzenmessung durch den Preis noch irgendetwas anfangen.

Analysieren lässt sich z.B. mit diesem Instrument auch die Wirkung eines Monopols. Beim Polypol wird der Gleichgewichtspreis verwirklicht. Der Monopolist kann einen höheren Preis setzen. Das tut er solange, wie das, was er bei a/ gewinnt, höher ist, wie das, was er bei b/ verliert.

Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage, ob sich die Zusammenhänge, die man mit der Konsumentenrente / Produzentenrente analysieren will, nicht auch anders und plastischer darstellen lassen, und ob eine andere Art der Analyse nicht auch eher geeignet ist, die relevanten Aspekte eines Problems in den Fokus zu rücken.

Die Analyse beschränkt sich hierbei auf ein Gut und klammert gesamtwirtschaftliche Konsequenzen aus. Lehrbücher diskutieren die Wirkungen staatlicher Eingriffen auf die Konsumenten- und Produzentenrente meist anhand abstrakter Fälle, "Der Staat legt einen Höchstpreis fest, beurteilen Sie die Wirkungen", "Beurteilen Sie die Wirkung einer Tabaksteuer", "Beurteilen Sie die Wirkung eines Zolls", "Beurteilen Sie die Wirkung einer Subvention" etc. etc..

Das Problem ist, dass das zu keiner allzu sinnvollen Diskussion führt. Die Tabaksteuer führt dann zum Beispiel zu einem Rückgang der gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrt, weil der Tabakkonsum zurückgeht.

Das Problem dabei ist, dass der Gesetzgeber, der die Tabaksteuer festlegt, das genau umgekehrt sieht. Im Rückgang des Tabakkonsums sieht er einen Gewinn an gesamtwirtschaftlicher Wohlfahrt.

Das Argument, dass ein Mindestlohn die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt mindert, wird auch nicht überzeugen, weil dies nur isoliert gilt. Gesamtwirtschaftlich ergeben sich, wenn der Gleichgewichtslohn zu niedrig ist, alle möglichen negativen Effekte, die dann von der Allgemeinheit zu tragen sind.

Niedrige Löhne führen dazu, dass die Versorgung im Alter aus dem Steueraufkommen zu finanzieren ist; niedrige Löhne führen zu vielen Aufstockern, die aus Beiträgen zu den sozialen Sicherungssystemen, aus dem Steueraufkommen zu finanzieren sind; niedrige Löhne destabilisieren die Gesamtgesellschaft.

In Bezug auf die Verringerung der Konsumenten- / Produzentenrente, die durch einen Rückgang der nachgefragen / abgesetzten Menge zurückgeht, ist die Einzelbetrachtung sinnlos. Fahren manche Leute aufgrund eines von der Taxi-Innung festgelegten Preises, der über dem Gleichgewichtspreis liegt, weniger Taxi, dann ist das Geld nicht "weg", ist keine Minderung ihres Wohlstandes.

Mit dem eingesparten Geld gehen sie am nächsten Tag Eis essen und wenn gutes Wetter ist, ist der Nutzen da sogar höher als der, der durch die nächtliche Taxifahrt gestiftetet worden wäre.

Aus praktischer Sicht ist auch die Beurteilung eines Monopols in der für die Mikrökonomie typischen Weise, anhand der Konsumenten- / Produzentenrente oder über die Berechnung der jeweiligen gewinnmaximalen Mengen unsinnig. Es kommt nicht darauf an, ob ein Monopol vorliegt oder nicht.

Für die tatsächliche Bewertung kommt es darauf an, wie schnell es gebrochen werden kann. Der Endkonsument nimmt z.B. das Monopol von Micrsosoft klaglos hin, weil es viele Vorteile bringt. Man hat es nicht mit x Formaten zu tun, sondern mit einem. Man muss sich nicht in x Betriebssysteme einarbeiten, sondern nur in eines. Man muss, als Entwickler, nicht für x Betriebssysteme programmieren, sondern nur für eines.

Würde es jemand stören, braucht der Staat nur im schulischen Unterricht Linux einsetzen. Die nächste Generation ist dann mit diesem, komplexeren Betriebssystem vertraut und lässt Microsoft links liegen. Allein die Androhung dies zu tun, dürfte reichen, um Microsoft sehr vorsichtig werden zu lassen. Es mag sein, dass Microsoft Monopolpreise setzt, aber das bisschen Verlust an Konsumentenrente wird klaglos hingenommen, weil die Vorteile eindeutig überwiegen. Die isolierte Betrachtung bringt eigentlich nichts und spielt deshalb in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle.

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Infos und Anmerkungen:

ES        DE

Wohlstandsverluste durch Mindestpreise, Zölle, Steuern

Die Kardinale Nutzen- messung bewertet Nutzen in Geld. Das ist nicht ganz korrekt, gleicht sich aber im Durchnitt aus.

Auf der kardinalen Nutzenmessung beruht auch das Konzept der Konsumentenrente.

Beim Gleichgewichtspreis ist die Summe aus Konsumenten- und Produzentenrente maximal.

Die Produkzentenrente ist, im Gegensatz zur Konsumentenrente, eine objektive Größe und kann aggregiert werden.

Eine isolierte Betrachtung allein anhand einzelner Renten erlaubt keine gesamtwirtschaftliche Bewertung.

Die Wirkung von Preis-erhöhungen hängt ab von den Elastizitäten.

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