Impressum

2.2 Volkswirtschaft und Demokratie

Wir erreichen auch bei diesem Thema einen kritischen Punkt, der eng verknüpft ist mit der Frage, ob Menschen Argumenten zugänglich sind. Es kann durchaus sein, dass versucht wird, ein Modell in die Welt zu tragen, etwa die Demokratie, das die Menschen, die davon beglückt werden sollen, gar nicht so Recht verstehen und unter Umständen wird der Witz der Demokratie nicht mal von den Leuten verstanden, die in einer solchen leben.

Auch unter Berücksichtigung aller bislang gemachten Einschränkungen, Defizite in der Ausbildung von Volkswirten, Defizite in der Modellbildung der Volkswirtschaftslehre, generelle Grenzen volkswirtschaftlicher Aussagen etc. etc. halten wir doch daran fest, dass die Volkswirtschaftslehre die fundamentalste Wissenschaft ist, es ist die Querschnittswissenschaft, die am ehesten befähigt, wirtschaftspolitische Fragestellungen, und die meisten gesellschaftlichen Fragen sind eben auch volkswirtschaftliche Fragestellungen bzw. haben volkswirtschaftliche Aspekte, zu diskutieren.

Wenn nun aber wirtschaftspolitische Weichenstellungen die gesamte Gesellschaft betreffen können, etwa die Frage nach der Höhe der Einkommensteuer, wieviel man in Bildung investieren soll, ob der Staat Straßen bauen soll oder private Unternehmen, ob die Deutsche Bahn privatisiert werden soll oder nicht, wie die sozialen Sicherungssysteme organisiert werden sollen, in welche Bereiche die Mittel für Forschung und Entwicklung gelenkt werden sollen, etc. etc., die VWL aber keine eindeutigen Antworten liefern kann, sondern ein Problem lediglich detaillierter beleuchten kann, dann stellt sich die Frage, welches politische System zu dieser unsicheren Sachlage passt und am besten passt dazu die Demokratie, weil in diesem System Fehlentscheidungen korrigiert werden können, indem man, nachdem man den Fehler erkannt hat, die "richtige" Option wählt und wenn das auch nix war, eben die übernächste.

Das heißt, dass über Hartz IV, die Privatisierung der Bahn, Betreuungsgeld, Mindesteinkommen, Mindestlohn, Subventionierung von Niedriglöhnen etc. etc. alle vier Jahre abgestimmt werden kann.

Um die Vorzüge eines solches Systems zu erkennen, muss man nicht unbedingt das Werk Poppers, die offene Gesellschaft und ihre Feinde, gelesen haben, das kapiert man eigentlich ohne weiteres. Popper betrachtet die Demokratie quasi als eine Versuchsanordnung, bei der eine These falsifiziert werden kann.

Hinter dem Wort Falsifikation und falsifizieren verbirgt sich ein spezifisch erkenntnistheoretischer Ansatz, den Popper zwar so lange breitwalzt, dass man sich durchaus fragen kann, ob seine Attacken gegen die Frankfurter Schule, Obskurantismus, nicht auch ihn selber treffen, der aber nichtsdestotrotz richtig ist.

Die Grundidee hierbei ist äußerst simpel. Es ist sehr leicht, zu beweisen, dass eine Theorie wahr ist. Die These zum Beispiel, dass alles was im Meer schwimmt Säugetiere sind, ist einfach zu beweisen, schließlich sind Delphine, Waale und Robben ja Säugetiere. Die Verifizierung einer These ist, wie dieses Beispiel illustriert, nicht besonders aussagekräftig. Theorien sind also nach Popper nie wahr und ewig gültig, sie sind lediglich noch nicht falsifiziert. Es kommt also nicht darauf an, eine Theorie zu verifizieren, das ist belanglos, sondern darauf, sie falsifizierbar zu formulieren, das heißt sie muss so formuliert sein, dass sie mit der Wirklichkeit überhaupt in Konflikt geraten kann. Klingt trivial, ist aber ergiebig, denn sehr viele Theorien, vor allem aus dem Bereich der Psychologie, sind eben nicht falsifizierbar formuliert.

Theorien kann man nun auf unterschiedlichen Wegen immunisieren, das heißt den Nachweis ihrer Richtigkeit / Falscheit verunmöglichen. Sie können so speziell formuliert sein, dass schlicht keine reale Situation denkbar ist, gegen die sie getestet werden kann. Sie kann aber auch so vage formuliert sein, dass sie nicht einmal falsch sein kann. Drittens kann sie aber auch noch so trivial sein, dass sie zwar richtig ist, aber völlig belanglos.

Diesen Ansatz der Wissenschaftstheorie überträgt er nun auf politische Entscheidungsprozesse. Eine Partei kann zum Beispiel vorschlagen, dass ein geringerer Steuersatz zu mehr Steuereinnahmen führt. Sie kann dann den Wählern dies vorschlagen, gewählt werden und es dann ausprobieren. Ob es stimmt oder nicht, wird man dann sehen.

Hinter jeder wirtschaftspolitischen Maßnahme steckt eine bestimmte Theorie. Zumindest wäre das wünschenswert. Wer für die Subventionierung von Niedriglöhnen plädiert, meint, dass diese subventionierten Löhne immer noch eine Wertschöpfung erbringen, also gesamtwirtschaftlich günstiger sind, als Arbeitslosigkeit. Wer das glaubt, kann die entsprechende Partei wählen.

Wer es nicht glaubt, und zum Beispiel der Meinung ist, dass die subventionierten Löhne lediglich das Lohnniveau absenken, weil Unternehmen dann auf die Subventionierung spekulieren oder das Grenzprodukt dieser Arbeit Null ist, also lediglich 200 Taxen am Taxistand stehen anstatt 100, der wird die Partei eben nicht wählen.

Was tatsächlich passiert, wird man erfahren, wenn man die entsprechende Partei wählt. Junge Demokratien wie Libyen, Ägypten, Tunesien neigen dazu, sich nach dem ersten Missgriff nach den alten Zeiten zurückzusehnen oder die Demokratie gleich wieder abzuschaffen, wie ja der Iran überzeugend dargestellt hat.

Die haben den Witz nicht verstanden. Auch der beste Diktator ist schlechter als die schlechteste Demokratie, denn niemand weiß, was nach dem Diktator kommt, wohingegen auf jede Regierung eine Bevölkerung folgt, die irgendwas gelernt hat. Dieser sehr simple Grundgedanke wäre in die Welt zu tragen, vor allem in Ländern wie Ägypten, die durchaus fähig sind, gerade erkämpfte Handlungsoptionen qua Wahlentscheidung wieder abzuschaffen. Momentan schreiben wir das Jahr 2013, was tatsächlich in der Zukunft passiert ist, wird der Leser dieser Zeilen bereits wissen. Er darf sich dann beim nächsten Durchgang überlegen, was passieren wird.

Wir kennen das Phänomen, dass Heilsversprechen, die die Lösung gesellschaftlicher Probleme versprechen, eine weit stärkere Zugkraft haben, als die Demokratie. Wahrscheinlich kann man die simplen Zusammenhänge auch predigen, bis der Arzt kommt, es wird nichts nützen.

Geistig reichlich freidrehend, nimmt auch Hayek Stellung zur Demokratie. Hayek haben wir schon kennen gelernt, der fand, dass Folter durchaus hinnehmbar ist, wenn nur seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen umgesetzt werden können (Hayek's views on Augusto Pinochet). Tatsächlich gibt es aber für die Verletzung der Menschenrechte nie eine Rechtfertigung.

Die Lösung, die Hayek vorschlägt, also dass eine Diktatur gerechtfertig ist, wenn sie nur seine Wirtschaftpolitik verfolgt, ist grundfalsch. Da ähnelt Hayek dem Ägypter Mursi und den Islamisten. Richtig ist, das Volk darf immer jeden Blödsinn wählen, Wenn das Volk das will, aber nach Ablauf einer gewissen Zeit, etwa vier Jahren, muss man dem Spuk dann gewaltlos ein Ende setzen können.

Das unten stehende Zitat ist unverdächtig (auch wenn der Autor die Orginalquelle nicht gefunden hat), es stammt von der Hayek Gesellschaft. Von daher ist davon auszugehen, dass Hayek dies auch tatsächlich gesagt hat.

"Die Demokratie, die wir kennen, muß scheitern, und so viele Menschen werden enttäuscht sein, daß sie sich eventuell gemeinsam gegen die Demokratie wenden. Ursache ist aber nur ein ganz spezieller Fehler unseres demokratischen Systems. Es ist überhaupt nicht notwendig, daß Demokratie ein allmächtiges Parlament bedeuten muß. Die meiste Zeit der neueren Geschichte zeigt das Ringen um eine Beschränkung der Regierung. Es war eine unglückliche Entwicklung, daß die Leute glaubten, daß eine Beschränkung der Regierung hinfällig sei, wenn man die Macht der Repräsentanten der Mehrheit der Bevölkerung gegeben habe. So wurden all die langen Bemühungen um eine Beschränkung der Regierung weggespült. Die Macht wurde einer einzigen Gruppierung gegeben, die sowohl die Gesetze machen kann, die sie für ihre Zwecke wünscht, als auch regieren kann. So haben wir eine unbeschränkte Demokratie bekommen, wo die Mehrheit des gewählten Parlaments machen kann, was sie will. Und was sie will, deckt sich überhaupt nicht mit der Meinung der Mehrheit, weil der Prozeß der Mehrheitsbildung darin besteht, bestimmte Gruppen mit bestimmten Vorteilen zu bezahlen. Und solange die gewählte Versammlung die Macht hat, muß sie dies tun. Man kann in einer Vertreter-Versammlung keine Vertreter-Mehrheit bilden, wenn man die vorhandene Macht nicht dazu benutzt, bestimmten Gruppen bestimmte Vorteile zu gewähren. Diese Art von Demokratie ist schädlich und wird zusammenbrechen. Eines meiner Hauptanliegen ist nun, den Menschen zu zeigen, daß Demokratie nicht diese Form annehmen muß. (Wir können eine Demokratie haben, in welcher die Regierung - obwohl demokratisch geführt - unter dem Gesetz einer Körperschaft bleibt, die nicht regieren kann, sondern nur allgemeine Regeln festlegen kann. Die Macht der Regierung ist dann durch allgemeine Regeln limitiert und auf die Durchsetzung dieser allgemeinen Regeln beschränkt. Diese Regierung wird unfähig, bestimmte Gruppen bestimmte Vorteile zuzuschanzen. Um eine beschränkte Demokratie zu schaffen, müssen wir die Macht teilen zwischen einer gewählten Versammlung (die nicht über Parteilinien gewählt wird), welche generelle Regeln festlegen muß, und einer Regierungsversammlung, welche den von ersterer festgelegten Regeln unterworfen ist. Eine solche Regierung könnte nach wie vor Leistungen aller Art erbringen, aber keine Zwangsherrschaft ausüben.)"

aus: http://www.hayek.de/index.php/markante-zitate

Es ist ein allgemeines Problem bei allen Texten der Minnesänger der Freiheit, dass sie sich auf nichts Konkretes beziehen. Die Mehrheit im Bundestag kann keineswegs machen, was sie will, denn der Bundesrat kann die Gesetze teilweise wieder kassieren. Sie kann allenfalls auch nur vier Jahre lang machen, was sie will, dann muss sie nämlich nachweisen, dass die Ideen intelligent waren. Sie kann auch den Kern der Verfassung nicht ändern. Sie wird des Weiteren vom Bundesverfassungsgericht kontrolliert etc. etc.. Das Geschwurbel ist völlig freidrehend, bezieht sich auf keine konkrete Demokratie.

Im übrigen, das predigen wir jetzt schon seit langem, die message muss angekommen sein. Macht wird begrenzt durch Transparenz. Anstatt seines Geschwurbels hätte er sich mal darüber Gedanken machen können, wie man selbige herstellt.

Hayek unterstellt wohl, in Anlehnung an die Downschen Vorstellungen der Demokratie, dass die Demokratie dazu neigt, von einzelnen Interessensgruppen instrumentalisiert zu werden. Im reinen Modell von Downs geht die Partei als Gewinner der Wahl hervor, die die Einkommensverteilung zugunsten der Mehrheit und zu Lasten der Minderheit verändert (über Transferzahlungen). Mit dem Satz "....weil der Prozeß der Mehrheitsbildung darin besteht, bestimmte Gruppen mit bestimmten Vorteilen zu bezahlen" zielt er wohl auf die, bis hierhin erstmal zutreffende Tatsache ab,dass kompakte Interessensgruppen durch Lobbyarbeit ihre Vorstellungen zu Lasten der Mehrheit durchsetzen können. Die gesamte Aussage, wie auch ähnliche Aussagen Hayeks, sind allerdings kompletter Schwachfug.

  1. Die erste Frage, die sich stellt, ist natürlich die nach den Alternativen zur Demokratie. Selbst wenn man nur die Wahl hätte, zwischen einer Einkommensumverteilung zugunsten der Mehrheit und zulasten der Minderheit, dann ist das immer noch besser, als eine Umverteilung zugunsten einer einzelnen Person und zulasten der gesamten Bevölkerung. Über die Frage, ob eine höhere Besteuerung von Vermögenden zugunsten ärmerer Bevölkerungsschichten sinnvoll ist oder nicht, kann man diskutieren. Eine Diskussion, ob man Gaddafi, Assad, Ben Ali noch mehr Milliarden Dollar zuschustern soll, ist etwas grenzdebil. Wie Hayek das Problem lösen will, können wir nur seinem Munkeln entnehmen, also dem Teil der Aussage, der in Klammern steht.

  2. Hayek ist reichlich old economy, was wir ihm in diesem Fall nicht mal übel nehmen, denn er ist nicht nur mental old economy, sondern auch faktisch und biologisch. Skurril sind aber die stolzen Recken der Hayek Gesellschaft, die fighten unter dem Banner ihres Meisters.

    Wir wollen nicht Rätselraten und Konstatierung von Problemen, wir wollen Lösungen. Lobbyarbeit und das damit zusammenhängende Problem der Durchsetzung von Partikularinteressen entsteht durch Intransparenz. Kann man die Transparenz erzwingen, etwa durch Seiten wie www.lobbycontrol.de, also erstens durch die Darstellung der Lobbyarbeit und zweitens durch die Veröffentlichung dieser Tätigkeit, dann wird es für politische Parteien schwierig, die Partikularineteressen einzelner zu bedienen.

    Lobbyarbeit, die ja auch hochseriöse Unternehmen wie google betreiben, kann sich im Übrigen auch an die breite Öffentlichkeit richten, also verdeutlichen, dass bestimmte Gesetzesvorhaben negative Auswirkungen für die Allgemeinheit haben. Der Autor hat aktuell, wir schreiben immer noch das Jahre 2012, tatsächlich eine rechtliche Auseinandersetzung mit dem Bundesanzeiger, und dass in diesem Zusammenhang Partikularinteressen bedient wurden, ist offensichtlich.

    Der Bund hat seine Anteile an den Verlag DuMont Schauberg für 120 Millionen Euro verkauft und hat qua Gesetz dafür gesorgt, dass die Gewinne beim Bundesanzeiger sprudeln, weil die Verpflichtung zur Veröffentlichung von Jahresabschlüssen die Kassen des Bundesanzeigers mindestens eine Million Mal mit mindestens à 30 Euro sprudeln lassen. Da der DuMont Schauberg Verlag nun noch 100 prozentiger Eigentümer der Diskret GmbH ist, eines Unternehmens, das sich der Vermittlung von Prostituierten widmet, dieses wiederum defizitär ist und der DuMont Schauberg Verlag die Verlustübernahme vertraglich garantiert hat, wird die deutsche Wirtschaft qua Gesetz zur Finanzierung der Prostitution herangezogen. Die Probleme, die Hayek anschneidet, sind dem Autor aus praktischer Tätigkeit bekannt, allerdings wird ihn dies kaum zu einem salto mortale veranlassen. Hier muss Öffentlichkeit hergestellt werden.

  3. Hayek, ganz Professor, der Weisheiten ex catedra verkündet, unterstellt natürlich, dass die niedere Plebs meschugge ist. Tatsache ist, dass die Plebs eine weiteren Horizont hat, als der homo oeconomicus. Wie das Beispiel FDP zeigt, wir schreiben immer noch das Jahre 2012, kann man zum Beispiel mit dem Versprechen auf Steuererleichterungen, also dem Bedienen von Partikularinteressen, eben nicht immer punkten.

    Man muss auch erklären, dass eine Maßnahme gesamtgesellschaftlich sinnvoll ist. Die Gesamtgesellschaft will auch nicht, wie Hayek sich das vorstellt, dass das Bildungssystem privatisiert wird. Die Gesamtgesellschaft sieht ohne weiteres ein, dass die Chancen des einen vom Bildungsniveau der Gesamtgesellschaft abhängen und sei es nur deswegen, weil es sonst keine Nachfrage nach dem Produkt gibt, das er herstellt. Auch der virtuoseste Geiger braucht ein gebildetes Publikum, die Spitzenleistung ist ohne selbiges sinnlos. Die Spitzenforschung braucht eine Gesellschaft, die sie trägt, denn irgendjemand muss sie finanzieren, was nur eine gut ausgebildete Gesellschaft kann. Google braucht weltweit Leute, die hochwertigen Content erstellen, sonst braucht es nämlich keine Suchmaschine und mit adsense kann man dann auch kein Geld verdienen. Hayek hypostasiert wohl immer dann Fehler im demokratischen Entscheidungsprozess, wenn die Plebs zu einem anderen Ergebnis kommt, als er. Unter Umständen denkt die Plebs aber sehr viel komplexer, als er sich das vorstellt.

  4. Im Übrigen ist es keineswegs so, dass die Demokratie eine Diktatur der Mehrheit ist, wie er sich das vorstellt. Die Schranken sind zahlreich. Zum einen stellt das Grundgesetz eine Schranke dar. Führt der demokratische Entscheidungsprozess zu einem nicht verfassungskonformen Ergebnis, wird es wohl vor dem Bundesverfassungsgericht landen. Im Übrigen ist die Kenntnis, dass Mehrheitsentscheidungen problematisch sein können, bzw. Parteien gewählt werden können, die sich dem demokratischen Wettbwerb eben nicht mehr stellen wollen, nicht gerade subtil und neu, das konstatierten schon die Väter der Verfassung und schrieben in das Grundgesetz:

    Artikel 20 Abs.4: Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

    Näheres hierzu unter Widerstandsrecht

  5. Das eigentliche Problem der Demokratie, ein Tatbestand, der sie prinzipiell auch gefährdet, liegt in der Assymetrie des Organisationsgrades und der Assymetrie der Information.

    Da es aber keine Alternative zur Demokratie gibt, ist diese Assymetrie im Zugang zu Informationen und im Organisationsgrad zu beseitigen.

    Während staatliche Organe, durch Steuergelder alimentiert, sehr kompakt organisiert sind, ist der Bürger erstmal isoliert. Zwar kann ein Unternehmer auch ohne das Internet ahnen, dass die IHK wohl auch allgemein als sinnfreie Schmarotzertruppe eingestuft wird und er kann auch vermuten, dass diese, durch Zwangsgelder alimentierte Organisation ihre Eigeninteressen wirkungsvoll durchsetzt, aber im Detail ist er über das Stimmungsbild in der Wirtschaft nicht informiert.

    Hier stellt, das ist wieder mal nur ein Beispiel und wir schreiben immer noch das Jahre 2012 und wenn es die IHKs nicht mehr gibt, wenn der Leser diese Zeilen liest, dann muss er sich eben ein anderes Beispiel ausdenken, das Internet die Assymetrie wieder her. Eine kurze Internetrecherche zeigt das wahre Stimmungsbild und kennt man dieses, ist es auch nicht mehr besonders schwer, sich zu organisieren und Druck auszuüben. Langfristig wird die IHK dem Druck nicht standhalten.

    Das Internet ist die Panzerfaust der Demokratie, von daher ist es frei von jeder staatlichen Beeinflussung zu halten. Der Staat hat hier nur dann einzugreifen, wenn der Zugang oder das Angebot an Informationen beschränkt wird. Alle anderen Ziele wie Schutz der Urheber, Krimininalitätsbekämpfung etc., sind diesem Ziel unterzuordnen und nachrangig. Bevor hier jemand schreit. Der Autor dieser Zeilen ist selber Urheber, in einem weit umfassenderen Sinn, als die meisten Urheber, die jetzt den Sündenbock für ihre finanziellen Misere im Internet sehen. Der Schutz der Urheber ist jetzt schon gnadenlos überspannt. Hinter jeder weiteren Verschärfung darf man getrost die Absicht vermuten, nicht den Schutz der Urheber im Blick zu haben, sondern das Internet als Instrument der Demokratie. Aber diese Erkenntnis scheint angekommen zu sein und jeder Angriff auf das Internet führt zu massiven, gut organisierten Protesten. So muss das sein. Dann klappt das auch mit der Demokratie.

  6. Die Vorstellungen Hayeks über Demokratie lassen sich durchaus in eine Tradition der Modellbildung einordnen. Er betrachtet Demokratie ausschließlich als System, das quasi regelbasiert zu irgendeinem Ergebnis führt. Sein fundamentaler Fehler besteht nicht darin, dass er wirtschaftliche Freiheit über politische Freiheit setzt und erstere sogar mit diktatorischen Mitteln verteidigt sehen will.

    Sein Fehler besteht darin, dass er Demokratie als System betrachtet, also als etwas, das quasi mechanistisch funktioniert. Sowenig wie es in der Makroökonomie ein Subjekt gibt, gibt es eines in der Demokratie à la Hayek. Er unterstellt, dass die Demokratie zu einem Regelwerk führt und das Subjekt sich dann regelkonform im Regelwerk dreht und es diesem Subjekt im Grunde egal ist, ob es sich in einer Diktatur dreht oder in einer Demokratie.

    Das mag für Beamte sogar zutreffen und für diese im Sinne des homo oeconomicus sogar sinnvoll sein, denn Nachdenken allein ist schon anstrengend und sich gegen Unsinn zu wehren, ist Stress. Beides tut sich der verbeamtete homo oeconomicus nicht an.

    Man darf dieses Phänomen wohl unter das subsumieren, was Hannah Arendt die Banalität des Bösen nennt.

    Hayek hypostasiert, ohne hierfür einen Beleg zu liefern, dass Menschen ausschließlich homo oeconomicus sind. Wie der Sparer im Modell der klassischen Nationalökonie mehr spart, wenn der Zinssatz steigt und der Investor mehr investiert, wenn selbiger sinkt, eine unrealistische Annahme, wie wir noch sehen werden, siehe Keynes, so sieht der Wähler die Demokratie lediglich als Instrument zur Maximierung seines Nutzens.

    Wenn er da mal nicht von sich auf andere geschlossen hat. Der Wähler in der Demokratie ist ein höchst komplexes Wesen. Er hat Kinder, für die er sich eine optimale Ausbildung wünscht, unter Umständen in voller Kenntnis der Tatsache, dass das Glück seines Kindes auch von den Bildungschancen der anderen abhängig ist.

    Er sucht nach Lösungen, wenn er weiß, dass der nachfolgenden Generation nicht mehr die gleichen Ressourcen zur Verfügung stehen, wie der heute lebenden und er wird sich informieren, wenn er den Eindruck hat, dass Interessensgruppen ihre Interessen zu seinen Lasten durchsetzen.

    Manchmal wehrt er sich sogar, wenn er bestehende Gesetze als ungerecht empfindet und manchmal, das ist eine empirische Tatsache, tut er das sogar, wenn er von dem Gesetz nicht mal selber betroffen ist. Das Subjekt via kruder Modellbildung aus der Realität hinauszukomplementieren, ist wenig sinnvoll. Ohne Subjekt gibt es auch keine technische Innovation und kein Wachstum und naheliegenderweise keine Demokratie. Die Qualität eines demokratischen Entscheidungsprozesses hängt nun mal von der Qualität der Subjekte ab. Deren Entscheidungskompetenz ist zu stärken. Durch die Vermittlung von Sachzusammenhängen und Transparenz. Da es hierzu keine Alternativen gibt, ist nur noch darüber nachzudenken, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um dies zu gewährleisten.

  7. Das Problem des neutralisierten Subjektes ist nun unstrittig ein Thema der Soziologie nach dem zweiten Weltkrieg. Bei Denkern wie Adorno wird es auf unterschiedlichen Stufen behandelt, bis zum generellen Rundumschlag in der Dialektik der Aufklärung, wo das Subjekt sich selbst instrumentalisiert, um zu überleben und sich damit letztlich auslöscht.

 

Wer will, kann so dem homo oeconomicus eine weitere Tiefenschärfe abgewinnen. Rational ist der homo oeconomicus, wenn er sich selbst so zurichtet, dass er alles dem ökonomischen Nutzwert unterordnet. Der Bogen wird hierbei weit gespannt und man kann nicht mal sicher sein, ob nicht ein Quentchen Wahrheit in diesen Aussagen steckt.

Das Denken des Subjektes zielt prinzipiell auf Beherrschung und Orientierung ab. Zwischen Mythen, Religion und wissenschaftlicher Philosophie unterscheidet Adorno in diesem Zusammenhang nicht mehr. Die instrumentelle Vernunft schafft sich einen Rahmen und das Subjekt passt sich dem Rahmen an, der Rahmen wird dem Subjekt zur zweiten Natur, der spontane Zugang zur Wirklichkeit wird verbaut, das Ganze ist das Falsche.

Der berühmte Positivismusstreit, ursprünglich eine Diskussion zwischen Adorno und Popper, lässt sich im Grunde einfach zusammenfassen. Während Wirtschaftswissenschaftler davon ausgehen, dass der homo oeconomicus irgendwie der "natürlichen" Veranlagung des Menschen entspricht, wir bestreiten ja gar nicht, dass er innerhalb der marktwirtschaftlichen Ordnung existiert und dort auch sinnvoll ist, würde Adorno sagen, dass er das Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse ist. Geht es Popper darum, Fakten zu messen, will Adorno durch das Gewordene, also dem Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse, zurück zum Ursprung. Ist die Warnehmung, das, was als relevant ins Bewußtsein tritt, die Sprache, die Gefühlswelt, die Normen, Verhaltensweisen, Interessen etc. gesellschaftlich determiniert und manipuliert, dann ist es auch manipulierbar und damit gefährlich und besitzt insbesondere keine Stabilität.

Um es kurz und knapp zu machen: Stellt man fest, dass 6 Millionen Leute pro Tag den Springer Dreck lesen, dann würde Popper sagen, dass dies einem objektiven Bedürfnis entspricht, Ergebnis einer demokratischen Wahl qua Kauf. Adorno würde sagen, dass Bedürfnis für den Dreck ergibt sich aus den sozialen Bedingungen. Die Bedürfnisse liegen nicht objektiv vor, sondern sind lediglich das Resultat eines Prozesses, der auch anders hätte verlaufen können. Popper akzeptiert also die normative Kraft des Faktischen. Adorno nicht.

Volkswirte sind besonders stolz darauf, dass ihre Wissenschaft ohne Werturteile auskommt, Präferenzen also nicht hinterfragt wurden. Das Problem dabei, dass diese Art von Objektivität eben gerade nicht objektiv ist. Sie nimmt lediglich das Gewordene als das Objektive. Wir werden darauf noch öfter zurückkommen, auch bei Alfred Marshall.

Ob das nun besonders abstrakt ist oder nicht, weiß der Autor nicht. Seiner Meinung nach ist das intuitiv ganz gut nachvollziehbar. Abstrakter erscheint ihm da schon der homo oeconomicus. Die infos24 GmbH betreibt unter anderem, zusammen mit 33 professionellen Musikern,auch ein sehr umfangreiches Portal zu englischen Folks Songs. Eines davon beschreibt die Entwicklung der instrumentellen Vernunft.

Ages of man

Das ist ein interessantes Lied. Ein Philologe würde noch anmerken, dass dieses Lied einen Autor haben muss, also kein typischer englischer Folk Song ist, bei dem der Autor unbekannt ist. Ein so austarierter Text ist kein "kollektives" Produkt. Vermutet zumindest der Autor.

Der Autor will auch gar nicht bestreiten, dass er so manche Professoren der VWL im Verdacht hat, eine gewisse Anpassungleistung geleistet zu haben. Denn es gibt Dinge, an die man nur dann inbrünstig glauben kann, wenn man entsprechend konditioniert wurde oder sich selbst konditioniert hat.

Dass stetige Berieselung letztlich auch die Psyche und das ganze Wesen beeinflusst, sieht man auch an den Anhänger des Islams. Diese ekeln sich ganz veritabel vor Schweinefleisch, da ist wohl antrainiert. Die reflexartige Ablehnung der Ökokaste eines jeglichen Gedankens, der nicht ihrer innersten Sphäre entstammt, muss auch antrainiert sein und so manches Gebrüll eines Professors im Hörsaal, kann man durchaus als den Versuch bewerten, sich selbst zu überzeugen. Die Ökokaste wäre also durchaus ein interessantes Studienobjekt für Psychologen und Soziologen. Zu messen wäre die vollbrachte Integrationsleistung.

Adorno hat Zweifel, dass die Subjekte, die wir in der Demokratie als gut informiert unterstellen müssen, ihre Interessen effizient wahrnehmen können.

Er deutet an, dass die Kulturindustrie, die Leute mit irrelevantem Krimskrams beschäftigt und diese Leute davon abhält, sich mit dem zu beschäftigen, was tatsächlich relevant ist.

Die Aussage kann man kompliziert von Hegel über Karl Marx zur Frankfurter Schule ableiten. Für Hegel entfaltet sich das Sein erst in der Weltgeschichte, es ist unbestimmt und nichts und entfaltet sich erst durch qualitative Sprünge in der Weltgeschichte. Von daher ist auch bei Hegel das Sein schon Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse. Das hat Marx bekanntlich auf die Füße gestellt: Das Sein, im materiellen Sinn, bestimmt das Bewusstsein. Die Weltgeschichte steuert, bei Marx, nicht auf die Selbsterkenntnis des Weltgeistes zu, sondern auf den Sozialismus und das Sein bestimmt das Bewusstsein, das heißt, das Wesen des Subjektes ist determiniert durch die Gesellschaft, die Gesellschaft ist so eine Art zweiter Natur.

Das geht schon sehr in Richtung Frankfurter Schule und Adorno. Karl Marx stellt auch schon treffend fest, dass die herrschende Meinung die Meinung der Herrschenden ist.

Klingt plausibel, dürfte aber komplizierter sein. Die Journaille will größtenteils gar keine Meinungen verkaufen, damit verdient sie kein Geld. Bei der Manipulation, etwa bei der Werbung, muss Geld eingesetzt werden, um irgendjemanden für irgendetwas zu interessieren, zu überzeugen oder zu begeistern. Müssen Widerstände überwunden werden, dann kostet das Geld, man verdient aber keines.

Das Prinzip der Journaille ist hiervon das genaue Gegenteil. Sie verbreitet die Nachrichten, die mühelos rezipiert werden, die also geeignet sind bestimmte Emotionen zu bespielen und leicht rezipiert werden können. Ihr Prinzip ist die maximale Anpassung an ein gegebenes Bewusstsein, nicht die Veränderung desselben. Es ist umgekehrt. Der Herrschende ist der Konsument. Indem er aber das erhält, was er mühelos rezipieren kann, wird er um das betrogen, was er eigentlich vermeint einzukaufen: Die relevante Nachricht.

Die Kulturindustrie, und damit sind wir dann bei Adorno und der Frankfurter Schule, prägt die Individuen bis in jede Faser und Nerven und intimsten Gefühlsregungen. Das Subjekt wird so geprägt, dass sie diese Parallelwelt als ihrer Natur gemäßer empfindet, als die Beschäftigung mit realen Sachzusammenhängen:

"Darüber hinaus gibt es noch etwas wie einen formal - ideologischen Charakter des Fernsehens, dass sich nämlich eine Art von Fernsehsüchtigkeit entwickelt, bei der schließlich das Fernsehen, wie andere Massenmedien auch, durch seine bloße Existenz zum einzigen Bewußtseinsmittel wird und durch die Fülle der Angebote die Menschen ablenkt von dem, was eigentlich ihre Sache wäre und was sie eigentlich angeht."

Th.Adorno im Gespräch mit Hellmut Becker

Das Problem kann man ernst nehmen. Da wir aber letztlich keine Alternative haben zur Demokratie und zu Subjekten, die ihre Sache ernst nehmen, kommt es darauf an, ein Medium zu schaffen, das die Macht der Kulturindustrie bricht.

Genau genommen braucht man aber hierzu nicht mal viel zu tun, denn die Glotze verliert jedes Jahr 20 Minuten an das Internet und die Journaille ist im Grunde platt und erledigt. Letzlich wird sie daran scheitern, dass Angebote im Internet innerhalb eines Zeitraumes für ein Spezialthema ein ähnliche großes Publikum hat, wie die Journaille zu einem bestimmten Zeitpunkt. Damit werden Spezialangebote im Internet refinanzierbar und der Markt zersplittert sich. Das wird der Journaille letztlich das Genick brechen und dagegen gibt es auch keine Strategie, siehe die Journaille und die Volkswirtschaftslehre.

Die Ansichten der Erniedrigten und Beleidigten dieser Welt, also der Journaille und den an diese Angeschlossenen sind dem Autor bekannt. Im Internet ist nur Schmutz, Erotik und Verbrechen. Das verbuchen wir mal unter wishful thinking. An den Details kann man noch arbeiten, zweifelsohne. Das wäre auch eine sinnvolle Tätigkeit für die Ökokaste.

Inwiefern das konkrete Wissen um Sachzusammenhänge Wahlen beeinflussst, wissen wir auch nicht. Wir wissen eigentlich nur, dass ein immer größer Teil der Bevölkerung von der diffusen Meinungsbildungsmaschinerie durch die Journaille nicht mehr beeinflusst wird.

Offensichtlich hat sich, es gibt ja auch Positives zu berichten, der Meinungsbildungsprozess von den traditionellen Medien weg verlagert, anders ist der Erfolg der Piratenpartei nicht zu erklären.

Dass die VWL sich nicht dafür interessiert, inwiefern Wissen um ökonomische Sachzusammenhänge Wahlen beeinflusst, ist erstaunlich. Das hängt zum einen damit zusammen, dass sie ihre berufliche Karriere in der "Politikberatung" im weitesten Sinne sieht, also bei Verbänden, "Forschungsinsituten" und Ähnlichen, sowie in der Lehre, denn nur hierfür gibt es Geld. In ihren Interessen zeigen sich implizit ihre Einstellungen. Die letztlich entscheidende breite Öffentlichkeit gerät nur insoweit in den Fokus, wie man für die Beschallung selbiger Geld bekommt. Das Ergebnis der Beschallung ist irrelevant. Aus den gleichen Gründen spielt auch e-learning, freie Informationsplattformen und Ähnliches keine Rolle. Das ist nicht nur ziemlich kleinkariert, sondern auch nicht besonders innovativ. Denn tatsächlich bietet auch das Internet zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für VWLer.

Infos und Anmerkungen:

ES        DE

 

Volkswirtschaftlehre als Querschnittswissenschaft

Demokratie, Falsifizierung und Macht auf Zeit

Die Minnesänger der Freiheit irren

Keine Demokratie ohne Transparenz

 

infos24 GmbH